Pflanzenvielfalt auf der Orchideenwiese des SIEZ<sup>®</sup> 2020

Pflanzenvielfalt auf der Orchideenwiese des SIEZ® 2020

Im Frühjahr 2020 freuten wir uns über die Sumpfdotterblume Caltra palustris, die früher häufig war, jetzt aber in Brandenburg, Berlin, Hamburg und Niedersachsen bereits auf der “Roten Liste” steht. Wir finden die Sumpfdotterblume als “Regenschwemmling” entlang unseres Wiesenbaches. Sie war Blume des Jahres 1999 und gilt als Zeiger für Sumpf und Nasswiesen. Diese fallen aus dem landwirtschaftlichen Gebrauch und gehen allerorten den Weg der Drainierung oder der Verschilfung.

Wiesenbach mit Sumpfdotterblume am Ornumer Noor auf der SIEZ Pflanzenarche

Sehr früh blühte das Löffelkraut, das wir zeitig aus den reichlichen Beständen meiner Salzwiese an das “Kopfstück” des Ornumer Noores gebracht hatten. Die Löffelkresse Cochlearia officinales ist im Binnenland selten und eine typische Salzwiesenpflanze der Küstengebiete. Sie enthält Senföle, schmeckt im frühen Salat (bereits Ende Januar grünt sie) und Vitamin C, ein altes Skorbutmittel.
Auch ein “Sumpfzeiger” ist der Wiesenknöterich Polygonum bistorta, der uns mit einer letzten Blüte erst beim späten Mähen im September auffiel, da sie im Grasfilz gefangen waren. Seine Wurzel ist schlangenförmig gekrümmt und man nennt ihn auch “Schlangenwurz, Natterwurz”. Davon finden wir etwa 100 Exempare auf einer Fläche von 60 m². Wir gruben eine Wurzel aus und fotografierten sie, ein altes Heilmittel gegen Durchfall. Im nächsten Jahr werden wir an dieser Stelle gezielt nach anderen Knöterichen wie dem Milden Knöterich und dem Wasserknöterich suchen, bevor die Gräser überhand nehmen.

Löffelkrautbestand (Cochlearia officinalis) am Schleiufer

Wir finden auf der Orchideenwiese etliche Pflanzenbestände von Sumpf-Vergissmeinnicht, Myosotis palustris, auch “Mausöhrchen” genannt, einem Nässezeiger grundwasserfeuchter und nährstoffreicher Böden.

Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis palustris)

Nach einer Legende verliebte sich ein Engel in eine Sterbliche. Zur Strafe musste er das “Mausöhrchen” an allen 4 Enden der Welt aussäen. Am Ornumer Noor war wohl das eine Ende der Welt. Hier setzte er seiner Geliebten den Vergißmeinnichtkranz ins Haar. Zusammen mit ihr durfte er ins Paradies zurück. Manchmal also geht sich verlieben auch gut.

Unsere Pflanz & Pflegeaktion aus 2019 hatte Erfolg! In diesem Jahr konnten wir fast 20 Orchideen des gefleckten Knabenkrautes oder auch Kuckucksblume Dactylorhiza maculata bestaunen. Sie liebt feuchte Wiesen und kommt sowohl mit sauren wie kalkhaltigen Böden zurecht. Wir sind gespannt, wie sich die Bestände 2021 entwickeln und wann es sich lohnt, kleine Stege zu den Beständen “anzudenken”. Wir haben mit der Loki Schmidt Stiftung Hamburg Kontakt. Eine Finanzierung des Stegebaus von dort ist angedacht worden. Die UNB will aus E&A Mitteln ein vernünftiges Gattertor für die Wiese finanzieren.

Eine der Knabenkrautorchideen (Dactylorhiza maculata)
Knabenkraut – reif und zur Aussaat bereit

Außerdem freuten wir uns über den Klappertopf Rhinanthus spec., der in drei Beständen von einigen Quadratmeter mit zahlreichen Exemplaren auf der Orchideenwiese wächst.

Klappertopf (Rhinanthus spec.)

Dicht am Schleiufer finden wir einen starken Bestand des Schleilauches und an der Bachblänke den Blutweiderich. Auch Frauenflachs und Wiesensalbei finden wir in guten Beständen.

Vorstand des SIEZ® pflanzt Blutweiderich (Lythrum salicaria) einem reichlichen Bestand vom Ornumer Noor (Gräben von Raimund Reimert 2020) an unsere Bachblänke (Foto Dieter Beyer)
Reichlicher Bestand der Schleizwiebel (Allium spec.) am Schilfrand
Wiesensalbei (Salvia pratensis) Blick auf die Ornumer Felder
Klappertopf (Rhinanthus spec.) (Foto Dieter Beyer)
Wir finden auf der Orchideenwiese etliche Pflanzen des Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und schonen diese durch Niederhalten des Nachbargrases. Denn Teufelsabbiss blüht spät bis in den Oktober hinein.

Zahlreiche Hahnenfußgewächse blühen die gesamte Vegetationsperiode gelb und auch der Frauenflachs leuchtet gelb bis in den Oktober hinein auf unserer Wiese. Diese zeigt auch ganz unterschiedliche Gräser, üppige Sumpfgräser und andere Bestände. Superdicht bis locker. Sie zu bestimmen ist Aufgabe für 2021. Im Oktober 2020 haben wir die Fläche wiederum zweimal gemäht/gemulcht und das Schnittgut abgeräumt.
Das letzte Bild, fotografiert von Hartmut Keinberger, zeigt einen Teil der SIEZ® Mitglieder beim lustigen Arbeitseinsatz.

Mitglieder des SIEZ® beim lustigen Arbeitseinsatz.

Bilder und Text von Karl Walther, Dieter Beyer und Hartmut Keinberger   

Bau & Finanzierung eines Forschungsfloßes durch das SIEZ<sup>®</sup>

Bau & Finanzierung eines Forschungsfloßes durch das SIEZ®

Die Schlei ist das Herz unserer Region. Vielfältig reicht sie vom Meer bis tief ins Land und prägt unser Leben. Als Brackwassertochter der Ostsee hat sie eine einzigartige Entstehungsgeschichte und zeigt eine vielfältige kulturelle Entwicklung. Nicht immer ist die Schlei von uns Menschen gut behandelt worden. Ihre Wasserqualität wurde das Sorgenkind des Landes. Die Schlei ist unser Stiefkind.
Der kleine Verein SIEZ® entwickelte 2017 die Vision eines Brackwasserinstituts mit eigenwilliger Gletscherhausarchitektur. Es sollte ein Ort der Vermittlung des Schleiwissens geschaffen werden. Das aufzubauende Brackwasserinstitut stellt in unserer Vision dort seine Ergebnisse vor. Die Kreisläufe, in denen wir feststecken (Nährstoffe, Plastik etc.), aber auch die wunderbare Geschichte der Entstehung der Schlei und „unsere“ Geschichte an der Schlei. Mit dieser Vision haben wir bereits Entwicklungen angestoßen. Das Gletscherhaus des Brackwasserinstituts -also das SIEZ®– soll ein Ort für uns Schleibewohner sein und nicht hauptsächlich für den Tourismus.

Solch ein Brackwasserinstitut bedingt erhebliche finanzielle Aufwendungen. Die Region kann das nicht tragen. So geht das SIEZ® viele kleine Schritte.
Wir monitoren die Entwicklung der Wasserqualität und der Ufer ehrenamtlich und auf Vereinskosten. So bauten wir eine kleine Schleiforschung für Kinder mit Zirkuswagen und Tipi auf und pflegen einen Artenhotspot an der Schlei, die Orchideenwiese. Wir versuchen die Arbeit eines zukünftigen Brackwasserinstituts als Verein zu modellieren und in Ansätzen zu leisten.
Wir forschen über den Faulschlamm, seine Ausdehnung, seine wechselnde Dynamik, wir versuchen die Schlei und ihre Phänomene zu verstehen. Wir dokumentieren Geschichte und Geschichten.
Als nächstes planen wir den Bau eines Mess- und Forschungsfloßes, versehen mit modernster digitaler Messelektronik und teilweiser Fernübertragung.

Sollte es uns in den nächsten Jahren gelingen die Nährstoffeinträge zu verringern – und wir alle arbeiten daran, z.B.:

  • die Gewässerverbände,
  • die Kommunen und Gemeinden, die beiden Kreisverwaltungen,
  • das Ministerium und das Landesamt,
  • die Landwirtschaft,
  • die Aktivregion,

dann müssen wir auch das Problem der Faulschlammablagerungen lösen. Diese führen im Sommer zur gewässerinternen „Rückdüngung“ und Förderung der „Blaualgen“. Für die speziellen Brackwasserbedingungen der Schlei liegen zu diesem Thema allerdings keine praktischen Erfahrungen und Messungen vor. Die wollen wir vom SIEZ® aber erwerben. Die Verringerung der Nährstoffeinträge ist immens wichtig, allein aber hilft es der Schlei nicht. Nach Berechnungen des SIEZ® könnte die Rücklösung des Phosphors aus dem Faulschlamm eine vergleichbare Dimension haben wie die Einträge aus den „diffusen“ Quellen (ca.12 Tonnen).

Wie tickt der Schleigrund übers Jahr gesehen? Wann genau kommt es zur Rücklösung und wie stark ist sie und wie abhängig von den verschiedenen Parametern wie Salzgehalt, Temperatur, Strömung, Sauerstoffgehalt. Wir haben in Probemessungen sowohl Sauerstofffreiheit über dem Faulschlamm gemessen und nach Sturmwetter / Ostenwind an selber Stelle Sauerstoffsättigungen kurzzeitig von fast 100%. Wir wissen so vieles über die Schlei nicht oder noch nicht genau genug.

Haben die verschiedenen Möglichkeiten der Faulschlammreduzierung (Entnahme, Besandung, Belüftung) im praktischen Versuch schädliche Nebenwirkungen? Welchen Weg gehen Stickstoff & Phosphor? Der es vielleicht unverantwortlich macht, etwas zu tun? Müssen wir eventuell ungeduldig Geduld mit der Schlei üben, Jahrhunderte lang? Algenblüten und „Blaualgen“ ertragen?

Wir wissen es nicht, ehe wir es nicht ausprobieren und messen. Ohne diese Kenntnisse ist eine Gesundung der Schlei unmöglich.

Mit dem Forschungsfloß wollen wir dieses Wissen in einem mehrjährigen Versuch und in Kooperation mit dem Ministerium, der Universität Kiel und Aarhus, dem Firma CRM und dem Naturpark Schlei mehren.

Das SIEZ® ist dabei Initiator und Knotenpunkt des Vorhabens und versteht sich in dieser Frage „kommisarisch“ verantwortlich für das Projekt bis zur Abtretung der Leitung an ein aufzubauendes Brackwasserinstitut. Wir vom SIEZ® sind nicht geübt im Schreiben von Anträgen. Bitte unterstützen Sie uns auch am Antrag vorbei und/oder machen Sie uns auf evtl. Formfehler im Antragsverfahren unsererseits aufmerksam oder weisen Sie uns auf weitere Fördermöglichkeiten hin. Auch Spenden helfen. Wir brauchen Sie als Kooperationspartner.

Wir „brennen“ für das Projekt. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Messungen. Wir wollen den Aufbau eines Brackwasserinstituts an der Schlei. Mit unserem Vorhaben bekäme die Region diese Messergebnisse und Kenntnisse sehr früh und durch die im Verein tätigen Wissenschaftler und Aktivisten „ehrenamtlich“ äußerst günstig und im direktem Kontakt. Nach unserem Ermessen eine große Chance für alle und die Schlei.

Über den folgenden Link können Sie sich unseren Antrag zum Vorhaben ansehen oder herunterladen.

Ergebnisse der Schleikartierung – interaktive Karte

Ergebnisse der Schleikartierung – interaktive Karte

Im Sommer 2019 hat das SIEZ® damit begonnen, die Schilfufer / Schleiufer von Land und zu Wasser zu kartieren. Die erste Arbeit war dabei die Definition der Teilgebiete, ihre Beschreibung und fotografische Präsentation. Hinzu kommen Tiefenangaben der Ufer aus eigenen Nivellements. So können auf Dauer Veränderungen durch Erosion und Ablagerungen dokumentiert werden. An markanten Stellen messen wir die Strömungen/Rückströmungen, chemische und physikalische Parameter. So erfolgt eine Kartierung/Beprobung der großen und auch der „diffusen“ Einträge in die Schlei. Markante Niederungen sollen mit dem Erdbohrer beprobt und ihre Bodenschichtung beschrieben werden.

Die Ergebnisse der laufenden Arbeiten werden in der unten gezeigten Karte dargestellt. Die Karte wird fortgeführt, sobald neue Informationen bereit stehen. Ein Klick auf die Symbole zeigt jeweils die Detailinformationen.

Routinemäßige Beprobung diffuser Einläufe

Routinemäßige Beprobung diffuser Einläufe

Das SIEZ® ist an der Schlei vor Ort. Wir werden angesprochen, wenn es in einer Au ein Fischsterben gibt, dort das Wasser unsichtiger bis schwarz wird, wenn aufgetriebene Blaualgenreste auf der Schlei schwimmen, wenn die Schleiinseln erodieren oder noch schnell ein Radwanderweg durch ein zukünftiges Naturschutzgebiet gebaut werden soll oder wo ungewöhnlich viel Schaum zu beobachten ist.

Aber wir führen auch routinemäßig Beprobungen der diffusen Einläufe in unser Schutzgebiet durch, das von Stexwig bis Sundsacker reicht. Davon soll dieser kleine Artikel berichten. Weitere Informationen zu unseren Messpunkten findet man auf der Monitoringkarte des SIEZ®.

Dieser Kartenausschnitt zeigt die entstehende Insel Hakenhöft (bei einem Meter über NN liegt sie bereits). Eingezeichnet sind auch der Graben ins Büstorfer Noor und der Petribek, auch Aalbek genannt, vor dessen Einmündung eine der drei Stubber Inseln durch den Bau des Eisenbahndammes im vorigen Jahrhundert erodierte.

Wir beprobten am 1.11.2020 einen kleinen Wassergraben, der in das Büstorfer Noor einläuft und bei 30cm 7cm tief war. Die Fließgeschwindigkeit im dichten Gras war nicht zu bestimmen.

Die Lufttemperatur betrug 11,1 Grad Celsius um 8 Uhr, die Wassertemperatur 11,2 °C, die Sauerstoffsättigung lag mit 10,6 mg bei fast 100 Prozent, der Nitratgehalt lag bei 103 mg/l und der PO4 Gehalt bei 0,9 mg/l. Es scheint sich hier um einen Graben zu handeln, in den Fäkalien einlaufen, evtl. der Überlauf einer Teichkläranlage der nahen Siedlung, die dringend optimiert werden müsste. Dies ist aber nur ein Hinweis. Wir verfolgen das in Zukunft.

Der Petribek mäandert durch den Frühlingswald (Bauernblatt, 16. Ausgabe 74./170. Jahrgang, Foto: Ulrike Baer)

Die zweite Probe nahmen wir am Petribek, ca. 100 m vor seiner Mündung in die Schlei. Inzwischen war es ein Grad wärmer geworden, die Wassertemperatur lag bei 12,1 °C. Der Bach war 120 cm breit bei 30cm Tiefe und die Fließgeschwindigkeit betrug 1 m/s. Die Sauerstoffsättigung lag bei 95 % und 10,2 mg O2, wir maßen 10 mg/l Nitrat und 0,1 mg/l Ammonium, Nitrit war nicht nachweisbar. Dies sind für einen Waldbach normale, gute Werte. Sie entsprechen auch der Trockenheit der Böden. Die Phosphatkonzentration von 1,4 mg reißt allerdings die „Messlatte“ bei weitem.  Das SIEZ®  kritisiert zusammen mit dem Ministerium und dem Bauernverband die Phosphatüberdüngung der landwirtschaftlichen Ackerflächen. Der Petribek entwässert solche Ackerflächen. Es ist dies „rausgeworfenes Geld“ zulasten der Umwelt. Nur die Blaualgen freuen sich über diesen „Reichtum“. Sonst niemand, am allerwenigsten eigentlich der Landwirt. Phosphor ist eine endliche & teure Ressource. Sie sollte nicht umweltschädigend vergeudet werden. Auch diese Messung werden wir wiederholen.

Das SIEZ®  verfolgt den humanistischen Ansatz der Aufklärung. Wir „glauben“ daran, dass die Mitmenschen das „Gute“ wollen, aber  oftmals zu uninformiert sind, es auch zu tun.

                                                                                            Karl Walther (SIEZ®)

Blasentangkultur in der Schlei – eine Chance für das Ökosystem?

Blasentangkultur in der Schlei – eine Chance für das Ökosystem?

Der Blasentang (Fucus vesiculosus) ist vielleicht die bekannteste Braunalge der Ostsee, leicht erkennbar an den typischen Blasen und vor allem an steinigen Stränden leicht zu finden.

Blasentang (Fucus vesiculosus)

Auch in der Schlei war diese Alge früher weit verbreitet und kam bis in die große Breite in der inneren Schlei vor. Leider ist der Blasentang heute nur noch in der äußeren Schlei zu finden, was wahrscheinlich auf die Überdüngung und damit einhergehende Trübung der Schlei zurückzuführen ist. Damit ist eine für das Ökosystem sehr wichtige Art, die unter anderem Fischen und Wirbellosen als Habitat dient, großflächig verloren gegangen. 

Der Blasentang ist aber nicht nur für das Schlei- Ökosystem interessant, sondern wird auch für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln und Naturkosmetik verwendet. Dazu werden natürliche Blasentangbestände an der französischen und irischen Atlantikküste beerntet. Da auch diese Bestände von sich ändernden Umweltbedingungen bedroht sind, und der Bedarf an Blasentangbiomasse weiterhin wächst (Algen sind ein Trendprodukt), wäre eine Produktion von Blasentangbiomasse in Kultur eine sinnvolle Alternative. Das botanische Institut der Universität Kiel hat deshalb schon Versuche zur Kultivierung des Blasentangs in der Kieler Förde durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass eine Kultivierung generell möglich ist, allerdings überwachsen die in der Ostsee auftretenden Seepocken und Miesmuscheln den kultivierten Blasentang und verringern so den Wert der kultivierten Biomasse.

Blasentangkultur an der Schlei

Deshalb wurde die Schlei als Alternativstandort ausgewählt. Die Schlei hat an der Mündung Ostseesalzgehalt, Richtung Schleswig wird das Wasser aber immer süßer. Dadurch ist es eventuell möglich, Blasentang in der Schlei zu kultivieren, ohne den starken Bewuchs durch Muscheln und Seepocken, weil diese durch den niedrigeren Salzgehalt gar nicht oder nur in geringerer Zahl auftreten. Um herauszufinden, ob diese Hypothese stimmt, wird im Sommer 2020 an fünf Standorten entlang der Schlei Blasentang in Körben experimentell kultiviert und sowohl das Wachstum der Algen, als auch der Bewuchs mit Miesmuscheln und Seepocken untersucht.

In Zusammenarbeit mit dem SIEZ® wurde das Experiment am 23. Juli gestartet und wird über zwei Monate laufen. Sollte das Experiment erfolgreich sein, eröffnet das auch Perspektiven für den Schutz des Gewässers Schlei. Durch die Blasentangkultivierung könnten dem überdüngten Wasserkörper Nährstoffe entzogen werden. Außerdem könnte der Blasentang an Orten wiederangesiedelt werden, die er früher natürlich besiedelt hat, wenn auch in künstlicher Form. Das Projekt wird von CRM (Coastal Research & Management) unter Leitung von Rafael Meichßner betreut und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (BALI- Projekt: Bioraffineriekonzept für Algen-basierte Inhaltsstoffe). Die Ergebnisse werden am Ende des Projektes unter anderem auf der Internetseite des SIEZ®veröffentlicht. 
Einen Überblick der Standorte zeigt Abb. 1.

Abb. 1: Versuchsstandorte Blasentangkultur in der Schlei

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Bericht über die Stexwiger Beek 					     von Karl Walther

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Bericht über die Stexwiger Beek von Karl Walther

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Das sagte im Vorjahr ein Landwirt, nachdem er eine der Schwansener Auen mit seiner Schwarzgülle 2 Tage lang von allem Getier befreit hatte. Auf einer anderen Au in Schwansen schwamm vor ein paar Monaten halbmeterhoch Schaum nach einer Frühjahrsausbringung auf klatschnassem Grünland. Die Auen mussten Nitratwerte von 60 bis 90 mg Nitrat ertragen. Die Schlei blüht, keine guten Sichttiefen. In den Salzwiesengräben dicke Pelze Fadenalgen.

Ein häufiges Bild auf Schlei und Auen
Fadenalgen auf den Gräben der Schleisalzwiesen…viel zu viel Nährstoffe…

Aber „Land schafft Verbindung“ in Schaalby leugnet empört in der SHZ jegliche Verantwortung der Landwirtschaft für die Überdüngung der Umwelt durch die industrielle Landwirtschaft.

Nun war eine der kleinen Schleiauen, die Stexwigbeek „umgekippt“. In den ersten Maitagen wurde auf knochentrockenem Ackerland  Substrat aus SL- stadtwerkeeigenen Biogasanlagen in Stexwig reichlich ausgebracht, lief oberflächlich in eine Senke, von dort in einen Schacht und dann über eine Vorflut in die Stexwiger Au. Die Schleswiger Nachrichten berichteten am 11. Mai 2020 darüber in einem ausführlichen Artikel von Thomas Rühs.

Ergebnis einer Begehung der Stexwiger Beek nach der Gülleeinleitung durch Fischereiberechtigte

Bereits vor fünf Jahren wurde alles Leben in dieser Au ausgelöscht. Im damaligen Verfahren wurde ein Ordnungsgeld von 500 Euro, zahlbar an das Rote Kreutz, verhängt. Soviel, sowenig ist das Leben in unseren silbernen, zauberhaften Schleiauen wert. Ein Kavaliersdelikt.

Auch jetzt wurden  Meerforellen und Edelkrebse, Bachfische und Kleinlebewesen bis hin zur Kaulquabbe getötet. Die Fischereiberechtigten erstatteten Anzeige. Es wird wieder eine kleine Strafe geben, 100 € bis 1000 € vielleicht an eine Naturschutzorganisation.  Das SIEZ® würde solch ein Bußgeld nicht annehmen, obwohl wir auf der Begünstigtenliste der Gerichte stehen.

Was lehrt uns dieser Unfall? Er geschah weit weg von der Schlei. Aber das Wasser läuft auch weit bergab. Es existiert oft keine Sorgfalt bei der Gülleausbringung. Ich sah selber, wie Gülle im Stand den Schleihang bergab laufen durfte und habe das gefilmt. Vielfache Überdüngungen sind festzustellen und werden nicht geahndet. Manche Landwirte aber sind vorsichtig & korrekt und verwenden modernste Technik. Respekt und Dank dafür! Andere aber klatschen es auf nasses Grünland, von wo es in die Schlei läuft oder arbeiten es viel zu spät ein, wenn bereits die Luft damit ausgiebig gedüngt ist.

Das „kleine Wenig Schaum“, das zwei Tage alles Leben in den Auen tötet, das stört doch niemand,  denkt mancher industrielle Landwirt vielleicht bei Strafen im Portokassenbereich. Bezahlen aber müssen diese Unfälle neben der Natur und der Zukunft der gesamte Berufsstand, dessen Image schlechter nicht mehr werden kann. Wenn das so weiter läuft, wer freut sich dann noch über die Landbewirtschaftung und die „Bauern“? Mein Großvater war Landwirt. Er liebte seinen Beruf so sehr, dass er noch schnell die Kühe molk, bevor er erschossen wurde. Mir tut dieser Niedergang meines Berufsbildes sehr weh.

Wir maßen am Mittwoch, dem 13. Mai die Wasserqualität der Stexwiger Au und die Nitratwerte lagen wieder im normalen Bereich. Es war ja nur eine „kleine giftige Gewässerwolke“ bereits schon lange in der Schlei verschwunden, wie viele andere Gülle auch.

Ich sprach mit Fischern und Schleianrainern: „Das ist Umweltkriminalität“, war die Meinung. Ein dreijähriger Entzug jeglicher Förderung von EU Subvention und Landessubventionen wäre eine angemessene Strafe. Dann würd´s so nicht mehr geschehen. Alle Subventionen seien knallhart an Umweltleistungen zu binden. Jegliche Verschärfung der Düngeverordnung und ihre strikte Kontrolle wurde gefordert. So die empörten Meinungen.

In einem Bächlein helle
Da schoß in froher Eil`
Die launische Forelle
Vorüber wie ein Pfeil 

Ich saß in guter Ruh an dem Gestade
Und schaut des Fischleins Bade
Im klaren Bächlein zu…  

Das war´s…Wer kennt es nicht, dies schöne Lied?

                                               

                                                                                 

                                                    

Messgerät und Schöpfer beim nächtlichen Einsatz – Strömungen in der Schlei

Messgerät und Schöpfer beim nächtlichen Einsatz – Strömungen in der Schlei

Seit Dezember 2019 messe ich Strömungen in der Schlei. Zum Einsatz kommt ein Flügelmessgerät der Firma Hydrobios.

Die Messergebnisse werden notiert. So ergibt sich zum Beispiel folgende Notiz: 

  • Dienstag, 14. Januar 2020 11:54,  Tonne 50:
  • Sichttiefe 1,40 m, 
  • Sauerstoff an der Oberfläche 13,6 mg bei 7,6 °C,
  • Wind 5,3 m/s aus West, 
  • Wasserströmung stehend in allen Tiefen.
Flügelmessgerät der Firma Hydrobios

Der Fischer Mathias Nanz hatte mich darauf hingewiesen, dass im Ausgang des Missunder Noores auf dem Faulschlamm zahlreiche kleine Herzmuscheln zum Vorschein kommen. Ich war dann mehrmals dort, stach Sedimente und maß die Strömung. Bei einlaufendem Strom „stoppt“ der häufige Westwind  im Noor (an Kraft zunehmend) hier den Einlaufstrom und es kommt zu Erliegen der Strömung, so dass hier „dickes Wasser“ (Mundart für Sedimente im Strom) den Sand verliert. So kann der Faulschlamm hier besanden und sofort folgen die Muscheln.

Auch unter der Lindaunisbrücke machte ich zahlreiche Messungen. Hier fiel mir auf, dass bei auslaufendem geringem Strom (0,2 m/s) die Strömung vor der Verengung zum Erliegen kommt. Das erstaunte mich sehr, erwartete ich doch einen Bernoullieffekt. Aber die Verengung scheint einen Rückstau zu bilden und der Bernoullieffekt scheint eine Mindestkraft zu benötigen. Für den Strom ist die Verengung „fast“ das Ende des Gewässers und staut zurück. Querhindernisse sind ein beachtlicher Eingriff in die Natur! Das kontrollierte ich auch für die „auswärtige“ Seite von Lindaunis. Auch hier verlangsamt sich eine Strömung von 0,25 m/s auf bis zu unter 0,1 m/s.

Am 27. März 2020 hatte ich Gelegenheit, in Lindaunis eine Hochwasserwelle zu erleben. Wir haben im SIEZ® absolut fähige Wissenschaftler, Meeresforscher, Physiker, Biologen etc.. Ich selber bin eher ein Allrounder, (Hans Dampf in allen Gassen). So werde ich im Folgenden die Messungen der Welle nur kurz skizzieren, so dass, wer will, sie interpretieren kann. Als Auswertung von meiner Seite folgt lediglich am Ende ein „Sack voller weiterer Fragen“.

Anmerken möchte ich, dass die Sturmnacht ein großes Erlebnis war: über mir donnerte der Zug über die Brücke und unten rauschte die Strömung mit bis zu 2 Meilen. Vielen Dank an den Brückenwärter und die „BÜP‘s“ (Brückenüberwachungsinspektoren) für die Gespräche, den heißen Tee und die Fachsimpeleien an der Brücke, die gerade für den Autoverkehr gesperrt war.

Ruhe nach dem Sturm, ablaufendes Wasser, in der Nacht 1,50 Welle und Hochwasser

27 März 2020, 19:50: 

  • Pegel Schleswig: 5,06 m steigend, am Tag davor knapp unter NN, um 12 Uhr NN passiert, 
  • Lufttemperatur 9,8 °C, 
  • Wassertemperatur 6 °C, 
  • Luftdruck 1030 bar, 
  • Strömung einwärts mit 0,12 bis 0,18 m/s, 
  • Wind Nord böig, auf der Brücke gemessen mit Handwindmesser am gehobenen Arm ⱷ 3m/s

27 März 2020, 22:50: 

  • Barometer 5 Strich gefallen, 
  • Pegel Schleswig: 5,11 m 
  • Lufttemperatur 7,6 °C,
  • Wassertemperatur 4 °C, 
  • spez. Gewicht gemessen mit geeichter Spindel, aber nicht temperaturkorrigiert 1,08 , 
  • Wind böig, 3,2 bis 5,4 m/s, 
  • Strömung 0,155 bis 0,24 m/s

Sonntag 29. März 2020, 1:30:

  • Lufttemperatur 5 °C, 
  • Böen bis 10,2 m/s, 
  • Pegel 5,17 m, 
  • Strömung 0,160 m/s bis 2,40 m/s einlaufend, 
  • der Wind sehr sandig und das Probenwasser „dick“, Dichte 1,08

Sonntag 29. März 2020, 6:00 (Sommerzeit):

  • Barometer steht auf 1020 bar und will beim Klopfen schon wieder steigen, 
  • Lufttemperatur 1 °C bei Schnee im Sturmwind, 
  • Böen bis 13,4 m/s,
  • Wasser steigt jetzt stark und „schießt“ unter der Brücke hindurch. Es ist „in de Blink“ und laut von Wind und Welle. Strömung 0,339 m/s jeweils gemessen in 50 cm Tiefe.
  • Wasser voller Sediment unsichtig und von 1,09 Dichte bei 3,5 °C (jeweils unkorrigiert),
  • Pegel Schleswig: 5,32 m,  Schleimünde: 5,53 m, steil

Sonntag 29. März 2020, 9:00:

  • Böen 16,1 m/s max. bei 
  • Lufttemperatur von 1 °C, 
  • Wassertemperatur 3,5 °C, 
  • Salz 1,1 mg/l,
  • Pegel 5,50 m, 
  • Strömung unter der Brücke 1 m/s, hohe Welle brechend, Wellenhöhe geschätzt 1 Meter

Sonntag 29. März 2020, 12:00:

  • Böen bis 12m/s, 
  • Lufttemperatur 4 °C, 
  • Strömung 1 m/s, 
  • Wassertemperatur 3,5 °C, 
  • Pegel 5,68 m, 
  • Salzgehalt 1,105 mg/l unkorrigiert

Sonntag 29. März 2020, 14:00: 

  • Böen 12 m/s nachlassend auf 8 bis 18 m/s, 
  • Strömung mit nassem Holz oberhalb der Brücke gemessen:  2 m/s, da Platz unter der Brücke zu rauschend und gefährlich (ein falscher Schritt und ich spüle in Kieholm an),
  • Lufttemperatur steigend auf 5 °C, 
  • Wasserdichte 1,12 (ich fahre nach Weidefeldstrand und Eckernförde, dort die gleichen Werte, d.h. jetzt haben wir reines Ostseewasser, auch sensorisch, unter Lindausnisbrücke. 
  • Pegel in Schleswig erreicht 15.15 m, Höchststand mit 6.26 m, Hochwasser auf der Schlei
Überflutete Salzwiesen und Schleiweg gegenüber Ulsnis

Sonntag 29. März 2020,  19:00:

  • Böen 4 m/s 
  • Wasser sehr hoch: 6,08 m
  • Strömung 0,25 weiterhin einwärts, 
  • Schöpfwasser klar aber salzig mit 1,12 unkorrigert = Ostseewasser 
  • Lufttemperatur 6,8 °C,
  • Wassertemperatur 4 °C, 
  • die Schlei beruhigt sich

Sonntag 29. März 2020, 23:00:

  • Lufttemperatur 0 °C,
  • Wind von Nord auf Ost mit 1 m/s fast windstill, 
  • jetzt stark rückfließendes Wasser mit 1 m/s, Salzgehalt zurückgehend mit 1,11 mg/l gegenüber Eckernförde jetzt: 1,13 m/s Rückstrom, breit und mächtig aber ohne Welle,
  • Pegel in Eckernförde: 5,24 m; Kappeln: 5,06 m; Schleswig: 5,93 m; Schleimünde: 5,24 m

Montag 30. März 2020, Morgendämmerung

  • Lufttemperatur 2,5 °C, 
  • Wind rückdrehend NW,
  • Strömung 4,1m/s, stark auslaufend mit 3 °C und 0,771 m/s, 
  • Salzgehalt 1,09 mg/l,
  • Pegel Schleswig: 5,52 m, Schleimende: 4,60 m, Kappeln: 5,05 m

Montag 30. März 2020, 11:00 Abschlussprobe: 

  • Wind auf Nord mit 3,1 m/s 
  • Lufttemperatur 5,5 °C, aber wechselnde Luftböenwärme mit scheinbar anderen Luftmassen bis 11.1 °C (ist das ein vorgezogener Aprilscherz?) 
  • Strömungsgeschwindigkeiten Oberwasser 0,58 m/s im Tiefenwasser über dem Schleigrund 0,23 m/s  Salzgehalt des Wassers 0,08 mg/l unkorrigiert

Meine Beobachtung: bei Sturm schießt Salzwasser aus der Ostsee in die Schlei und dieser Strom erobert jedenfalls in der Schleimitte die Situation. Was dieses kalte, sauerstoffreiche Ostseewasser mit dem bereits wärmeren Brackwasser macht, sollte erörtert werden.  Ich jedenfalls hatte das Gefühl, dass das schwerere Ostseewasser entweder vorherrscht oder das brackigere, leichtere Wasser „überrollt“, was physikalisch schwer zu erklären wäre. Jedenfalls mischt es sich nur langsam. In einer weiteren Messreihe und vergleichbarer Situation würde ich mit der „Hohner Fähre“ zwischen Stubbe und dem Noor eine Quermessung machen und zahlreiche Dichtebestimmungen vornehmen. Inwieweit erlangt der Salzwasserzustrom und die Strömung die gesamte Schlei?

Außerdem ist solch eine Flutwelle unter einer Eisenbahnbrücke ein großes Erlebnis und erinnert stark an Fontanes Gedicht: die Brücke am Tay. Regierung und Deutsche Bahn messen in Lindaunis keine Strömungen. Das SIEZ® aber macht das und ich werde nach dem Bau der neuen Brücke auch Lotungen an der Brücke durchführen. Jeder von uns kennt die Macht der Strömungspumpen und den Bernoulli Effekt. Im Januar 2018 beobachtete ich die Strömung an gleicher Stelle, die sicherlich stärker als drei Meilen war. Was bedeutet das für diese Schleistelle?

Als Abschluss erfolgt noch ein Diagramm über die Zeitverschiebung und Höhen der Pegel dieser „Welle“, die ja die Schlei „durchläuft“. Ich bin dankbar über Beobachtungen und Kommentare unserer Wissenschaftler zu diesen Messungen und Beobachtungen. Ein kleiner Film über diese „Welle“ wird demnächst unter Medien eingestellt. Die Schlei braucht dringend ein Brackwasserinstitut. Das SIEZ® hat genug Neugier, sie „verstehen“ zu wollen.

Pegelstände an Schlei und Ostsee vom 29.03.2020 bis zum 31.03.2020

Mit freundlichen Grüßen 

Karl Walther
Vorsitzender SIEZ®

Gülleeintrag in die Schlei / Modellregion Schlei

Gülleeintrag in die Schlei / Modellregion Schlei

„Das Jahr beginnt, der Regen fällt, ein andrer Herr regiert die Welt, der Wind ist kalt und schwer, das Land ertrinkt im Regenmeer“. Walter Scherf, der Pfadfinderdichter, schrieb diese Zeilen vor einigen Jahrzehnten. So war der Winter 2020 ein „Regenmeer auf dem Land“. Das Wasser in Auen und Schlei so „dick“ als könne man darauf laufen. Riesige Nährstoffmengen landeten in der Schlei.

Nun beginnt die Düngesaison und es kommt für die Schlei noch „dicker“. Der Bauernverband verhindert ein Einlenken bei den „Rote Gebiete §13 “ und damit ist die Düngeverordnung von 2017  immer noch nicht durchgesetzt. Die Schlei bleibt die Stieftochter der Menschen.

Nicht nur ein „fachgerechter Schleier“ auf dem wassergesättigten Grünlandhang zur Schlei hin, Ende Februar, stehende Gülle
        So sieht es 14 Tage später in der nahen Au unterhalb der Düngung auf dem sandigen Berg aus, Gülleschaum und stinkendes Wasser.
Die Auen erreichen hohe Nitratwerte über 60 mg/l. So gemessen z.B. an der Mündung der Karlsburger Au

Es hat in Schleswig Bemühungen gegeben, ein „Integriertes Schleiprogramm ISP“ für die Schlei zu entwickeln, 50 Millionen sollte es ursprünglich beinhalten: 10 Jahre lang 5 Millionen. Inhalt des ISP war es, den Bauern bis zu 1/3 des Grundverkehrswertes dafür zu geben, daß sie schleiseitig auf Einträge verzichten und ihre Gülle „woanders“ einsetzen. Also bis zu 8000 Euro Prämie für die freiwillige Einhaltung der Düngeverordnung. Alle betreffenden schleirelevanten Gebiete wurden konkret bezeichnet. Fürwahr eine mühselige Arbeit von Thorsten Roos & seinem Team, zu dem auch der Bauernverband gehörte.

Dieses 50 Millionen teure Programm für die Schlei würde das Problem der Überproduktion nicht lösen. Die Bauern wollen die Düngeverordnung nicht. Sie sind unter Druck. Die EU und der Bund leiten und lenken nicht. So sagte der Vertreter der Bauernschaft am runden Tisch: Geld für uns ist nicht die Lösung der Probleme, wir brauchen zusätzlich einen Landausgleich, die besseren Flächen der Stiftung Naturschutz sollten uns „angedient“ werden.

Wir meinen: es braucht große Hilfen zur Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft. So kann es nicht weiter gehen.

Das Land gibt nun keine 50 Millionen für die Schlei und die „freiwillige“ Einhaltung der Düngeverordnung (genannt wird diese Idee: ISP, Integriertes Schleiprogramm). Aber es bahnt sich ein Bundesprojekt „Modellregion Schlei“ mit Bundesmitteln an. Es soll einen Umfang von 10 bis 12 Millionen haben, mit einem Teil Gegenfinanzierung durch das MELUND. Damit hätte das Land den Hut auf und das ist gut so.

Ich bin als Vorsitzender des SIEZ® ganz dagegen, dass Mittel dafür eingesetzt werden, die Landwirtschaft in die Einhaltung der DÜV durch viel Geld zu „locken“. Es wären die falschen Signale.

An den noch lange nicht befahrbaren regensatten Schleihängen wurde im Februar Gülle im Stand verklappt. Ein herzloser Affront. So gelangen Nährstoffe ins Grundwasser und die Gewässer. Es wird ein weiteres, hartes Jahr für die Schlei.

Gülleverklappung an der Schlei Ende Februar auf regensattem Grünland

Die Düngeverordnung stößt nicht auf die nötige Akzeptanz. Sie zu verschärfen macht nur dann Sinn, wenn sie vollkommen mit allen EU Förderungen verknüpft wird. Seit drei Jahren ist kein rotes Gebiet als § 13 Gebiet vom Land definiert worden. Der Bauernverband findet neben „roten Grundwasserbrunnen“ auch „weiße“ mit unter 50 mg und „beweist“ so die „Unschuld“ der industriellen Massentierhaltung. Er treibt die Landwirtschaft in die gesellschaftliche Isolation. Hohe Strafzahlungen der EU werden die Folge sein. Es fehlen überall die neuen Ziele und Programme und das Geld für eine ökologische Landbewirtschaftung. So jedenfalls kann es nicht weiter gehen.

Wie soll das für die Schlei  gut gehen?

Wir würden uns über Bundesmittel an der Schlei sehr freuen. Sie sollten auch für eine alternative Gülleverwertung verwendet werden, für eine Auflösung der Zwickmühle. SIEZ® nahe Ingenieure forschen am Einsatz der Gülle für Heizzwecke (Gülletrocknung, Phosphatauswaschung). Startups wurden gegründet und sollten vom Land unterstützt werden. Das SIEZ® beginnt mit einem Floß zu erforschen, was wirklich geschieht, wenn Faulschlamm vom Schleigrund entnommen wird – wenn er belüftet, wenn er besandet wird. Welcher Nutzen würde sich ergeben, welcher Schaden entstehen? Wir würden uns auch auf eine gewisse Unterstützung durch die Bundesmittel freuen.

Aufklärungsbedarf für die Kreisläufe der verschiedenen Stoffe in einem Infozentrum ist notwendig. Das ist die Grundidee des SIEZ®: zu zeigen, dass alles zurückkehrt, was scheinbar entsorgt wird, seien es die Nährstoffe, das Plastik, der Reifenabrieb, das Co2 als verändertes Klima. Dieser Plan wird bislang noch gar nicht unterstützt.

Das SIEZ® freut sich sehr auf die „Modellregion Schlei“, auf die Förderung moderner Projekte. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, so hoffen wir und wir sind mittendrin und dabei; dies meint

Karl Walther 1. Vorsitzender des SIEZ®

Ein kleinster Schritt auf dem Weg zur Vielfalt – Orchideenwiese am Ornumer Noor – langfristig durch das SIEZ<sup>®</sup> gepachtet

Ein kleinster Schritt auf dem Weg zur Vielfalt – Orchideenwiese am Ornumer Noor – langfristig durch das SIEZ® gepachtet

Vor gut einem Menschenleben noch erreichte die Vielfalt der Lebensräume unserer Natur und Kulturlandschaft Höhepunkte. Landwirtschaft wurde „handwerklich-mechanisch“ betrieben.  Unsere Landschaft erblühte in einer ungeahnten, unglaublichen Vielfalt. Eine einschürige und späte Mahd der Niederungsflächen an der Schlei und artenreiches Grünland prägten die Wiesen. Die Bodenbrüter hatten fürs Brutgeschäft genügend Zeit. Kiebitz, Frosch und Storch waren zahlreich an der Schlei. Jedes Dorf hatte eine Meierei und zumindest ein Storchennest. Auf den Wiesen blühten Orchideen und das Wiesenschaumkraut  und der gelbe Sumpfdotter. Am Schilf grünte Löffelkraut und der Wasserfenchel, der Schlangenlauch, die Angelika. Eine bunte Welt.

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
 (Quelle D. Rackow & W. Busse)

Industrialisierung & Intensivierung der Landwirtschaft  verödeten die Landschaft. Das „totalitäre“ Glyphosat unterdrückt alle Beikräuter bis zum Insektenhunger & Insektensterben. Uns macht es vielleicht todkrank, es steht jedenfalls unter diesem Verdacht. Eine unverantwortliche EU Politik gaukelte uns Landwirten mit hohen Flächensubventionen vor, dass nur die Flächengröße zähle und setzte uns unter einen unerträglichen Wachstums- und Preisdruck, verjagte uns Landwirte von Jahrhunderte alten Höfen in äußerster Konkurrenz. Die Schleilandschaft musste mit dem Mittleren Westen Amerikas konkurrieren. Die Buntheit der Vielfalt verschwand.

Nicht regionaler Markt, aber Weltmarkt. Die falsche Förderpolitik der Flächensubvention, die trostlose Monotonie überdüngter Maisäcker, Massentierhaltung und Gülleflut. Die einstmals stolzen Landwirte wurden zu den Prügelknaben der Nation. Sie sind scheinbar allein schuld am Ergebnis der doch gewollten & gezielten Agrarpolitik. Der Niedergang der Vielfalt, der Niedergang der Gewässer & Grundwasserkörper, die Verschlammung der Schlei waren der Preis viel zu billiger Lebensmittel und falscher Politik. Mit Unsummen Fördergeld hatte die EU genau das doch gewollt: eine mit Amerika konkurrenzfähige industrielle Landwirtschaft. Wir leben im Sterben der Vielfalt.

Mit großer Unterstützung der Gemeindevertretung durfte das SIEZ® das „Kopfstück“ des Ornumer Noores als Pflanzenarche für zunächst 5 Jahre pachten und wird dort als „Hotspot“ die alte Pracht der Schleivielfalt wiederherstellen: Orchideen, Sumpfdotter, Wiesenschaumkraut, Löffelkraut, Teufelsabbiss, Schlangenlauch, Amphibien, Bodenbrüter…

Zukünftige Orchideenwiese der Gemeinde Kosel, gepachtet vom SIEZ® rechts der Fahrradweg der K83

Das SIEZ® hat im Herbst 2019 die mit Sumpfschachtelhalm bestandene Fläche gemäht, abgeräumt und Knabenkrautpflanzen, Klappertopfsaat und Teufelsabbiss eingebracht und auch eine zweite späte Mahd Ende Oktober durchgeführt. Nach der Räumung der Fläche  wurde Knabenkrautsaat eingegossen. Ziel der zwei späten Mahden war es, den Orchideen einen Konkurrenzvorteil fürs Frühjahr zu verschaffen. Ein Wiesenbach rinnt über die Fläche und darf wohl mit einer „Blänke“ (Bachausbuchtung) versehen werden, einem Tummelplatz für Amphibien. 

Wir freuen uns  sehr über diese kleine Fläche. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und das Landesamt freuen sich mit uns. Hier entsteht ein Artenhotspot, eine Pflanzenarche. Wir danken für das Vertrauen der Gemeinde und der Region. Wir freuen uns auf die Amphibien, Insekten und Bodenbrüter. Möge es dort wieder bunt blühen.

Karl Walther, Kleinstlandwirt und Vorsitzender des SIEZ®

Straßenabflüsse – ein Problem auch an der Schlei ?

Straßenabflüsse – ein Problem auch an der Schlei ?

Erster Teil: das Problem

Bereits drei Mal wurde das SIEZ® zum Fischsterben im Burgsee gerufen. Dort in der Niederung unterhalb des Kreishauses sterben immer wieder nach langen Regenperioden große Barsche in einer Menge, die dem kleinen Grabensystem (etwa 8ha) zwischen der Schlossinsel und dem Thiessenweg/alter Schießstand dort nicht zukommt. Ich vermute, dass die Niederung nach langen Regenfällen „umkippt“ und sich die Barsche der Umgebung hier am „rotten Grund“ satt fressen, bis es sie selber „erwischt“. Fundort der Barsche ist die Überlaufeinleitung unterhalb des Kreishausparkplatzes.

In dieser Niederung kann man äußerst niedrige Sauerstoffgehalte dort unter 3mg messen und reichlich Abwasserpilzfäden finden. Eine anatomische Sektion der Barsche konnte vom SIEZ® (leider) nicht erfolgen, weil jedes Mal frische tote Exemplare fehlten, diese sofort beseitigt wurden. Erst jetzt haben uns einige Bewohner des Thiessenweges nach Gesprächen am Gartenzaun zugesichert, uns rechtzeitig für eine Sektion zu informieren.

Abb. 1: Die Autobahn A7 erklimmt die Pöhler Höhe bei Schleswig (bis 46m NN), das Straßenwasser läuft 1 zu 1 über den Panzergraben in die Schlei und in den Straßennebenraum
Abb. 2: Ein SIEZ®-Mitarbeiter nimmt eine Wasserprobe des Panzergrabens unterhalb der Autobahn, Treppenabsturz vom Wasser der Dannewerker Niederung plus A7 Oberflächenwasser ungeklärt
Abb. 3: Einige Tage tote Barsche beim Herbstfischsterben 2019 nach langen Niederschlägen beim Kreishaus unterhalb Parkplatz, milchig grau das Wasser vom Abwasserpilz in der Niederung tlw. Schneeweiß. Im Jenner 2020 das Wasser=glasklar, da keine Überläufein der Mischkanalisation
Abb. 4: Unterhalb der Kahmhaut ist der Abwasserpilz als weißer Belag zu sehen, tlw. vom verockerten Moorwasser eingefärbt (Niederung Windallee)

Dieser Vorgang brachte uns im SIEZ® zur Frage, ob die Barsche im Burgsee vielleicht auch noch durch andere Einflüsse vorbelastet sein könnten. Zum Beispiel durch Mikroplastik. Dies brachte uns zur Frage der Einleitung von Reifenabrieb in die Schlei als möglicher Vorbelastung, als möglichem Vitalitätsverlust. Daneben ist das Problem des inzwischen regelmäßigen Barschsterbens wohl vor allem eines der Sauerstoffknappheit nach langen Regenfällen im Burggrabensystem und eines der Kanalisation der Stadt Schleswig beim Kreishaus. Es kommen zu Zeiten der „Regenfrau“ (Das Land ertrinkt im Regenmeer) 3 Faktoren zusammen: große Nährstoffreserven der Niederung kommen in den Fluß, die Mischkanalisation „schwappt über“ und dazu dann (die Wege stehen beim Burggraben bereits unter Wasser) die Abschottung zur Schlei, die dazu nicht sonderlich gepflegt wird. So verklemmte über den gesamten Januar 2020 ein Stück Moorholz die eigentliche verschlossene Klappe, worauf uns Anwohner aufmerksam machten. Nun schmort das System im hohen BSB Bedarf und „kippt“ um. Ein Sauerstoffschlauch und ein Kompressor am Parkplatz würden das verhindern, ein Gitter im Verbindungsrohr zum Burggraben ebenso. Aber dazu bräuchte es ein Einräumen der Probleme. Soweit ist Schlewig noch nicht. Doch gehen wir an dieser Stelle nur einem möglichen zusätzlichen Vitalitätsverlust durch Mikroplastikeinleitungen in den Burgsee nach.

Etwa 120.000 Tonnen Reifenabrieb/Jahr soll es in Deutschland als unterem Schätzwert geben. Ein bisher vernachlässigtes Problem des Deutschen Heiligtums „Auto“. Der Reifenabrieb setzt sich „als Depot“ in der Rauhheit der Straße ab und wird mit dem Niederschlagswasser kontinuierlich in den Straßenseitenraum (60Meter links und rechts neben der Straße) und in die Vorflut gebracht. Schätzungen des Bundesumweltministeriums berechnen pro Reifen bis zu 50mg Reifenabrieb pro km. Vielleicht passieren 30.000 Fahrzeuge zusammen die A7&B76 täglich. Das sind 11 Millionen Fahrzeuge im Jahr. In die Schleivorflut geraten bei einer Eintragslänge von geschätzt 500 Metern 5 Millionen mal 200mg Reifenabrieb in den Straßenseitenraum und ein Teil davon in die Schleivorflut. Wie lange gibt es diese Straßen? Da kommen viele Tonnen Reifenstoffe zusammen. Es gibt Stoffe, die partikelgebunden/sedimentgebunden bleiben und wasserlösliche Anteile. Es besteht die bewährte Möglichkeit in Absetzbecken (Regenwasserrückhaltebecken) die Sediment- und Partikelfracht tlw. aufzufangen und zu klären/deponieren.

Das geschieht weder bei der A7 noch bei der B76

Die Wasser/Sedimentfracht (außer Straßenseitenraum) läuft 1 zu 1 in den Panzergraben und deponiert sich dort (s.a. Abb. 1 und Abb. 2). Das Wasser mit seiner Teilfracht läuft über den Burgsee in die Schlei. Der Panzergraben mündet im westlichen Burgsee und speist ihn mit der Vorflut der Dannewerker Niederung und mit den Abwässern der großen Straßen A7 und B76. Er ist teilverrohrt (s.a. Abb. 5, Abb. 6 und Abb 7).

Abb. 5: Skizze Verlauf Panzergraben
Abb. 6: Der Panzergraben entwässert die Dannewerker Niederung hier etwa 250m südwestlich der Autobahn
Abb. 7: Teilverrohrtes Stück vor der Autobahn, hier verschwindet er in der Tiefe unter der Autobahn (tonaufgeschwemmtes Wasser)

Zwei Vorstandsmitglieder des SIEZ® lasen sich in die Literatur des “bast“ (Bundesamt für Straßenwesen) ein und beschlossen eine „kleine Untersuchung“ zum Thema. So nahmen wir 2019 jeden Monat eine Einzelprobe Wasser und Sediment unterhalb der B76. Hier läuft das Straßenwasser der B76 pur in den Panzergraben, ohne vorherige Absetzung. Davor einige 100 Meter entfernt das Gleiche mit der A7. Aus diesen eingefrorenen Einzelproben machten wir eine Sammelprobe und ließen sie von AGROLAB Kiel untersuchen. Als Referenzprobe diente eine Sediment/Wasserprobe des Panzergrabens im Dannewerk oberhalb der Autobahn und eine Sediment/ Wasserprobe einer typischen Schleiau mit wenig Straßenverkehr, der Lindau in Höhe Rehberg. Hier vermuteten wir sehr wenig/keinen Reifenabrieb.

Abb. 8: Auf dem Autobahndamm stehend mit Blick ins zauberhafte Eiszeittal der Au oberhalb Treppenabsturz rechts

Zusätzlich wurde mit Genehmigung des Wasser und Bodenvorsitzenden des Dannewerks ein Barsch im Panzergraben 50 Meter abseits/unterhalb der B76 gefangen und einer aus meiner eigenen Schleiau. Beide wurden zur Untersuchung bei der LUFA eingefroren. Sie wurden von der Lufa auf Cadmium, Blei und Zink untersucht.

Abb. 9: Der Panzergraben an unserer Probenentnahmestelle im Jahr 2019, links kommt das Straßenabwasser direkt von der B76 ebenso wie von rechts

Fußnote: Im Nebenbei: der Panzergraben trägt seinen Namen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Nazis wollten zum Ende des Krieges einen riesigen Panzergaben quer durchs Land bauen. Das gesamte jetzige Weltkulturerbe sollte von Zwangsarbeitern „ausgehoben werden“. Einem Dänischen Nationalsozialisten mit Kontakten zu Himmler gelang es, dies der „Wolfsschanze“ rechtzeitig auszureden. Da waren erst 80 Meter Weltkulturerbe vernichtet. 9.000 Spatenschaufeln standen bereits für die Gefangenen bereit. Der Graben sollte dem Ostwall über Möhlhorst bis Windeby folgen. Aber es kam niemals ein Panzer aus Norden.

Die Grenzen eines „kleinen Vereinsprojektes“

Wir im SIEZ® sind uns vollkommen bewusst, dass zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas viel mehr gehört: ein Monitoring der Niederschläge und der Bau von Niroauffangbecken, kontinuierliche Analysen ebenso wie Sammelproben, die Errechnung von Abbauraten, die Errechnung von Frachten im Jahresverlauf, eine fachlich einwandfreie Trennung von Sediment und Abflusswasser, die Berücksichtigung der Bodenarten im Frachtsediment. Etliche Probefänge von Barschen im Burgsee/Panzergraben zur Erzielung einer Datenmenge, die statistische Einschätzungen zulässt, mehrere Messstationen bis hin zur Schlei, wo am Wikingturm das nächste Problem wartet: Beprobung der Straßenseitenräume. Solch eine Untersuchung kostet eine 5 bis 6 stellige Summe und dauert über ein Jahr. Die Kosten solch einer Untersuchung bewegen sich in der Größenordnung des Baus eines Rückhaltebeckens. Wir vom SIEZ® hatten dagegen nur wenige Hundert Euro Spendengeld  zur Verfügung  (Ein Dank an dieser Stelle an den BUND-Sl). Der Zeitaufwand für das kleine Projekt war bereits immens und drohte den ehrenamtlichen Rahmen zu sprengen. Unser Ziel war vielmehr eine Antwort zu finden auf die Fragen:

  • Gibt es da überhaupt ein Problem und wie groß könnte das Problem sein?
  • Ist das Ergebnis eventuell besorgniserregend für die Fauna im Burgsee?
  • Ist Vorsorge gefragt? 

Das war unsere Fragestellung.

Zweiter Teil: Konzentrationen und Frachten organischer Schadstoffe im Straßenabfluß.

Heft V295 der Bundesanstalt für Straßenwesen DIETER GROTEHUSMANN und Kollegen

„Systematische Untersuchungen zur Belastung der Straßenabflüsse mit organischen Schadstoffen, die z.B. in Weichmachern, Tensiden, Klebstoffen, Lacken, Korrosionsschutzadditiven, Benzinzusätzen, Vulkanisierungsbeschleunigern bzw. Alterungsschutzmittel (Antioxidans) zur Herstellung von Reifen enthalten sind, liegen derzeit (2007 Anmerkung des Verfassers) nicht vor.“ (Zitat aus V295) Aber es gibt einige Untersuchungen und Werte aus der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts und eine Untersuchung an 3 Autobahnen. Stichproben also.

Es sei mir eine kurze allegorische Bemerkung zum Sachverhalt erlaubt: 1845 wurde das erste Patent auf einen Reifen dem Engländer THOMSEN vergeben, seit 1888 werden Reifen (DUNLOP, Vater und Sohn) industriell hergestellt. Die ersten Untersuchungen, was der immense Reifenabrieb seit mehr als 100 Jahren mit der „Schöpfung“ macht, laufen erst jetzt zaghaft an.

In den Konzentrationen von Straßenabflüssen fällt auf, wie hoch der Gehalt an Zink sein kann. Er kann bis auf 1.3oo Mikrogramm im Liter Straßenabfluss hoch schnellen. Zink ist ein notwendiges Spurenelement für jegliches Lebewesen, aber das Zink ist mit Blei und Cadmium als

„Verunreinigung bei der Reifenherstellung“ vergesellschaftet und die sind giftig und im Schwarm ein „Marker“ für hoch giftige Kohlenwasserstoffe bei der Reifenherstellung.

In der Untersuchung: „Einträge von Kupfer, Zink und Blei in Gewässer und Böden 19/05 des Umweltbundesamtes“ heißt es unter 4.4.1.1. auf Seite 85: Die Höhe des Reifenabriebes hängt von den Materialeigenschaften, der Konstruktion und dem Zusammenspiel von Fahrzeug und Reifen ab. Von BUWAHL, 1992 wird beispielsweise bei einem Massenverlust von 1,2 bis 2 Kg pro Reifen und einer durchschnittlichen Fahrleistung von 50.000km von einem mittleren Emmisionswert von 16 bis 50mg/km und Reifen ausgegangen.(also 64 bis 200mg/km/Fahrzeug Am. des Verf., LKWs entsprechend mehr) “

Bei der Reifenherstellung wird Zinkoxid als Aktivator für Vulkanisationsbeschleuniger zugesetzt (RAUTENBERG 1998). Das dadurch im Reifen enthaltene Zinkoxid ist mit Blei und Cadmiumoxid verunreinigt. (Continental 1999). Die Schwankungsbreite beträgt zwischen 0,8 und 2,5 Prozent Zn im Reifen.“

Uns geht es beim Zinkgehalt also um den Marker für den Gesamtcocktail des Reifenabriebs.  Neben den Reifengummistoffen, die mikroskopisch klein Sediment- und Partikelgebunden mit dem Vorflutwasser in unsere Gewässer gelangen: MTBT, Nonylphenol, Octylphenol, DEHP, PCB, Bispenol A, MBT und BTSH sind die wichtigsten (in einer Größenordnung von 0,15 bis 78 mikrogramm/l Probe). Sie sind teilweise partikelgebunden, teilweise wasserlöslich, einige bauen sich kaum ab und wirken wie Hormone, es sind z.T. Vulkanisationsbeschleuniger und Hilfsmittel zur Kunststoffherstellung. Sie sind z.T. in einer Anhangsliste der WRRL mit empfohlenen Höchstwerten aufgelistet und könnten in Regenrückhaltebecken in erheblichem Umfang aufgefangen werden. Diese Becken aber fehlen an der Schlei. Uns interessiert in erster Linie der „Marker“: Zink mit seinen Beimengungen Blei und Cadmium. Je höher dieser Werteschwarmin Gewässersediment und Überstandswasser, desto höher auch der Gehalt an der weiteren Fracht. Das ist unsere Arbeitshypothese, die wir aus den Schriften des “bast” ziehen. Man kann diese Hypothese m.E. gebrauchen, denn die Untersuchungen auf die KW sind sehr teuer. Allerdings gebraucht diese Arbeitshypothese zur Absicherung eine gelegentliche Beprobung auch auf die Kohlenwasserstoffe.

Dritter Teil: der Versuch

Wir nahmen das gesamte Jahr 2019 unterhalb der B76 Sediment und Wasserproben aus dem Panzergraben. Dieser entwässert die Dannewerkniederung mit etwa 560ha Einzugsfläche, bildet einen eigenen Wasser und Bodenverband mit Herrn Mau als Vorsitzendem, nimmt dazu reichlich Sediment und Oberflächenabwasser von A7 und B76 auf (dient also als Absetzbecken) und mündet dann in den westlichen Burgsee.(Wie wären die Gehalte dort?) Die Sammelproben vereinigten wir zu einer Jahresprobe. Eigentlich interessant sind Proben bei Starkniederschlägen, nach Salzgaben etc., die als „schädliche Wasserwolken“ über den Panzergraben in die Schlei fließen. Lebewesen sind neben Durchschnittswerten ebenso den Höchstwerten ausgesetzt. Mit einer Sammelprobe erwischt man die „Ausreißer“, die vornehmlich die Fauna im Panzergraben/westlicher Burgsee belasten, natürlich nicht.

Die Sammelprobe bezeichnet den Lebensraum in einer bestimmten chemischen Facette, viele Einzelproben hingegen die Gefährdungen aller Tage. Die Situation aber gar nicht zu untersuchen  bei dieser möglichen Eintragslage ist gedankenlos. So ließen wir folgende Proben bei AGROLAB untersuchen:

  1. Panzergraben vor der Autobahn im Glas
  2. Sammelprobe unterhalb der B76 im Glasbehälter (notwendig für PAK Proben)
  3. Eine „einsame“ Schleiau, die Lindau oberhalb Rehberg im Glas

Untersuchen ließen wir den Zink, Blei und Cadmiumgehalt, PAK16 und DEHP Phtalate Octyl/Nonylphenol unterhalb der B76. Für diese Werte gibt es Vergleichswerte in der Schrift V295 des “bast”.

Außerdem fingen wir (mit Erlaubnis von Herrn Mau) einen Barsch unterhalb der B76, wo wir eine starke Belastung vermuten und einen in einer Schleiau in Bohnert, wo kein Reifenabrieb vorhanden ist. Da wir hier keine kritischen Vergleichswerte haben, lassen wir das Barschfleisch nur auf Zink und Cadmium und Blei bei der LUFA untersuchen. Uns interessiert hier der Unterschied zwischen den beiden Tieren und der absolute Wert.

Eventuell auch für die zukünftige Etablierung einer Messreihe zur Erzielung zuverlässiger Datenmengen und statistischer Aufarbeitung der Werte. Die gängige Literatur gibt o,61 mg Zink pro 100 g Flussbarsch als durchschnittlichen Zinkgehalt an. (6,1 mg/kg Frischfleisch)

Kosten der Untersuchung

Der Zeitaufwand/Kosten für zahlreiche Fahrten ins Gebiet war immens. Wir waren ca.30 mal im Gebiet. Die reinen Laborkosten wurden durch unsere Mitglieder und eine Spende der BUND Ortsgruppe Schleswig getragen. Die reinen Laborkosten beliefen sich auf etwa 500 Euro. Wir bitten um Spenden (absetzbar) unter SIEZ® e.V. IBAN DE06 2105 0170 1002 2678 78 Stichwort: Panzergraben. Auf youtube wird ein kleiner Film von uns über die Problematik „Reifenabrieb Panzergraben“ eingestellt. Bei 1ooo Klicks geht das SIEZ® im Senatorkrug Bier trinken.

Ergebnisse und vorsichtige Schlussfolgerung

Als erstes liegt uns das Untersuchungsergebnis der LUFA über den Gehalt an Zink, Blei und Cadmium im Muskelfleisch der gefangenen Barsche vor.

Er beträgt beim Panzergrabenbarsch 

  • 4,22 mg/kg Muskelfleisch Zink
  • 0,003 mg Blei (knapp über der Nachweisgrenze) 
  • Cadmium unter der Nachweisgrenze

Er beträgt beim Barsch aus dem Schleibach Königsburg:

  • 3,92 mg/kg Muskelfleisch Zinkgehalt
  • 0,003 mg Blei (knapp über der Nachweisgrenze) Cadmium unter der Nachweisgrenze

Wir haben Barsche als „Untersuchungsfische“ ausgewählt, weil sie am Ende der Nahrungskette stehen und zudem von Menschen gegessen werden (Brassen/Plötze nicht mehr). Barsche wachsen langsam und ein „Portionsbarsch“, den die Lufa von uns verlangte, ist etliche Jahre alt. Beim Schwermetallgehalt im Muskelfleisch von Fischen spielt die Altersakkumulation eine entscheidende Rolle. Die maximalen Gehalte an Schwermetallen sind in der EG Verordnung 1881 in letzter Fassung limitiert auf 0,3mg Blei pro Kg Muskelfleisch feuchtfrisch. Davon sind „unsere“ Barsche zum Glück weit entfernt!

Das Untersuchungsergebnis deutet auch nicht auf einen Unterschied zwischen dem Muskelfleisch/Barsch beider Fangorte hin. Die Unterschiede sind dafür zu gering. In der Literatur findet man Werte zwischen 6 und 14 mg Zink pro kg feuchtfrisches Muskelfleisch Barsch. (s.o.)

Diese magere Stichprobe „verführt“(?) uns zum Schluß, dass eventuell keine Vorschädigung und keine Vitalitätseinschränkung durch Reifenabriebstoffe in den Fischen des Burgsees vorliegt. Allerdings müssen wir diesen Schluss leider relativieren. Wir konnten als kleiner Verein eine Beprobung der Barsche auf die verschiedenen Kohlenwasserstoffe der Reifenabriebsstoffe nicht finanzieren und AGROLAB bietet diese Untersuchung auch nicht an in der nötigen Genauigkeit an. Gehalte, die in der Literatur des “bast” als bedenklich und hoch angesehen werden, firmieren bei AGROLAB als „unter der Nachweisgrenze“. Diese Untersuchungen sind für das SIEZ® zu teuer. So warten die genauen Details auf solvente Untersucher: „Mit der Anzahl der aromatischen Ringe nimmt die Abbaurate ab. PAK mit vier oder mehr Ringen sind unter Umweltbedingungen als persistent anzusehen. (Mit gleichzeitig geringer Wasserlöslichkeit, Anm. des Verfassers)“ (Zitat “bast” V295 Seite 17). D.h. die Gehalte laufen nicht weg und bauen sich sehr langsam ab.

Die Untersuchung der Sedimente im Panzergraben 250 Meter oberhalb der Autobahn und direkt unterhalb des Panzergrabens und einer (vermeintlich) sauberen Referenzau, der Lindau oberhalb Rehberg erbrachte erstaunliche Ergebnisse, welche die Vorsorgewerte der Bodenschutzverordnung touchieren. (Nach §8 Abs.2 des BodSchG sind Vorsorgewerte „Bodenwerte, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung von geogenen und großflächig siedlungsbedingten Schadstoffgehalten davon auszugehen ist, dass die Besorgnis des Entstehens einer schädlichen Bodenveränderung besteht“) Diese sind vorweg: 0,4mg Cadmium , 40 mg Blei und 60 mg Zink je nach Bodenart und pro kg TM im Königswasseraufschluss. Es sind dies keine Grenzwerte. Die zum sofortigen Handeln zwingen.

Sedimentgehalte in mg/kg TM bei abfiltriertem Sediment:

250 Meter oberhalb der Autobahn im Panzergraben fand AGROLAB im Sediment in der TM pro Kg nach Königswasseraufschluss 14 mg Blei, 0,3mg Cadmium und 89mg Zink im tonigen Substrat.

Direkt unterhalb der B76 waren es 12mg Blei, 0,2 mg Cadmium und 76 mg Zink im sandigen Substrat. Hier ließen wir alle Kohlenwasserstoffe, die in den Untersuchungen des “bast” eine Rolle spielten, untersuchen. Sie lagen alle unterhalb der Nachweisgrenze. Das heißt allerdings nicht viel, da die auf anderen Autobahnen gefundenen und in den Schriften des “bast” als hoch eingestuften Werte ebenfalls unter der Nachweisgrenze von Agrolab liegen würden. (Feinere Untersuchungsmethoden des “bast” als in Kiel bei AGROLAB)

Lindau oberhalb Rehberg: (hier handelt es sich um weiches Wasser von dh 1, welches ich zeitweise zum Teekochen „zapfte“: 34 mg Blei, 0.13 Cadmium und 49 mg Zink im sandigen Substrat.

Vorsichtiger Versuch einer Bewertung

Die relativ hohen Zinkwerte in den Sedimenten der Auen sind wohl (neben Dachrinnen und Siedlungsemmisionen) auf Reifenabriebseinträge zurückzuführen, da im Laufe der Jahrzehnte bei 2oomg Reifenabrieb/km (PKW, LKW viel mehr und 2 Prozent davon sind Zinkoxid und Bleioxid und Cadmiumoxid als Verunreinigung des Zinks) viele Tonnen Zink in die Auen und Straßennebenräume kamen. Inzwischen beginnen die Sedimente unserer wundervollen Auen die Vorsorgewerte der Bodenschutzverordnung zu touchieren/ übertreffen, je nach Bodenart und Parameter.

Die von uns gefundenen Werte übertreffen die Werte der “bast” Schrift V295 tlw. um das über 1800 fache. Das liegt daran, dass in den Untersuchungen die Niroauffangbehälter z.b. in Großburgwedel stets beprobt/gereinigt wurden, unsere Auensedimente den Reifenabrieb aber seit Jahrzehnten sammeln. Man kann das eigentlich nicht vergleichen. Man vergleicht Quartalsproben mit einem Endergebnis.

Deshalb kommen wir zu der Antwort auf die oben gestellte Frage:

Ja, wir haben ein Problem bei der Einleitung von Straßenabwässern in die Vorfluter.

Die Schrift V295 der Bundesanstalt für Straßenwesen kommt zu dem Schluss: “Wegen der hohen partikulären Anteile bei den meisten Schwermetallen, bei PAK 16, PCB 6 und DEHP kommt dem Rückhalt der Feinpartikel in Regenwasserbehandlungsanlagen besondere Bedeutung zu.“

Dem schließen wir uns an, Vorsorge nach dem Bundesbodenschutzgesetz ist hier gefragt.

Professionelle Untersuchungen zu diesem Problem sind weiterhin nötig. Das meint auch unser wissenschaftlicher Beirat, der eine Doktorarbeit/Masterarbeit zu diesem Problem vorschlägt. Auch hier stecken wir in einem Kreislauf der Stoffe, die wie immer sofort zu uns zurückkehren. Genau das ist das Thema des SIEZ®:

In „würdiger“, anlockender Atmosphäre (dem SIEZ® Gletscherhaus) an der Schlei die menschlichen Stoffkreisläufe an der Schlei in digitalen Animationen spannend darzustellen. Hier ist der Reifenabrieb ein weiteres Thema nach dem Stickstoff, dem Phosphor, dem Plastik, dem CO2, der eiszeitlichen Entstehung der Region, dem Verkehr auf der Schlei und der Geschichte der Fischerei

Was machen wir mit unseren Gewässern, was mit unserem Stiefkind, der Schlei?!

Gegen eine Aufwandsgebühr von 100 Euro pro Probe untersuchen wir vom SIEZ® auch ihre Au im Schleiraum auf Hinweise zum Reifenabrieb (Markerschwarm Zink, Blei, Cadmium)

Wir brauchen unbedingt mehr Messwerte.

Für die Arbeitsgruppe „Panzergraben“ des SIEZ® 
Dipl. Ing. agr. Karl Walther