Das SIEZ<sup>®</sup>  plant Bau & Finanzierung eines Forschungsfloßes

Das SIEZ® plant Bau & Finanzierung eines Forschungsfloßes

Die Entwicklung der Siedlungskultur an der Schlei führte zu den bekannten Gewässerproblemen der „Überdüngung“ und in der Folge zur „Faulschlammbildung“  auf weiten Teilen des Schleigrundes. Das neu erstellte Inventarverzeichns von Dres. Schwarzer/Rickleffs/Höft gibt Aufschluss über die momentane Verbreitung der lebensfeindlichen Faulschlammgründe. Sollte es gelingen die Nährstoffeinträge in die Schlei zu verringern, wird die Lösung des Faulschlammproblems notwendig, weil es zu einer gewässerinternen Düngung des Gewässers aus dem Faulschlamm im Sommer kommt. In  der  Mengendimension erreichen die rückgelösten Nährstoffe durchaus die Größenverhältnisse der Einträge. Die Verringerung der Nährstoffeinträge allein „hilft“ der Schlei  leider nicht.

Über die genaue Dynamik dieses Vorganges in der Schlei gibt es wenig praktische Messungen. Wann genau kommt es zur Rücklösung? Wie ist ihr Verlauf? Wann geht sie zurück? Von welchen Faktoren ist die Rücklösung abhängig? Wassertemperatur, Salzgehalt und vor allem der Sauerstoffgehalt am Grund werden steuernde Funktionen haben. Wie genau steigt der Phosphorgehalt im Schleisommerwasser? Mit welchen Auswirkungen?

Was geschieht konkret, wenn man Faulschlamm entnimmt. Gibt es Unterschiede zwischen der Baggerung und der Absaugung? Beides können wir im Modell durchführen. Kommt es zu unerwünschten Nährstoffanreicherungen und Trübungen im Umfeld?

Wissenschaftler  und Fischer warnen vor empfindlichen Nebenwirkungen. Das nehmen wir sehr ernst. Was geschieht, wenn man den Faulschlamm „besandet“? Wie lange bleibt der Sand, was geschieht? Was, wenn man den Faulschlamm belüftet? Ohne die kenntnisreiche Beantwortung dieser Fragen  bleiben Vorschläge zur Lösung des Faulschlammproblemes theoretisch und ein Lotteriespiel mit evtl. erheblichem Schadenspotential.

Das SIEZ® plant mehrjährige Untersuchungen dazu. Wir wollen ein Forschungsfloß bauen mit einer Grundfläche von 8 x 8 Metern. Das Floß besteht aus 40 jährigen Douglasienstämmen mit Balkenlage darauf und 30mm Laufbohlen. Mindestens 12 stabile Kunststofffässer von je 200 l sorgen für eine ausreichende Tragfähigkeit. Eine Solaranlage speist  Batteriebank und Stromversorgung, die ihren Platz in einem kleinen Maschinenhaus hat (2 x 2 Meter).

Der Maler Kai Feddersen traf mit seinem Aquarell den Kern des geplanten Forschungsfloßes
Douglasienstamm für das Floß (Foto: Dieter Beyer)

Ein 3 Meter hoher Turm über einer Fläche von 2 x 2 Metern in der Mitte ermöglicht experimentelle Faulschlammentnahmen mittels eines speziell dafür gebauten Greifers und die exakte Positionierung von Messgeräten/Belüfungsrahmen. Ferner sind ein „Sehrohr“ und evtl.  ein Leiterniedergang zum Grund vorgesehen. Stabile Stahllaschen rundum ermöglichen das Rammen von Pfählen zusätzlich zur evtl. vierseitigen Verankerung. Ein Brüstungsgeländer macht einen Besuch & die Arbeit auf der Anlage ungefährlich.

Das Schleppfloß soll in geeigneter Tiefe in der Finsterstirnbucht nordöstlich des Missunder Noores auf schwarzem, stinkenden Faulschlamm liegen. Hier besteht Schutz aus Süd, West und Ost abseits des Schifffahrtsweges. Es unterliegt dort täglicher Aufsicht. In Missunde liegt unser Vereinsboot, die „Hohner Fähre“ (10 min. Fahrzeit).

Das SIEZ® möchte mit dem Ministerium des Landes, dem Institut CRM Kiel und der Universität Aarhus, Dr. Zak und dem Naturpark Schlei in dieser Frage zusammenarbeiten. Die materiellen Kosten des Projektes betragen ca. 25Td € .  Der Bauplatz auf einer nahen Salzwiese ist gefunden und die Stämme liegen als unser Beitrag bereits vorort.  Wir würden gern im März 2021 nach erfolgreicher Finanzierung mit dem Bau beginnen und freuen uns auf Unterstützung. Das WSA Lübeck hält das Vorhaben unter Auflagen für genehmigungsfähig. Auf einer Informationsveranstaltung des Gewässerverbandes Schlei durfte das Projekt vorgestellt werden. Wir gehen im September in intensivere Gespräche mit dem Naturpark, dem CRM und dem Ministerium und präsentieren einen Messplan für die erste Phase des Projektes.

Erste Projektskizze des Ing. Büros Hensen, es fehlen noch das 2 x 2 Meter Maschinenhaus und die Bemaßung

Solch ein Projekt kann & will das SIEZ® nicht allein finanzieren und betreiben. Eine erfolgreiche Vernetzung vieler Akteure ist Grundvoraussetzung für die Verwirklichung solch eines Planes.

Auf die Synergien der Zusammenarbeit, auf das „Sich näher kommen“ auf die  vielen Erkenntnisse beim Kampf um die Finanzierung, auf das fröhliche Bauen, auf Kaffee, Bier und Lachen freuen sich Dieter Beyer, Hartmut Keinberger und Karl Walther, der Vorstand des SIEZ®.

Ps.: Ein Wort noch an die Fischer der Schlei. Der Vorsitzende des SIEZ® stammt aus einer uralten Fischerfamilie vom Frischen Haff. Er wird sich immer als Fischer fühlen. Ob er will oder nicht. Das Forschungsprojekt des SIEZ® dient der Verbesserung der Fischerei nicht ihrer Behinderung. Es gibt für euch immer einen heißen Kaffee auf dem Floß.

Blasentangkultur in der Schlei – eine Chance für das Ökosystem?

Blasentangkultur in der Schlei – eine Chance für das Ökosystem?

Der Blasentang (Fucus vesiculosus) ist vielleicht die bekannteste Braunalge der Ostsee, leicht erkennbar an den typischen Blasen und vor allem an steinigen Stränden leicht zu finden.

Auch in der Schlei war diese Alge früher weit verbreitet und kam bis in die große Breite in der inneren Schlei vor. Leider ist der Blasentang heute nur noch in der äußeren Schlei zu finden, was wahrscheinlich auf die Überdüngung und damit einhergehende Trübung der Schlei zurückzuführen ist. Damit ist eine für das Ökosystem sehr wichtige Art, die unter anderem Fischen und Wirbellosen als Habitat dient, großflächig verloren gegangen. 

Der Blasentang ist aber nicht nur für das Schlei- Ökosystem interessant, sondern wird auch für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln und Naturkosmetik verwendet. Dazu werden natürliche Blasentangbestände an der französischen und irischen Atlantikküste beerntet. Da auch diese Bestände von sich ändernden Umweltbedingungen bedroht sind, und der Bedarf an Blasentangbiomasse weiterhin wächst (Algen sind ein Trendprodukt), wäre eine Produktion von Blasentangbiomasse in Kultur eine sinnvolle Alternative. Das botanische Institut der Universität Kiel hat deshalb schon Versuche zur Kultivierung des Blasentangs in der Kieler Förde durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass eine Kultivierung generell möglich ist, allerdings überwachsen die in der Ostsee auftretenden Seepocken und Miesmuscheln den kultivierten Blasentang und verringern so den Wert der kultivierten Biomasse.

Blasentangkultur an der Schlei

Deshalb wurde die Schlei als Alternativstandort ausgewählt. Die Schlei hat an der Mündung Ostseesalzgehalt, Richtung Schleswig wird das Wasser aber immer süßer. Dadurch ist es eventuell möglich, Blasentang in der Schlei zu kultivieren, ohne den starken Bewuchs durch Muscheln und Seepocken, weil diese durch den niedrigeren Salzgehalt gar nicht oder nur in geringerer Zahl auftreten. Um herauszufinden, ob diese Hypothese stimmt, wird im Sommer 2020 an fünf Standorten entlang der Schlei Blasentang in Körben experimentell kultiviert und sowohl das Wachstum der Algen, als auch der Bewuchs mit Miesmuscheln und Seepocken untersucht.

In Zusammenarbeit mit dem SIEZ® wurde das Experiment am 23. Juli gestartet und wird über zwei Monate laufen. Sollte das Experiment erfolgreich sein, eröffnet das auch Perspektiven für den Schutz des Gewässers Schlei. Durch die Blasentangkultivierung könnten dem überdüngten Wasserkörper Nährstoffe entzogen werden. Außerdem könnte der Blasentang an Orten wiederangesiedelt werden, die er früher natürlich besiedelt hat, wenn auch in künstlicher Form. Das Projekt wird von CRM (Coastal Research & Management) unter Leitung von Rafael Meichßner betreut und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (BALI- Projekt: Bioraffineriekonzept für Algen-basierte Inhaltsstoffe). Die Ergebnisse werden am Ende des Projektes unter anderem auf der Internetseite des SIEZ®veröffentlicht. 
Einen Überblick der Standorte zeigt Abb. 1.

Abb. 1: Versuchsstandorte Blasentangkultur in der Schlei

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Bericht über die Stexwiger Beek 					     von Karl Walther

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Bericht über die Stexwiger Beek von Karl Walther

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Das sagte im Vorjahr ein Landwirt, nachdem er eine der Schwansener Auen mit seiner Schwarzgülle 2 Tage lang von allem Getier befreit hatte. Auf einer anderen Au in Schwansen schwamm vor ein paar Monaten halbmeterhoch Schaum nach einer Frühjahrsausbringung auf klatschnassem Grünland. Die Auen mussten Nitratwerte von 60 bis 90 mg Nitrat ertragen. Die Schlei blüht, keine guten Sichttiefen. In den Salzwiesengräben dicke Pelze Fadenalgen.

Ein häufiges Bild auf Schlei und Auen
Fadenalgen auf den Gräben der Schleisalzwiesen…viel zu viel Nährstoffe…

Aber „Land schafft Verbindung“ in Schaalby leugnet empört in der SHZ jegliche Verantwortung der Landwirtschaft für die Überdüngung der Umwelt durch die industrielle Landwirtschaft.

Nun war eine der kleinen Schleiauen, die Stexwigbeek „umgekippt“. In den ersten Maitagen wurde auf knochentrockenem Ackerland  Substrat aus SL- stadtwerkeeigenen Biogasanlagen in Stexwig reichlich ausgebracht, lief oberflächlich in eine Senke, von dort in einen Schacht und dann über eine Vorflut in die Stexwiger Au. Die Schleswiger Nachrichten berichteten am 11. Mai 2020 darüber in einem ausführlichen Artikel von Thomas Rühs.

Ergebnis einer Begehung der Stexwiger Beek nach der Gülleeinleitung durch Fischereiberechtigte

Bereits vor fünf Jahren wurde alles Leben in dieser Au ausgelöscht. Im damaligen Verfahren wurde ein Ordnungsgeld von 500 Euro, zahlbar an das Rote Kreutz, verhängt. Soviel, sowenig ist das Leben in unseren silbernen, zauberhaften Schleiauen wert. Ein Kavaliersdelikt.

Auch jetzt wurden  Meerforellen und Edelkrebse, Bachfische und Kleinlebewesen bis hin zur Kaulquabbe getötet. Die Fischereiberechtigten erstatteten Anzeige. Es wird wieder eine kleine Strafe geben, 100 € bis 1000 € vielleicht an eine Naturschutzorganisation.  Das SIEZ® würde solch ein Bußgeld nicht annehmen, obwohl wir auf der Begünstigtenliste der Gerichte stehen.

Was lehrt uns dieser Unfall? Er geschah weit weg von der Schlei. Aber das Wasser läuft auch weit bergab. Es existiert oft keine Sorgfalt bei der Gülleausbringung. Ich sah selber, wie Gülle im Stand den Schleihang bergab laufen durfte und habe das gefilmt. Vielfache Überdüngungen sind festzustellen und werden nicht geahndet. Manche Landwirte aber sind vorsichtig & korrekt und verwenden modernste Technik. Respekt und Dank dafür! Andere aber klatschen es auf nasses Grünland, von wo es in die Schlei läuft oder arbeiten es viel zu spät ein, wenn bereits die Luft damit ausgiebig gedüngt ist.

Das „kleine Wenig Schaum“, das zwei Tage alles Leben in den Auen tötet, das stört doch niemand,  denkt mancher industrielle Landwirt vielleicht bei Strafen im Portokassenbereich. Bezahlen aber müssen diese Unfälle neben der Natur und der Zukunft der gesamte Berufsstand, dessen Image schlechter nicht mehr werden kann. Wenn das so weiter läuft, wer freut sich dann noch über die Landbewirtschaftung und die „Bauern“? Mein Großvater war Landwirt. Er liebte seinen Beruf so sehr, dass er noch schnell die Kühe molk, bevor er erschossen wurde. Mir tut dieser Niedergang meines Berufsbildes sehr weh.

Wir maßen am Mittwoch, dem 13. Mai die Wasserqualität der Stexwiger Au und die Nitratwerte lagen wieder im normalen Bereich. Es war ja nur eine „kleine giftige Gewässerwolke“ bereits schon lange in der Schlei verschwunden, wie viele andere Gülle auch.

Ich sprach mit Fischern und Schleianrainern: „Das ist Umweltkriminalität“, war die Meinung. Ein dreijähriger Entzug jeglicher Förderung von EU Subvention und Landessubventionen wäre eine angemessene Strafe. Dann würd´s so nicht mehr geschehen. Alle Subventionen seien knallhart an Umweltleistungen zu binden. Jegliche Verschärfung der Düngeverordnung und ihre strikte Kontrolle wurde gefordert. So die empörten Meinungen.

In einem Bächlein helle
Da schoß in froher Eil`
Die launische Forelle
Vorüber wie ein Pfeil 

Ich saß in guter Ruh an dem Gestade
Und schaut des Fischleins Bade
Im klaren Bächlein zu…  

Das war´s…Wer kennt es nicht, dies schöne Lied?

                                               

                                                                                 

                                                    

Messgerät und Schöpfer beim nächtlichen Einsatz – Strömungen in der Schlei

Messgerät und Schöpfer beim nächtlichen Einsatz – Strömungen in der Schlei

Seit Dezember 2019 messe ich Strömungen in der Schlei. Zum Einsatz kommt ein Flügelmessgerät der Firma Hydrobios.

Die Messergebnisse werden notiert. So ergibt sich zum Beispiel folgende Notiz: 

  • Dienstag, 14. Januar 2020 11:54,  Tonne 50:
  • Sichttiefe 1,40 m, 
  • Sauerstoff an der Oberfläche 13,6 mg bei 7,6 °C,
  • Wind 5,3 m/s aus West, 
  • Wasserströmung stehend in allen Tiefen.
Flügelmessgerät der Firma Hydrobios

Der Fischer Mathias Nanz hatte mich darauf hingewiesen, dass im Ausgang des Missunder Noores auf dem Faulschlamm zahlreiche kleine Herzmuscheln zum Vorschein kommen. Ich war dann mehrmals dort, stach Sedimente und maß die Strömung. Bei einlaufendem Strom „stoppt“ der häufige Westwind  im Noor (an Kraft zunehmend) hier den Einlaufstrom und es kommt zu Erliegen der Strömung, so dass hier „dickes Wasser“ (Mundart für Sedimente im Strom) den Sand verliert. So kann der Faulschlamm hier besanden und sofort folgen die Muscheln.

Auch unter der Lindaunisbrücke machte ich zahlreiche Messungen. Hier fiel mir auf, dass bei auslaufendem geringem Strom (0,2 m/s) die Strömung vor der Verengung zum Erliegen kommt. Das erstaunte mich sehr, erwartete ich doch einen Bernoullieffekt. Aber die Verengung scheint einen Rückstau zu bilden und der Bernoullieffekt scheint eine Mindestkraft zu benötigen. Für den Strom ist die Verengung „fast“ das Ende des Gewässers und staut zurück. Querhindernisse sind ein beachtlicher Eingriff in die Natur! Das kontrollierte ich auch für die „auswärtige“ Seite von Lindaunis. Auch hier verlangsamt sich eine Strömung von 0,25 m/s auf bis zu unter 0,1 m/s.

Am 27. März 2020 hatte ich Gelegenheit, in Lindaunis eine Hochwasserwelle zu erleben. Wir haben im SIEZ® absolut fähige Wissenschaftler, Meeresforscher, Physiker, Biologen etc.. Ich selber bin eher ein Allrounder, (Hans Dampf in allen Gassen). So werde ich im Folgenden die Messungen der Welle nur kurz skizzieren, so dass, wer will, sie interpretieren kann. Als Auswertung von meiner Seite folgt lediglich am Ende ein „Sack voller weiterer Fragen“.

Anmerken möchte ich, dass die Sturmnacht ein großes Erlebnis war: über mir donnerte der Zug über die Brücke und unten rauschte die Strömung mit bis zu 2 Meilen. Vielen Dank an den Brückenwärter und die „BÜP‘s“ (Brückenüberwachungsinspektoren) für die Gespräche, den heißen Tee und die Fachsimpeleien an der Brücke, die gerade für den Autoverkehr gesperrt war.

Ruhe nach dem Sturm, ablaufendes Wasser, in der Nacht 1,50 Welle und Hochwasser

27 März 2020, 19:50: 

  • Pegel Schleswig: 5,06 m steigend, am Tag davor knapp unter NN, um 12 Uhr NN passiert, 
  • Lufttemperatur 9,8 °C, 
  • Wassertemperatur 6 °C, 
  • Luftdruck 1030 bar, 
  • Strömung einwärts mit 0,12 bis 0,18 m/s, 
  • Wind Nord böig, auf der Brücke gemessen mit Handwindmesser am gehobenen Arm ⱷ 3m/s

27 März 2020, 22:50: 

  • Barometer 5 Strich gefallen, 
  • Pegel Schleswig: 5,11 m 
  • Lufttemperatur 7,6 °C,
  • Wassertemperatur 4 °C, 
  • spez. Gewicht gemessen mit geeichter Spindel, aber nicht temperaturkorrigiert 1,08 , 
  • Wind böig, 3,2 bis 5,4 m/s, 
  • Strömung 0,155 bis 0,24 m/s

Sonntag 29. März 2020, 1:30:

  • Lufttemperatur 5 °C, 
  • Böen bis 10,2 m/s, 
  • Pegel 5,17 m, 
  • Strömung 0,160 m/s bis 2,40 m/s einlaufend, 
  • der Wind sehr sandig und das Probenwasser „dick“, Dichte 1,08

Sonntag 29. März 2020, 6:00 (Sommerzeit):

  • Barometer steht auf 1020 bar und will beim Klopfen schon wieder steigen, 
  • Lufttemperatur 1 °C bei Schnee im Sturmwind, 
  • Böen bis 13,4 m/s,
  • Wasser steigt jetzt stark und „schießt“ unter der Brücke hindurch. Es ist „in de Blink“ und laut von Wind und Welle. Strömung 0,339 m/s jeweils gemessen in 50 cm Tiefe.
  • Wasser voller Sediment unsichtig und von 1,09 Dichte bei 3,5 °C (jeweils unkorrigiert),
  • Pegel Schleswig: 5,32 m,  Schleimünde: 5,53 m, steil

Sonntag 29. März 2020, 9:00:

  • Böen 16,1 m/s max. bei 
  • Lufttemperatur von 1 °C, 
  • Wassertemperatur 3,5 °C, 
  • Salz 1,1 mg/l,
  • Pegel 5,50 m, 
  • Strömung unter der Brücke 1 m/s, hohe Welle brechend, Wellenhöhe geschätzt 1 Meter

Sonntag 29. März 2020, 12:00:

  • Böen bis 12m/s, 
  • Lufttemperatur 4 °C, 
  • Strömung 1 m/s, 
  • Wassertemperatur 3,5 °C, 
  • Pegel 5,68 m, 
  • Salzgehalt 1,105 mg/l unkorrigiert

Sonntag 29. März 2020, 14:00: 

  • Böen 12 m/s nachlassend auf 8 bis 18 m/s, 
  • Strömung mit nassem Holz oberhalb der Brücke gemessen:  2 m/s, da Platz unter der Brücke zu rauschend und gefährlich (ein falscher Schritt und ich spüle in Kieholm an),
  • Lufttemperatur steigend auf 5 °C, 
  • Wasserdichte 1,12 (ich fahre nach Weidefeldstrand und Eckernförde, dort die gleichen Werte, d.h. jetzt haben wir reines Ostseewasser, auch sensorisch, unter Lindausnisbrücke. 
  • Pegel in Schleswig erreicht 15.15 m, Höchststand mit 6.26 m, Hochwasser auf der Schlei
Überflutete Salzwiesen und Schleiweg gegenüber Ulsnis

Sonntag 29. März 2020,  19:00:

  • Böen 4 m/s 
  • Wasser sehr hoch: 6,08 m
  • Strömung 0,25 weiterhin einwärts, 
  • Schöpfwasser klar aber salzig mit 1,12 unkorrigert = Ostseewasser 
  • Lufttemperatur 6,8 °C,
  • Wassertemperatur 4 °C, 
  • die Schlei beruhigt sich

Sonntag 29. März 2020, 23:00:

  • Lufttemperatur 0 °C,
  • Wind von Nord auf Ost mit 1 m/s fast windstill, 
  • jetzt stark rückfließendes Wasser mit 1 m/s, Salzgehalt zurückgehend mit 1,11 mg/l gegenüber Eckernförde jetzt: 1,13 m/s Rückstrom, breit und mächtig aber ohne Welle,
  • Pegel in Eckernförde: 5,24 m; Kappeln: 5,06 m; Schleswig: 5,93 m; Schleimünde: 5,24 m

Montag 30. März 2020, Morgendämmerung

  • Lufttemperatur 2,5 °C, 
  • Wind rückdrehend NW,
  • Strömung 4,1m/s, stark auslaufend mit 3 °C und 0,771 m/s, 
  • Salzgehalt 1,09 mg/l,
  • Pegel Schleswig: 5,52 m, Schleimende: 4,60 m, Kappeln: 5,05 m

Montag 30. März 2020, 11:00 Abschlussprobe: 

  • Wind auf Nord mit 3,1 m/s 
  • Lufttemperatur 5,5 °C, aber wechselnde Luftböenwärme mit scheinbar anderen Luftmassen bis 11.1 °C (ist das ein vorgezogener Aprilscherz?) 
  • Strömungsgeschwindigkeiten Oberwasser 0,58 m/s im Tiefenwasser über dem Schleigrund 0,23 m/s  Salzgehalt des Wassers 0,08 mg/l unkorrigiert

Meine Beobachtung: bei Sturm schießt Salzwasser aus der Ostsee in die Schlei und dieser Strom erobert jedenfalls in der Schleimitte die Situation. Was dieses kalte, sauerstoffreiche Ostseewasser mit dem bereits wärmeren Brackwasser macht, sollte erörtert werden.  Ich jedenfalls hatte das Gefühl, dass das schwerere Ostseewasser entweder vorherrscht oder das brackigere, leichtere Wasser „überrollt“, was physikalisch schwer zu erklären wäre. Jedenfalls mischt es sich nur langsam. In einer weiteren Messreihe und vergleichbarer Situation würde ich mit der „Hohner Fähre“ zwischen Stubbe und dem Noor eine Quermessung machen und zahlreiche Dichtebestimmungen vornehmen. Inwieweit erlangt der Salzwasserzustrom und die Strömung die gesamte Schlei?

Außerdem ist solch eine Flutwelle unter einer Eisenbahnbrücke ein großes Erlebnis und erinnert stark an Fontanes Gedicht: die Brücke am Tay. Regierung und Deutsche Bahn messen in Lindaunis keine Strömungen. Das SIEZ® aber macht das und ich werde nach dem Bau der neuen Brücke auch Lotungen an der Brücke durchführen. Jeder von uns kennt die Macht der Strömungspumpen und den Bernoulli Effekt. Im Januar 2018 beobachtete ich die Strömung an gleicher Stelle, die sicherlich stärker als drei Meilen war. Was bedeutet das für diese Schleistelle?

Als Abschluss erfolgt noch ein Diagramm über die Zeitverschiebung und Höhen der Pegel dieser „Welle“, die ja die Schlei „durchläuft“. Ich bin dankbar über Beobachtungen und Kommentare unserer Wissenschaftler zu diesen Messungen und Beobachtungen. Ein kleiner Film über diese „Welle“ wird demnächst unter Medien eingestellt. Die Schlei braucht dringend ein Brackwasserinstitut. Das SIEZ® hat genug Neugier, sie „verstehen“ zu wollen.

Pegelstände an Schlei und Ostsee vom 29.03.2020 bis zum 31.03.2020

Mit freundlichen Grüßen 

Karl Walther
Vorsitzender SIEZ®

Gülleeintrag in die Schlei / Modellregion Schlei

Gülleeintrag in die Schlei / Modellregion Schlei

„Das Jahr beginnt, der Regen fällt, ein andrer Herr regiert die Welt, der Wind ist kalt und schwer, das Land ertrinkt im Regenmeer“. Walter Scherf, der Pfadfinderdichter, schrieb diese Zeilen vor einigen Jahrzehnten. So war der Winter 2020 ein „Regenmeer auf dem Land“. Das Wasser in Auen und Schlei so „dick“ als könne man darauf laufen. Riesige Nährstoffmengen landeten in der Schlei.

Nun beginnt die Düngesaison und es kommt für die Schlei noch „dicker“. Der Bauernverband verhindert ein Einlenken bei den „Rote Gebiete §13 “ und damit ist die Düngeverordnung von 2017  immer noch nicht durchgesetzt. Die Schlei bleibt die Stieftochter der Menschen.

Nicht nur ein „fachgerechter Schleier“ auf dem wassergesättigten Grünlandhang zur Schlei hin, Ende Februar, stehende Gülle
        So sieht es 14 Tage später in der nahen Au unterhalb der Düngung auf dem sandigen Berg aus, Gülleschaum und stinkendes Wasser.
Die Auen erreichen hohe Nitratwerte über 60 mg/l. So gemessen z.B. an der Mündung der Karlsburger Au

Es hat in Schleswig Bemühungen gegeben, ein „Integriertes Schleiprogramm ISP“ für die Schlei zu entwickeln, 50 Millionen sollte es ursprünglich beinhalten: 10 Jahre lang 5 Millionen. Inhalt des ISP war es, den Bauern bis zu 1/3 des Grundverkehrswertes dafür zu geben, daß sie schleiseitig auf Einträge verzichten und ihre Gülle „woanders“ einsetzen. Also bis zu 8000 Euro Prämie für die freiwillige Einhaltung der Düngeverordnung. Alle betreffenden schleirelevanten Gebiete wurden konkret bezeichnet. Fürwahr eine mühselige Arbeit von Thorsten Roos & seinem Team, zu dem auch der Bauernverband gehörte.

Dieses 50 Millionen teure Programm für die Schlei würde das Problem der Überproduktion nicht lösen. Die Bauern wollen die Düngeverordnung nicht. Sie sind unter Druck. Die EU und der Bund leiten und lenken nicht. So sagte der Vertreter der Bauernschaft am runden Tisch: Geld für uns ist nicht die Lösung der Probleme, wir brauchen zusätzlich einen Landausgleich, die besseren Flächen der Stiftung Naturschutz sollten uns „angedient“ werden.

Wir meinen: es braucht große Hilfen zur Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft. So kann es nicht weiter gehen.

Das Land gibt nun keine 50 Millionen für die Schlei und die „freiwillige“ Einhaltung der Düngeverordnung (genannt wird diese Idee: ISP, Integriertes Schleiprogramm). Aber es bahnt sich ein Bundesprojekt „Modellregion Schlei“ mit Bundesmitteln an. Es soll einen Umfang von 10 bis 12 Millionen haben, mit einem Teil Gegenfinanzierung durch das MELUND. Damit hätte das Land den Hut auf und das ist gut so.

Ich bin als Vorsitzender des SIEZ® ganz dagegen, dass Mittel dafür eingesetzt werden, die Landwirtschaft in die Einhaltung der DÜV durch viel Geld zu „locken“. Es wären die falschen Signale.

An den noch lange nicht befahrbaren regensatten Schleihängen wurde im Februar Gülle im Stand verklappt. Ein herzloser Affront. So gelangen Nährstoffe ins Grundwasser und die Gewässer. Es wird ein weiteres, hartes Jahr für die Schlei.

Gülleverklappung an der Schlei Ende Februar auf regensattem Grünland

Die Düngeverordnung stößt nicht auf die nötige Akzeptanz. Sie zu verschärfen macht nur dann Sinn, wenn sie vollkommen mit allen EU Förderungen verknüpft wird. Seit drei Jahren ist kein rotes Gebiet als § 13 Gebiet vom Land definiert worden. Der Bauernverband findet neben „roten Grundwasserbrunnen“ auch „weiße“ mit unter 50 mg und „beweist“ so die „Unschuld“ der industriellen Massentierhaltung. Er treibt die Landwirtschaft in die gesellschaftliche Isolation. Hohe Strafzahlungen der EU werden die Folge sein. Es fehlen überall die neuen Ziele und Programme und das Geld für eine ökologische Landbewirtschaftung. So jedenfalls kann es nicht weiter gehen.

Wie soll das für die Schlei  gut gehen?

Wir würden uns über Bundesmittel an der Schlei sehr freuen. Sie sollten auch für eine alternative Gülleverwertung verwendet werden, für eine Auflösung der Zwickmühle. SIEZ® nahe Ingenieure forschen am Einsatz der Gülle für Heizzwecke (Gülletrocknung, Phosphatauswaschung). Startups wurden gegründet und sollten vom Land unterstützt werden. Das SIEZ® beginnt mit einem Floß zu erforschen, was wirklich geschieht, wenn Faulschlamm vom Schleigrund entnommen wird – wenn er belüftet, wenn er besandet wird. Welcher Nutzen würde sich ergeben, welcher Schaden entstehen? Wir würden uns auch auf eine gewisse Unterstützung durch die Bundesmittel freuen.

Aufklärungsbedarf für die Kreisläufe der verschiedenen Stoffe in einem Infozentrum ist notwendig. Das ist die Grundidee des SIEZ®: zu zeigen, dass alles zurückkehrt, was scheinbar entsorgt wird, seien es die Nährstoffe, das Plastik, der Reifenabrieb, das Co2 als verändertes Klima. Dieser Plan wird bislang noch gar nicht unterstützt.

Das SIEZ® freut sich sehr auf die „Modellregion Schlei“, auf die Förderung moderner Projekte. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, so hoffen wir und wir sind mittendrin und dabei; dies meint

Karl Walther 1. Vorsitzender des SIEZ®

Ein kleinster Schritt auf dem Weg zur Vielfalt – Orchideenwiese am Ornumer Noor – langfristig durch das SIEZ<sup>®</sup> gepachtet

Ein kleinster Schritt auf dem Weg zur Vielfalt – Orchideenwiese am Ornumer Noor – langfristig durch das SIEZ® gepachtet

Vor gut einem Menschenleben noch erreichte die Vielfalt der Lebensräume unserer Natur und Kulturlandschaft Höhepunkte. Landwirtschaft wurde „handwerklich-mechanisch“ betrieben.  Unsere Landschaft erblühte in einer ungeahnten, unglaublichen Vielfalt. Eine einschürige und späte Mahd der Niederungsflächen an der Schlei und artenreiches Grünland prägten die Wiesen. Die Bodenbrüter hatten fürs Brutgeschäft genügend Zeit. Kiebitz, Frosch und Storch waren zahlreich an der Schlei. Jedes Dorf hatte eine Meierei und zumindest ein Storchennest. Auf den Wiesen blühten Orchideen und das Wiesenschaumkraut  und der gelbe Sumpfdotter. Am Schilf grünte Löffelkraut und der Wasserfenchel, der Schlangenlauch, die Angelika. Eine bunte Welt.

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
 (Quelle D. Rackow & W. Busse)

Industrialisierung & Intensivierung der Landwirtschaft  verödeten die Landschaft. Das „totalitäre“ Glyphosat unterdrückt alle Beikräuter bis zum Insektenhunger & Insektensterben. Uns macht es vielleicht todkrank, es steht jedenfalls unter diesem Verdacht. Eine unverantwortliche EU Politik gaukelte uns Landwirten mit hohen Flächensubventionen vor, dass nur die Flächengröße zähle und setzte uns unter einen unerträglichen Wachstums- und Preisdruck, verjagte uns Landwirte von Jahrhunderte alten Höfen in äußerster Konkurrenz. Die Schleilandschaft musste mit dem Mittleren Westen Amerikas konkurrieren. Die Buntheit der Vielfalt verschwand.

Nicht regionaler Markt, aber Weltmarkt. Die falsche Förderpolitik der Flächensubvention, die trostlose Monotonie überdüngter Maisäcker, Massentierhaltung und Gülleflut. Die einstmals stolzen Landwirte wurden zu den Prügelknaben der Nation. Sie sind scheinbar allein schuld am Ergebnis der doch gewollten & gezielten Agrarpolitik. Der Niedergang der Vielfalt, der Niedergang der Gewässer & Grundwasserkörper, die Verschlammung der Schlei waren der Preis viel zu billiger Lebensmittel und falscher Politik. Mit Unsummen Fördergeld hatte die EU genau das doch gewollt: eine mit Amerika konkurrenzfähige industrielle Landwirtschaft. Wir leben im Sterben der Vielfalt.

Mit großer Unterstützung der Gemeindevertretung durfte das SIEZ® das „Kopfstück“ des Ornumer Noores als Pflanzenarche für zunächst 5 Jahre pachten und wird dort als „Hotspot“ die alte Pracht der Schleivielfalt wiederherstellen: Orchideen, Sumpfdotter, Wiesenschaumkraut, Löffelkraut, Teufelsabbiss, Schlangenlauch, Amphibien, Bodenbrüter…

Zukünftige Orchideenwiese der Gemeinde Kosel, gepachtet vom SIEZ® rechts der Fahrradweg der K83

Das SIEZ® hat im Herbst 2019 die mit Sumpfschachtelhalm bestandene Fläche gemäht, abgeräumt und Knabenkrautpflanzen, Klappertopfsaat und Teufelsabbiss eingebracht und auch eine zweite späte Mahd Ende Oktober durchgeführt. Nach der Räumung der Fläche  wurde Knabenkrautsaat eingegossen. Ziel der zwei späten Mahden war es, den Orchideen einen Konkurrenzvorteil fürs Frühjahr zu verschaffen. Ein Wiesenbach rinnt über die Fläche und darf wohl mit einer „Blänke“ (Bachausbuchtung) versehen werden, einem Tummelplatz für Amphibien. 

Wir freuen uns  sehr über diese kleine Fläche. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und das Landesamt freuen sich mit uns. Hier entsteht ein Artenhotspot, eine Pflanzenarche. Wir danken für das Vertrauen der Gemeinde und der Region. Wir freuen uns auf die Amphibien, Insekten und Bodenbrüter. Möge es dort wieder bunt blühen.

Karl Walther, Kleinstlandwirt und Vorsitzender des SIEZ®

Straßenabflüsse – ein Problem auch an der Schlei ?

Straßenabflüsse – ein Problem auch an der Schlei ?

Erster Teil: das Problem

Bereits drei Mal wurde das SIEZ® zum Fischsterben im Burgsee gerufen. Dort in der Niederung unterhalb des Kreishauses sterben immer wieder nach langen Regenperioden große Barsche in einer Menge, die dem kleinen Grabensystem (etwa 8ha) zwischen der Schlossinsel und dem Thiessenweg/alter Schießstand dort nicht zukommt. Ich vermute, dass die Niederung nach langen Regenfällen „umkippt“ und sich die Barsche der Umgebung hier am „rotten Grund“ satt fressen, bis es sie selber „erwischt“. Fundort der Barsche ist die Überlaufeinleitung unterhalb des Kreishausparkplatzes.

In dieser Niederung kann man äußerst niedrige Sauerstoffgehalte dort unter 3mg messen und reichlich Abwasserpilzfäden finden. Eine anatomische Sektion der Barsche konnte vom SIEZ® (leider) nicht erfolgen, weil jedes Mal frische tote Exemplare fehlten, diese sofort beseitigt wurden. Erst jetzt haben uns einige Bewohner des Thiessenweges nach Gesprächen am Gartenzaun zugesichert, uns rechtzeitig für eine Sektion zu informieren.

Abb. 1: Die Autobahn A7 erklimmt die Pöhler Höhe bei Schleswig (bis 46m NN), das Straßenwasser läuft 1 zu 1 über den Panzergraben in die Schlei und in den Straßennebenraum
Abb. 2: Ein SIEZ®-Mitarbeiter nimmt eine Wasserprobe des Panzergrabens unterhalb der Autobahn, Treppenabsturz vom Wasser der Dannewerker Niederung plus A7 Oberflächenwasser ungeklärt
Abb. 3: Einige Tage tote Barsche beim Herbstfischsterben 2019 nach langen Niederschlägen beim Kreishaus unterhalb Parkplatz, milchig grau das Wasser vom Abwasserpilz in der Niederung tlw. Schneeweiß. Im Jenner 2020 das Wasser=glasklar, da keine Überläufein der Mischkanalisation
Abb. 4: Unterhalb der Kahmhaut ist der Abwasserpilz als weißer Belag zu sehen, tlw. vom verockerten Moorwasser eingefärbt (Niederung Windallee)

Dieser Vorgang brachte uns im SIEZ® zur Frage, ob die Barsche im Burgsee vielleicht auch noch durch andere Einflüsse vorbelastet sein könnten. Zum Beispiel durch Mikroplastik. Dies brachte uns zur Frage der Einleitung von Reifenabrieb in die Schlei als möglicher Vorbelastung, als möglichem Vitalitätsverlust. Daneben ist das Problem des inzwischen regelmäßigen Barschsterbens wohl vor allem eines der Sauerstoffknappheit nach langen Regenfällen im Burggrabensystem und eines der Kanalisation der Stadt Schleswig beim Kreishaus. Es kommen zu Zeiten der „Regenfrau“ (Das Land ertrinkt im Regenmeer) 3 Faktoren zusammen: große Nährstoffreserven der Niederung kommen in den Fluß, die Mischkanalisation „schwappt über“ und dazu dann (die Wege stehen beim Burggraben bereits unter Wasser) die Abschottung zur Schlei, die dazu nicht sonderlich gepflegt wird. So verklemmte über den gesamten Januar 2020 ein Stück Moorholz die eigentliche verschlossene Klappe, worauf uns Anwohner aufmerksam machten. Nun schmort das System im hohen BSB Bedarf und „kippt“ um. Ein Sauerstoffschlauch und ein Kompressor am Parkplatz würden das verhindern, ein Gitter im Verbindungsrohr zum Burggraben ebenso. Aber dazu bräuchte es ein Einräumen der Probleme. Soweit ist Schlewig noch nicht. Doch gehen wir an dieser Stelle nur einem möglichen zusätzlichen Vitalitätsverlust durch Mikroplastikeinleitungen in den Burgsee nach.

Etwa 120.000 Tonnen Reifenabrieb/Jahr soll es in Deutschland als unterem Schätzwert geben. Ein bisher vernachlässigtes Problem des Deutschen Heiligtums „Auto“. Der Reifenabrieb setzt sich „als Depot“ in der Rauhheit der Straße ab und wird mit dem Niederschlagswasser kontinuierlich in den Straßenseitenraum (60Meter links und rechts neben der Straße) und in die Vorflut gebracht. Schätzungen des Bundesumweltministeriums berechnen pro Reifen bis zu 50mg Reifenabrieb pro km. Vielleicht passieren 30.000 Fahrzeuge zusammen die A7&B76 täglich. Das sind 11 Millionen Fahrzeuge im Jahr. In die Schleivorflut geraten bei einer Eintragslänge von geschätzt 500 Metern 5 Millionen mal 200mg Reifenabrieb in den Straßenseitenraum und ein Teil davon in die Schleivorflut. Wie lange gibt es diese Straßen? Da kommen viele Tonnen Reifenstoffe zusammen. Es gibt Stoffe, die partikelgebunden/sedimentgebunden bleiben und wasserlösliche Anteile. Es besteht die bewährte Möglichkeit in Absetzbecken (Regenwasserrückhaltebecken) die Sediment- und Partikelfracht tlw. aufzufangen und zu klären/deponieren.

Das geschieht weder bei der A7 noch bei der B76

Die Wasser/Sedimentfracht (außer Straßenseitenraum) läuft 1 zu 1 in den Panzergraben und deponiert sich dort (s.a. Abb. 1 und Abb. 2). Das Wasser mit seiner Teilfracht läuft über den Burgsee in die Schlei. Der Panzergraben mündet im westlichen Burgsee und speist ihn mit der Vorflut der Dannewerker Niederung und mit den Abwässern der großen Straßen A7 und B76. Er ist teilverrohrt (s.a. Abb. 5, Abb. 6 und Abb 7).

Abb. 5: Skizze Verlauf Panzergraben
Abb. 6: Der Panzergraben entwässert die Dannewerker Niederung hier etwa 250m südwestlich der Autobahn
Abb. 7: Teilverrohrtes Stück vor der Autobahn, hier verschwindet er in der Tiefe unter der Autobahn (tonaufgeschwemmtes Wasser)

Zwei Vorstandsmitglieder des SIEZ® lasen sich in die Literatur des „bast“ (Bundesamt für Straßenwesen) ein und beschlossen eine „kleine Untersuchung“ zum Thema. So nahmen wir 2019 jeden Monat eine Einzelprobe Wasser und Sediment unterhalb der B76. Hier läuft das Straßenwasser der B76 pur in den Panzergraben, ohne vorherige Absetzung. Davor einige 100 Meter entfernt das Gleiche mit der A7. Aus diesen eingefrorenen Einzelproben machten wir eine Sammelprobe und ließen sie von AGROLAB Kiel untersuchen. Als Referenzprobe diente eine Sediment/Wasserprobe des Panzergrabens im Dannewerk oberhalb der Autobahn und eine Sediment/ Wasserprobe einer typischen Schleiau mit wenig Straßenverkehr, der Lindau in Höhe Rehberg. Hier vermuteten wir sehr wenig/keinen Reifenabrieb.

Abb. 8: Auf dem Autobahndamm stehend mit Blick ins zauberhafte Eiszeittal der Au oberhalb Treppenabsturz rechts

Zusätzlich wurde mit Genehmigung des Wasser und Bodenvorsitzenden des Dannewerks ein Barsch im Panzergraben 50 Meter abseits/unterhalb der B76 gefangen und einer aus meiner eigenen Schleiau. Beide wurden zur Untersuchung bei der LUFA eingefroren. Sie wurden von der Lufa auf Cadmium, Blei und Zink untersucht.

Abb. 9: Der Panzergraben an unserer Probenentnahmestelle im Jahr 2019, links kommt das Straßenabwasser direkt von der B76 ebenso wie von rechts

Fußnote: Im Nebenbei: der Panzergraben trägt seinen Namen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Nazis wollten zum Ende des Krieges einen riesigen Panzergaben quer durchs Land bauen. Das gesamte jetzige Weltkulturerbe sollte von Zwangsarbeitern „ausgehoben werden“. Einem Dänischen Nationalsozialisten mit Kontakten zu Himmler gelang es, dies der „Wolfsschanze“ rechtzeitig auszureden. Da waren erst 80 Meter Weltkulturerbe vernichtet. 9.000 Spatenschaufeln standen bereits für die Gefangenen bereit. Der Graben sollte dem Ostwall über Möhlhorst bis Windeby folgen. Aber es kam niemals ein Panzer aus Norden.

Die Grenzen eines „kleinen Vereinsprojektes“

Wir im SIEZ® sind uns vollkommen bewusst, dass zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas viel mehr gehört: ein Monitoring der Niederschläge und der Bau von Niroauffangbecken, kontinuierliche Analysen ebenso wie Sammelproben, die Errechnung von Abbauraten, die Errechnung von Frachten im Jahresverlauf, eine fachlich einwandfreie Trennung von Sediment und Abflusswasser, die Berücksichtigung der Bodenarten im Frachtsediment. Etliche Probefänge von Barschen im Burgsee/Panzergraben zur Erzielung einer Datenmenge, die statistische Einschätzungen zulässt, mehrere Messstationen bis hin zur Schlei, wo am Wikingturm das nächste Problem wartet: Beprobung der Straßenseitenräume. Solch eine Untersuchung kostet eine 5 bis 6 stellige Summe und dauert über ein Jahr. Die Kosten solch einer Untersuchung bewegen sich in der Größenordnung des Baus eines Rückhaltebeckens. Wir vom SIEZ® hatten dagegen nur wenige Hundert Euro Spendengeld  zur Verfügung  (Ein Dank an dieser Stelle an den BUND-Sl). Der Zeitaufwand für das kleine Projekt war bereits immens und drohte den ehrenamtlichen Rahmen zu sprengen. Unser Ziel war vielmehr eine Antwort zu finden auf die Fragen:

  • Gibt es da überhaupt ein Problem und wie groß könnte das Problem sein?
  • Ist das Ergebnis eventuell besorgniserregend für die Fauna im Burgsee?
  • Ist Vorsorge gefragt? 

Das war unsere Fragestellung.

Zweiter Teil: Konzentrationen und Frachten organischer Schadstoffe im Straßenabfluß.

Heft V295 der Bundesanstalt für Straßenwesen DIETER GROTEHUSMANN und Kollegen

„Systematische Untersuchungen zur Belastung der Straßenabflüsse mit organischen Schadstoffen, die z.B. in Weichmachern, Tensiden, Klebstoffen, Lacken, Korrosionsschutzadditiven, Benzinzusätzen, Vulkanisierungsbeschleunigern bzw. Alterungsschutzmittel (Antioxidans) zur Herstellung von Reifen enthalten sind, liegen derzeit (2007 Anmerkung des Verfassers) nicht vor.“ (Zitat aus V295) Aber es gibt einige Untersuchungen und Werte aus der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts und eine Untersuchung an 3 Autobahnen. Stichproben also.

Es sei mir eine kurze allegorische Bemerkung zum Sachverhalt erlaubt: 1845 wurde das erste Patent auf einen Reifen dem Engländer THOMSEN vergeben, seit 1888 werden Reifen (DUNLOP, Vater und Sohn) industriell hergestellt. Die ersten Untersuchungen, was der immense Reifenabrieb seit mehr als 100 Jahren mit der „Schöpfung“ macht, laufen erst jetzt zaghaft an.

In den Konzentrationen von Straßenabflüssen fällt auf, wie hoch der Gehalt an Zink sein kann. Er kann bis auf 1.3oo Mikrogramm im Liter Straßenabfluss hoch schnellen. Zink ist ein notwendiges Spurenelement für jegliches Lebewesen, aber das Zink ist mit Blei und Cadmium als

„Verunreinigung bei der Reifenherstellung“ vergesellschaftet und die sind giftig und im Schwarm ein „Marker“ für hoch giftige Kohlenwasserstoffe bei der Reifenherstellung.

In der Untersuchung: „Einträge von Kupfer, Zink und Blei in Gewässer und Böden 19/05 des Umweltbundesamtes“ heißt es unter 4.4.1.1. auf Seite 85: Die Höhe des Reifenabriebes hängt von den Materialeigenschaften, der Konstruktion und dem Zusammenspiel von Fahrzeug und Reifen ab. Von BUWAHL, 1992 wird beispielsweise bei einem Massenverlust von 1,2 bis 2 Kg pro Reifen und einer durchschnittlichen Fahrleistung von 50.000km von einem mittleren Emmisionswert von 16 bis 50mg/km und Reifen ausgegangen.(also 64 bis 200mg/km/Fahrzeug Am. des Verf., LKWs entsprechend mehr) “

Bei der Reifenherstellung wird Zinkoxid als Aktivator für Vulkanisationsbeschleuniger zugesetzt (RAUTENBERG 1998). Das dadurch im Reifen enthaltene Zinkoxid ist mit Blei und Cadmiumoxid verunreinigt. (Continental 1999). Die Schwankungsbreite beträgt zwischen 0,8 und 2,5 Prozent Zn im Reifen.“

Uns geht es beim Zinkgehalt also um den Marker für den Gesamtcocktail des Reifenabriebs.  Neben den Reifengummistoffen, die mikroskopisch klein Sediment- und Partikelgebunden mit dem Vorflutwasser in unsere Gewässer gelangen: MTBT, Nonylphenol, Octylphenol, DEHP, PCB, Bispenol A, MBT und BTSH sind die wichtigsten (in einer Größenordnung von 0,15 bis 78 mikrogramm/l Probe). Sie sind teilweise partikelgebunden, teilweise wasserlöslich, einige bauen sich kaum ab und wirken wie Hormone, es sind z.T. Vulkanisationsbeschleuniger und Hilfsmittel zur Kunststoffherstellung. Sie sind z.T. in einer Anhangsliste der WRRL mit empfohlenen Höchstwerten aufgelistet und könnten in Regenrückhaltebecken in erheblichem Umfang aufgefangen werden. Diese Becken aber fehlen an der Schlei. Uns interessiert in erster Linie der „Marker“: Zink mit seinen Beimengungen Blei und Cadmium. Je höher dieser Werteschwarmin Gewässersediment und Überstandswasser, desto höher auch der Gehalt an der weiteren Fracht. Das ist unsere Arbeitshypothese, die wir aus den Schriften des „bast“ ziehen. Man kann diese Hypothese m.E. gebrauchen, denn die Untersuchungen auf die KW sind sehr teuer. Allerdings gebraucht diese Arbeitshypothese zur Absicherung eine gelegentliche Beprobung auch auf die Kohlenwasserstoffe.

Dritter Teil: der Versuch

Wir nahmen das gesamte Jahr 2019 unterhalb der B76 Sediment und Wasserproben aus dem Panzergraben. Dieser entwässert die Dannewerkniederung mit etwa 560ha Einzugsfläche, bildet einen eigenen Wasser und Bodenverband mit Herrn Mau als Vorsitzendem, nimmt dazu reichlich Sediment und Oberflächenabwasser von A7 und B76 auf (dient also als Absetzbecken) und mündet dann in den westlichen Burgsee.(Wie wären die Gehalte dort?) Die Sammelproben vereinigten wir zu einer Jahresprobe. Eigentlich interessant sind Proben bei Starkniederschlägen, nach Salzgaben etc., die als „schädliche Wasserwolken“ über den Panzergraben in die Schlei fließen. Lebewesen sind neben Durchschnittswerten ebenso den Höchstwerten ausgesetzt. Mit einer Sammelprobe erwischt man die „Ausreißer“, die vornehmlich die Fauna im Panzergraben/westlicher Burgsee belasten, natürlich nicht.

Die Sammelprobe bezeichnet den Lebensraum in einer bestimmten chemischen Facette, viele Einzelproben hingegen die Gefährdungen aller Tage. Die Situation aber gar nicht zu untersuchen  bei dieser möglichen Eintragslage ist gedankenlos. So ließen wir folgende Proben bei AGROLAB untersuchen:

  1. Panzergraben vor der Autobahn im Glas
  2. Sammelprobe unterhalb der B76 im Glasbehälter (notwendig für PAK Proben)
  3. Eine „einsame“ Schleiau, die Lindau oberhalb Rehberg im Glas

Untersuchen ließen wir den Zink, Blei und Cadmiumgehalt, PAK16 und DEHP Phtalate Octyl/Nonylphenol unterhalb der B76. Für diese Werte gibt es Vergleichswerte in der Schrift V295 des „bast“.

Außerdem fingen wir (mit Erlaubnis von Herrn Mau) einen Barsch unterhalb der B76, wo wir eine starke Belastung vermuten und einen in einer Schleiau in Bohnert, wo kein Reifenabrieb vorhanden ist. Da wir hier keine kritischen Vergleichswerte haben, lassen wir das Barschfleisch nur auf Zink und Cadmium und Blei bei der LUFA untersuchen. Uns interessiert hier der Unterschied zwischen den beiden Tieren und der absolute Wert.

Eventuell auch für die zukünftige Etablierung einer Messreihe zur Erzielung zuverlässiger Datenmengen und statistischer Aufarbeitung der Werte. Die gängige Literatur gibt o,61 mg Zink pro 100 g Flussbarsch als durchschnittlichen Zinkgehalt an. (6,1 mg/kg Frischfleisch)

Kosten der Untersuchung

Der Zeitaufwand/Kosten für zahlreiche Fahrten ins Gebiet war immens. Wir waren ca.30 mal im Gebiet. Die reinen Laborkosten wurden durch unsere Mitglieder und eine Spende der BUND Ortsgruppe Schleswig getragen. Die reinen Laborkosten beliefen sich auf etwa 500 Euro. Wir bitten um Spenden (absetzbar) unter SIEZ® e.V. IBAN DE06 2105 0170 1002 2678 78 Stichwort: Panzergraben. Auf youtube wird ein kleiner Film von uns über die Problematik „Reifenabrieb Panzergraben“ eingestellt. Bei 1ooo Klicks geht das SIEZ® im Senatorkrug Bier trinken.

Ergebnisse und vorsichtige Schlussfolgerung

Als erstes liegt uns das Untersuchungsergebnis der LUFA über den Gehalt an Zink, Blei und Cadmium im Muskelfleisch der gefangenen Barsche vor.

Er beträgt beim Panzergrabenbarsch 

  • 4,22 mg/kg Muskelfleisch Zink
  • 0,003 mg Blei (knapp über der Nachweisgrenze) 
  • Cadmium unter der Nachweisgrenze

Er beträgt beim Barsch aus dem Schleibach Königsburg:

  • 3,92 mg/kg Muskelfleisch Zinkgehalt
  • 0,003 mg Blei (knapp über der Nachweisgrenze) Cadmium unter der Nachweisgrenze

Wir haben Barsche als „Untersuchungsfische“ ausgewählt, weil sie am Ende der Nahrungskette stehen und zudem von Menschen gegessen werden (Brassen/Plötze nicht mehr). Barsche wachsen langsam und ein „Portionsbarsch“, den die Lufa von uns verlangte, ist etliche Jahre alt. Beim Schwermetallgehalt im Muskelfleisch von Fischen spielt die Altersakkumulation eine entscheidende Rolle. Die maximalen Gehalte an Schwermetallen sind in der EG Verordnung 1881 in letzter Fassung limitiert auf 0,3mg Blei pro Kg Muskelfleisch feuchtfrisch. Davon sind „unsere“ Barsche zum Glück weit entfernt!

Das Untersuchungsergebnis deutet auch nicht auf einen Unterschied zwischen dem Muskelfleisch/Barsch beider Fangorte hin. Die Unterschiede sind dafür zu gering. In der Literatur findet man Werte zwischen 6 und 14 mg Zink pro kg feuchtfrisches Muskelfleisch Barsch. (s.o.)

Diese magere Stichprobe „verführt“(?) uns zum Schluß, dass eventuell keine Vorschädigung und keine Vitalitätseinschränkung durch Reifenabriebstoffe in den Fischen des Burgsees vorliegt. Allerdings müssen wir diesen Schluss leider relativieren. Wir konnten als kleiner Verein eine Beprobung der Barsche auf die verschiedenen Kohlenwasserstoffe der Reifenabriebsstoffe nicht finanzieren und AGROLAB bietet diese Untersuchung auch nicht an in der nötigen Genauigkeit an. Gehalte, die in der Literatur des „bast“ als bedenklich und hoch angesehen werden, firmieren bei AGROLAB als „unter der Nachweisgrenze“. Diese Untersuchungen sind für das SIEZ® zu teuer. So warten die genauen Details auf solvente Untersucher: „Mit der Anzahl der aromatischen Ringe nimmt die Abbaurate ab. PAK mit vier oder mehr Ringen sind unter Umweltbedingungen als persistent anzusehen. (Mit gleichzeitig geringer Wasserlöslichkeit, Anm. des Verfassers)“ (Zitat „bast“ V295 Seite 17). D.h. die Gehalte laufen nicht weg und bauen sich sehr langsam ab.

Die Untersuchung der Sedimente im Panzergraben 250 Meter oberhalb der Autobahn und direkt unterhalb des Panzergrabens und einer (vermeintlich) sauberen Referenzau, der Lindau oberhalb Rehberg erbrachte erstaunliche Ergebnisse, welche die Vorsorgewerte der Bodenschutzverordnung touchieren. (Nach §8 Abs.2 des BodSchG sind Vorsorgewerte „Bodenwerte, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung von geogenen und großflächig siedlungsbedingten Schadstoffgehalten davon auszugehen ist, dass die Besorgnis des Entstehens einer schädlichen Bodenveränderung besteht“) Diese sind vorweg: 0,4mg Cadmium , 40 mg Blei und 60 mg Zink je nach Bodenart und pro kg TM im Königswasseraufschluss. Es sind dies keine Grenzwerte. Die zum sofortigen Handeln zwingen.

Sedimentgehalte in mg/kg TM bei abfiltriertem Sediment:

250 Meter oberhalb der Autobahn im Panzergraben fand AGROLAB im Sediment in der TM pro Kg nach Königswasseraufschluss 14 mg Blei, 0,3mg Cadmium und 89mg Zink im tonigen Substrat.

Direkt unterhalb der B76 waren es 12mg Blei, 0,2 mg Cadmium und 76 mg Zink im sandigen Substrat. Hier ließen wir alle Kohlenwasserstoffe, die in den Untersuchungen des „bast“ eine Rolle spielten, untersuchen. Sie lagen alle unterhalb der Nachweisgrenze. Das heißt allerdings nicht viel, da die auf anderen Autobahnen gefundenen und in den Schriften des „bast“ als hoch eingestuften Werte ebenfalls unter der Nachweisgrenze von Agrolab liegen würden. (Feinere Untersuchungsmethoden des „bast“ als in Kiel bei AGROLAB)

Lindau oberhalb Rehberg: (hier handelt es sich um weiches Wasser von dh 1, welches ich zeitweise zum Teekochen „zapfte“: 34 mg Blei, 0.13 Cadmium und 49 mg Zink im sandigen Substrat.

Vorsichtiger Versuch einer Bewertung

Die relativ hohen Zinkwerte in den Sedimenten der Auen sind wohl (neben Dachrinnen und Siedlungsemmisionen) auf Reifenabriebseinträge zurückzuführen, da im Laufe der Jahrzehnte bei 2oomg Reifenabrieb/km (PKW, LKW viel mehr und 2 Prozent davon sind Zinkoxid und Bleioxid und Cadmiumoxid als Verunreinigung des Zinks) viele Tonnen Zink in die Auen und Straßennebenräume kamen. Inzwischen beginnen die Sedimente unserer wundervollen Auen die Vorsorgewerte der Bodenschutzverordnung zu touchieren/ übertreffen, je nach Bodenart und Parameter.

Die von uns gefundenen Werte übertreffen die Werte der „bast“ Schrift V295 tlw. um das über 1800 fache. Das liegt daran, dass in den Untersuchungen die Niroauffangbehälter z.b. in Großburgwedel stets beprobt/gereinigt wurden, unsere Auensedimente den Reifenabrieb aber seit Jahrzehnten sammeln. Man kann das eigentlich nicht vergleichen. Man vergleicht Quartalsproben mit einem Endergebnis.

Deshalb kommen wir zu der Antwort auf die oben gestellte Frage:

Ja, wir haben ein Problem bei der Einleitung von Straßenabwässern in die Vorfluter.

Die Schrift V295 der Bundesanstalt für Straßenwesen kommt zu dem Schluss: “Wegen der hohen partikulären Anteile bei den meisten Schwermetallen, bei PAK 16, PCB 6 und DEHP kommt dem Rückhalt der Feinpartikel in Regenwasserbehandlungsanlagen besondere Bedeutung zu.“

Dem schließen wir uns an, Vorsorge nach dem Bundesbodenschutzgesetz ist hier gefragt.

Professionelle Untersuchungen zu diesem Problem sind weiterhin nötig. Das meint auch unser wissenschaftlicher Beirat, der eine Doktorarbeit/Masterarbeit zu diesem Problem vorschlägt. Auch hier stecken wir in einem Kreislauf der Stoffe, die wie immer sofort zu uns zurückkehren. Genau das ist das Thema des SIEZ®:

In „würdiger“, anlockender Atmosphäre (dem SIEZ® Gletscherhaus) an der Schlei die menschlichen Stoffkreisläufe an der Schlei in digitalen Animationen spannend darzustellen. Hier ist der Reifenabrieb ein weiteres Thema nach dem Stickstoff, dem Phosphor, dem Plastik, dem CO2, der eiszeitlichen Entstehung der Region, dem Verkehr auf der Schlei und der Geschichte der Fischerei

Was machen wir mit unseren Gewässern, was mit unserem Stiefkind, der Schlei?!

Gegen eine Aufwandsgebühr von 100 Euro pro Probe untersuchen wir vom SIEZ® auch ihre Au im Schleiraum auf Hinweise zum Reifenabrieb (Markerschwarm Zink, Blei, Cadmium)

Wir brauchen unbedingt mehr Messwerte.

Für die Arbeitsgruppe „Panzergraben“ des SIEZ® 
Dipl. Ing. agr. Karl Walther


Menschenschutz vor Umweltschutz? Zur momentanen Hysterie um Deichbau und Schleisperrwerk

Menschenschutz vor Umweltschutz? Zur momentanen Hysterie um Deichbau und Schleisperrwerk

Vor einem Jahr wurde an dieser Stelle vom Durchbruch/Überspülung beim alten Lotsenhaus Schleimünde berichtet (s.u.). Nun hat sich eine Bürgerinitiative dazu gegründet.

Ich nehme als Vorsitzender des SIEZ® dazu Stellung:

Die Entwicklung der Schleimündung war stets dynamisch. Auch als das Klima noch „normal“ war. Die erste Abbildung vermittelt von dieser Dynamik einen guten Eindruck.

Die jetzige Schleimündung ist eine künstlich geschaffene. Sie bedarf der menschlichen Pflege. Die Konstruktion ihrer Molenköpfe sorgt für eine abtragende Wirkung ostseeseitig. Das war früher so gewollt, als Baggern schwierig war und Nehrungssände reichlich die neue Mündung versandeten. Die Schleinehrung ist ein Produkt der küstenparalellen Strömung und ihrer Fütterung aus der Ostseeküste südlicherseits.

Diese Fütterung kommt jetzt viel weiter nördlich an. Als Ursache ist das Strömungshinderniß Olpenitzer Hafenmole klar auszumachen. Die Molen als Querbauwerke lenken die küstenparallele Strömung nach außen und so kommt weniger Sand bei der Lotseninsel an. Durch auflandigen Wind aber gibt es einen Abtrag, der nicht mehr kompensiert wird. Jetzt stimmt bei dieser mangelhaften Fütterung der neuen Schleimündung die Bilanz nicht mehr (auch nicht die Gestaltung der Mündungsmolen) und die Lotseninsel und ihr Strand schrumpft. Der Klimawandel kommt hinzu. Das ist die Lage.

Entwicklung der Schleimündung

Das nächste Bild zeigt den „neuen“ Sand vor der Vogelwärterhütte. Er ist ganz frisch angespült worden bei den letzten südöstlichen Novemberstarkwinden. Es ist genau der Sand, der der Lotseninsel fehlt. Dort gab es sicherlich weitere Erosionen und Verluste.

Frisch aufgespülter Sand von November 2019

Es folgt ein Bild über die Sandmengen, die jetzt weiter nördlich in der letzten Zeit ankamen. Der frisch aufgestellte Zaun vor dem Schutzgebiet versinkt im Sand. All das fehlt weiter südlich und ist in erster Linie seit 40 Jahren ein Produkt der Militärmole, die jetzt das „Eigentum“ von „Little Manhatten“ in Olpenitz schützt.

Zaun, der links im Sand versinkt. Dieser Sand fehlt der Lotseninsel

Der Bau der Olpenitzmole in den 70iger Jahren war nicht unumstritten und bereits damals warnte das Landesvermessungsamt vor den Auswirkungen der weit ins Meer ragenden Molen. Die Auswirkungen sind jetzt da. Die Natur reagierte also sofort.

Wie geht die menschliche Gesellschaft mit den natürlichen, dynamischen Folgen und den Folgen ihres eigenen Tuns um? Eigentlich handelt es ja um ein Lehrstück aus Goethes Zauberlehrling.

Es gründet sich eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Lotseninsel. Starke Kräfte darin sind Landeigentümer, die Lighthousefoundation & der Deichgraf, die ihr Eigentum schützen wollen und Vorsitzender der BI ist ein Wasserbauingenieur. Starke Kräfte sind auch Segelsportvereine als treue Freunde der Giftbude.

Man malt den Teufel an die Wand und droht mit Untergangsszenarien durch das kleine Rinnsal. Immer wieder wird die Jahrtausendflut bemüht. Manche hätten jetzt die Lindaunißbrücke sogar eher enger und sehen in ihr einen Hochwasserschutz für Schleswig, die die Tsunamiwelle bremst. Es wird das Bild einer alles überrollenden Flutwelle gemalt. Der Wasseraustausch mit der Ostsee gerät zur Nebensache. Für das SIEZ und die Fischer ist es aber die einzige Überlebenshoffnung der Schlei. Die menschliche Gesellschaft rührt keinen Finger für die Wassergesundheit und den Lebensraum von Millionen Lebewesen im Ökotop Schlei, im Gegenteil. Das Wasser spiegelt blau und trägt Boote. Das reicht. Es ist zum Verzagen.

Das SIEZ wird beim nächsten Ostenwind die Strömungen in der Überspülung messen und sie mit den Wassermengen in der Schleimündung vergleichen. Ich tippe auf ein Tausendstel Prozent.  Dynamik in einer Ausgleichsküste müssen wir hinnehmen wie die Halligbewohner die Sturmfluten.

Allerdings sind es zunehmend in ihrer Macht menschenbeeinflusste Fluten, Extremwetter und Pegelerhöhungen, Goethes Wassermassen aus dem Zauberlehrling. Und es gibt kein „Besen, Besen, sei es gewesen“ und keinen Meister…

Was also tun? In der Bürgerinitiative kommen die Argumente. Ein Deichbau soll her bis zum Leuchturm. Jeder Deich hat einen Unterhaltungsweg. Die Vogelwärterhütte wird für Deichgraf und Foundation weichen müssen, das Naturschutzgebiet wird teilweise dem Deich weichen müssen, an einigen Stellen wird es nur noch Weg und Deich geben, etwas Strand und rückwärtig die Schlei. Die gesetzlich geschützte Dynamik weicht der Armierung. Was aber dann? Das Zauberlehrlingswasser strömt immer noch durch die Schleimündung. Die „Tsunamiwelle“ erreicht Maasholm und Kappeln anstatt um 8 Uhr 05 jetzt um 8 Uhr 17 und dank der neuen Lindaunisbrücke Schleswig um 9 Uhr 30 statt um 9 Uhr 15.

Also muss ein „Schleisperrwerk“ her. Das Eidersperrwerk hat 100 Millionen gekostet, ein Schleisperrwerk kostet wohl eine halbe Milliarde und mehr und stellt einen gigantischen Baukörper dar, passend zu „Little Manhatten“. Wie aber der „Tsunami“ mit der nun komplett „harten“ Küste im Oststurm umgeht, ist ungewiß und nicht berechenbar. Er kann ja kein Wasser mehr in der Schlei loswerden. Ein hoher Deich muß nun die Brodersbyer Niederung schützen, denn der „Walter Buer Damm“ hat nur noch eine schlappe Höhe von 2,50. Das SIEZ hat für Brodersby und Kosel eine Schadenspotentialanalyse erstellt und den Damm vermessen. Dann kommt das Wasser eben über Brodersby und erreicht Kappeln 8 Uhr 30.

Andere wie z B. der Wasserbauingenieur wollen teure Sandvorspülungen. Mit welchem Sand? Mit welchen Auswirkungen für das FFH Gebiet „Äussere Schlei und Schleisände“? Wie oft, wie teuer? Müssen alle Umweltschutzgesetze für den Schutz menschlichen Eigentums wirklich gebrochen werden? Sind schwer errungene Schutzbestimmungen der Natur nichts mehr wert?  Sollte nicht eigentlich der Umweltschutz und die Rechte der „Schöpfung“ ins Grundgesetz?

Der Bürgermeister von Kappeln sagte auf der Gründungsveranstaltung: der BI: “Wir sind ja auch ein wenig selber Schuld mit unserem Umweltverhalten und unseren SUVs“ „Menschenschutz geht vor Umweltschutz“ wurde gesagt und das ist sehr kurz gedacht. Meeno Schrader rechnet bis 2050 (da werden einige von uns noch leben) mit mindestens 50 Millionen Klimaflüchtlingen aus Afrika. Vorn hohe Deiche & Sperrwerke, hinten hohe Zäune und keine Türkei: so sieht die Zukunft im Klimawandel aus? Die Klimapakete der Regierung sind eher kleine Taschenpäckchen so groß wie Tempotaschentücher. Viele Länder befinden sich erst am Anfang ihrer industriellen Aufrüstung.

„Wie können wir das wagen“ schreit Greta Thunberg empört und zurecht. 2050 wird so nur der Anstieg der Co2 Emissionen gebremst sein. Mehr nicht. Nicht ihre dicke klimaverändernde Substanz.

Das SIEZ® berichtet kritisch und überparteilich. In einem Jahr ziehen wir mit zahlreichen Strömungsmessungen „lingelang de blanke Slie“ erneut Bilanz.

                                                       01.12.2019 Karl Walther (SIEZ®)

Ergebnisse der Schleikartierung – interaktive Karte

Ergebnisse der Schleikartierung – interaktive Karte

Im Sommer 2019 hat das SIEZ® damit begonnen, die Schilfufer / Schleiufer von Land und zu Wasser zu kartieren. Die erste Arbeit war dabei die Definition der Teilgebiete, ihre Beschreibung und fotografische Präsentation. Hinzu kommen Tiefenangaben der Ufer aus eigenen Nivellements. So können auf Dauer Veränderungen durch Erosion und Ablagerungen dokumentiert werden. An markanten Stellen messen wir die Strömungen/Rückströmungen, chemische und physikalische Parameter. So erfolgt eine Kartierung/Beprobung der großen und auch der „diffusen“ Einträge in die Schlei. Markante Niederungen sollen mit dem Erdbohrer beprobt und ihre Bodenschichtung beschrieben werden.

Die Ergebnisse der laufenden Arbeiten werden in der unten gezeigten Karte dargestellt. Die Karte wird fortgeführt, sobald neue Informationen bereit stehen. Ein Klick auf die Symbole zeigt jeweils die Detailinformationen.

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Untersuchung des SIEZ<sup>®</sup> über die Schichtungen des Untergrundes zwischen Birkensee und der Schlei sowie der Fließrichtung des Grundwassers

Untersuchung des SIEZ® über die Schichtungen des Untergrundes zwischen Birkensee und der Schlei sowie der Fließrichtung des Grundwassers

Autor: Karl Walther, 2019

Vorwort

Aus aktuellem Grund (Planungen weiteren Kiesabbaus und Errichtung einer Großdeponie) fragten der Bürgermeister von Kosel und verschiedene Gemeindevertreter das SIEZ® (Schleiinformations- und Erlebniszentrum e.V.) nach den Schichtungen im Schnaaper Binnensander. Diese Nachfrage führte zu einer umfangreichen Literaturstudie und zu einer eigenen Untersuchung des SIEZ.

Erster Teil: wissenschaftliche Recherche über den Schnaaper Sander

KLAUS JÖNS schreibt im Jahrbuch des Naturwissenschaftlichen Vereines für S.-H. -Der Bültsee und seine Vegetation- : „Die Höhe (der Oberfläche des Bültsees, Anmerkung des Verfassers) über N.N. beträgt 9,6 m; damit wird er zum höchstgelegenen aller Seen zwischen Windebyer Noor und Schlei. Der Bültsee ist (Wegemann 1913) 20 ha groß, hat einen Umfang von 2,2 km, einen Raumgehalt von 615.000 qbm und nach dem Messtischblatt eine Breite von ungefähr 750 bzw. 500m.“

Das östliche gelegene Birkensee liegt durchweg in einer Höhe von über 20 Metern, mit der höchsten Erhebung von 25,7 Metern. Hier liegt die Wasserscheide im Schnaaper Sander zwischen Schlei und Ostsee.

„Ein Blick auf die Karte zeigt, dass sich eine Senke in Verlängerung des (Windebyer, Anmerkung des Verfassers) Noores in südöstlich-nordwestlicher Richtung zur Schlei erstreckt. Sie verdankt ihre Entstehung der erodierenden Tätigkeit subglazialer Schmelzwässer (EGGERS, 1927 S. 55)….da die Wasserscheide zwischen Bült- und Schnaaper See in 20 bis 25 Metern über dem Meeresspiegel liegt…. Parallel der Endmoräne liegt eine Seenkette, die sich zusammensetzt aus dem Schnaaper Mühlenteich, dem kleinen und großen Schnaaper See, dem Bültsee, einem kleinen, verlandeten See westlich des Bültsees, dem Kollsee, dem Langsee und dem Missunder See; im Ganzen sind es acht Seen und Kolke (zit. KLAUS JÖNS, der Bültsee und seine Vegetation).

Heike ROTERMUND, Stefan BÖRNER & Gerald KUHNT veröffentlichen im Jahrbuch 1992 des Naturwissenschaftlichen Vereins auf den Seite 49 bis 76 einen Bericht Zur Qualität von Fließgewässern im direkten Einzugsbereich des Windebyer Noores:

„2.1. Morphogenese des Untersuchungsgebietes
Während des Brandenburger Stadiums der Weichselvereisung drang der Eckernförder Eislobus vom Ostseegroßgletscher aus weit in den heutigen Landesteil Schleswig vor. Markante Randlagen dieses am weitesten nach Westen reichenden Vorstoßes sind jedoch kaum noch vorhanden, da sie durch die nach Westen abfließenden Schmelzwässer späterer Stadiale eingeebnet oder verwischt worden sind. Nach einer interstadialen Rückzugsphase drang der Eckernförder Gletscherlobus während des Frankfurter Stadiums erneut vor(…) Ein weiterer Vorstoß erfolgte dann während des Pommernstadiums, wobei sich der Gletscher im südlichen Ostseeraum in mehrere Teilloben (Kieler Fördenzunge, Eckernförder Eiszunge, Schleizunge) aufspaltete. Anders als bei den vorausgegangenen Vereisungen konnten sich diese Eisloben nicht mehr unabhängig von der Morphologie des Geländes ausbreiten…Am westlichen Ende der Eckernförder Bucht spaltete sich die Eckernförder Eiszunge in die südlich gerichtete Holtseeer-Wittenseeer Zunge und die westliche Windebyer-Hüttener Zunge auf….Westlich des Großen Schnaaper Sees befindet sich der Schnaaper Binnensander, für dessen Entstehung EGGERS und GRIPP von einander abweichende Theorien vorlegten. GLÜCKERT (1973) ergänzte die vorhandenen morphologischen
Untersuchungen durch die Auswertung von Luftbildern. Danach wurde der Schnaaper Binnensander von einer in der Eckernförder Bucht und dem Windebyer Noor vorhandenen Gletscherzunge in das davorliegende, eisfrei gewordene Gletscherzungenbecken zur inneren Schlei hin aufgeschüttet. Aufgrund detaillierter Untersuchungen konnte PRANGE (1989) zwei Schmelzwasserserien im Schnaaper Binnensander unterscheiden, deren Entstehung auf verschiedene Gletschervorstöße zurück geführt werden kann. Die untere Serie wird aus feinkörnigen, vorwiegend horizontal geschichteten Schmelzwassersanden aufgebaut, was nach PRANGE auf die Ablagerung durch weitflächig fließenden Wassers mäßiger Transportkraft zurückzuführen ist.
Der Schnaaper Binnensander zeigt sowohl die noch ursprünglichen, schwach nach Westen (zur Schlei hin, Anmerkung des Verfassers) geneigten Ebenen wie unregelmäßig flachkuppige Gebiete. Die verschiedenen Merkmalsausprägungen des heutigen Reliefs sind auf die postglaziale Überformung der von den Gletschern geschaffenen Morphologie durch tieftauende Toteis zurückzuführen.“

DEGN und MUUẞ schreiben auf Seite 28 im Topographischen Atlas S.-H. : „In der gleichen Phase ist wohl auch das alte Zungenbecken Eckernförder Bucht – Schleisee zerstört worden, und zwar dadurch, dass vor dem Eise am Nordwestrand des Windebyer Noores der Schnaaper Sander aufgeschüttet wurde. Durch seine fast ebene, leicht geneigte Fläche und die dem trockenen Sandboden angepasste Vegetation hebt er sich außerordentlich deutlich ab von der hügelig- lehmigen Moränenlandschaft ringsum. Der Schnaaper Sander wirft einige schwierige glazialmorphologische Probleme auf. Die Schmelzwasser, denen er seine Entstehung verdankt, könnten nach Westen nur durch die südlichste der drei Rinnen, im Zuge des Haddebyer und Selker Noores abgeflossen sein.

Kartenskizze in Muuss 1966, S.27
Die Karte zeigt deutlich den vom Schnaaper Sander (in der Ausdehnung westlich des Windebyer Noores bis hin nach Missunde, den westlichen Rand bildet die Schlei der Großen Breite, den Südrand eine Linie von Windeby nach Fleckeby) zugeschütteten früheren Schleisee, der von den Idstedter Bergen im Westen begrenzt wurde. Quelle Topographischer Atlas 1978

Professor Dr. Michael Walther veröffentlichte 1990 in den Berliner Geographischen Abhandlungen in Heft 52 „Untersuchungsergebnisse zur jungpleistozänen Landschaftsentwicklung Schwansens (S.-H.).
Ein Berliner Team von Wissenschaftlern untersuchte unter seiner Leitung Ende der 80iger Jahre den „von Moränen abgeschnürten bzw. umgrenzten und abgedämmten Beckenbereiche“ zur Klärung bestimmter Fragen des Eisabbaus in der Weichseleiszeit. Sie waren in der ehemaligen nördlichen DDR, in Schleswig -Holstein, Dänemark und Schweden unterwegs. In ihren Feldarbeiten führten sie zahlreiche Bohrungen durch. So benutzten sie auf Seen und auf der Schlei auch eine schwimmende Bohrplattform. Die genaue Arbeitsweise des Teams gibt Prof. Dr. Walther in der Berliner Geographischen Abhandlung Heft 52 auf den Seiten 22 bis 24 wieder. In Kürze verwendeten sie die Stechrohrbohrmethode. Zahlreiche Bohrungen im Schnaaper Binnensander wurden niedergebracht.

Auf Seite 64 schreibt er über eine Bohrung in Weseby am Ende des Schnaaper Sanders:

„Das Sanderprofil ist überwiegend aus Feinkies, Sand und Silt aufgebaut. Die Serien setzen sich gemäß eines Bohrbefundes an der Fußzone des Kliffs noch mindestens 7 Meter unter dem heutigen Schleiniveau fort.“ (WALTHER)

Eine ähnliche Aussage trifft Dr. SCHWARZER (2017) im „Sedimentinventar“ der Schlei. Er machte zusammen mit RICKLEFFS und HÖFT Sedimentecholotaufnahmen auch des Einlaufs des Schnaaper Sanders in die Große Breite. Deutlich sieht man die Sanderschichten bis unterhalb in die Schlei einlaufend.

Das Bild zeigt das Untergrundinventar westlich von Kielfoot und die verschiedenen teilweise mit großem Gefälle in die Schlei einlaufenden
Sandschichten RICKLEFS, HÖFT. SCHWARZER -Sedimentinventar und Hydromorphologie der Schlei 2019

Die mit modernster Technik durchgeführte Untersuchung von März 2017 benutzte das Seitensichtsonar und das parametrische Sediment-Echolot. Das Team machte wunderbare Aufnahmen von der Einmündung der Schnaaper Sanderschichten in/unter die Schleifurt.

WALTHER schreibt auf Seite 67 des Heftes 52 der „Berliner Geographischen Abhandlungen: „Messungen zur Schüttungsrichtung der Sanderakkumulation lassen in den Profilen 3,4,5 eine Richtung nach Westen (also zur Schlei Anmerkung des Verfassers) erkennen-also müsste der überwiegende Teil der eingemessenen Sande aus Osten geschüttet worden sein (Birkensee, Anmerkung des Verfassers). Besonders die annähernd söhlig geschichteten Sedimentpakete weisen eine Schüttungsrichtung von Nordost nach Südwest auf.“

„Auf dem breiten Rücken zwischen Missunder Noor und dem verlandeten Aumündungsbereich der Koseler -Au zeigt die 600 cm tiefe Bohrung (Miss 5) ebenfalls geschichtete Sande/Silte und vereinzelt Toneinschaltungen. Auf dem Höhenrücken zwischen Langsee und der Koseler Au wurden drei Bohrungen und eine Grabung durchgeführt……(Diese) weisen ausnahmslos Sande auf….Es ist in keiner Bohrung Geschiebelehm/mergel nachgewiesen worden.“

Auf Seite 75 wird ausgeführt: (WALTHER) „Der Sander setzt hier (in Schnaap, Anmerkung des Verfassers) in 25 m N.N an und senkt sich mit einem Gefälle von 1:300 nach Westen. EGGERS 1934 lässt den Sander bis an die Schleiufer westlich Missunde und im Norden bis an die Koseler Au reichen. Die Oberfläche des Sanders ist von Rinnen durchzogen. Im nördlichen Teil sieht EGGERS (1934) zwei subarisch entstandene Rinnen, die von einer Gabelung südlich Sönderby ausgehen. Die südliche Rinne durchzieht den Langsee. Sie teilt sich dort in einen Arm, der nach Westen in die Große Breite mündet und einen zweiten Arm, der im Norden seine Fortsetzung im Missunder Noor findet. Die nördliche Rinne nimmt das Tal der Koseler Au ein, dass den Schnaaper Sander von der Grundmoränenplatte im Osten trennt.“

JÖNS schreibt zur Verbundenheit der Seen im Sander, dass der Nachweis dieser Verbundenheit schwierig sei und erhebliche Untersuchungen notwendig machen würde. Er erörtert auch eine Verbundenheit zwischen Schnaaper See und Bültsee, die einen Höhenunterschied von 4,6 Metern haben. Allerdings findet sich auf Seite 174 eine interessante Randnotiz: 

„Nach Fertigstellung der Arbeit erfuhr ich durch Herrn PETERSEN Eckernförde noch folgende Begebenheit. Herr PETERSEN hatte den Plan, dass bei Möhlhorst gelegene Moor trockenzulegen und den Torf maschinell zu verarbeiten.
Zu diesem Zweck ließ er eine gewaltige Pumpe kommen, die Tag und Nacht das Wasser aus dem Moor in die Osterbek pumpte. Vergebens-der Wasserstand im Moor blieb der Gleiche. Nach 14 Tagen oder drei Wochen kamen Fischer von Kosel herüber und forderten, dass das Pumpen eingestellt werde, da der Wasserstand im Bültsee zu stark zurückgehe.“ JÖNS

Wir gehen im SIEZ® davon aus, dass sämtliche Seen und die Schlei über die
Grundwasserspiegel im Schnaaper Sander miteinander in Verbindung stehen. Zwischen Bültsee und B76 brachten wir eine Bohrung nieder. Auf drei Meter Tiefe lief Grundwasser deutlich sichtbar in Richtung Bültsee. Einleitungen aus der geplanten Deponie in das Grundwasser würden also nicht nur den Bültsee betreffen, sondern das gesamte hydraulische System des Sanders bis hin zur am tiefsten gelegenen Schlei und eventuell sogar bis hin zu den Schnaaper Seen, die über das Windebyer Noor in die Ostsee entwässern. Ein östlich gelegener Randstreifen des Sanders mag in Richtung Schnaap entwässern.

Die Abbildung 34 auf Seite 68 der BERLINER GEOGRAPHISCHEN ABHANDLUNGEN Heft 52 zeigt sehr schön die Fließrichtung der Sanderschichten in die Seen bis hin zum Langsee und die Schlei. In diesen Schichten floss jahrhundertelang das Schmelzwasser der letzten Eiszeit ab und auch das Grundwasser des Schnaaper Sanders wird diese schwach geneigten Sandschichten nehmen, wie könnte es anders sein. Die gesamte Hydrogeologie müsste widerlegt werden und die Schwerkraftgesetz drauf zu. Die Hälfte der jährlichen Niederschlagsmengen verdunstet oder wird durch Pflanzen gebraucht, die andere Hälfte dient der Grundwasser-neubildung. Durch Kolmation steht das Grundwasser mit den Oberflächengewässern in Verbindung, steht der Schnaaper Sander mit der Schlei, den Seen und Schleiauen in Verbindung.

Zweiter Teil: Bewertung der auffindbaren Literatur zum Thema

In diesem miteinander vernetzten hydraulischen System des Schnaaper Sanders Verschmutzungen einzubringen, betrifft das gesamte hydraulische System des Sanders. Eine „Wanne“ aus einigen Dezimetern Mergel als Abdichtung einzubringen, ist ein bedenkliches Unterfangen. Da der Mergel der ständigen Vernässung nur wenige Jahre widersteht, wird er sich schon während der Beschickungsphase auflösen. Die Technische Universität Darmstadt forschte auf diesem Gebiet. Eine Deponie, die dann darüber ruht, wird Jahrhunderte lang, eventuell Jahrtausende lang die Schlei und am östlichen Rand eventuell die Schnaaper Seen und auch das etwas tiefer gelegene Windebyer Noor als „Vorflut“ mit kontaminierten Abwässern benutzen. So geschieht es auch mit der alten Kreisdeponie Eckernförde, die über den Rosseemoorgraben in die Koholmer Au seit 50 Jahren ihre Giftstoffe los wird. Der Kreis ist darüber von und anderen informiert. Es geschieht nichts.
Den Kreisbehörden entging ebenfalls, dass die Deponie Eichtal überhaupt keine wirksame Untergrundabdichtung besitzt. Eine Brunnen zwischen der Deponie und dem Untergrund der nah fließenden Koholmer Au würde verheerende Ergebnisse erbringen. Auch hier sitzt der Kreis das Problem aus.

Bringt man allerdings in Birkensee eine PVC Wanne ein, ergeben sich neue Fragen. Es sind die der Dauerhaftigkeit und Verlässlichkeit der Verklebungen, der Umweltbelastung durch die Plane selber, die der Weichmacher im Kleber und die der Abwasserklärung. Außerdem lägen dann die Voraussetzungen für eine Klasse 2 Deponie vor und damit die Verschärfung aller Probleme im Falle eines Wannenlecks.

Eine Fläche von 12 ha Deponie bedeutet bei einer Grundwasserneubildungsrate von 350mm eine Abwassermenge von 42.000 m³ Abwasser jährlich, die in der Deponiewanne anfallen. Dies entspricht in 14 Jahren dem Wasserinhalt des Bültsees. Wird dieses kontaminierte Abwasser nicht Generationen lang, Jahrhunderte lang geklärt und abgeleitet, wird die Deponie darüber „schwimmen“, durchbrechen und in den Sander eindringen.

Wird selbst schwach radioaktives Material eingelagert, muss die zu bauende Kläranlage auch damit fertig werden. Diese Fragen & Problemfelder muss ein Investor beantworten können und für die nächsten Jahrhunderte mit absoluter Sicherheit und mit ausreichenden Sicherheitsleistungen technisch und finanziell gewährleisten. Die Genehmigungsbehörden müssen diese Sicherungen prüfen und gestalten.
Trotzdem kann ein einfacher Riss in der Folie innerhalb der nächsten Jahrhunderte hier eine schwere Umweltkatastrohe verursachen. Die Haltbarkeit der Folie muss für diese lange Zeit garantiert werden.
Liegen aber Langzeituntersuchungen über Jahrhunderte vor?

Das Gelände ist denkbar ungeeignet für eine Deponie. Eine natürliche, geologische Sicherung der Deponiewanne ist nicht gegeben.

Ein weiterer Punkt sind die Fehlbeschickungen solcher Deponien. Im Fall Barkelsby wurde giftiger Hafenschlick in eine Klasse 0 Deponie eingebracht und der Vorgang angezeigt. Der Kreis RD-Eck antwortete auf die Anzeige der Einbringung, dass die Messergebnisse der Anzeige keine rechtliche Relevanz hätte, der Kreis selber nicht messe und dem Landesamt ein jährlicher Bericht über die eingebrachten Stoffe und Mengen ausreiche. Fehlbeschickungen werden dann von anderen Mengen abgedeckt und bleiben für die Behörden unsichtbar.

Im Klartext heißt das, dass eine zuverlässige Kontrolle der Deponien nicht stattfindet und man von einem großen Prozentsatz von Fehlbeschickungen ausgehen kann. Eine wirkliche Kontrolle findet nicht statt. Das zeigt deutlich die legere heutige Handhabung der Deponiebetreiber und der Behörden.

Ich fasse zusammen: der Schnaaper Binnensander ist in seinen Schichtungen leicht nach Westen geneigt (1 zu 300) Er entwässert über sein hydraulisches System in die Schlei. Eine wirksame und garantierte Abdichtung nahe des Naturschutzgebietes Bültsee und der FFH Gebiete Schlei ist auf Dauer nahezu unmöglich. Die Klärung der Abwasser ist aufwendig. Es liegen bislang hierfür keine Konzepte vor. Sicherheitsleistungen im Voraus für die nächsten Jahrhunderte wären unabdingbar. Eine wirksame Kontrolle der Deponierungen findet nicht statt. Laborproben von Umweltschützern haben keine Relevanz. Das Landesamt ist mit einem jährlichen Bericht des Betreibers zufrieden. Die Deponieplanungen sind äußerst kritisch zu sehen. Der Standort ist ungeeignet.

September 2019 für das SIEZ® Karl Walther

Im Herbst 2019 wird das SIEZ®einige Bohrungen von Hand in Fliessrichtung des Grundwassers im Sander vornehmen und mit einem elektrischen Verfahren die Verbundenheit des Grundwassers im Sander untersuchen. Die Ergebnisse werden hier im Anschluss veröffentlicht.