Die Schlei im Frühjahr & die Geschichte des Rechts

Die Schlei im Frühjahr & die Geschichte des Rechts

Die Sichttiefen im Schleiwasser gehen im April stark zurück. In der Nähe Finstersterns, bei Tonne 61 hatten wir im Winter Sichttiefen von 1,70 m bei Wassertemperaturen von 0-2 °C. Nun sind es bei Tonne 61 nurmehr 85 cm bei 8,1 °C und überreichlichem Sauerstoff in allen Wasserschichten.
Die während des Winters und im Frühjahr im Schleiwasser angereicherten Nährstoffe, Sonne und Wärme lassen jetzt bei zunehmendem Licht & Wärme die Grünalgen wachsen. Das mindert die Sichttiefe. Später sterben die Algen ab, bauen sich auf dem Grund unter Sauerstoffverbrauch ab; neuer Faulschlamm entsteht.
Das Schleimassenwasser bei Königsburg hatte folgende Werte, die wir wieder bei AGROLAB Kiel untersuchen ließen: Nitrat NO3 im Januar von 7,3 mg/l sinkt  auf 4,1 mg/l Mitte April 2021.

Der PO4 Gehalt steigt (bleibt konstant) auf 0,24 mg/l. (Im Januar 0,22 mg/l  am  selben Ort).

Das Steigen (Bleiben) des Phosphatgehaltes rührt bei den hohen Sauerstoffgehalten über  Grund und Temperaturen von 8,1°C nicht von der Rücklösung her, sondern von den hohen momentanen Einträgen aus den Auen und diffusen Quellen. Der Rückgang beim Nitrat entspricht dem Verbrauch durch die Grünalgen und korreliert mit dem starken Rückgang der Sichttiefe.

Die Schlei blüht innen wie außen

Neuer Faulschlamm entsteht. Die Nährstoffkonzentration liegt beim Phosphor über den Werten der Neunziger Jahre. Beim Nitrat leicht drunter. (Landesamtwerte der langjährigen Untersuchungen).
Von hohem Interesse ist die Ganglinie der Phosphatkonzentration im Schleiwasser zwischen Düngung und Rücklösung und Verbrauch. Der Betrieb des Forschungsfloßes allein kann darauf Antwort geben.

Vermüllung an der Schlei (Foto: Dieter Beyer)

Wir haben die Nährstoffwerte der Auen gemessen: die Schwastrumer Au hatte am 15. April 27mg Nitrat und 0,839mg/l PO4. Die Au ist auf dem Weg zur Schwonsburg stark vermüllt.
Die Petribek zeigte 23,5 mg/l Nitrat und Phosphat über der Nachweisgrenze von 1,5 mg/l PO4. Dieser hohe Phosphatwert verteilt sich auf das marode Klärwerk Rieseby und die Düngungen. Wir wollten die jeweiligen Anteile nicht näher ausmessen, denn das Klärwerk Rieseby steht ja vor der längst überfälligen Modernisierung.
Die Koseler Au hatte bei den Nitratwerten diesmal die Krone auf mit 90,8 mg Nitrat bei niedrigem Phosphatwert von 0,17 mg/l. Solche Messungen sind ja immer Momentaufnahmen, vielleicht wurde im Umfeld gerade gegüllt. Die Norby Au hatte 70,8 mg Nitrat und auch der Phosphor lag über der Messgrenze. Hier haben wir die Verdünnungsmethode gewählt und kamen damit auf einen Phosphatgehalt von 2,46 mg/l. Da die Au durch mein Dorf fließt, hole ich das Auwasser als Düngekonzentrat fürs Gewächshaus. Trinkbar ist das Wasser nicht.

Die Hüttener Au bei der Tankstelle hatte 40mg Nitrat und 1,367 mg/l Phosphat.

Die Osterbek bei der Wassermühle 60,4 mg/l Nitrat und 0,831 mg/l PO4. Jeweils mit einer zusätzlichen Kontrollmessung und dem Söll Photometer gemessen.
Die Frühjahrsdüngung mit Gülle und Kunstdünger in der Landwirtschaft ist in vollem Gange. Dazu kommen die Einträge der Klärwerke. Die hohen Nitratwerte um diese Zeit sind bekannt, die hohen Phosphatwerte deuten auf sehr viel Gülle hin.

Wie sind diese Umweltbeeinträchtigungen eigentlich rechtlich zu werten?

Auch das Recht und seine Veränderung im Wandel der Zeit ist ein Informationsobjekt (Schleiinformations und Erlebniszentrum SIEZ®) für uns. Einige Schleifreunde haben mich wegen dieses Exkurses kritisiert. Das finde ich schön, Kritik bedeutet Teilhabe. Noch mehr Teilhabe führt dann zur lebendigen Debatte mit eigenständigen Beiträgen für unsere Homepage. Darauf freue ich mich riesig.
Prof. Dr. Uwe Wesel untersucht in seinem Buch „Die Geschichte des Rechts“ (Beck 3. Auflage) die Entwicklung der Rechtsprechung über die Jahrtausende. Noch vor der Entstehung des „Privateigentums“ und damit in der Folge der „Eigentumsrechte“ in nicht sesshafter Zeit (etwa zur Flutung der Schleifurten) regelte das Recht vor allem Mord, Totschlag und Inzest. Der Inzest wurde von den Gesellschaften (von den Pygmäen über Mitteleuropa bis zu den Eskimos) langsam durch Inzestdepressionen erkannt, verstanden und dann als „privates“ Vergehen am gesamten Stamm gesehen. Deshalb galt als Strafe der Ausstoß aus der Gesellschaft. (Becksche Ausgabe S.27 beschreibt den Inzest von „Kelemoke“ an seiner Kusine, ein Pygmäenkonflikt) Es brauchte Jahrtausende bis menschliche Erfahrungen Niederschlag in Religion und Recht einfanden. Gerade findet die Ökologie langsam Eingang ins Recht, nachdem die Gesellschaften die Folgen der Industrialisierung zur Kenntnis nehmen. Vor 100 Jahren etwa entstand das Naturschutzrecht in Deutschland zum Schutze nationaler Naturdenkmäler, 1957 das Wasserhaushaltsgesetz und um die Jahrtausendwende die Wasserrahmenrichtlinien.

Was schützen diese Rechte?

Sie schützen den weiteren menschlichen Gebrauch der Naturressourcen. Die Grundlage der Ökologie geht in unsere Rechtsprechung noch nicht ein, dass die Ökosystem (man nennt es auch Vielfalt) ein eigenständiges Recht auf Existenz haben.
Ein gutes Beispiel ist die Rede des Häuptlings Seattle (Walter Verlag) aus dem Jahr 1855 vor dem Präsidenten der USA zum Abkauf der Indianerjagdgründe:

 „Glänzendes Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt, ist nicht nur Wasser, sondern das Blut unser Vorfahren. Die Flüsse sind unsere Brüder, sie stillen den Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder. Die Luft ist kostbar für den roten Mann, denn alle Dinge teilen denselben Atem.“

Im Gewässerschutzrecht (ich zitiere aus Prof. Dr. Klöpfer „Umweltschutzrecht“ neuste Ausgabe 2019, Beck, S. 425) „Das Umweltrecht muss dafür sorgen, dass eine Gesellschaft quantitativ  über genug und qualitativ über hinreichend gutes Wasser verfügt.“
Zwischen diesen beiden Positionen liegen Welten! Das Gewässerschutzrecht kennt die Ökologie noch nicht.
Die Vergiftung des Schleigrundes beim Wikingturm war straffrei. (Nulla poena sine jure = keine Strafe ohne Gesetz) Auch die Erzeugung von Faulschlamm auf dem Schleigrund und die Vergiftung der Auen sind straffrei, weil nicht wirklich nachweisbar und „wen schädigt man denn da überhaupt.“
Auch bei der Betreibung kommunaler Klärwerke vertraut die Gemeinschaft auf die Selbstkontrolle im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung. Ich zitiere Dr. Moritz Leutner (Das Recht der Abwasserbeseitigung und die nachhaltige und an den Klimawandel angepasste Entsorgung von häuslichem Abwasser, Doktorarbeit NOMOS 2016, S. 107) …“Die Regelung …der Abwasserbeseitigung berechtigt die Gemeinden  daher grundsätzlich nach ihrem autonom gebildeten Gestaltungswillen frei und ohne staatliche Einflussnahme über das Ob und die Art und Weise der Erfüllung der Aufgabe (Abwasserbeseitigung) entscheiden zu können.“
Das Leben in den Ökotopen hat keinen Vorrang und somit keinen eigenständigen Schutz auf Unversehrtheit.  Als menschliche Gesellschaft sind wir  mit unserer Rechtsprechung noch nicht bei der Ökologie (und den inzwischen ausgerotteten Indianern) angekommen. Das findet sich auch in der Klimadebatte wieder, die nicht auf die Unversehrtheit der Schöpfung abzielt, sondern auch die kommenden Nutzungseinschränkungen für die menschliche Gesellschaft, m.E. zu kurz gesprungen. Wir sind langsam. Da bleibt viel Luft nach oben.
Hoffentlich kann der Verein mit diesem Diskurs des Vorsitzenden leben.
Ja, das SIEZ® baut das Forschungsfloß und ist im Antragsverfahren dazu. Im Juni hallt der erste Hammerschlag über die Salzwiese. „Schaun wir mal“. Von den vielen Schwierigkeiten zu berichten wäre müßig und wenig humorvoll.
Es bahnt sich auch eine Zusammenarbeit mit dem Geomar/Helmholtzzentrum an und mit der Christian Albrechts Universität & Stiftungen. Somit wird das Forschungsfloß von den hochrangigsten Experten Norddeutschlands/Nordeuropas betreut werden. Wir werden auch dem IPPC mit Klimadaten hilfreich sein. Dem SIEZ®wird die nötige Vernetzung & Verantwortung zugetraut.

„Wir schaffen das und kommen einem Brackwasserinstitut einen Schritt näher“

Auch die Ablehnung der Jamaikakoalition wankt. Die CDU in der Koalition versucht uns jetzt zu helfen. Wir brauchen auch eure Spenden, auch kleine Beträge. Der Vorstand bereitet moderne digitale Spendendosen vor.
Ja, auf unserer „Orchideenwiese“ blüht das Löffelkraut und Scharbockskraut und Löwenzahn und Sumpfdotter machen das Frühjahr eidottergelb und himmlisch schön!

Das Bild zeigt die angestrebte Position des Forschungsfloßes: Finsterstern, auf dem Sand der Breitengründe, aber näher am „Salzstreuer“ der Ostsee, ein perfekter Brackwasserstandort (Foto K.Walther)
Sumpfdotterblumen (Caltha palustris) am Orchideenwiesengraben (Foto: K. Walther, Mai 2021)

                                                           Verantwortlich für den Inhalt: Karl Walther, Vorstand SIEZ®

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Erinnerungen von Christine Hansen über Peter Hansen und über die letzte Dampferlinie

Erinnerungen von Christine Hansen über Peter Hansen und über die letzte Dampferlinie

Das SIEZ trauert um Christine Hansen. Vor einigen Jahren lernte ich sie bei den Recherchen über die blaue Dampferlinie kennen. Dies Büchlein gibt es beim Vorstand des SIEZ immer noch zu kaufen. Christine war die letzte des „Hansenclans“ und Tochter des Gründers der Blauen Dampferlinie. Ende Oktober 2020 trafen wir uns zu einem Gespräch, das ich aufzeichnen durfte. Leider kommt es nun nicht dazu, daß ich Fotos machen durfte von ihren Erinnerungsstücken des Schiffskapitäns Peter Hansen, der Anfang 1800 als Matrose und dann als Kapitän die ganze Welt besegelte und eine gewisse Rolle beim Schleswig-Holsteinischen Aufstand gegen die Dänische Blockade 1848 spielte. Seine Nachkommen gründeten die Blaue Dampferlinie. Christine bestellte einen ganzen Karton Destillate für ihre Weihnachtsgeschenke bei mir, die ich verabredungstreu am 22.November 2020 bei ihr vorbei brachte, an ihrem Todestag. Sie konnte die Tür nicht mehr öffnen und ich stellte den Karton auf ihre Ruhebank vorm Haus. Auf die nicht mehr zu erwartende Bezahlung verzichte ich im Andenken an sie gerne. So geht das Leben.

Lesen Sie hier das verschriftlichte Interview mit ihr, das wir wegen vieler privater Bemerkungen nicht als Audiodatei veröffentlichen. Was ich nicht fotografieren konnte? Einen Dolch & einen Säbel, den Peter Hansen geschenkt bekam. Wenn Christines Geschichte stimmt, sollte ein Teil der Schleswig-Holsteinischen Geschichte umgeschrieben werden. Peter Hansen gründete in Westafrika einen afrikanischen Zweig der Familie Hansen und seine Söhne einen australischen Zweig. Dem amerikanischen Präsidenten rettete Peter Hansen nach seiner Urenkelin „den Arsch“ in der Schlacht in New Orleans gegen die Briten. Der Präsident schenkte ihm daraufhin weite Ländereien in Amerika.

Christine Hansen berichtet

Das da auf dem Foto im blauen Buch, das sind meine Großeltern, August Christian Hansen und Frau Friederike, geb. Möller in der Privatstraße 8 in Kiel. Sie stammte von der Brauerei zur Eiche. Alle Männer in unserer Familie haben spät geheiratet. So gehen die Generationen ineinander über. Ich von unserer Generation bin die letzte und der erste der nächsten Generation ist nur ein Jahr jünger als ich, die dann folgt.

Peter Hansen war ein „plietscher Kerl“. Heute war er superreich, morgen schon wieder mausearm. Er sagte: meine Taschen haben ein Loch. Ich kann reinstopfen, was ich will, bald schon sind sie wieder leer. Ein Lebemann aber war er nicht. Er hat viel Gutes gemacht. Mit Schiffen ist es genauso wie mit Pferden: da kannst du viel gewinnen und genauso dein Geld wieder verlieren. Mal hatte er nen Schiff, mal war er angestellter Kaptän. Er war ein Hasadeur.
Ja, er hatte viele Frauenbekanntschaften unterwegs. Aber das war ja normal. Er muß eine sehr großzügige Frau gehabt haben, die stammt aus Lübeck, aus Gotmund. Da, von den echten Goten, ist das eine von. Das war die Frau von Peter Hansen.
Als er von dem afrikanischen Häuptling eine Frau geschenkt bekam, hielt er Rücksprache und sie hat sie das akzeptiert.
Zu dem Geschenk dieser Häuplingstochter kam es so: er hatte Menschen für Amerika geladen als Sklaven. Als er das mitbekam, segelte er sofort zurück nach Freetown und der Häuptling dort war sehr glücklich und beschenkte ihn mit dieser Frau, seiner schönsten Tochter.
Seine Söhne waren auch Kapitäne. Man unterhielt Geschäftsbeziehungen nach Australien. Auf dem Weg nach Australien haben die Söhne und er einen Zwischenstopp in Sierra Leone in Freetown gemacht. Da hat man das Salz der Sapi geladen und unterwegs verkauft. Davon haben viele Hansens gelebt, auch die Frau aus Sierra Leone mit ihren schwarzweißen Kindern. Und das nicht schlecht. In Portugal hatte er das gesehen, wie das Salz eingetrocknet wurde und hat das in Westafrika angewendet und weiter gegeben.
Man war in Angeln ja bereits frei von der Leibeigenschaft, da konnte er als Freier das Grundstück gegenüber von Arnis kaufen, da in Amalienburg hat er dann gebaut, so viel Geld hatte er von seinen Reisen über.
Immer wenn er Geld brauchte, kriegte er das zusammen, da war ja dieser schreckliche Krieg zwischen der Freiheitsbewegung und den Engländern in Amerika 1815. Er war auf der Seite der Freiheitskämpfer und bekam für seine Tätigkeit unheimlich viel Land in Iowa geschenkt und auch die amerikanische Staatsangehörigkeit. Das war der Sieg der Unabhängigen gegen die Briten in New Orleans. Dorthin wanderte eine seiner Töchter aus. Die war in Deutschland mit einem sehr reichen Mann verlobt aus Rothensande, ein Blessmann. Die gingen nach Iowa und der wurde dann Stadtkämmerer von Des Moines, der Hauptstadt von Iowa. Die Hansentochter starb und die neue Frau luchste der Altfamilie und den Hansenenkeln alles ab.

Die Söhne von Peter waren unterschiedlich erfolgreich. Da war ein Hans Wilhelm und ein August Christian, alle waren sie Kapitäne. Einer starb früh als Lotse in Australien, er wurde vom Blitz erschlagen. Einer wurde in Indonesien von den Hottentotten aufgefressen. Einer gründete eine australische Niederlassung der Hansens. Mit denen hat meine Familie immer noch Kontakt.

August Christian war der erfolgreichste von Peters Kindern. Er war erfolgreicher Reeder und Kapitän. Er lernte eine Möller kennen, die hatten einen Baustoffhandel in Kiel. Die Familie kaufte ein Grundstück, da wo später die Kruppsche Werft war, in Ellerbek. Halle 400, wenn ihnen das etwas sagt. Als Preußen immer weiter aufrüstete, wurden wir enteignet und nach Wellingdorf umgesiedelt.Da waren drei Kinder und August Christian und Frau. Da kam die neue Kalkbrennerei hin und der Handel. Das ist da, wo jetzt Geomar ist, das gehörte uns.

A.C. Hansen kaufte dann jemandem die Fährlinie von Wellingdorf nach Kiel ab.. Das lief gut. Er starb 1902.
Mein Vater, der Sohn von A.C. wollte das mit den Schiffen hochhalten. Aber es war das Schlimmste, was passieren konnte. Ein ewiges Zusatzgeschäft. Da sind unsere Elmschenhagener Ziegeleien bei drauf gegangen, zwei Ziegeleien.

In den Dreißiger Jahren kaufte mein Vater die Kreisschifffahrt auf der Schlei. Bei den Hansens kamen die Kinder immer sehr spät. Ich bin von 1941. Vater fühlte sich mit der Schifffahrt sehr verbunden. Auch er hatte ein Kapitänspatent.
Die Blaue Dampferlinie war Dreh- und Angelpunkt der Schlei. Da war ja nix los. Die Linie war die Verbindung nach Kiel. Deshalb bekamen wir nach dem Krieg von den Briten schnell die Lizenz für die Linie Kiel-Schleswig zurück. Über Land ging da ja nix. Am Freitag nachmittag ist man von Kiel los und war am Sonntagabend zurück in Kiel. Da waren unzählige Bedarfshaltestellen. Ich kann mich an Kitte Köster erinnern, den Ausrufer unserer Linie. Ein netter, uriger Kerl. Er kündigte unsere Abfahrten in den Straßen von Schleswig, Arnis und Kappeln an. Auch die Badefahrten nach Schleimünde. Aber nicht nur das. Ich erinnere, wie er in Arnis auch die neuesten Nachrichten der Zeitung ausrief: bimmelimmeling…die neusten Nachrichten, meine Damen und Herren…
Da standen sie alle in Arnis und haben aufgehorcht.
Oh Gott, war das ne Zeit.
Na ja, das letzte Stück Krieg haben wir Hansens in Arnis verbracht.
Unser Betriebsgelände in Kiel war ja von vorbildlicher Ordnung.
Da haben die Bomberpiloten an eine militärische Einrichtung gedacht.
Bomben fielen zuhauf.
Eine traf den Pferdestall unseres Speditionsbetriebes.
60 Pferde kamen in den Flammen um, schrecklich.
Wir hatten eine Schute, die lag bei Alfred Eberhard auf der Werft in Arnis.
Schnell wurde die provisorisch zum Wohnen ausgebaut.
Dort haben wir erbärmlich gewohnt.
Die Arnisser hatten ja alles: Garten, ihre Kaninchen, ihr Schwein.
Wir Hansens hatten nix.
1948 sind wir mit der Schute nach Wellingdorf zurück.
Die Fahrt war schrecklich. Der Boden der Schute war aus Holz, undicht.
Wir durften nur auf einer ausklarierten Zwangsroute im Konvoi fahren wegen der Minen.
Die Engländer begleiteten uns.
Auf einmal machte es Bumm und ein Fischkutter des Konvois war auf eine Mine gelaufen.
Ging in die Luft, schrecklich!
Die waren alle tot.
So kamen wir zurück nach Wellingdorf.
2 Pferde gabs da noch und einen alten LKW mit Glühkopfmotor.
Und wissen sie was, der wurde uns doch tatsächlich auch noch gestohlen. Aber ein Kunde von uns erkannte das Fahrzeug am Gewummer. Schwang sich auf die Ladefläche, gab den Dieb bei der Polizei ab und wir bekamen die Cheese wieder.
Mein Bruder lebt ja noch. Er konnte diesen Motorenklang nachmachen. Er konnte alle unsere Schiffsmotoren nachmachen und am Klang erkennen. Er hat es schwer mit dem Leben, eine Zangengeburt, vieles konnte er nicht, aber das konnte er.
Auf See, man sah das Schiff gar nicht, BöbbBöbbBöpp, er wusste, wer da kam.
Es war ein ewiges Zusatzgeschäft, die Schleischifffahrt. Die 60iger Jahre waren hart. Wir mussten die Brücken unterhalten. Die Bischofflinie war frech. Für sie florierte das und sie kauften aus Eckernförde noch ein Schiff dazu. Die fuhren unsere Brücken eine Viertelstunde früher an, kassierten unsere Passagiere ein, aber hatten keine Brückenkosten wie wir.
63/64 waren harte Winter mit LKW‘s auf der Förde noch im März/April. Von den Hilfsgeldern der Regierung bekamen wir nix, aber die Bischoffs. Wir blieben auf 96 Tausend Mark Lohnkosten ohne Gegeneinnahmen sitzen.
So gaben wir dem Landrat Klaus Kühl aus Angeln die Brücken zurück und stellten die Linie Ende der 60iger ein.
Ich war im Betrieb Mädchen für alles, die Tochter vom Chef eben.
1969 stellten wir auch die Fördelinie Neumühlen – Seegarten ein. Wir hatten durch die Misere mit unserer Schifffahrt viele Bankschulden. Deshalb mussten wir Immobilien und Grundstücke verkaufen.
Nur dieses Haus, in dem ich jetzt wohne, ist geblieben. Zum Heiraten bin ich nie gekommen. Da war immer zuviel zu tun.
Aber wir hatten es auch schön. Bei Eberhards lag unser Norwegischer Spitzgatter, 60 Quadrat allein das Großsegel. Damit waren Vater und ich viel unterwegs, nach Thurö hoch und Langeland, überall hin auf der Ostsee. In den Dänischen Häfen ging die Buddel rum, wenn wir einliefen:
„Oh, August Hansen kommt“ hieß es dann. Wir mochten die Dänen, die Dänen mochten uns.
Einmal hörte ich beim Segel hissen ein Gebrüll. Das war mein Vater. Er war mit seinem goldenen Ring in einem Segelbeschlag hängen geblieben und stieg jetzt mit dem Groß am Mast auf.
Ich war ja man nur so eine „Spinnenmaus“. Langsam fierte ich das Segel. Aber den Ring von Vater, den mussten wir auftrennen, denn der Ringfinger wurde dick.

Die Bilder unserer Yacht habe ich noch im Keller. Tief vergraben. Hängt zu viel Abschiedsschmerz dran, zu viel Verzicht.
Da ist auch noch ein Säbel und ein Dolch von Peter Hansen. Der war nämlich, was keiner weiß, für kurze Zeit Dänischer Admiral.
Ob das mit Freibriefen und Piraterie oder mit 1848 zusammenhängt, darf ich nicht sagen.
Denn eine Schwester meines Vaters heiratete nach Dänemark. Dänemark und die Hansens haben beschlossen, Stillschweigen über die Rolle Peter Hansens im Konflikt von 1848 auszuüben.
Peter hatte ja die Dänen bei der Blockade, ich sag mal gut behandelt und davonkommen lassen.
Den Admiralssäbel und den Dolch dazu, den zeige ich ihnen beim nächsten Mal, auch Fotos von den afrikanischen, blauäugigen Hansens, die mein Vater mit einem Handelsschiff in den Fünfzigern einmal besuchte.
Ende des Interviews

Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Der Tod kam dazwischen. Zur Ehre von Peter Hansen, dem Schleiabenteurer, will ich glauben, daß dieser erfahrene Seemann im Konflikt zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark auf der Seite der Dänen stand und die „Galathea“, die die Schleimündung für Dänemark sperrte, davon kommen ließ. Vielleicht war ihm S.-H. bereits zu preußisch. Die Wahrheit über diese übermäßig wichtige historische Frage liegt tief vergraben im Keller von Christine Hansen oder bereits auf einer Kieler Mülldeponie.

                        Karl Walther im März 2021

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Die Schlei im Januar 2021 – Von Pinguinen und Giraffen –

Die Schlei im Januar 2021 – Von Pinguinen und Giraffen –

„Die Schlei birgt viele Geheimnisse“ schrieb die Schleswig-Holstein Zeitung am 25. Januar in einem Artikel über das SIEZ®. Unser Verein versucht Phänomene der Schlei mit allen Sinnen aufzunehmen und zu verstehen. Dazu gehören auch Gerätemessungen von Gewässereigenschaften. Messungen sind zwar genau, aber auch Momentaufnahmen. Erst eine Messreihe sagt (fast) soviel aus, wie z.B. das Finden von Kammlaichkraut oder Braunalgen (Kleverkruut).
Auffällig war im Januar eine Verbesserung der Wintersichttiefen der Schlei um rund 40 Prozent verglichen mit dem langjährigen Mittel aus den Planungsunterlagen über die Schlei.

Messen mit der Secci-Scheibe (Foto: Karl Steinmetz, Schleswig-Holstein Zeitung)

So hatten wir in der Mitte der Großen Breite bei Tonne 71 eine Sichttiefe von 140 cm, bei Tonne 67 (Durchbruch der Beckenrandlage Burg/Missunde) ebenfalls 140cm und vor Finsterstern bei Tonne 61 eine Sichttiefe von 170 cm. Weitere Messungen wurden durch die Eisbildung/Wintereinbruch unmöglich.
Die Messung der Sichttiefen ist wichtig, wenn sie langfristig verläuft und man durch viele Messungen einen vernünftigen Mittelwert errechnen kann. Denn manchmal ist das Schleiwasser auch von Sand und Silt „dick“ wie die Fischer sagen oder von der Algendrift. Da sollten schon so viele Messungen vorhanden sein, dass die Singularitäten in der Masse verschwinden. Perfekt wäre die ständige digitale Messung an einigen Punkten. Dazu aber muss „Schleiliebe“ in der Gesellschaft vorhanden sein und auch ein wenig Geld.
Jede Einzelmessung bleibt eine Momentaufnahme. Letztlich messen nur alle Sinne & das Herz den wirklichen Zustand der Schlei. Einzelne Messwerte sollten nie überbewertet werden. In diesem Winter nach langer Trockenheit kommt die Schlei „sauberer“ daher. Das ist schön!
Aber eine längere Regenperiode transportiert schnell große Nährstoffmengen in die Drains, Auen, in die Schlei und füllt die Nährstoffvorräte auf und eigentlich brauchen die Böden & die Landwirtschaft den Regen dringend.
Im Einzugsgebiet der Schlei leben bummelig 100.000 Menschen und ungezählte Schweine und Rinder. Alles Leben befindet sich im Stoffwechsel, lebt und vergeht und gelangt dann auch in die Gewässer. Jedenfalls solange die Gesellschaft das zulässt.
Das SIEZ®  nimmt Wasserproben aus den Auen. Wir vergleichen diese und sind oft erstaunt über die gewonnenen kleinen Einblicke. So mündet die Petribek in die Schlei auf die allerschönste malerische Weise, wie ein Bach das nur tun kann. 

Dieter Beyer an der Petribek beim Probennehmen

Die Sauerstoffwerte sind perfekt, auf den vielen Geröllsteinen haftet ein quicklebendiger Biofilm und klaubt Nährstoffe aus dem Wasser. Die sind reichlich vorhanden, vor allem Nitrat und Phosphat. Wir dachten stets, die intensive Landwirtschaft vorm Jahnsholz sei verantwortlich. Doch das stimmt nur zum kleinen Teil.
Da nahmen wir Proben in Rieseby einige hundert Meter nach dem Klärwerk und bemerkten die schlechte Leistungsfähigkeit des Klärwerks dort. Rieseby wächst und wächst. Hat den perfekten Bahnanschluß und alle Versorgungen als Wohndorf. Seit langem ist das Klärwerk aber marode und zu klein. Man weiß um das Problem. Mutet aber der Umwelt und dem Bach und der Schlei lange zu viel zu.

So, liebes Amt, liebe Gemeindevertretung, wird die Schlei nicht sauberer!

Immerhin soll jetzt etwas geschehen. Darüber freuen sich Bach und Schlei und das SIEZ®! Aber gleichzeitig wird Rieseby nach den neuen Planungen verstärkt weiter wachsen. Rieseby ist einer der starken Schleiverschmutzer.

Schaum auf der Norbyer Au

Die Nährstoffbelastungen in den Auen waren viele Jahre lang höher als im Januar 2021. Wir haben sie in unserem Betreuungsgebiet einmal durchgemessen. Wir haben die genauen Werte auf unserer aktiven Berichtskarte eingepflegt.
Wären die Auen Pinguine, deren Länge man misst, kommt das mit den Nitratwerten und der Pinguinkörperlänge in etwa hin. (Körperlänge in cm und Nitratwert in NO3 mg/l) Misst man dann aber die Nährstoffwerte der Norbyer Au, erreichen die Werte im Vergleich die Körperlänge von Giraffen. Zu Neujahr viel Schaum auf der Au und 200mg Nitrat beim Sportplatz, dann zum Monatsende wieder viel Schaum und 140 mg. Ein Pinguin misst etwa 45 cm, eine Giraffe 3 bis 4 Meter, das passt. Da tauchen Fragen & Antworten auf. Der höchste Wert, den das SIEZ®  in der Norbyer Au je gemessen hat, war 320 mg/l Nitrat.

Kein Pinguin, eine Giraffe. Das SIEZ® informiert, handeln müssen andere.

Wir haben die Phosphatwerte und die Nitratwerte des Schleimassenwassers im Jenner 2021 bei Windstille in 50 cm Tiefe gemessen. Das war in der Königsburgrinne 7 Meter über Grund und bei AGROLAB in Kiel analysieren lassen. Das ist für uns teuer, aber kleine Werte unter 10 mg Nitrat können wir mit dem Söllphotometer nicht genau messen. Was kam dabei im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten heraus?
Der Prüfbericht von AGROLAB gibt als PO4 Wert 0,22mg/l an. Berechnet auf den mittleren Phosphatgehalt bedeutet das 0,07mg Phosphat. Das liegt exakt im Bereich des langfristigen Mittels aus den Planungs- und Untersuchungsergebnissen von 1980, allerdings stehen noch zwei Monate ins Haus, in denen die Phosphatvorräte aufgefüllt werden und man kann daher (vom P her) auf ein normales bis leicht verstärktes Algenwachstum schließen. Es gibt vom Phosphateintrag seit 40 Jahren keine Besserung!
Der Nitratgehalt des Schleimassenwassers beträgt mit 7,3 mg NO3 (1,8 mg Nitrat), also etwas weniger als die mittlere Winternitratkonzentration aus den Planungsunterlagen (2,5 mg an dieser Stelle). Auch hier gilt: der Winter ist noch nicht vorbei. Es kommt auf die Niederschläge vor der Erwärmung der Schlei an. Es gibt da eine leichte Besserung, die statistisch aber nicht sicher ist.
Insgesamt deuten die Werte auf ein normales bis leicht erhöhtes Algenwachstum hin. Eine Besserung ist weiterhin nicht in Sicht. Es wird eine normale bis leicht verstärkte Faulschlammneubildung (evtl. 2mm) geben.
Es ist schön im Winter auf der Schlei. Singschwäne. Eiderenten, Reiherenten, Gänse, Adler auf der Liebesinsel, manchmal kein Menschenlärm. Die Schlei wartet auf den Hering. „Heidruns“ trennt sich von Kielfoot, so dass man bereits mit ‘ner Jolle hindurch segeln kann. Ende Januar schneebedeckte Ufer, ein inzwischen seltener Anblick. Am letzten Wochenende im Jenner hatten wir ca. 20 cm Wasserpegel über NN. Da war die Öffnung in Kielfoot 30 Meter breit und in der Mitte 80 cm tief, (siehe Foto, der eingesteckte Zollstockkopf liegt bei 1 Meter). Das ist keine Überspülung einer Furt mehr. Heidruns ist nun eine Insel. Meine Güte, was für ‘ne erodierende Strömung dort! In 10 Jahren kann da der Schleidampfer durch! Veränderung ist das tägliche Brot der Schlei.

“Heidrunssund” – der eingesteckte Zollstockkopf zeigt 1 Meter

Das SIEZ® sammelt überall Spenden für ein Messfloß ein und der SIEZ® Kassenwart Dieter Beyer ist da mächtig aktiv! Das Bauholz ist bereits bestellt.

Wir werden bauen! Für den Rohbau langt es allemal.

Die Landesregierung wird im Landtag über die Förderung unseres Projektes entscheiden. Wir versuchen ein Brackwasserinstitut für die Schlei zu „schmieden“. Wir schreiben an einem Bericht über das Schleiufer von Louisenlund bis Kielfoot. Wir werten ein Interview mit Christine Hansen aus, des letzten Familienmitglieds des „legendären“ Abenteurers und Weltenbummlers Peter Hansen, dessen Enkel die „Blaue Dampferlinie“ an der Schlei betrieben. Sie starb am 22. November 2020. Das Interview entstand ein paar Tage vor ihrem Tod. Den Obstler aus meiner Brennerei, den ich ihr lieferte, konnte sie nicht mehr bezahlen. Friede Ihrer humorvollen Seele.
Das SIEZ®  ist in mancherlei Hinsicht „in Gang“. Die Mitglieder lieben die Schlei als identitätsstiftende „Heimat“ als vielfältiges Brackwasserbiotop. Aber auf’s Herz, auf die Liebe zur Schlei kommt’s an! Im März werden wir neu über den Zustand der Schlei berichten.

Bauwagen, der auf „bessere“ Zeiten wartet

                                               Karl Walther zu Lichtmess 2021

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Pflanzenvielfalt auf der Orchideenwiese des SIEZ<sup>®</sup> 2020

Pflanzenvielfalt auf der Orchideenwiese des SIEZ® 2020

Im Frühjahr 2020 freuten wir uns über die Sumpfdotterblume Caltra palustris, die früher häufig war, jetzt aber in Brandenburg, Berlin, Hamburg und Niedersachsen bereits auf der “Roten Liste” steht. Wir finden die Sumpfdotterblume als “Regenschwemmling” entlang unseres Wiesenbaches. Sie war Blume des Jahres 1999 und gilt als Zeiger für Sumpf und Nasswiesen. Diese fallen aus dem landwirtschaftlichen Gebrauch und gehen allerorten den Weg der Drainierung oder der Verschilfung.

Wiesenbach mit Sumpfdotterblume am Ornumer Noor auf der SIEZ Pflanzenarche

Sehr früh blühte das Löffelkraut, das wir zeitig aus den reichlichen Beständen meiner Salzwiese an das “Kopfstück” des Ornumer Noores gebracht hatten. Die Löffelkresse Cochlearia officinales ist im Binnenland selten und eine typische Salzwiesenpflanze der Küstengebiete. Sie enthält Senföle, schmeckt im frühen Salat (bereits Ende Januar grünt sie) und Vitamin C, ein altes Skorbutmittel.
Auch ein “Sumpfzeiger” ist der Wiesenknöterich Polygonum bistorta, der uns mit einer letzten Blüte erst beim späten Mähen im September auffiel, da sie im Grasfilz gefangen waren. Seine Wurzel ist schlangenförmig gekrümmt und man nennt ihn auch “Schlangenwurz, Natterwurz”. Davon finden wir etwa 100 Exempare auf einer Fläche von 60 m². Wir gruben eine Wurzel aus und fotografierten sie, ein altes Heilmittel gegen Durchfall. Im nächsten Jahr werden wir an dieser Stelle gezielt nach anderen Knöterichen wie dem Milden Knöterich und dem Wasserknöterich suchen, bevor die Gräser überhand nehmen.

Löffelkrautbestand (Cochlearia officinalis) am Schleiufer

Wir finden auf der Orchideenwiese etliche Pflanzenbestände von Sumpf-Vergissmeinnicht, Myosotis palustris, auch “Mausöhrchen” genannt, einem Nässezeiger grundwasserfeuchter und nährstoffreicher Böden.

Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis palustris)

Nach einer Legende verliebte sich ein Engel in eine Sterbliche. Zur Strafe musste er das “Mausöhrchen” an allen 4 Enden der Welt aussäen. Am Ornumer Noor war wohl das eine Ende der Welt. Hier setzte er seiner Geliebten den Vergißmeinnichtkranz ins Haar. Zusammen mit ihr durfte er ins Paradies zurück. Manchmal also geht sich verlieben auch gut.

Unsere Pflanz & Pflegeaktion aus 2019 hatte Erfolg! In diesem Jahr konnten wir fast 20 Orchideen des gefleckten Knabenkrautes oder auch Kuckucksblume Dactylorhiza maculata bestaunen. Sie liebt feuchte Wiesen und kommt sowohl mit sauren wie kalkhaltigen Böden zurecht. Wir sind gespannt, wie sich die Bestände 2021 entwickeln und wann es sich lohnt, kleine Stege zu den Beständen “anzudenken”. Wir haben mit der Loki Schmidt Stiftung Hamburg Kontakt. Eine Finanzierung des Stegebaus von dort ist angedacht worden. Die UNB will aus E&A Mitteln ein vernünftiges Gattertor für die Wiese finanzieren.

Eine der Knabenkrautorchideen (Dactylorhiza maculata)
Knabenkraut – reif und zur Aussaat bereit

Außerdem freuten wir uns über den Klappertopf Rhinanthus spec., der in drei Beständen von einigen Quadratmeter mit zahlreichen Exemplaren auf der Orchideenwiese wächst.

Klappertopf (Rhinanthus spec.)

Dicht am Schleiufer finden wir einen starken Bestand des Schleilauches und an der Bachblänke den Blutweiderich. Auch Frauenflachs und Wiesensalbei finden wir in guten Beständen.

Vorstand des SIEZ® pflanzt Blutweiderich (Lythrum salicaria) einem reichlichen Bestand vom Ornumer Noor (Gräben von Raimund Reimert 2020) an unsere Bachblänke (Foto Dieter Beyer)
Reichlicher Bestand der Schleizwiebel (Allium spec.) am Schilfrand
Wiesensalbei (Salvia pratensis) Blick auf die Ornumer Felder
Klappertopf (Rhinanthus spec.) (Foto Dieter Beyer)
Wir finden auf der Orchideenwiese etliche Pflanzen des Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und schonen diese durch Niederhalten des Nachbargrases. Denn Teufelsabbiss blüht spät bis in den Oktober hinein.

Zahlreiche Hahnenfußgewächse blühen die gesamte Vegetationsperiode gelb und auch der Frauenflachs leuchtet gelb bis in den Oktober hinein auf unserer Wiese. Diese zeigt auch ganz unterschiedliche Gräser, üppige Sumpfgräser und andere Bestände. Superdicht bis locker. Sie zu bestimmen ist Aufgabe für 2021. Im Oktober 2020 haben wir die Fläche wiederum zweimal gemäht/gemulcht und das Schnittgut abgeräumt.
Das letzte Bild, fotografiert von Hartmut Keinberger, zeigt einen Teil der SIEZ® Mitglieder beim lustigen Arbeitseinsatz.

Mitglieder des SIEZ® beim lustigen Arbeitseinsatz.

Bilder und Text von Karl Walther, Dieter Beyer und Hartmut Keinberger   

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Bau & Finanzierung eines Forschungsfloßes durch das SIEZ<sup>®</sup>

Bau & Finanzierung eines Forschungsfloßes durch das SIEZ®

Die Schlei ist das Herz unserer Region. Vielfältig reicht sie vom Meer bis tief ins Land und prägt unser Leben. Als Brackwassertochter der Ostsee hat sie eine einzigartige Entstehungsgeschichte und zeigt eine vielfältige kulturelle Entwicklung. Nicht immer ist die Schlei von uns Menschen gut behandelt worden. Ihre Wasserqualität wurde das Sorgenkind des Landes. Die Schlei ist unser Stiefkind.
Der kleine Verein SIEZ® entwickelte 2017 die Vision eines Brackwasserinstituts mit eigenwilliger Gletscherhausarchitektur. Es sollte ein Ort der Vermittlung des Schleiwissens geschaffen werden. Das aufzubauende Brackwasserinstitut stellt in unserer Vision dort seine Ergebnisse vor. Die Kreisläufe, in denen wir feststecken (Nährstoffe, Plastik etc.), aber auch die wunderbare Geschichte der Entstehung der Schlei und „unsere“ Geschichte an der Schlei. Mit dieser Vision haben wir bereits Entwicklungen angestoßen. Das Gletscherhaus des Brackwasserinstituts -also das SIEZ®– soll ein Ort für uns Schleibewohner sein und nicht hauptsächlich für den Tourismus.

Solch ein Brackwasserinstitut bedingt erhebliche finanzielle Aufwendungen. Die Region kann das nicht tragen. So geht das SIEZ® viele kleine Schritte.
Wir monitoren die Entwicklung der Wasserqualität und der Ufer ehrenamtlich und auf Vereinskosten. So bauten wir eine kleine Schleiforschung für Kinder mit Zirkuswagen und Tipi auf und pflegen einen Artenhotspot an der Schlei, die Orchideenwiese. Wir versuchen die Arbeit eines zukünftigen Brackwasserinstituts als Verein zu modellieren und in Ansätzen zu leisten.
Wir forschen über den Faulschlamm, seine Ausdehnung, seine wechselnde Dynamik, wir versuchen die Schlei und ihre Phänomene zu verstehen. Wir dokumentieren Geschichte und Geschichten.
Als nächstes planen wir den Bau eines Mess- und Forschungsfloßes, versehen mit modernster digitaler Messelektronik und teilweiser Fernübertragung.

Sollte es uns in den nächsten Jahren gelingen die Nährstoffeinträge zu verringern – und wir alle arbeiten daran, z.B.:

  • die Gewässerverbände,
  • die Kommunen und Gemeinden, die beiden Kreisverwaltungen,
  • das Ministerium und das Landesamt,
  • die Landwirtschaft,
  • die Aktivregion,

dann müssen wir auch das Problem der Faulschlammablagerungen lösen. Diese führen im Sommer zur gewässerinternen „Rückdüngung“ und Förderung der „Blaualgen“. Für die speziellen Brackwasserbedingungen der Schlei liegen zu diesem Thema allerdings keine praktischen Erfahrungen und Messungen vor. Die wollen wir vom SIEZ® aber erwerben. Die Verringerung der Nährstoffeinträge ist immens wichtig, allein aber hilft es der Schlei nicht. Nach Berechnungen des SIEZ® könnte die Rücklösung des Phosphors aus dem Faulschlamm eine vergleichbare Dimension haben wie die Einträge aus den „diffusen“ Quellen (ca.12 Tonnen).

Wie tickt der Schleigrund übers Jahr gesehen? Wann genau kommt es zur Rücklösung und wie stark ist sie und wie abhängig von den verschiedenen Parametern wie Salzgehalt, Temperatur, Strömung, Sauerstoffgehalt. Wir haben in Probemessungen sowohl Sauerstofffreiheit über dem Faulschlamm gemessen und nach Sturmwetter / Ostenwind an selber Stelle Sauerstoffsättigungen kurzzeitig von fast 100%. Wir wissen so vieles über die Schlei nicht oder noch nicht genau genug.

Haben die verschiedenen Möglichkeiten der Faulschlammreduzierung (Entnahme, Besandung, Belüftung) im praktischen Versuch schädliche Nebenwirkungen? Welchen Weg gehen Stickstoff & Phosphor? Der es vielleicht unverantwortlich macht, etwas zu tun? Müssen wir eventuell ungeduldig Geduld mit der Schlei üben, Jahrhunderte lang? Algenblüten und „Blaualgen“ ertragen?

Wir wissen es nicht, ehe wir es nicht ausprobieren und messen. Ohne diese Kenntnisse ist eine Gesundung der Schlei unmöglich.

Mit dem Forschungsfloß wollen wir dieses Wissen in einem mehrjährigen Versuch und in Kooperation mit dem Ministerium, der Universität Kiel und Aarhus, dem Firma CRM und dem Naturpark Schlei mehren.

Das SIEZ® ist dabei Initiator und Knotenpunkt des Vorhabens und versteht sich in dieser Frage „kommisarisch“ verantwortlich für das Projekt bis zur Abtretung der Leitung an ein aufzubauendes Brackwasserinstitut. Wir vom SIEZ® sind nicht geübt im Schreiben von Anträgen. Bitte unterstützen Sie uns auch am Antrag vorbei und/oder machen Sie uns auf evtl. Formfehler im Antragsverfahren unsererseits aufmerksam oder weisen Sie uns auf weitere Fördermöglichkeiten hin. Auch Spenden helfen. Wir brauchen Sie als Kooperationspartner.

Wir „brennen“ für das Projekt. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Messungen. Wir wollen den Aufbau eines Brackwasserinstituts an der Schlei. Mit unserem Vorhaben bekäme die Region diese Messergebnisse und Kenntnisse sehr früh und durch die im Verein tätigen Wissenschaftler und Aktivisten „ehrenamtlich“ äußerst günstig und im direktem Kontakt. Nach unserem Ermessen eine große Chance für alle und die Schlei.

Über den folgenden Link können Sie sich unseren Antrag zum Vorhaben ansehen oder herunterladen.

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Ergebnisse der Schleikartierung – interaktive Karte

Ergebnisse der Schleikartierung – interaktive Karte

Im Sommer 2019 hat das SIEZ® damit begonnen, die Schilfufer / Schleiufer von Land und zu Wasser zu kartieren. Die erste Arbeit war dabei die Definition der Teilgebiete, ihre Beschreibung und fotografische Präsentation. Hinzu kommen Tiefenangaben der Ufer aus eigenen Nivellements. So können auf Dauer Veränderungen durch Erosion und Ablagerungen dokumentiert werden. An markanten Stellen messen wir die Strömungen/Rückströmungen, chemische und physikalische Parameter. So erfolgt eine Kartierung/Beprobung der großen und auch der „diffusen“ Einträge in die Schlei. Markante Niederungen sollen mit dem Erdbohrer beprobt und ihre Bodenschichtung beschrieben werden.

Die Ergebnisse der laufenden Arbeiten werden in der unten gezeigten Karte dargestellt. Die Karte wird fortgeführt, sobald neue Informationen bereit stehen. Ein Klick auf die Symbole zeigt jeweils die Detailinformationen.

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Routinemäßige Beprobung diffuser Einläufe

Routinemäßige Beprobung diffuser Einläufe

Das SIEZ® ist an der Schlei vor Ort. Wir werden angesprochen, wenn es in einer Au ein Fischsterben gibt, dort das Wasser unsichtiger bis schwarz wird, wenn aufgetriebene Blaualgenreste auf der Schlei schwimmen, wenn die Schleiinseln erodieren oder noch schnell ein Radwanderweg durch ein zukünftiges Naturschutzgebiet gebaut werden soll oder wo ungewöhnlich viel Schaum zu beobachten ist.

Aber wir führen auch routinemäßig Beprobungen der diffusen Einläufe in unser Schutzgebiet durch, das von Stexwig bis Sundsacker reicht. Davon soll dieser kleine Artikel berichten. Weitere Informationen zu unseren Messpunkten findet man auf der Monitoringkarte des SIEZ®.

Dieser Kartenausschnitt zeigt die entstehende Insel Hakenhöft (bei einem Meter über NN liegt sie bereits). Eingezeichnet sind auch der Graben ins Büstorfer Noor und der Petribek, auch Aalbek genannt, vor dessen Einmündung eine der drei Stubber Inseln durch den Bau des Eisenbahndammes im vorigen Jahrhundert erodierte.

Wir beprobten am 1.11.2020 einen kleinen Wassergraben, der in das Büstorfer Noor einläuft und bei 30cm 7cm tief war. Die Fließgeschwindigkeit im dichten Gras war nicht zu bestimmen.

Die Lufttemperatur betrug 11,1 Grad Celsius um 8 Uhr, die Wassertemperatur 11,2 °C, die Sauerstoffsättigung lag mit 10,6 mg bei fast 100 Prozent, der Nitratgehalt lag bei 103 mg/l und der PO4 Gehalt bei 0,9 mg/l. Es scheint sich hier um einen Graben zu handeln, in den Fäkalien einlaufen, evtl. der Überlauf einer Teichkläranlage der nahen Siedlung, die dringend optimiert werden müsste. Dies ist aber nur ein Hinweis. Wir verfolgen das in Zukunft.

Der Petribek mäandert durch den Frühlingswald (Bauernblatt, 16. Ausgabe 74./170. Jahrgang, Foto: Ulrike Baer)

Die zweite Probe nahmen wir am Petribek, ca. 100 m vor seiner Mündung in die Schlei. Inzwischen war es ein Grad wärmer geworden, die Wassertemperatur lag bei 12,1 °C. Der Bach war 120 cm breit bei 30cm Tiefe und die Fließgeschwindigkeit betrug 1 m/s. Die Sauerstoffsättigung lag bei 95 % und 10,2 mg O2, wir maßen 10 mg/l Nitrat und 0,1 mg/l Ammonium, Nitrit war nicht nachweisbar. Dies sind für einen Waldbach normale, gute Werte. Sie entsprechen auch der Trockenheit der Böden. Die Phosphatkonzentration von 1,4 mg reißt allerdings die „Messlatte“ bei weitem.  Das SIEZ®  kritisiert zusammen mit dem Ministerium und dem Bauernverband die Phosphatüberdüngung der landwirtschaftlichen Ackerflächen. Der Petribek entwässert solche Ackerflächen. Es ist dies „rausgeworfenes Geld“ zulasten der Umwelt. Nur die Blaualgen freuen sich über diesen „Reichtum“. Sonst niemand, am allerwenigsten eigentlich der Landwirt. Phosphor ist eine endliche & teure Ressource. Sie sollte nicht umweltschädigend vergeudet werden. Auch diese Messung werden wir wiederholen.

Das SIEZ®  verfolgt den humanistischen Ansatz der Aufklärung. Wir „glauben“ daran, dass die Mitmenschen das „Gute“ wollen, aber  oftmals zu uninformiert sind, es auch zu tun.

                                                                                            Karl Walther (SIEZ®)

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Blasentangkultur in der Schlei – eine Chance für das Ökosystem?

Blasentangkultur in der Schlei – eine Chance für das Ökosystem?

Der Blasentang (Fucus vesiculosus) ist vielleicht die bekannteste Braunalge der Ostsee, leicht erkennbar an den typischen Blasen und vor allem an steinigen Stränden leicht zu finden.

Blasentang (Fucus vesiculosus)

Auch in der Schlei war diese Alge früher weit verbreitet und kam bis in die große Breite in der inneren Schlei vor. Leider ist der Blasentang heute nur noch in der äußeren Schlei zu finden, was wahrscheinlich auf die Überdüngung und damit einhergehende Trübung der Schlei zurückzuführen ist. Damit ist eine für das Ökosystem sehr wichtige Art, die unter anderem Fischen und Wirbellosen als Habitat dient, großflächig verloren gegangen. 

Der Blasentang ist aber nicht nur für das Schlei- Ökosystem interessant, sondern wird auch für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln und Naturkosmetik verwendet. Dazu werden natürliche Blasentangbestände an der französischen und irischen Atlantikküste beerntet. Da auch diese Bestände von sich ändernden Umweltbedingungen bedroht sind, und der Bedarf an Blasentangbiomasse weiterhin wächst (Algen sind ein Trendprodukt), wäre eine Produktion von Blasentangbiomasse in Kultur eine sinnvolle Alternative. Das botanische Institut der Universität Kiel hat deshalb schon Versuche zur Kultivierung des Blasentangs in der Kieler Förde durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass eine Kultivierung generell möglich ist, allerdings überwachsen die in der Ostsee auftretenden Seepocken und Miesmuscheln den kultivierten Blasentang und verringern so den Wert der kultivierten Biomasse.

Blasentangkultur an der Schlei

Deshalb wurde die Schlei als Alternativstandort ausgewählt. Die Schlei hat an der Mündung Ostseesalzgehalt, Richtung Schleswig wird das Wasser aber immer süßer. Dadurch ist es eventuell möglich, Blasentang in der Schlei zu kultivieren, ohne den starken Bewuchs durch Muscheln und Seepocken, weil diese durch den niedrigeren Salzgehalt gar nicht oder nur in geringerer Zahl auftreten. Um herauszufinden, ob diese Hypothese stimmt, wird im Sommer 2020 an fünf Standorten entlang der Schlei Blasentang in Körben experimentell kultiviert und sowohl das Wachstum der Algen, als auch der Bewuchs mit Miesmuscheln und Seepocken untersucht.

In Zusammenarbeit mit dem SIEZ® wurde das Experiment am 23. Juli gestartet und wird über zwei Monate laufen. Sollte das Experiment erfolgreich sein, eröffnet das auch Perspektiven für den Schutz des Gewässers Schlei. Durch die Blasentangkultivierung könnten dem überdüngten Wasserkörper Nährstoffe entzogen werden. Außerdem könnte der Blasentang an Orten wiederangesiedelt werden, die er früher natürlich besiedelt hat, wenn auch in künstlicher Form. Das Projekt wird von CRM (Coastal Research & Management) unter Leitung von Rafael Meichßner betreut und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (BALI- Projekt: Bioraffineriekonzept für Algen-basierte Inhaltsstoffe). Die Ergebnisse werden am Ende des Projektes unter anderem auf der Internetseite des SIEZ®veröffentlicht. 
Einen Überblick der Standorte zeigt Abb. 1.

Abb. 1: Versuchsstandorte Blasentangkultur in der Schlei

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„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Bericht über die Stexwiger Beek 					     von Karl Walther

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Bericht über die Stexwiger Beek von Karl Walther

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Das sagte im Vorjahr ein Landwirt, nachdem er eine der Schwansener Auen mit seiner Schwarzgülle 2 Tage lang von allem Getier befreit hatte. Auf einer anderen Au in Schwansen schwamm vor ein paar Monaten halbmeterhoch Schaum nach einer Frühjahrsausbringung auf klatschnassem Grünland. Die Auen mussten Nitratwerte von 60 bis 90 mg Nitrat ertragen. Die Schlei blüht, keine guten Sichttiefen. In den Salzwiesengräben dicke Pelze Fadenalgen.

Ein häufiges Bild auf Schlei und Auen
Fadenalgen auf den Gräben der Schleisalzwiesen…viel zu viel Nährstoffe…

Aber „Land schafft Verbindung“ in Schaalby leugnet empört in der SHZ jegliche Verantwortung der Landwirtschaft für die Überdüngung der Umwelt durch die industrielle Landwirtschaft.

Nun war eine der kleinen Schleiauen, die Stexwigbeek „umgekippt“. In den ersten Maitagen wurde auf knochentrockenem Ackerland  Substrat aus SL- stadtwerkeeigenen Biogasanlagen in Stexwig reichlich ausgebracht, lief oberflächlich in eine Senke, von dort in einen Schacht und dann über eine Vorflut in die Stexwiger Au. Die Schleswiger Nachrichten berichteten am 11. Mai 2020 darüber in einem ausführlichen Artikel von Thomas Rühs.

Ergebnis einer Begehung der Stexwiger Beek nach der Gülleeinleitung durch Fischereiberechtigte

Bereits vor fünf Jahren wurde alles Leben in dieser Au ausgelöscht. Im damaligen Verfahren wurde ein Ordnungsgeld von 500 Euro, zahlbar an das Rote Kreutz, verhängt. Soviel, sowenig ist das Leben in unseren silbernen, zauberhaften Schleiauen wert. Ein Kavaliersdelikt.

Auch jetzt wurden  Meerforellen und Edelkrebse, Bachfische und Kleinlebewesen bis hin zur Kaulquabbe getötet. Die Fischereiberechtigten erstatteten Anzeige. Es wird wieder eine kleine Strafe geben, 100 € bis 1000 € vielleicht an eine Naturschutzorganisation.  Das SIEZ® würde solch ein Bußgeld nicht annehmen, obwohl wir auf der Begünstigtenliste der Gerichte stehen.

Was lehrt uns dieser Unfall? Er geschah weit weg von der Schlei. Aber das Wasser läuft auch weit bergab. Es existiert oft keine Sorgfalt bei der Gülleausbringung. Ich sah selber, wie Gülle im Stand den Schleihang bergab laufen durfte und habe das gefilmt. Vielfache Überdüngungen sind festzustellen und werden nicht geahndet. Manche Landwirte aber sind vorsichtig & korrekt und verwenden modernste Technik. Respekt und Dank dafür! Andere aber klatschen es auf nasses Grünland, von wo es in die Schlei läuft oder arbeiten es viel zu spät ein, wenn bereits die Luft damit ausgiebig gedüngt ist.

Das „kleine Wenig Schaum“, das zwei Tage alles Leben in den Auen tötet, das stört doch niemand,  denkt mancher industrielle Landwirt vielleicht bei Strafen im Portokassenbereich. Bezahlen aber müssen diese Unfälle neben der Natur und der Zukunft der gesamte Berufsstand, dessen Image schlechter nicht mehr werden kann. Wenn das so weiter läuft, wer freut sich dann noch über die Landbewirtschaftung und die „Bauern“? Mein Großvater war Landwirt. Er liebte seinen Beruf so sehr, dass er noch schnell die Kühe molk, bevor er erschossen wurde. Mir tut dieser Niedergang meines Berufsbildes sehr weh.

Wir maßen am Mittwoch, dem 13. Mai die Wasserqualität der Stexwiger Au und die Nitratwerte lagen wieder im normalen Bereich. Es war ja nur eine „kleine giftige Gewässerwolke“ bereits schon lange in der Schlei verschwunden, wie viele andere Gülle auch.

Ich sprach mit Fischern und Schleianrainern: „Das ist Umweltkriminalität“, war die Meinung. Ein dreijähriger Entzug jeglicher Förderung von EU Subvention und Landessubventionen wäre eine angemessene Strafe. Dann würd´s so nicht mehr geschehen. Alle Subventionen seien knallhart an Umweltleistungen zu binden. Jegliche Verschärfung der Düngeverordnung und ihre strikte Kontrolle wurde gefordert. So die empörten Meinungen.

In einem Bächlein helle
Da schoß in froher Eil`
Die launische Forelle
Vorüber wie ein Pfeil 

Ich saß in guter Ruh an dem Gestade
Und schaut des Fischleins Bade
Im klaren Bächlein zu…  

Das war´s…Wer kennt es nicht, dies schöne Lied?

                                               

                                                                                 

                                                    

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Messgerät und Schöpfer beim nächtlichen Einsatz – Strömungen in der Schlei

Messgerät und Schöpfer beim nächtlichen Einsatz – Strömungen in der Schlei

Seit Dezember 2019 messe ich Strömungen in der Schlei. Zum Einsatz kommt ein Flügelmessgerät der Firma Hydrobios.

Die Messergebnisse werden notiert. So ergibt sich zum Beispiel folgende Notiz: 

  • Dienstag, 14. Januar 2020 11:54,  Tonne 50:
  • Sichttiefe 1,40 m, 
  • Sauerstoff an der Oberfläche 13,6 mg bei 7,6 °C,
  • Wind 5,3 m/s aus West, 
  • Wasserströmung stehend in allen Tiefen.
Flügelmessgerät der Firma Hydrobios

Der Fischer Mathias Nanz hatte mich darauf hingewiesen, dass im Ausgang des Missunder Noores auf dem Faulschlamm zahlreiche kleine Herzmuscheln zum Vorschein kommen. Ich war dann mehrmals dort, stach Sedimente und maß die Strömung. Bei einlaufendem Strom „stoppt“ der häufige Westwind  im Noor (an Kraft zunehmend) hier den Einlaufstrom und es kommt zu Erliegen der Strömung, so dass hier „dickes Wasser“ (Mundart für Sedimente im Strom) den Sand verliert. So kann der Faulschlamm hier besanden und sofort folgen die Muscheln.

Auch unter der Lindaunisbrücke machte ich zahlreiche Messungen. Hier fiel mir auf, dass bei auslaufendem geringem Strom (0,2 m/s) die Strömung vor der Verengung zum Erliegen kommt. Das erstaunte mich sehr, erwartete ich doch einen Bernoullieffekt. Aber die Verengung scheint einen Rückstau zu bilden und der Bernoullieffekt scheint eine Mindestkraft zu benötigen. Für den Strom ist die Verengung „fast“ das Ende des Gewässers und staut zurück. Querhindernisse sind ein beachtlicher Eingriff in die Natur! Das kontrollierte ich auch für die „auswärtige“ Seite von Lindaunis. Auch hier verlangsamt sich eine Strömung von 0,25 m/s auf bis zu unter 0,1 m/s.

Am 27. März 2020 hatte ich Gelegenheit, in Lindaunis eine Hochwasserwelle zu erleben. Wir haben im SIEZ® absolut fähige Wissenschaftler, Meeresforscher, Physiker, Biologen etc.. Ich selber bin eher ein Allrounder, (Hans Dampf in allen Gassen). So werde ich im Folgenden die Messungen der Welle nur kurz skizzieren, so dass, wer will, sie interpretieren kann. Als Auswertung von meiner Seite folgt lediglich am Ende ein „Sack voller weiterer Fragen“.

Anmerken möchte ich, dass die Sturmnacht ein großes Erlebnis war: über mir donnerte der Zug über die Brücke und unten rauschte die Strömung mit bis zu 2 Meilen. Vielen Dank an den Brückenwärter und die „BÜP‘s“ (Brückenüberwachungsinspektoren) für die Gespräche, den heißen Tee und die Fachsimpeleien an der Brücke, die gerade für den Autoverkehr gesperrt war.

Ruhe nach dem Sturm, ablaufendes Wasser, in der Nacht 1,50 Welle und Hochwasser

27 März 2020, 19:50: 

  • Pegel Schleswig: 5,06 m steigend, am Tag davor knapp unter NN, um 12 Uhr NN passiert, 
  • Lufttemperatur 9,8 °C, 
  • Wassertemperatur 6 °C, 
  • Luftdruck 1030 bar, 
  • Strömung einwärts mit 0,12 bis 0,18 m/s, 
  • Wind Nord böig, auf der Brücke gemessen mit Handwindmesser am gehobenen Arm ⱷ 3m/s

27 März 2020, 22:50: 

  • Barometer 5 Strich gefallen, 
  • Pegel Schleswig: 5,11 m 
  • Lufttemperatur 7,6 °C,
  • Wassertemperatur 4 °C, 
  • spez. Gewicht gemessen mit geeichter Spindel, aber nicht temperaturkorrigiert 1,08 , 
  • Wind böig, 3,2 bis 5,4 m/s, 
  • Strömung 0,155 bis 0,24 m/s

Sonntag 29. März 2020, 1:30:

  • Lufttemperatur 5 °C, 
  • Böen bis 10,2 m/s, 
  • Pegel 5,17 m, 
  • Strömung 0,160 m/s bis 2,40 m/s einlaufend, 
  • der Wind sehr sandig und das Probenwasser „dick“, Dichte 1,08

Sonntag 29. März 2020, 6:00 (Sommerzeit):

  • Barometer steht auf 1020 bar und will beim Klopfen schon wieder steigen, 
  • Lufttemperatur 1 °C bei Schnee im Sturmwind, 
  • Böen bis 13,4 m/s,
  • Wasser steigt jetzt stark und „schießt“ unter der Brücke hindurch. Es ist „in de Blink“ und laut von Wind und Welle. Strömung 0,339 m/s jeweils gemessen in 50 cm Tiefe.
  • Wasser voller Sediment unsichtig und von 1,09 Dichte bei 3,5 °C (jeweils unkorrigiert),
  • Pegel Schleswig: 5,32 m,  Schleimünde: 5,53 m, steil

Sonntag 29. März 2020, 9:00:

  • Böen 16,1 m/s max. bei 
  • Lufttemperatur von 1 °C, 
  • Wassertemperatur 3,5 °C, 
  • Salz 1,1 mg/l,
  • Pegel 5,50 m, 
  • Strömung unter der Brücke 1 m/s, hohe Welle brechend, Wellenhöhe geschätzt 1 Meter

Sonntag 29. März 2020, 12:00:

  • Böen bis 12m/s, 
  • Lufttemperatur 4 °C, 
  • Strömung 1 m/s, 
  • Wassertemperatur 3,5 °C, 
  • Pegel 5,68 m, 
  • Salzgehalt 1,105 mg/l unkorrigiert

Sonntag 29. März 2020, 14:00: 

  • Böen 12 m/s nachlassend auf 8 bis 18 m/s, 
  • Strömung mit nassem Holz oberhalb der Brücke gemessen:  2 m/s, da Platz unter der Brücke zu rauschend und gefährlich (ein falscher Schritt und ich spüle in Kieholm an),
  • Lufttemperatur steigend auf 5 °C, 
  • Wasserdichte 1,12 (ich fahre nach Weidefeldstrand und Eckernförde, dort die gleichen Werte, d.h. jetzt haben wir reines Ostseewasser, auch sensorisch, unter Lindausnisbrücke. 
  • Pegel in Schleswig erreicht 15.15 m, Höchststand mit 6.26 m, Hochwasser auf der Schlei
Überflutete Salzwiesen und Schleiweg gegenüber Ulsnis

Sonntag 29. März 2020,  19:00:

  • Böen 4 m/s 
  • Wasser sehr hoch: 6,08 m
  • Strömung 0,25 weiterhin einwärts, 
  • Schöpfwasser klar aber salzig mit 1,12 unkorrigert = Ostseewasser 
  • Lufttemperatur 6,8 °C,
  • Wassertemperatur 4 °C, 
  • die Schlei beruhigt sich

Sonntag 29. März 2020, 23:00:

  • Lufttemperatur 0 °C,
  • Wind von Nord auf Ost mit 1 m/s fast windstill, 
  • jetzt stark rückfließendes Wasser mit 1 m/s, Salzgehalt zurückgehend mit 1,11 mg/l gegenüber Eckernförde jetzt: 1,13 m/s Rückstrom, breit und mächtig aber ohne Welle,
  • Pegel in Eckernförde: 5,24 m; Kappeln: 5,06 m; Schleswig: 5,93 m; Schleimünde: 5,24 m

Montag 30. März 2020, Morgendämmerung

  • Lufttemperatur 2,5 °C, 
  • Wind rückdrehend NW,
  • Strömung 4,1m/s, stark auslaufend mit 3 °C und 0,771 m/s, 
  • Salzgehalt 1,09 mg/l,
  • Pegel Schleswig: 5,52 m, Schleimende: 4,60 m, Kappeln: 5,05 m

Montag 30. März 2020, 11:00 Abschlussprobe: 

  • Wind auf Nord mit 3,1 m/s 
  • Lufttemperatur 5,5 °C, aber wechselnde Luftböenwärme mit scheinbar anderen Luftmassen bis 11.1 °C (ist das ein vorgezogener Aprilscherz?) 
  • Strömungsgeschwindigkeiten Oberwasser 0,58 m/s im Tiefenwasser über dem Schleigrund 0,23 m/s  Salzgehalt des Wassers 0,08 mg/l unkorrigiert

Meine Beobachtung: bei Sturm schießt Salzwasser aus der Ostsee in die Schlei und dieser Strom erobert jedenfalls in der Schleimitte die Situation. Was dieses kalte, sauerstoffreiche Ostseewasser mit dem bereits wärmeren Brackwasser macht, sollte erörtert werden.  Ich jedenfalls hatte das Gefühl, dass das schwerere Ostseewasser entweder vorherrscht oder das brackigere, leichtere Wasser „überrollt“, was physikalisch schwer zu erklären wäre. Jedenfalls mischt es sich nur langsam. In einer weiteren Messreihe und vergleichbarer Situation würde ich mit der „Hohner Fähre“ zwischen Stubbe und dem Noor eine Quermessung machen und zahlreiche Dichtebestimmungen vornehmen. Inwieweit erlangt der Salzwasserzustrom und die Strömung die gesamte Schlei?

Außerdem ist solch eine Flutwelle unter einer Eisenbahnbrücke ein großes Erlebnis und erinnert stark an Fontanes Gedicht: die Brücke am Tay. Regierung und Deutsche Bahn messen in Lindaunis keine Strömungen. Das SIEZ® aber macht das und ich werde nach dem Bau der neuen Brücke auch Lotungen an der Brücke durchführen. Jeder von uns kennt die Macht der Strömungspumpen und den Bernoulli Effekt. Im Januar 2018 beobachtete ich die Strömung an gleicher Stelle, die sicherlich stärker als drei Meilen war. Was bedeutet das für diese Schleistelle?

Als Abschluss erfolgt noch ein Diagramm über die Zeitverschiebung und Höhen der Pegel dieser „Welle“, die ja die Schlei „durchläuft“. Ich bin dankbar über Beobachtungen und Kommentare unserer Wissenschaftler zu diesen Messungen und Beobachtungen. Ein kleiner Film über diese „Welle“ wird demnächst unter Medien eingestellt. Die Schlei braucht dringend ein Brackwasserinstitut. Das SIEZ® hat genug Neugier, sie „verstehen“ zu wollen.

Pegelstände an Schlei und Ostsee vom 29.03.2020 bis zum 31.03.2020

Mit freundlichen Grüßen 

Karl Walther
Vorsitzender SIEZ®

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