Prolog zum Teilgebiet 6 – Rechenschaftsbericht unserer Arbeit gegenüber LLUR & Unterer Naturschutzbehörde

Last Updated on 5. Januar 2024

Das SIEZ ® hat die Schutzgebietsbetreuung eines großen Stücks des südlichen Schleiufers vom LLUR übernommen. Dieses ca.20 km lange Gebiet begehen wir, sammeln Informationen & Eindrücke und schätzen seine Veränderungen ein. Wir bieten im Rahmen des kommunalen Campus der VHS Wasserexkursionen an, die lebhaftes Interesse finden. Darüber hinaus sind wir ständig zwischen Stexwig und Sundsacker mit Wasserproben, incl. Wassertemp., präsent und vor Ort und erstellen eine Kartierung der gewonnenen Werte auf unserer Homepage www.schleiinfozentrum.de. Ein sehr kleines Uferstück der Schlei, das Horn des Ornumer Noores, pflegt der Verein als „Orchideenwiese“. Hier wird im Herbst mit Maschine und Hand gemäht. Dies Jahr erfreute uns die Wiese mit reichlich Blutweiderich am Wassergraben neben den Orchideen.
Wir sind mit vielen Anliegern „vernetzt“ und werden über wichtige Veränderungen meist zeitnah informiert. Im Bereich Fleckeby sammeln wir mit Anrainern Plastik am Schleiufer. Hier haben wir mit dem Kulturverein zusammen einen künstlerischen Raubfisch in der Dorfmitte geschaffen, der den gesammelten Plastikmüll schluckt.
Eine Infotafel informiert über das Plastikproblem in den Gewässern.

Das Bild zeigt den vom SIEZ® und dem Kulturfleck gebauten Müllfisch vor dem „Valentinerhaus“ in der Dorfmitte. Beim ersten Schleimüllsammeln nahmen 23 Fleckebyer teil. Foto zeigt den Fisch vor der Befüllung.

Wir haben ein Forschungsfloß gebaut, um die Nährstoffrücklösungen aus dem Faulschlamm in den steigenden Temperaturen zu untersuchen und sind im Antragsverfahren der Liegegenehmigung bei der UNB und beim WSA.
Auf der Schlei und seinen Auen nehmen wir ständig Wasserproben auf ihrer Südseite und archivieren diese. Der Wasserkörper 2023 war geprägt von der Phosphatrücklösung der Faulschlammgründe auf den im Klimawandel erwärmten Gewässersohlen. (max. gemessene Wassertemp. Bienebek bei 2m Tiefe 24 Grad) Der Eintrag der Auen war geprägt von der Überschwemmung der Teichkläranlagen durch das Oktoberhochwasser. Hier schnellten die Phosphatwerte, z.B. in der Koseler Au, bis auf 5mg PO4 im November 2023 hoch. Aber auch die Sohlentemperaturen der Auen steigen und da die Auen der Schleiregion nur zur Regenzeit „wild“ sind und während der meisten Zeit ruhig & mit „Entenflott bedeckt“ riechen auch hier die Sedimente oft nach H2S. Hier liegt allerdings auch eine erste und machbare und kostengünstige Ansatzlösung für die Schleiregion: z.B. die Überschwemmungsgefahr der alten Teichkläranlagen, wie in Gammelby & Loose, zu beheben, die Einträge aus den diffusen Quellen zu mindern und die Auen wenigstens einseitig sich begrünen zu lassen um die Sohlentemperaturen der Auen zu mindern. Es besteht ein großer Unterschied zwischen 18 bis 22 °C und einer machbaren Temperatur von 12 °C in den Auenkörpern. (Dies stellten wir bei Begehungen/Befahrungen von Oxbek und Koseler Au in Stichproben fest.) Hohe Auentemperaturen bedeuten viel Phosphat.

Diesen Artikel betrachten wir als jährlichen Bericht unseres Informationsversprechens (Betreuungsauftrag) zum Betreuungsgebiet für LLUR & UNB. Darüber hinaus informieren wir die Öffentlichkeit über unser Büro in Fleckeby und unsere Homepage www.schleiinfozentrum.de. Diesen Rechenschaftsbericht kann man dort auch gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro erwerben.

Das Teilgebiet 6. Fleckebyer Bucht bis „Heidruns“

Die „Fleckebyer Bucht“ ist neben dem Teilgebiet 5 Stexwig bis Louisenlund ein großer Teil unseres Betreuungsgebietes der südlichen Großen Breite. Dieses Ufer ist eiszeitlich gesehen wohl ein Teil der vom Eckernförder Gletscher „ausgehobelten“ Bucht, die dann von einer späteren Phase der Eiszeit vom Schnaaper Sander „übersandet“ wurde. So herrscht Sand fast ohne Steine hier als Untergrund vor. Ein Stück Nordgrenze dieser Übersandung und gleichzeitig der Übergang zum lehmigen Moränenboden bildet die Koseler Au. Die Grundwasser des Schnaaper Sanders münden südlich dieser „Lehmgrenze“ in die Große Breite in einigen Metern Tiefe (ca.7m) um Weseby herum. (Eindrucksvolle Tiefensonarbilder zeigt das Gutachten zur Fließrichtung des Grundwassers auf der HP & das Faulschlamm-Inventar von Dres. Höft, Rickleffs, Schwarzer).
Das Teilgebiet 6 ist ein „Hotspot“ der inneren Schlei mit überwältigender Vielfalt & Schönheit. Das Gelände fällt zur Schlei hin sanft bis schroff ab mit tlw. kleinen Niederungsgürteln. Es münden Gräben und Auen in die Schlei, es gibt Strandseen, Sandstrand, sandige Steilküsten im Wandel zum passiven Kliff, eine Binnendüne mit Heidekraut/Ginstervegetation, magere Ackerböden mit einzigartiger Vegetation und Rote Liste Pflanzen und deren Faltern (Schoolbek), wildem Kerbtal mit Ansätzen zum Sumpfbruchwald, mageren Sandböden in Gülleüberdüngung, historische Wanderwege (der Kirchenweg nach Fleckeby) Eine unglaubliche Vielfalt! Ein Stück Schleiparadies.

Dieser historische Kartenausschnitt gibt einen guten Überblick über das Teilgebiet 6 vor der „Umlegung“ der Mündung der Hüttener Au zur Osterbek (Eine Mündungszusammenlegung der in den 70iger Jahren auf Verlangen vom Millionär Schrader forciert wurde und durch die Gemeindevertretung Fleckeby ging) – die Karte ist ein Geschenk an das SIEZ®

Wir unterteilen das Gebiet in fünf Teilabschnitte

6.1 Fleckeby bis zur neuen Mündung der Hüttener Au
6.2 Holmer See/Schoolbek/Binnendüne
6.3 Das Wesebyer Ufer
6.4 Die Missunder Steilküste
6.5 Das Gletschertor und die Niederung Kielfoot

6.1. Vom Eingang der Fleckebyer Bucht (Ecke Louisenlund) bis zur Mündung der Hüttener Au

Das Foto zeigt den Beginn der Fleckebyer Bucht und den Anleger Louisenlund

Im Hintergrund ist der Ziegeleiwald Borgwedels zu sehen. Davor das Gehölz Louisenlund. Bei dem Gebäude handelt es sich um das Bootshaus des Internats Louisenlund. Dann eine in Sukzession gegangene wohldrainierte kleine Niederung, ehemalige Salzwiese. In Louisenlund wurden mehrere Gebäude nicht nachhaltig (nahe der 3 Meter Höhenlinie) bis an den unmittelbaren Rand dieser Niederung erstellt und bereits beim Bau mussten die Pumpen laufen. Steigende Pegel wurden bei der Planung ignoriert. Was wird mit diesen Gebäuden in den kommenden Jahrzehnten? Der Klimawandel ist bei vielen noch nicht wirklich  angekommen. Die schöne Aussicht gilt mehr. Die kommenden Hochwasser im Klimawandel werden allerdings zur Besinnung aufrufen.

Es folgen die beiden Fleckebyer Häfen mit einem Stück Deich zur Sicherung der Hirschholmniederung. Das Foto zeigt Niederung und Totarm der Großen Hüttener Au. Der „Totensee“ befindet sich hier rechts am Schilfrand. Er ist 3000m2 groß, nach Fleckebyer Schnack soll er Tote bergen…im Sommer werden ihn samt seiner unerreichbaren kleinen Toteninsel erkunden…Das Mündungsdelta der Hüttener Au war nach Berichten Älterer Heimat der Europäischen Sumpfschildkröte Emys orbiculara. Finden wir im Totensee letzte Exemplar?
Es folgen also die beiden Häfen Fleckebys mit der umgeleiteten Hüttener Au. Hier ist von der ehemaligen Mündung nur der obige Totarm mit äußerst schlechter Sauerstoffversorgung geblieben. Im Sommer kommt es hier öfter zu kleineren Fischsterben. Der Sauerstoffgehalt sinkt dann unter 1,5 mg.
Wie kam es zum Deichbau beim Dreesbeimdiekehafen (Schraderhafen) und zur Umlegung der Hüttener Au? Wir befragten eine Ü80 Bäuerin: „Der Millionär Schrader wollte seinen Hafen. Hatte einen Hotelbau geplant. (Die Ruine Fellhorst steht vor dem Abriß) Solche Projekte gingen ohne Widerspruch durch die Gremien, man dachte sich derzeit nichts dabei. Keiner war dagegen. Arbeitsplätze lockten. War ja auch eine praktische Zusammenlegung von Osterbek und Hüttener Au. Auch sollte wertvolles Weideland geschützt werden…“ Wir zeigen in diesem Zusammenhang ein Bild der oberen Hüttener Au vom Oktober 2023. Von woher denn wollen wir überschwemmt werden in den Niederungen? Von vorn oder von hinten?
„Junge Leute“ (Umweltschützer) allerdings liefen damals von Tür zu Tür und sammelten Unterschriften dagegen. Aber gegen den übermächtigen B. konnte (und wollte) sich in Fleckeby sowieso niemand durchsetzen. Wenn man etwas bohrt, hört man immer mehr Details der Kritik gegen diese Maßnahmen. Die Zusammenlegung der Auen war also umstritten.
Auf das Gelände der Häfen folgen ein hügeliges kleines Kliff, ein Stück Niederung, dann der Hundespazierweg mit geschätzten Tonnen Hundekot am Wegrand (nitrophiles Weggrün) und die neue Mündung der Hüttener Au. Diese hat ein „eingerostetes“ Sperrwerk. Der Sinn dieser Maßnahme war der Schutz des inzwischen „wertlos“ gewordenen, verbinsten Grünlands unterhalb Fleckebys. Bei jedem Hochwasser läuft die Niederung voll. Das Sperrwerk wird nicht mehr betätigt. Neues „Sperrwerk“ und Hochwasserzeiger ist der Damm der B76.

Das Foto zeigt das Schöpfwerk Hummelfeld in der großen Hüttener Au

Das Oktoberhochwasser staute bis Hütten zurück. Es „pfeift“ auf den letzten Löchern, Ersatzteile für die Pumpen sind nicht mehr erhältlich und es sind nur noch wenige Nutzer, die eine nötige Neuanschaffung nicht finanzieren werden. Die Auen kehren zurück. 
Der Badestrand Fleckeby ist ein großer Magnet für die hundeliebenden Fleckebyer. Im Fleckebyer „Volksmund“ wird er der „Hundestrand“ genannt. Östlich liegt hier der Holmer See. Etwa 500 Meter oberhalb befindet sich die Gemeindegrenze nach Kosel. Es gab etliche Überschreitungen der Coli/Enterokokkenwerte an der „ehemaligen“ Badestelle. Das Wasser kommt aus der kleinen und großen Hüttener Au. Aber die Ursache dieser Fäkalkeimbelastung wurde nicht wirklich gesucht, obwohl das meßtechnisch ein Kinderspiel wäre. So wurde die Badestelle einfach als „Badestelle“ aufgegeben. Die letzte Wintermessung des SIEZ® am Einlauf der Au ergab vor Kurzem die 4 fache Höchstbelastung an Coli/Enterokokkenwerte. (AGROLAB) Wir informierten das Amt Schlei über diese Werte. Man antwortete uns nicht. Eine Verlegung der Badestelle als bemessene Badestelle in Richtung Kosel ist problematisch. Durch eine kombinierte Salinitätsmessung und Strömungsmessungen stellten wir fest: das in die Schlei einlaufende Süßwasser der Hüttener Au mischt sich sehr langsam mit dem Brackwasser der Schlei. Es gibt hier eine küstenparalelle Strömung von Fleckeby nordwärts in Richtung Weseby und Gletschertor. Erst langsam vermischen sich die Wasserkörper verschiedener Schwere & Temperaturen. Wir hatten solch einen großen stehenden Wasserkörper mit 1,5 Grad plus Temperaturunterschied vor Riesboer ausgemacht. Wir wissen so gut wie nichts über die Wasserdynamik in der Schlei. Wohl noch am meisten „wissen“ die Fischer; wir nehmen an, dass Süßwasserkörper der Au bei Strömungsstillstand am Gletschertor vorbeiziehen und bei Riesboer zum Stillstand kommen, weil die Strömung auf der Nordseite der Schlei sie dort ausbremst. Viel Schleiwasser nimmt den nördlichen Weg, Wasser vermischt sich langsam.

6.2. Holmer See, Schoolbek, Binnendüne

Paralell zur B76 laufend, einige hundert Meter nördlich und etwa einen Kilometer lang erstreckt sich ein Niederungstal, teilweise als Kerbtal: die Schoolbeker Niederung. Sie speist die Schoolbek. Diese mündet in den Holmer See. Wie mag wohl der schmale Grat zwischen Schlei und Holmer See entstanden sein? Früher hatte der Holmer See nicht nur den Ablauf in die Osterbek sondern direkt in die Schlei. Siehe alte Karte. Diese Mündung wird wohl beim Wegebau „Götheby- Fleckeby“ verschüttet worden sein. Ein alter pensionierter Fleckebyer Lehrer machte mich drauf aufmerksam. Steht man auf der hohen Binnendüne, Ginsterbewachsen auf magerstem Sand etwa 20 Meter über NN kommt einem die Vorstellung von nacheiszeitlicher Dünenerosion. Von Nehrungsströmung, von abtrennendem Schilfwachstum. Vielleicht alles zusammen. Von hier aus gesehen scheint der Holmer See ein Teil der Schlei zu sein. Der Holmer See hat knapp 7 ha Größe, ist ein Angelgewässer des Fleckebyer Angelvereins, moddriger Grund, ein Meter tief. Er nimmt das Wasser der Schoolbek auf und hat starken Karpfenbesatz mit Dütt & Datt (Sogar, man staune Forellen, was des Anglers Herz sich auf dem Haken wünscht) und eine natürliche Besiedlung von Brassen. Der See entwässert jetzt allein in die Osterbek durch ein „Karpfensperrwerk“.

In Schoolbek liegt feinster Sand des Binnensanders. Selbst kleinste Steine sind kaum zu finden. Die Schoolbek sammelt das Wasser dieser Niederung in magischer Schönheit. Als sumpfiger Bruchwald, extensiv als Weide genutzt. Ein Stück Urwald. Die Aue hier ist ungeräumt, in ständiger Veränderung auf einer Breite von 30 bis 5o Meter. Am Beginn des Schoolbektals ist ihr Wasser klar. Einst wurde sie zum Fischteich aufgestaut. Eine Wasserprobe ergab 12mg Nitrat aber ein Phosphatgehalt doppelt über der Meßgrenze, wohl bei 3mg/ltr. Alle Auen sind grad phosphatkrank.

Zwei Aspekte zu diesem Talsystem.

  1. Hof Schoolbek wird biologisch bewirtschaftet und beheimatet seltene Ackerkräuter, die nur auf magerstem Sand blühen und die auf der Roten Liste stehen. (Ackerbau auf 17 bis 20 Punkte Böden) Letzte Schätze der Biodiversität. Daneben wird versucht, ebenfalls auf diesem magersten Sand durch Biogassubstrate und Gülle und Kunstdünger ertragreich aufzudüngen. Damit Maiserträge und Kartoffelerträge stimmen. Der Kollateralschaden der wasserlöslichen Nährstoffe läuft in die Schlei. Mitten im Eiszeitmuseum von Binnendünen, Binnensander und Kerbtälern ein Stück verzweifelte Landwirtschaft auf Böden, die zu bewirtschaften in freier Konkurrenz viel zu mager sind.
  2. Die Grundwasserkörper hier sind bis Birkensee hydraulisch eng mit einander verbunden. Im Kiesabbaugebiet wird eine Giftmülldeponie der Klasse 1 geplant. Der Widerstand dagegen ist erbittert. Hier soll Brokdorfschotter eingelagert werden. Die Restradioakivität wird niemand genau kontrollieren/gegenkontrolieren und nur eine 2mm dicke PVC Folie schützt diese unvergleichliche Landschaft vor Befüllung & Fehlbefüllung. Allein so etwas hier zu planen garantiert schon die Fehlbefüllung und die Leckagen. Dann aber ist es für Jahrtausende zu spät. Alle Schleiliebe möge sich klar gegen diese Planungen stellen. Vielleicht ist nicht „Overtourism“ die Zukunft der Schlei, sondern die vollkommene touristische Meidung der Schlei in Schleswig-Holstein.

In einem Anflug von Schalk prüften wir vom SIEZ® den Salzgehalt von Holmer See und Schlei dort, wo einst Furt und Mündung waren. Stehen diese Gewässerkörper immer noch im Austausch? Ebenfalls untersuchten wir den Nährstoffgehalt hier:

Das Wasser des Sees ist „sauberer“ als das der Schoolbek. Der Nitratgehalt unterhalb unserer Meßgrenze von 6mg! Der PO4 Gehalt bei 0,36mg/ltr. In etwa ein Zehntel des Bachwassers. Durch den Strandwall kommt keine Salinität in den See! Sein Oberflächenwasser war mit 6,1 °C zur Weihnacht 2023 aber 3 °C kälter als das Schleiwasser, das passt und kehrt sich im Sommer um.

Die alten Bezeichnungen der Hügel um Weseby zeugen von alter, armer Bewirtschaftung: z.B. der „Buchweizenberg“. Später dienten diese sandigen Erhebungen zur Gewinnung reinsten Bau und Füllsandes. Dem geübten Auge erzählt die Topographie viel über die Siedlungsgeschichte.
Auf einem dieser Sandhügel finden wir das Gelände des Kreisjugendverbandes Schleswig mit sanfter Sommernutzung, ein Pilzhotspot mit guten Pfifferlingvorkommen etc. und einen Strandsee mit schmaler Öffnung zur Schlei. Hier haben wir vom SIEZ® einmal ein Höhennivellement zur Sanddüne hin gemacht: die Binnendüne liegt 18,3m über der variablen Seenoberfläche.
Dann kommen wir zum Teilgebiet 6.3. Das Wesebyer Ufer.

Das Bild zeigt den westlichen Rand des Schoolbeker Kerbtales darunter der Bruchwald, die Au, nach einer Bäuerin des Tales die schaale, schoole Bek = Schoolbek. Sie führt geschmacklich vortreffliches, kalkfreies weiches Wasser
Das Foto zeigt Reste eines „Schoolbeksperrwerks“, wohl zur Bildung eines Forellenteiches vor sehr vielen Jahren
Das Bild zeigt die ehemalige „Mündung“ des Holmer Sees in die Schlei, den aufgeschütteten Strandweg bei der alten Mündung des Sees in die Schlei, eines der Sandhügelchen und das Louisenlunder Gehölz im Hintergrund. Der Holmer See war einst ein Stück Schlei!

6.3 Das Wesebyer Ufer

Seit Jahrzehnten ist Weseby eine bevorzugte und teure Siedlungsstelle an der Schlei. Weseby stellt Keitum auf Sylt in den Schatten.

Das Bild zeigt den abgerissenen Kartoffelhof

Auf einen „echten“ Einwohner/Haus kommen gefühlt hunderte von Ferienhütten. Genau ist das Verhältnis ca.30 Häuser bewohnt zu 70 Ferien“hütten“. Ist das nicht ein Ausverkauf der Schleilandschaft? Was aus riesiger Blutbuche und altem Hof geworden ist zeigt das nächste Foto, aufgenommen von identischer Stelle. Aber ohne Blutbuche. Für die durften auf dem Bolzplatz Bohnert Ersatzspargelchen gepflanzt werden. Von denen 2 bereits wieder eingegangen sind. So etwas heißt dann Ausgleichsmaßmahme und ist in Wirklichkeit höhnisches Lachen zur Fällung ortsprägender wunderschöner „Säulen des Himmels“.

Urbanes Wohnen an der Schlei

Die Vorgärten: Robotrasenmäherfähig. Die Schleidörfer verlieren ihren alten Charme. Kein Platz für Selbstversorgungsgärten mit blühenden Obstbäumen & wildem Holunder. Das wird unbezahlbar und unerwünscht. Nachhaltigkeit wird zur Floskel. Die „neuen“ Wesebyer halten in der Freude über den bevorzugten Siedlungsort gut zusammen. Als das SIEZ® im alten Stall von Goos ein kleines Schleimuseum aufbauen wollte, den Stall so belassen wie seit Jahrzehnten mit einem Parkplatz vorm Dorf, hatten wir plötzlich viele gegen uns. Es kommen neue Menschen, Städter. Wir gaben den Plan auf. Das Millionenobjekt „Alter Gooshof“ wird das gleiche Schicksal ereilen wie der Kartoffelhof oder der Pinnhof in Hülsen. Das Schleiufer gehört nun mal fest in die Hand Hamburger Millionäre wie Sylt ja auch. Dann Sand vorspülen, Deiche und Sperrwerke bauen. Die „Allmende“ zahlt. (Diese bissigen Bemerkungen sollen Denk und Fühlanstöße sein, wir werden in einigen Jahren berichten.) Dort am Wesebyer See, vor dem alten Stall, an der Hausecke Holunder, fallen mir Zeilen von Eduard Möricke wieder ein:

Kinderlied für Agnes Hartlaub

Dort an der Kirchenmauer
Da sitz‘ ich auf der Lauer
Das sitz‘ ich gar zu gern
Es regt sich im Holunder
Es regnet mir herunter…Rosin und Mandelkern…

Kleines Steilufer auf dem Weg zum passiven Kliff, mit Ginster bewachsen
Treibselstreifen mit Federn, Plastik, Kammlaichkraut
Strand, wenn er nicht betreten wird, ist Samenbank
Waldgeißblatt erobert das passiv gewordene Kliff
Messung des Salzgehaltes am Strand vor Wiseby
Hier beginnt der Missunder Wald, das passiv werdende Kliff, unser Messgebiet 6.4

6.4. Der Missunder Wald

Das vorhergehende Bild zeigt das Missunder Kliff, eine Steilküste aus Sand. Mit dem Aufkommen von Kammlaichkraut, also der Verbesserung der Wasserqualität der Schlei durch die Nachklärung der Siedlungsabwässer, etablierte sich vor der Steilküste ein Schilfgürtel, der das Kliff schützte, die umgefallenen Bäume dienten als Wellenbrecher. Heute kann man nicht mehr von einem aktiven Kliff sprechen. Der bei Hartwind erodierte Sand allerdings vergrößerte die Bioaktivität der Schleisohle immens. Wir fanden beim Stechen von Faulschlammsedimenten immer mal wieder eine dünne Schicht Sand, etwa 5 mm stark, die dann wieder von Faulschlamm bedeckt wurde. In dieser Sturm-Sand-Schicht befanden sich winzig kleine Sandklaffmuscheln und Herzmuscheln.
Etwa 1898 begann die Gutsverwaltung Ornum die landwirtschaftlichen Flächen des heutigen Missunder Waldes aufzuforsten. Zuerst wurden 40 Hektar aufgeforstet, dann immer mehr. Es ist ein besonderes Erlebnis durch solch einen warmen Sandwald zu gehen. Er duftet harzig. Der Wald ist sehr beliebt bei Spaziergängern, E-Bikern, Geocatchern, Waldäufern, Wildcampern, Hundespaziergängern usw. Ein Spaziergang am Sonntag nach den Feiertagsessen gehört in der Umgebung einfach dazu.
Bei der Begehung der Halbinsel Kielfoot traf ich auf das Försterehepaar, die auch Waldbesitzer hier sind. Sie baten mich (wir hatten zeitversetzt Forstwirtschaft in Göttingen studiert) trotz Begehungsberechtigung durch die Behörden) den alten Steilküstenweg nicht zu benutzen wegen des „Schlechten Beispiels“. Sie fühlen sich gestreßt durch die starke Öffentlichkeit und der zahlreichen Interessen hier. Wir führten ein langes Gespräch. Mir wurde klar, dass wir solche bewahrenden und Aktivitäten bremsenden Kräfte wie diese Waldbesitzer bitter nötig haben. Im Wald wird schwarz gezeltet, es findet sich jede Menge Müll, das sandige Kliff wurde als herrliche Rutschbahn benutzt, ein Abenteuerspielplatz. Hunde laufen unangeleint herum. Wild wird aufgescheucht, Waldläufer treten neue Wege aus. Das stimmt. Die Masse machts. So verzichtete ich auf eine erneute Küstenbegehung hier, obwohl auch ich unzählige Male dort war. (Siehe auch Artikel 2017 in Begehungsberichte)

Wir haben zu lernen, dass wir in der mobilen und digitalen Massengesellschaft nicht alles machen sollten, was wir machen können und dürfen. Dass wir beginnen Eigenverantwortung gegenüber der Schöpfung zu ergreifen. Ein wenig Demut und Bescheidenheit wäre angebracht.
Das Försterehepaar gestaltet den Wald um. Früher bestand er nur aus Nadelwald. Beim Sturm hörte man die Wurzeln knallen, bevor die Stämme fielen. Die Eiche aber wurzelt tiefer und liebt den Sand, auch der Ahorn erobert den Sandwald.
In den 60 iger Jahren schon versuchte die Gutsverwaltung Ornum den Küstenweg zu sperren. (Kirchenweg für die Wesebyer und Missunder Bevölkerung nach Fleckeby) – Ornum kam nicht damit durch. Dann erfolgten in den 90iger Jahren weitere Versuche der neuen Waldbesitzer, den Kirchenweg zu sperren. Wesebyer und Missunder wehrten sich wieder vehement und erfolgreich dagegen.
Die jetzige Wirklichkeit aus Sperrung und Übertretung der Verbotsschilder ist ein Kompromiß. Wir haben nun mal viel zu wenig Wald im Land. Die erhabene Größe von Wäldern, in denen man sich verlaufen kann, lernen unsere Kinder kaum mehr kennen. Wir und unsere Kinder brauchen aber Walderlebnisse. Das ist die eine Seite. Der zunehmende, manchmal brutal werdende Tourismus (Von wegen sanfter Tourismus, oft hat man den Eindruck: das sind auch Ballermanntouristen, tlw. digital ausgerüstete übergewichtige E-Biker, die mit ihren SUV Panzern anrollen und dann vorfahrtberechtigt durch den Wald knallen) läßt mich die Waldbesitzer immer mehr verstehen. Der Waldbesitzer beschwerte sich beim Bürgermeister der Gemeinde Kosel, einem Landwirt: Ihr habt doch Regelungen mit Großvieheinheiten pro Hektar. Warum haben wir im Wald nicht auch so etwas? Da ist ein Konflikt im Gang, von dem wir Wunderbares lernen können. Alle Seiten.

Das Gletschertor

Die Niederung Kielfoot beherbergte ein im Mittelalter „untergegangenes“ Dorf: Kiel. Kielfoot bedeutet Kiels Fuß. Hier ist wohl das 500 Jahre abtauende Eis der Breiten in die mittlere Moor und Seenlandschaft der Schlei durchgebrochen. Die der Breite zugewandte torfige Niederungsseite erodiert mächtig. Der Betonsockel der Scheinwerferstellung aus dem Weltkrieg liegt bereits 100 Meter seewärts.
Die Spitze der Niederung ist seit knapp 10 Jahren abgetrennt. Da konnte man noch rüberspringen. Wir durften die neu entstandene Insel nach der Bürgermeisterin Ulsnis und Gründungsfrau des SIEZ® Heidrun Karaca mit Einverständins des Eigentümers „Heidruns“ nennen. Es wird nicht lange dauern bis auch Folkeboote hier durch segeln können. Jollen können es bereits jetzt. Bei Flachwasser war die Furt bauchnabeltief und maß 30 Meter Breite. Die Niederung wird extensiv beweidet. Die Kiter, die hier ihr Paradies gefunden haben vertreiben allerdings das Federvieh, machen das Vogelparadies vogelleer. Es kommt etwas auf die Schlei zu mit zunehmendem Tourismus, der grad beliebiger Massentourismus wird.

Niederungserosion im auflandigen Wind

Ende des Berichtes

SIEZ® , im Dezember 2023

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