Erste Trends der Messungen vom Forschungsfloß – oder der Marathon
Die Augustmessungen 2026 auf dem Forschungsfloß zeigen erste Trends auf. Die Sichttiefen nehmen zu, von 40 auf 60 cm, die Grünalgenblüte hat ihren Höhepunkt überschritten, sie sinken auf den Grund und zersetzen sich dort unter Sauerstoffverbrauch. Stickstoff ist im Massenwasser der Schlei nicht mehr nachweisbar. Der Sauerstoffgehalt am Grund beim Forschungsfloß: zwischen 0,2 mg bis 2,8 mg – dies ist zu wenig fürs Getier, alles wird für den Zersetzungsprozeß der sedimentierten Grünalgen genutzt. Gleichzeitig steigt durch Rücklösung der Phosphatgehalt: dies sorgt für die Vermehrung der „Blaualgen“(Cyanobakterien), also für die zweite Runde Neuschlammbildung. Die kommen mit dem Luftstickstoff aus und gedeihen prächtig mit dem rückgelösten Phosphat. Die Wärmeenergie ist da: Sohlen und Wassertemperaturen liegen bei 20 Grad. An wärmeren Tagen gast der Faulschlammboden in Myriaden kleiner Bläschen aus. Gut zu sehen bei Windstille. Wir versuchen dieses Gas einzufangen und untersuchen zulassen. Vom Geruch her ist es kein Schwefeldihydroxid, es „stinkt“ nicht. Es wird, wie in allen Deponien, Methan sein. Später berichten wir darüber mehr. Wir arbeiten daran, eine Methansonde zu bekommen, dann können wir hochrechnen, welche Mengen wohl von der Schlei in die Atmosphäre gehen. Ist die Schlei einer der größten Methanquellen des Landes? Wir haben das Ministerium deswegen angeschrieben, aber leider keine Antwort bekommen. Eigentlich ist das ja durchaus eine „hoheitliche“ Arbeit. Wir verwenden zum Gasauffangen eine „Messglocke“ von 200 Liter aus Niro an einem Ausleger. Darauf ein 2 Liter Gurkenglas, dazwischen eine Gummidichtung. Schnell war das Wasser aus dem Glas verdrängt. Wir verwenden zudem einen Hydrobios Probennehmer mit einem 500 ml Kristallglas. Das sperren wir durch eine Öffnung & Abdichtung für eine gewisse Zeitdauer in der „Glocke“ ein und lösen nach der gedachten Zeit den Auslösemechanismus aus. Daneben eine Gegenprobe im freien Wasser gleicher Tiefe als Vergleich. Die letzte AGROLAB Analyse zeigt: das über dem Faulschlamm in der Glocke eingesperrte grundnahe Schleiwasser hatte einen PO4 Gehalt von 1,2 mg/l nach 30 Stunden. Das „freie“ Wasser daneben hatte 1 mg PO4. Wir sehen diese ersten Meßergebnisse als Trend an. Lange Meßreihen werden folgen, die auch andere Parameter messen. Noch ist es viel zu früh für eine Wertung. Aber es scheint sich zu zeigen: auch wenn wir die Giftmülldeponie in Birkensee nicht wollen, so leben wir doch bereits auf einer gefluteten Nährstoffdeponie, denn 2/3 der Schleiflächen sind Faulschlammflächen.
Nach meiner Schulerinnerung überbrachte der erste Marathonläufer eine Meldung über eine Niederlage nach Athen. Für seine Treue und Liebe wurde er nicht belohnt, sondern beseitigt. Manchmal spürt das SIEZ® ähnliches. Wir sind aber keine „Nestbeschmutzer“, wir lieben die Schlei so sehr, dass wir alle uns diese Arbeit antun.
Karl Walther, August 2026, Vormann SIEZ®
Befreites WasserFaulschlammGurkenglas auf der Glocke
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Die gestundete Zeit
Das SIEZ® hat mit den Messungen auf dem Forschungsfloß begonnen. Das Floß ist genau über einer kleinen Kante positioniert, wo der belebte Gyttjaschleigrund auf einer Floßbreite in den Faulgrund übergeht. Ein Tiefenunterschied von 1,5 Meter auf fast 3 Meter auf der Floßbreite. Alle Tiefen ohne starke Strömung über 2,5 m sind Faulgründe. Jede Woche nehmen wir eine Probe, fahren mit der Bahn nach Suchsdorf zu AGROLAB und lassen diese untersuchen. In der ersten Phase wollen wir verstehen, wie der Schleigrund „tickt“. Wir messen Temperaturen, Sauerstoffgehalte & Salinität. Was ist bisher zu sagen? Ich möchte mit Ingeborg Bachmanns bestem Gedicht antworten, sie schrieb es 1952:
Die gestundete Zeit Es kommen härtere Tage Die auf Widerruf gestundete Zeit Wird sichtbar am Horizont Bald mußt du die Schuh schnüren Und die Hunde zurück jagen auf die Marschhöfe Denn die Eingeweide der Fische Sind kalt geworden im Wind Es kommen härtere Tage
Die Vorsommerphosphatwerte erreichten im Juni bereits das Niveau der Messungen des Ministeriums der Sommer-Durchschnitte der Jahrzehnte ab 1980. Dabei stehen uns die Hundstage 2026 noch bevor. Früh war das „Winternitrat“ in der Grünalgenproduktion des Frühjahrs verbraucht und die Sichttiefe sank auf 40cm, die Cyanobakterien vermehrten sich. Eine Verbesserung der Schleiwasserqualität hat es also seit 1980 nicht gegeben.
Der Schleigrund begann bei 26 Grad an den ganz heißen Tagen mit nahezu 38 Grad Lufttemperatur auszugasen. Wir werden ein Auffangsegel bauen & einsetzen, um die Zusammensetzung des Faulgases messen lassen zu können, gehen aber zunächst davon aus, dass es sich um ein Gemisch aus Schwefelgasen, Kohlendioxid und Methan handelt. Sobald wir eine Spende von 1.500 bis 2.000 € bekommen, können wir in Eigenregie die Methanproduktion des Faulschlamms im Zusammenhang von Einströmung und Temperatur messen und im Zusammenhang mit dem Sedimentinventar von Dres.Rickleff/Schwarzer/Höft hochrechnen. Bei der stehenden Hitze und Windstille blubberte der Schleigrund und Blasen bedeckten die Oberfläche. Wir werden das demnächst auch grundnah filmen. Es ist eben eine Deponie!
Die Sauerstoffgehalte bei stillem, heißen Sommerwasser liegen bei 30 cm über Grund (Faulschlamm und Gyttja) nahe Null. Im „Mittelwasser“ waren 5 mg zu messen und im oberflächennahen „Grünalgenhorizont“ waren es gut 6 -7 mg. Man spürt die Gefahr eines schnellen Gewittersturmes. Wird der Sauerstoff dann bei plötzlicher Durchmischung für die Fische & Fischnährtiere überall reichen?
In den kühlen Sommertagen bei Schleiwassertemperaturen von 19 Grad und Wellengang ist da wieder Sauerstoff über dem Faulschlammgrund, die Phosphatproduktion aus Rücklösung geht zurück. Die Schlei ist eben eine flache Pfütze. Fluch & Segen …
Dies sind erste Beobachtungen, die jetzt durch Filmaufnahmen der Ausgasungen bei hohen Sohlentemperaturen komplettiert werden. Dann erfolgt eine Untersuchung der Lebewesen über dem Gyttjagrund.
Anzumerken bleibt die „Gelassenheit“ des Ministeriums und seines Landesamtes dem Niedergang der Schlei gegenüber. Seit den Achtziger Jahren wurde auf freiwillige Vereinbarungen gesetzt, die alle nicht eingehalten wurden. Es wurde gedüngt als wenn es kein Morgen gäbe. Die Dänen allein beginnen jetzt angesichts toter Förden und Ostsee ernst zu machen. Mit dem Flächenzuschuß der EU hätte das Ministerium ein wirksames Mittel in der Hand. In Dänemark diskutiert man die Enteigung & Stillegung nährstoffrelevanter Flächen. Haben Ostsee und Schlei eine Chance? Das Ministerium gibt den zahnlosen Tiger. Die Beobachtung der Rücklösung im Klimawandel ist eine hoheitliche Aufgabe, die nicht angegangen wird. Eine zugedachte ministerielle Unterstützung von 8.000€ für unsere Arbeit wurde eingestampft. Gefördert wird immer nur der Tourismus und noch mehr Tourismus und noch mehr Tourismus. Das aber ist keine Hilfe für die Schlei.
Wir vom SIEZ® treten weiterhin für den Aufbau eines Schleizentrums ein. Es könnte unsere regionale Identität als Schwansener & Angeliter & Hüttener als Schleibewohner befördern und Musik, Kultur, Schleigeschichte und Umweltschutz verbinden. Wir hatten einen von Investitionsbank und Wirtschaftsministerium gelobten Vorschlag eines befreundeten Stararchtekten samt Statik vorgelegt. Aber die Zeit war noch nicht reif. Die befürchteten „Härteren Tage“ werden sicherlich kommen. Dann wird – wie bei der Plastikkalamität – wohl wieder ergebnislos ohne Ende gebabbelt . Visionär wäre es, jetzt bereits Strukturen zu schaffen und kleine Hilfsmaßnahmen zu finanzieren. Wie wir es mit einem kleinen Schleipflegebetrieb planten und einer kleinen Faulschlammsanierung. Es wohnen inzwischen viele wohlhabende Menschen an den Schleiufern. Bevor die Eingeweide der Schleifische im Wind trocken werden, werden die Fische stinken. Das wird nicht jedem gefallen. Großes Geld könnte Vorstrukturen vergrößern.
Ein gefördertes unabhängiges Schleizentrum bedeutet eine ständige Kontrolle der Wasserwerte, ein ständiges Bemühen. Ein ständiges Signal an der Schlei gegen ihre Verschmutzung! Ein gewaltiges Statement! Nicht der Naturpark benötigt noch mehr Mittel für noch mehr Tourismus! Wir und das Zentrum & die Schlei und ihre Zukunft brauchen Unterstützung! Wir haben ein Brackwasserparadies vor unserer Haustür. Es ist ein überschuldetes Paradies. Wie ein überschuldeter Bauernhof. Es ist aber unsere Heimat: Angeln, Schwansen, Hüttener Harde bis hinauf zum Amt Gelting (Schleimünde). A filthy paradise. Unsere Identität! Das SIEZ® fährt einen klaren Kurs: radikal & unabhängig auf der Seite der Schlei & der Schöpfung.
Karl Walther, Juli 2026, Vormann SIEZ®
Konzeptstudie Schleizentrum von Helmut HerzogKonzeptstudie Schleizentrum -Erdgeschoß-, Architekt Helmut Herzog
Helmut Herzog entwickelte in Zusammenarbeit mit dem SIEZ® eine komplette Konzeptstudie samt Konzeptstatik für ein Schleizentrum mit Cafe, Kindergarten, Forschung, Ausstellungshalle etc. Wir nahmen an einer EU Ausschreibung für eine Förderung der regionalen Identität teil und bekamen unter Auflagen Förderung zugesagt. Die Auflage ist die Einigkeit der Region und des Landes.
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Forschungsfloß vor Ort
Mit Planung und Bau eines Forschungsfloßes auf der Schlei ging der kleine Verein Schleiinformations- und Erlebniszentrum (SIEZ®) an seine Grenzen und darüber hinaus. Nun liegt es sicher verankert vor Ort. Warum wollten wir es bauen? Seit 150 Jahren dient die Schlei uns Menschen als Nährstoffdeponie – über das Maß ihrer Selbstreinigungskraft hinaus. Da sind keine Armleuchteralgengründe mit ihrem wunderbaren Chemismus mehr. Da sind Sauerstoffzehrende Grünalgen und Bakterienschlämme entstanden bis zur Meterdicke auf zwei Dritteln Fläche der Schleisohlen.
Forschungsfloß gegenüber Campingplatz Missunde
Inzwischen gut durch das Landesamt kartiert. Was uns zusätzlich mit der Giftdeponie Birkensee droht, das sehen wir bereits überall auf dem Schleigrund mit Folgen für viele Jahrhunderte. In der Wärme des Klimawandels lösen sich zunehmend aus diesen Schlämmen festgelegte Nährstoffe und düngen die Schlei auf. Wir vom SIEZ® gehen davon aus, dass sich solchermaßen die hohen Einträge aus den Klärwerken und aus der Landwirtschaft und den weiteren diffusen Einträge (auch aus dem Tourismus, Segeltourismus) durch die Rücklösung noch einmal verdoppeln. Aus 2 bis 4 mm Neuschlammbildung werden es eher vielleicht 4 bis 10 mm Neuschlammbildung.
Mit Sand und Muschelschill gut vermischter Faulschlamm, schwefelig stinkend aus der Großen Breite
Dieser Schlamm fällt als Nährgrund für Fische nahezu aus, verhindert die Kolmation (Wasserkommunikation mit den Grundwasserkörpern unter dem Gewässer) hat kaum Reinigungswirkung wie es der natürliche Gyttja Schleigrund hat. Man kann schon sagen: über zwei Dritteln der Schlei liegt und wabert eine stinkende Totendecke. Die Gesellschaft an der Schlei ist nicht bereit, das zu ändern. Zusammen führt das zu gigantischen Grünalgenblüten, die sich sauerstoffzehrend am Schleigrund zersetzen, Faulschlamm. Im Spätsommer folgt die Cyanobakterienblüte, nach ihrem Absterben haben wir noch viel mehr Faulschlamm.
Spätsommerliche Bakterienblüte an der Schlei, absterbend bedeutet sie neuen Faulschlamm
Diese Vorgänge genau zu messen und sie verstehen ist der Zweck des Forschungsfloßes. Wie voraus zu sehen war, gab es massiv Widerstand gegen seine Planung und Liegeplatzbeantragung von vielen Seiten bis hin zum Ministerium für Umwelt. Darauf einzugehen, ist müßig. Man kann den Widerstand gegen das FF so zusammen fassen: „Was keiner weiß, macht keinen heiß & kost‘kein Geld.“ Es war ein harter Weg immer gegenan, ständiges Kreuzen war angesagt. Hat viel Zeit und Kraft gekostet. Noch ein Wort zur Faulschlammneubildung: die sterbenden Algen & Bakterien lagern sich zunächst überall auf dem Schleigrund ab. Die Wellendynamik (jede Welle kann als kreisförmiges Rad gedacht werden, deren Tiefenwirkung noch ein Stück über die Wellenhöhe hinausgeht) reinigt die flacheren Gründe wie ein Besen. Der Faulschlamm lagert sich dort ab, wo es „ruhiger“ bleibt. Kommt aber jedes Jahr wirklich ein Zentimeter dazu, begrenzt sich der „Deponieraum“ bzw. er wächst ständig in den Wellenbereich hinein. Ein „Umkippen“ des Gesamtgewässers droht. So ist bei einem Flachwasserweststurm und Niedrigwasser die Schleigicht bereits pechschwarz. Wir werden das Anwachsen der Schlammpegel aufmerksam beobachten.
Was genau wollen wir auf dem Forschungsfloß machen ?
Wir können dort ständig Faulschlamm entnehmen und auf mögliche Belebungen untersuchen. Wir können messen, wie Salzgehalte und Temperaturen unten und oben im Jahresverlauf verlaufen. (Die Meerwassersalze spielen eine wichtige Rolle im Chemismus der Festlegung und Rücklösung.) Wir können messen, wie viel Methan aus dem Faulschlammboden ausgast. Die Atmosphärische Bedeutung der Faulschlammböden. Wir geben zu bedenken, dass z.B. die fehlende Abdeckung der Deponie Eckernförde seit Jahrzehnten das Anwachsen von Bäumen erschwert/verhindert und die vorhandene Gasabdeckung Alt Duvenstedt Methanheizgase liefert. Wir können Nährstoffgehalte aus dem Faulschlamm messen und in Glockenexperimenten deren Unterschiede. (Wir sperren also Faulschlammnahes Wasser in Glocken ein und messen so die Rücklösung aus dem Schlamm in Bezug zu Temperatur, Salzgehalt in der Zeit). Zunächst messen wir den Phosphatgehalt eine Handbreit über Gyttjaboden und über dem Faulschlamm. Wirverweisen hier auf den erhellenden & bedeutenden Faulschlammartikel von Dr. Duggen auf dieser Homepage. Aber wir sind auch offen für Kooperationspartner, die in enger Absprache mir dem SIEZ® eigene Forschung betreiben wollen. Nach einer Einarbeitungszeit können wir uns auch Besichtigungen von Fleckebyhafen aus vorstellen. Die Schlei ist wunderschön, höhenbewegt die Ufer, es geht von Fleckeby durchs Gletschertor Burg/Kielfoot/Heidruns, an Missunde und seiner wunderschönen neuen Fähre vorbei, um die Halbinsel Sontschau bei der Blondinentonne herum in Richtung Büch und Forschungsfloß.
Ein Wort zum Schluß
Es gibt durchaus Hoffnung: nach 70 Jahren hartem Kampf konnte der Schleiboden am Wikingturm von den krebserregenden Teerpappenresten saniert werden. Die Kosten bewegen sich in einem Rahmen kleiner als die Zusatzkosten infolge der Planungsmängel/Zeitverzug bei der Linausnisbrücke. Die wird etwa 100 Millionen teurer als geplant Die Sanierung des Schleibodens dauert ohne weitere menschliche Einleitung von Nährstoffen (vollkommen undenkbar) geschätzt 500 bis 1000 Jahre. Das SIEZ® braucht dringend Unterstützung auch finanzieller Art. Wir lassen die Wasserproben bei AGROLAB in Kiel untersuchen, vor allem aber brauchen wir, wie alle Vereine, Nachwuchskräfte. Es ist schwer, ehrenamtlich so etwas wie das SIEZ® oder damals die IGU aufzubauen. Von selber wird das „Land“ nicht aktiv.
Unser Dank gilt all unseren Förderen, deren Spenden und Unterstützung!
Karl Walther, Mai 2026, Vormann SIEZ®
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So nah und doch so fern – Der kleine Langsee
Der englische Poet Alfred Lord Tennyson lebte entlang des 19. Jahrhunderts und wurde wegen seines dichterischen Werks zum Lord & Baron geadelt. Zu seiner Zeit war er neben Königin Victoria der bekannteste Engländer. „So nah und doch so fern“ wird als Zitat ihm zugesprochen – denn Zeit seines Lebens litt er unter dem Tod seines Freundes, dem er sich so nah & fern fühlte. Ich leide unter dem Tod unserer Vision, die Schäden der Industrialisierung an unserer Natur „reparieren“ zu können. So nah, so fern...In den Büchern über Seen & Bäche und in den Fortbildungen des Landesamtes für Umwelt S-H und in der praktischen Arbeit in den Verbänden (nach WRRL) ist das deutlich zu sehen. War es in den wilden Achtzigern noch die Vision von der Wiederherstellung der Mäander, so ist heute die „Stromstrichmahd“ Vision. Wir backen im Schatten der WRRL inzwischen sehr kleine Brötchen, die Niederlagen sind eingepreist. Die immense Gefahr der Rücklösung der Nährstoffe aus sedimentierten Schlämmen und deren Folgen weigert man sich komplett zu denken & zu sehen. „Wir“ wurden „Realisten“. Wer ´ne Vision hat, braucht ´nen Psychiater (Helmut Schmidt). Na dann… – das SIEZ® forscht über die Rücklösung der Schleischlämme – psychaterfrei -.
Kleiner Langsee im September, Sichttiefe überall 30cm, über 1mg Phosphor, nitratfrei
Der kleine Langsee
Der große Langsee (Lage & Tiefenkarte siehe bestehender Artikel) erinnert an einen Fjord Norwegens. Auch der kleine Langsee ist Mischwaldumstanden, aber die Profile sind milder, er ist flacher. Das Wasser strömt hauptsächlich mit dem Wind & Gefälle nach Westen zur Mühle, das Einzugsgebiet der Wässer reicht über Idstedt bis nach Stolk und gefühlt bis in das „Hochgebirge“ südlich Klappholz. Der Idstedter See entwässert idyllisch kerbtalartig in den kleinen Langsee und die Schwanholmer und Haarholmer Niederung entwässern ihre „Moorwässer“ (Sperrgebiet, Truppenübungsgelände) in den kleinen Langsee. Das Gehege Karrenberg und das Grüder Holz mit ihren „Säulen des Himmels“ umstehen den einsamen See malerisch.
So oder so, irgendwas ist immer.
Mit dem 3 Meter langen Bodengreifer nahm ich Untergrundproben des kleinen Langsees. Bei Gyldenholm in der Furt zwischen kleinem und großem Langsee gibt es unter dem Schaumteppich eine 20 bis 30 cm mächtige Schlammschicht, die sich beim Pricken sehr kompakt „anfühlt“ – (halb verdautes Treibsel). „Seeaufwärts“ ist da keine Schlammschicht, aber überall eine Schicht von schwarzen Buchenblättern und Bucheneckern in einem schlammigen Milieu, darin Schnecken, kiesiger Sand – und das alles nicht schweflig riechend. Der See hat Mühe, seinen Baumschutz und 1000 Tonnen Laub zu verdauen. Die Sauerstoffwerte lagen Ende September am Seegrund in 3 m Tiefe bei 6,77mg, bei einer Temperatur von 15,5 °C entsprechend 67% Sättigung und oben in der Grünalgenschicht bei 30 cm Sichttiefe bei 7,77mg bei 15,2 Grad °C entsprechend 76,9% Sättigung. Es geht so eben …rumpelig.
Auch hier beim kleinen Langsee fällt der spärliche Bewuchs an Röhrichtgürteln auf. Flugs wird es tief, 10 Meter vom Ufer entfernt kann man nicht mehr stehen – außer im Ostteil des Sees, der flacher ist. Wieder findet man Schilf, Großbinsen, Riedgräser, Kattenköhler und Schwertlilien, begleitet von Mummeln. Weiden schweben wie himmlische Torbögen über dem Wasser. Erlen, neben Buchen, Birken, etliches Totholz. Ein Stamm schwimmt im See, da war es vier Meter tief. Von weitem dachte ich an einen Schwan und wünschte mir was, nah dran war es das Haupt des Totholzes, Kormoranbeschissen. Enden nicht alle unsere Wünsche so? Der Dalai Lama jedenfalls warnt uns vor unseren Wünschen.
Die Strömungen im Langsee sind komplex. Am Totholzstamm legte ich an und installierte die Unterwasserkamera. Wie schnell das Wasser im Untergrund auf 4 Meter Tiefe strömte! Alles in Bewegung! Es war leichter Ostenwind, der die Seenströmung nach Westen „kippte“. Dazu kommen die Querströmungen von den Ufern und meist der Gesamtstrom nach Westen zur Abflußau. Es wäre ein spannendes Unterfangen, das für den Langsee zu dokumentieren! Wir vom SIEZ® haben ein sehr gutes Strömungsmeßgerät und könnten diese aufwändige Arbeit leisten. Eine Strömungskarte der Wässer im Langsee bei leichtem Normalwind. Arbeitsaufwendig! Wen interessiert das wirklich? Uns moderne Menschen interessiert die Bundesliga, das neue iPad und wer den Jackpot „knackt“.
Auf jeden Fall komplex und verantwortlich für die vulnerable Situation in Gyldenholm ist das Strömungshindernis der sandigen Furt, sowohl im Abtransport des Wassers in den „Angeliter Fluß mit den vielen Namen“, als auch umgekehrt bei Ostenwind die Kollision des ablaufenden Wassers mit der Winddrift. Unter anderem deshalb lagert sich hier organisches Material an. Wäre hier doch eine Rinne…
Die Freizeitfischer haben nicht recht mit ihrer Aussage, der kleine Langsee sei moorig und sauer. Der pH Wert lag sowohl beim Grüder Holz wie in Gyldenholm bei genau pH 8 im abgepufferten leicht basischen Bereich. Ich sah spärlich Entenvölker, hörte den Eisvogel, der Adler saß im Gehölz und überquerte dann den See. Auch Möwen, ansonsten war da Stille und fehlende menschliche Besiedlung.
Was bleibt zu sagen? Der sanfte Weg zur Besserung gilt für den kleinen Langsee nicht. Die Phosphatbelastung ist zu hoch, der See voller Schaum. Es wäre ein Leichtes, die genauen Einträger zu ermitteln. Grad eben schafft das System die eigene „Abfallbeseitigung“ der Wälder drum herum. Menschliche Siedlungsabwässer sind da zu viel, werden zu einem fauligen Untergrund und führen zu all den späteren Folgen der Rücklösung. Für Jahrhunderte! Noch wäre es nicht zu spät.
Für das SIEZ® der Vorsitzende Dipl-Ing. Karl Walther
Es folgen einige Fotos:
Nicht nur Wald am Ufer des kleinen Langsees Wanderweg am Langsee, Wasserfärbung gewaltig Versteckt eine Fischerhütte, vor aller Flugüberwachung „behütet“, …Schilf spärlich… Langseesediment, halbverdaut, Röhrichtreste, Blattreste, Nadelreste, nicht faulig riechend aus 2 m Tiefe Riedgrasbestand trotz Licht klein, zu schnell wird es es tief Demonstration der Grünalgendichte mit Schwarzlicht, am nächsten Morgen bereits begannen die Algen am Boden des Probenglases zu „sedimentieren“
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Arbeitsbericht des SIEZ® für das Landesamt für Umwelt (LfU) (Betreuungsbericht)
Was haben wir vom SIEZ® im Jahre 2024 gemacht?
Wir haben zahlreiche Fahrten in Zusammenhang mit dem Kommunalen Campus der Volkshochschule Fleckeby gemacht. Mit jeweils 7 bis 8 Gästen auf unserem Vereinsboot, der „Hohner Fähre“, umrundeten wir die Große Breite, eine Fahrt führte zur Insel Kielholm, Badstaeve. Auf diesen Fahrten werden Sichttiefmessungen gemacht und die Unterschiede in der Salinität gezeigt, ebenso wie Sauerstoffmessungen und Temperaturmessungen im Oberwasser und an der Gewässersohle. Mit einem Schleppeimer holen wir Bodensediment herauf und untersuchen den Faulschlamm zusammen mit den Gästen auf Muscheln und Würmer. Die Unterwasserkamera zeigt zum Beispiel in Missunde einen perfekten Muschelgrund.
Wir messen fast jeden Tag Sichttiefen, Temperaturen und Sauerstoffgehalte an ausgewählten Schleiorten. Wir erstellen mit den gewonnenen Daten Schaubilder über den Temperaturverlauf, den Sichttiefenverlauf und den Sauerstoffgehalt bei Stexwig, also dem Beginn der kleinenBreite und Fleckeby an der Großen Breite, sowie Königsburg an der mittleren Schlei. Das untenstehende Diagramm zeigt z.B. den Monat November an der Schlei. So etwas veröffentlichen wir im Büro und versuchen damit die Schlei in den Focus seiner Anrainer zu stellen.
Temperaturverlauf Schlei für November 2024
Die Schleiwassertemperaturen in einem Meter Messtiefe folgen den Tagestemperaturen des Wetteramtes. Aber sie wirken ausgleichend, träger als die gemessenen Lufttemperaturen. Der Kugelschreibereintrag mit den kleinen Meßkreisen ist der Eintrag des SIEZ auf die Zeitungskarte. Zusätzlich notieren wir fast täglich die Sichttiefen und Wasserstände, Sauerstoffgehalte & Sättigung.
Ebenfalls angekündigt entnehmen wir mit dem Vereinsboot an ausgewählten Stellen der Schlei jeweils monatlich 20 Liter Wasser und stellen dieses Wasser in unserem Büro in Fleckeby aus. Sehr deutlich unterscheiden sich die Wässer im Grüngehalt und in der Salinität. Die Monatsdaten werden skalierert. Oft ist bei den Wassersäulen auch eine „Gastsäule mit einem Gastwasser“ dabei, so zum Beispiel vom Schapproder Bodden zwischen Hiddensee und Rügen oder aus dem Durchströmungsmoor der Fleckebyer Niederung, der Hirschholmniederung über Sumpfgrund.
Zusammen mit anderen Fleckebyern untersuchten wir das Wasser eines Moorauges im Durchströmungsmoor (Totensee) und stellten darüber einen Film ins Netz (zu sehen unter „Medien“).
Deutlich ist über dem Faulschlamm das Fehlen der Glasveralgung sichtbar. Hier hat der Schlamm dem Wasser allen Sauerstoff entzogen.
Wasserproben von Ostsee, Sundsacker und Sieseby mit auch im Winter hoher Grünalgendichte
Die Entnahmeorte der Wasserproben sind Stexwig, Fleckeby, Königsburg, Lindholm, Sieseby undSundsacker, wo unser Betreuungsgebiet endet. Die verschiedenen Wasser (jeweils 15 l) füllen wir dann in Plexiglasröhren von 15 cm Durchmesser und 1 m Höhe. Gäste können mittels Schwarzlicht und Belichtungsmesser und mit bloßem Auge die Grünalgendichte vergleichen und mittels eines Aereometers die Wasserdichte bestimmen und so den Brackwassercharakter der Schlei erleben. In einem Langzeitversuch steht in einer Röhre von 30 cm Durchmesser und 1,50 Höhe „Große Breitenwasser über Faulschlamm“. Sehr schön bildet sich eine sauerstofffreie „Todeszone“ über dem Faulschlamm ohne Veralgung der Plexiglasröhre heraus. Im Schwarzlicht ist die Algendichte ebenfalls gut abzulesen.
Diese Wasserproben nehmen einen Großteil unserer Kraft/Zeit in Anspruch. All diese gewonnenen Informationen werden 2025 im Büro auf einem 5 Meter langen Glastisch und einer extra für das SIEZ® hergestellten Folienkarte Platz finden. Im Verein ist NV aktiv (Nautische Veröffentlichungen, man erstellt dort eine professionelle Folienkarte), Farbige LEDs informieren von unten durch den Glastisch über gewonnene Daten im Wasser und Uferbereich und über eventuelle Blaualgenteppiche aus Überfliegungen. Auch die Informationen der Faulschlammkartierung von Dres. Höft/Schwarzer/Rickleffs werden auf den Folien dieses Glastisches Platz in verschiedenen Grautönen finden. So entsteht ein kleines Infozentrum der Schlei incl. der Schleiufer.
Wir sammelten 2024 aber auch Plastik am Fleckebyer Schleiufer und stellen dies in einem großen bunten Fisch in der Dorfmitte auf. Dafür werben wir im Dorf und bieten nach dem Sammeln Suppe an.
Wir arbeiten in der Wasserrahmenrichtliniengruppe der AG 24 (also Schleiregion) mit und entscheiden mit über dort anstehende Schritte der Situationsverbesserung der Schleiauen.
Gleichzeitig begehen wir diese Auen vorher, schätzen sie ein und führen an den Gewässerkörpern eigene Messungen durch. So erfolgte es bei der Oxbek, der Osterbek, der Koseler Au und beim Langsee. Siehe entsprechende Artikel auf unserer Webseite.
So sind wir über die Schritte der Gewässerverbände und des Landesamtes stets gut informiert und können wichtige Informationen über die Schlei in die Wasser und Bodenverbände hinein geben.
2024 war für das SIEZ® geprägt durch das Genehmigungsmarathon um die Liegeplatzgenehmigung für das bereits gebaute Forschungsfloß. Der Kassenwart des SIEZ® engagierte sich vorzüglich um dies Finanzierung dieses Projektes, ein bezahlbarer Schiffsstatiker mußte für das Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck gefunden werden und wurde gefunden. Das Forschungsfloß ist sicher und darf 8 Menschen tragen. Die Untere Naturschutzbehörde Rendsburg mußte überzeugt werden und stimmte dem Vorhaben zu. Auf dem Schleiforschungstag in Schleswig dankten wir dem Abteilungsleiter öffentlich dafür. Bingolotto konnte durch Kontaktaufnahme durch den Kassenwart des SIEZ® davon überzeugt werden, unsere Arbeit mit 5.000 Euro zu unterstützen.
Forschungsfloß
Wir haben jetzt die letzten Ankergewichte gegossen, den Nutzungsvertrag beim Wasser- und Schifffahrtsamt beantragt und verankern das Floß in 2025. Dann beginnen wir mit Messungen der tatsächlichen Nährstoffrücklösung im Zusammenhang mit Salinität und Temperatur, daneben messen wir in Zusammenarbeit mit Dr. Niels Holm die Methanausgasung des Schleigrundes. 2026 werden wir erste Schätzungen zur Höhe der Nährstoffrücklösung aufgrund einer versuchten Modellierung vorlegen können.
Wir haben uns entschlossen, die Schilfgürtel der Schlei und die dahinter liegenden Niederungen zu kartieren und zu verstehen. Wir stellen uns damit einer großen und zeitaufwendigen Aufgabe bei der wir nur langsam vorankommen werden und eigentlich die finanzielle Unterstützung des Landesamtes brauchen. Wir werden die Schilfbestände im Uferbereich unseres Betreuungsgebietes in Abschnitte unterteilen und diese untersuchen auf:
Ihre Geschichte,
den Bodenuntergrund,
die Güte und Dichte und Höhe des Schilfes,
auf Pflanzenbestände vor & hinter dem Schilf (z.B. Kammlaichkraut wie in Missunde/Weseby)
Zuweilen drängt sich der Eindruck auf, das Schleischilf bestehe aus 2 Varietäten, einer überforderten, siechenden und einer prosperierenden Varietät. Ein Lübecker Gymnasium hat in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule darüber Untersuchungen angestellt und DNA Proben zur Verwandschaftsbestimmung von Schilf und Schilf gemacht. Wir haben uns gründlich mit diesen „Wakenitzstudien“ befasst. Das streben wir auch an. Wie verwandt ist prospierendes Schleischilf und siechendes? Befindet sich das Schleischilf im Generationenwechsel? Die Schilfrhyzome werden Jahrtausende alt. Darüber Kenntnis zu erhalten, könnte helfen, siechende Bestände durch Einbringung prosperierender zu unterstützen. Wenn das Landesamt uns aus dem großen Topf der Unterstützung für Betreuungsgebiete dafür nichts gibt, werden wir 2025 die Arztpraxen an der Schlei um Unterstützung für dieses Projekte bitten.
Ich möchte unsere Arbeitsweise einmal am Beispiel des Fleckebyer Totensees erläutern. Wir untersuchten den Totensee und drehten über diese Untersuchung einen kleinen Film – siehe Medien. Wir finden Karten in den Dorfchroniken über das Fleckebyer Schleiufer bis zurück zum Anfang des 18. Jahrhunderts (1772). Der Eindruck dieser Karten weist auf eine frühere Zerfransung des Schleiufers hin mit vielen Möglichkeiten kleiner Hochwasser, die damals wertvollen Niederungswiesen (Salzwiesen) zu überfluten. Nach und nach wurden Ufer dagegen befestigt & begradigt, in Sieseby herunter nach Büstorf deutlich sichtbar und das bis in die 30iger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Vor 300 Jahren sah das Schleiufer entschieden anders, diverser aus.
Der Novemberschnee legte das Schilf des Durchströmungsmoores flach. So war der Totensee gut zu erkennen.
Hinter dem heutigen Vereinssegelhafen befand sich 1770 noch solch eine kleine Bucht, später „Totensee“ genannt. Der kleine „Haken“ wurde durch „Vordeichung“ aber nur scheinbar getötet. Es ist heute ein vorzüglicher „Schleiensee“. Die Fleckebyer Niederung, der „Hirschholm“, steht auf undurchdringlichem, sandigen Mergelton (eigene Bohrung) und ist nach Succow (Moorkunde 2001) ein Prachtexemplar eines jungen Durchströmungsmoores geringer Mächtigkeit. Niederschlagswasser und abgeleitetes Oberflächenwasser der Fleckebyer Berge können in die Tiefe nur eingeschränkt weg und durchströmen die Niederung hin zur Schlei. Deshalb sinkt der pH Wert des Moorwassers nicht sehr stark ab, weil es frisch strömt. Nun kommt es in diesem speziellen Fall dazu, dass durch Menschenhand zur Schlei hin der Abfluß aus der Niederung behindert ist und der Zufluß durch Hochwasser auch.
Deshalb macht der „Totensee“ kurz vor dem Deich einen sumpfigen Eindruck. Die Zersetzung organischen Materials ist verlangsamt. Die Verbindung zur Schlei sollte gereinigt werden.
Schließlich haben wir bis 2024 6000 m² Uferstreifen des Ornumer Noores als Orchideenwiese gepachtet. Die 2. Vorsitzende des SIEZ® engagiert sich sehr in diesem Projekt und berichtet:
„Das SIEZ hat seit Herbst 2019 eine Grasfläche (von 6000 m2) am Ornumer Noor in der Gemeinde Kosel gepachtet, nachdem vom Gemeinderat eine ökolgische Aufwertung der gemeindeeigenen Flächen beschlossen worden war. Es handelte sich um eine teils sumpfige, mit Ackerschachtelhalm bewachsene minderwertige Grasfläche.
Es wurden aufwändig Saatgut und Pflanzen eingebracht, um die landwirtschaftlich nicht nutzbare Fläche zugunsten der Artenvielfalt aufzuwerten. Die Fläche eignete sich für Wildorchideen der roten Liste. Es wurde vom Verein sehr spät gemäht, teilweise mit der Sense, und im späten Oktober eine zweite Mahd durchgeführt, um den Orchideen im folgenden Frühjahr einen Konkurrenzvorteil gegenüber den anderen Pflanzen und Gräsern zu verschaffen.
Späte Abmagerung im Oktober 2024 der Orchideenwiese (Foto Dr. Christiane Knabe)
Durch Abräumen des Schnittgutes konnte eine Abmagerung des Bodens erreicht werden. Der Bestand an Ackerschachtelhalm ging deutlich zurück. Eine Ansiedlung des breitblättrigen Knabenkrautes gelang an 7 Standorten, wo jährlich durch Einbringen des selbst produzierten Saatgutes im direkten Umfeld der Pflanze (wegen der zur Keimung nötigen Mikorrhiza Pilzsporen im Boden) eine weitere Vermehrung der Orchideen versucht wird.
Knabenkraut (Foto: D. Christiane Knabe, 2. Vorsitzende des SIEZ® )
Neben den Orchideen befinden sich mittlerweile auf unserer Fläche die Sumpfdotterblume am kleinen Wasserlauf neben dem Blutweiderich Löffelkraut, Wiesenvergißmeinicht, Himmelsschlüßelchen, Teufelsabbiß, Klappertopf, Schlangenlauch und Wasserfenchel.
Die Wiese summt und brummt an warmen Tagen von Insekten, die hier Nahrung finden und sich vermehren können. Vor Blicken gut geschützt durch einen Brombeer/Weidenknick zum Fahrradweg und zur Straße hin ist hier ein kleiner Hotspot der Artenvielfalt entstanden. Selbst die Brombeerhecke enthält etliche Rubusarten. Um unbefugtem Betreten einen Riegel vorzuschieben, hat die Untere Naturschutzbehörde Rendsburg ein stabiles Gattertor bezahlt. Das SIEZ® konnte die Fläche für 5 weitere Jahre von der Gemeinde Kosel pachten.“
Blühender Klappertopf (Foto: D. Christiane Knabe, 2. Vorsitzende des SIEZ® )
In unserem Büro in Fleckeby sammeln wir in einem 1000 Liter Aquarium erste Erfahrungen mit der Armleuchteralge, die früher für die Schlei in Kleiner und großer Breite prägend war. Die Characeabaltica hat einen speziellen wasserschützenden Chemismus. Wir werden in 2025 versuchen, unsere Kontakte zur Fischerei dahin gehend nutzen, einen gemeinsamen Versuch an einem sehr sauberen Schleistandort nahe Missunde zur Ansiedlung der Characea baltica in geschützten kleinen Drahtkäfigen zu starten. Über die Ergebnisse werden wir berichten. Die Ansiedlung der Armleuchteralge in unserem Büroaquarium in Fleckebyer Schleiwasser war jedenfalls erfolgreich.
Armleuchteralgen im Schleiwasseraquarium
Sehr interessiert sind wir an der Sprache des Wassers. Dazu werden wir in 2025 einen Film drehen, der das Wasser vom Idstedter See über den Langsee und die Wellspanger Au/Boholzer Au, LoiterAu/Füsinger Au in einem ersten Teil bis Winningmay begleitet und in einem 2. Teil die Schlei entlang bis Schleimünde.
Für das SIEZ® der Vorsitzende Karl Walther
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Der Fleckebyer Totensee
Nein, nicht nur die Schweiz hat einen Totensee am Fuß der Schweizer Alpen. Auch Fleckeby hat einen Totensee im ehemaligen Mündungsgebiet der Hüttener Au, am Fuße der gesammelten Fleckebyer Berge.
Woher der Totensee seinen Namen hat, wissen wir vom SIEZ® nicht. In den Schweizer Totensee (so Wikipedia) wurden dereinst „Feinde“ getrieben. Aber Fleckeby ist ein relativ friedliches Dorf. „Feinde“ wurden hier nicht ins Flachmoor getrieben. Niemand wird hier aktuell vermisst. Wir vermuten, dass der Totensee* einst ein Teil der verschilften Niederungsmündung der Au war, evtl. eine Schleibucht (s. unten – Karte von 1772), die ihre ständige Wasserverbindung zur Schlei verlor und damit „tot“ war – weil getrennt. Spätestens nach Umleitung der Hüttener Au hatte die Niederung hier keinen Zugang mehr zur Schlei. Hier wurde das WHG damals schlichtweg ignoriert.
Totensee nach dem Schnee, ohne Schilf
Der See liegt im „Rücken“ des Fleckebyer Segelhafens an der Schlei, am Wanderweg entlang des Totarmes der Hüttener Au. Er ist ca. 3.000 m2 groß und durchschnittlich etwa 1 m tief. Sein Grund ist moorig/sumpfig. Er gehört dem Wasser und Bodenverband der Hüttener Au, die Ufer z.T. den beiden Segelhäfen. Früher wurde um ihn herum Reet gemäht.
Meist nennen wir unsere Moore am Schleiufer Flachmoore, Schilfmoore, Wiesenmoore, Grünlandmoore, Niederungsmoore, Riedmoore. Allen gemeinsam ist: das Wasser aus den ständigen Überschwemmungen und Niederschlägen kann nicht wirklich weg (abfließen, versickern, verdunsten). Es kommt zur Sauerstoffknappheit, Bodenversauerung, unvollständigen Vererdung. Schilf, Binsen und Riedgräser haben vor anderen Gräsern Wettbewerbsvorteile im Naß und ihre nur zögerliche Vererdung führte zur typischen (Niederungs-) Moorbildung – eine Nährstoffsenke.
Unsere hungrigen Vorfahren zogen im Schilfmoor Gräben, mähten das Schilf und beendeten damit die Moorneubildung. Nun hatten Salzgräser, Simsen und Seggen Vorteile. Es entstand das Salzgrünland mit bestem Kälberheu. Wir „satten“ Nachkommen brauchten die Salzwiesen nicht. Die Landwirtschaft wurde industriell. Wir vernachlässigten die Grabenpflege, gaben die sommerliche Beweidung – das Heuen – auf. Als erstes wandert die Binse wieder ein, es folgte das Schilf, die Vermoorung in unseren Schleiniederungen setzt wieder ein.
Das SIEZ® hat den Totensee nun ein wenig näher betrachtet und erkundet. Auf dem Totarm der ehemaligen Hüttener Au paddelten wir bis in Höhe des Totensees. Der Totarm der Au befindet sich in einem Verlandungsprozeß. Totholz wird aus ihm kaum entfernt, das Schilf nicht gemäht, sein Sauerstoffgehalt ist niedrig, liegt teilweise an der Grenze für Fische ( 3mg ). Es ist die Frage, was besser ist: räumen, um eine bessere Wasserqualität zu ermöglichen und eventuell dem Gesetz folgen und einen Abfluß in die Schlei schaffen, oder verlanden lassen, wie es der normale Gang der Dinge für alle „toten“ Gewässer ist: Sumpf/Moor/ Niederungswald. Der Totarm kann auch ein Denkmal bleiben für fragwürdige Beschlüsse der Gemeindevertretung Fleckebys vor 50 Jahren und ein wenig Naturfrevel zugunsten eines Millionärs und seinem Wunsch nach einem Privathafen dokumentieren. Es gab damals tatsächlich eine kleine Bürgerinitiative gegen die Umleitung der Hüttener Au zwecks Bau eines neuen Hafens.
Aus der Fleckebyer Dorfchronik – die Scherenspitze weist auf den „Totensee“ als Schleibucht hin
Wir gingen davon aus, dass im Totensee Fleckebys keine Fische leben können. Der ph-Wert des Wassers liegt aber nach Beprobung nahe des neutralen Bereiches und in einer Reuse fingen wir in einer Nacht zahlreiche prächtige Schleie und Plötze, denen wir natürlich sofort wieder die Freiheit gaben. Neben dem See bohrten wir mit dem Handbohrer ein Loch und stießen in etwa einem Meter Tiefe auf eine feinsandige Mergelschicht. Dieser Mergel dichtet den Boden ab. Diese Mergelschicht ist eine kleine Schwester der Ziegeleien entlang der Schlei. Das Auftauwasser nach der Eiszeit lag Jahrhunderte still unter einer oberen Eisdecke und die aufgeschwemmten Silte und Tonpartikel hatten lange Zeit sich zu setzen. In einem Aufschwemmungsversuch haben wir das simuliert.
Diese Schicht wird sich wohl bis zum Abhang zur Hirschholmniederung fortsetzen, dem hohen Ufer der Schlei, Bohrungen müssten das beweisen. Der Niederschlag kann damit das Grundwasser nicht speisen und fließt auf dieser Schicht zur Schlei. Sie ist die „Großmutter“ des Flachmoores.
Ein Bauherr der Hirschholmniederung berichtete vor 30 Jahren, wie das Wasser in die ausgehobene Baugrube schoß, nachdem der Bagger einen riesigen Findling angehoben hatte. Die Hirschholmniederung wurde einstmals als Salzwiese genutzt und von Gräben durchzogen. Das wäre ein Erklärung des relativen guten Wassers des Totensees – Wasser aus den „Fleckebyer Alpen“. Nun durchströmt es die Schleiniederung. Ein Durchströmungsmoor. Es war bemerkenswert, wie schnell das Bohrloch im Moor von allen Seiten durch die Rhizomkanäle der Schilfpflanzen wieder voll lief, wie von geöffneten Wasserhähnen. Also ist das Oberflächenwasser der Niederung auf der Mergelschicht gut in Bewegung. Auch dieses Niederungswasser ist nicht übermäßig sauer (ph Wert 6,5). Die Verlandungsprozessee lassen nun erste Birken und Sträucher zu.
Über die Erkundung des Totensees haben wir zusammen mit Ramiyar einen kleinen Film mit Luftaufnahmen gedreht, den wir im neuen Jahr nach der Weihnachtszeit zeigen werden. Er ist auch hier auf der Homepage unter Medien – Videoszu sehen. Wir werden dann im Dorf zu einer etwas ausführlicheren Version ins SIEZ® einladen. Der Film wird auch ein Interview mit einem Schilfmäher einschließen, also ein Stück Heimatgeschichte neben der Befischung, dem Freilassen der Schleie und den bodenkundlichen Erkundungen zum Inhalt haben.
Schon jetzt könnte man vorschlagen, den Fleckebyer Totensee* im Volksmund umzubenennen in den Fleckebyer Schleiensee. Das Wort hat einen schönen Klang. Der sumpfige Charakter des kleinen Gewässers ist menschengemacht.
Wie fein doch die Schuppen der Schleie sind. Auch die Europäische Sumpfschildkröte hätte hier ein fantastisches Refugium im Durchströmungsmoor, das in einem Sumpf endet. Ein ernst zu nehmender Zeitzeuge aus Götheby hat sie als „Jung“ hier gefangen. Jedoch: wir fingen sie im Oktober im Schleiensee ex. Totensee noch nicht. Vielleicht war‘s zu kalt. Einige große Tothölzer aus dem Waldgürtel weiter oben und ein kleines Floß würde sie lieben. Schauen wir mal…
Für die Exkursionsgruppe Karl Walther vom SIEZ®
*) Ortsnamen geben menschliche Siedlungsgeschichte wieder, man denke nur an Stexwig an den gestexten Pfählen und Dürwade bei Möhlhorst, Furt der Osterbek zum Dörch Waten. Eine kleine Sonaraufnahme des Totensee Untergrundes würde allerdings mögliche Skelette sicher aufspüren. Vorsicht bei Ortsnamen-Umbenennungen ist also geboten…
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Der Langsee auf dem langen Weg zur Besserung
Zwischen Wellspang und Schwanholm erstreckt sich ein tiefes, viele Kilometer langes Tal. Es mag sein, dass nach der Eiszeit abtauendes Gletscherwasser hier nach Westen abgelaufen ist. Zu den 20 bis 25 Metern Höhenunterschied kommen ca. 12 bis 13 Meter Wassertiefe des Langsees dazu. Das ergibt ein großes Wasservolumen. Die Seenkarte zeigt, dass ab Güldenholm die Seeufer des großen Langsees steil abfallen, eigene Lotungen mittels der Unterwasserkamera haben das bestätigt. Die Flachufer sind schmal. Es wird rasch tief. Binsen, Schilf und Riedgras säumen sie nur spärlich.
Auf dem Langsee – Blick nach Westen
Der Idstedter See, ein paar geringe Wasserläufe & die Steilufer des Langsees speisen den einzigen Angelner Fluß mit den vielen Namen: Wellspanger Au, Boholmer Au, Loiter Au, (Oxbek), Füsinger Au; zusammen ein kleiner Angeliter Fluß, bereit, das Schleital zumindest einmal im Jahr zu ganz alleine zu befüllen. Durch die Erstreckung von West nach Ost entlang der Hauptwindrichung (in S.-H. 60 bis 70 % Südwestwind) und die Düsenwirkung des Tales gibt es reichlich Wind auf dem See und Sauerstoffeintrag durch die Wellen. Die Sichttiefe liegt überall am 27.10-2024 bei 1,50m. Im Winter wird der See metertief klar und im Sommer ist er so grün wie die Schlei. Kann man in Wellspang an der Turbine dann gut sehen. Der Sauerstoffgehalt lag überall im oberen Bereich mit Sättigungen über 70 %.
Der See ist wunderbar spärlich bebaut, ein richtiges Naturkind. Wem ist das zu danken – der luxuriöse Besiedlungsdruck wird hier immens sein. Ein Dank gilt wohl der Schleswiger UNB. Der See wird wird vom ASV SL befischt. Nach Gesprächen mit Anglern sind alle hinter den großen Zandern hinterher. Der Weißfischbestand gilt als „verplietet“ mit viel zu viel Nachwuchs. Die will keiner haben. Das hängt selbstverständlich zusammen. Das Gründeln der Bodenfische wirbelt das nährstoffhaltige Bodensediment ständig auf. Es sollten die großen Räuber geschont werden und der Weißfischbestand abgefischt werden, was fischereitechnisch bei der Tiefe des Sees schwer ist, aber teilweise trotzdem geschieht. Die hochstauende Wittenseer Wade wär hier gut. Im See herrschen durch die Querquellen aus den Hängen gefährliche Strömungen. Das Eis wächst in der Mitte im Winter nicht fest zu und die älteren Einheimischen verboten ihren Kindern das Schlittschuhlaufen über den See und die Schwimmquerung des Sees. (Manchmal kommt es eiskalt von unten, wurde mir erzählt, im Winter also warm von unten) Im großen Langsee habe ich lediglich einen größeren Zulauf neben dem Steg Süderfahrenstedt entdeckt, ein kleines Bächlein mit unbekanntem Nährstoffeintrag. Der flache kleine Langsee gilt als noch fischreicher und als wahres Paradies. Wegen des zunehmenden Westwindes konnte ich hier entlang des Grüder Holzes nicht mehr gegenan paddeln und erreichte die Zulaufe vom Idstedter See und aus der Schwanholmer Niederung leider nicht. Das Problem des einen Zulaufes mit seinen riesigen Schlammmassen haben wir mit Dr. Holm diskutiert. Es ist sehr schwer für einen Gewässerverband solche Schlammmassen ohne viel Schaden aus dem Gewässer zu bekommen. Dr. Holm hat eine Lösung vorgeschlagen, Schlammwasser sanft heraus zu pumpen, es außerhalb mit Sauerstoff anzureichern und das sauerstoffreiche Wasser wieder ins System zu geben ohne etwas aufzuwirbeln. Dabei wird sogar Energie gewonnen. Aber solch ein Krankenhausaufenthalt ist „sauteuer“. Ein Angler schwärmte vom kleinen Langsee, der wesentlich flacher ist & mehr mooriges Wasser enthalten soll als der große Langsee und wo angeblich nur 6 Angelkarten pro Jahr ausgegeben werden. Die Ufer am Langsee werden diffuse Einträge liefern ( Grüder Holz, Truppenübungplatz, Wald, Steilufer). Die bekannten Zuläufe sind evtl. mögliche Stellschrauben zur Verbesserung der Wasserqualität des Langsees. Die diffusen Einträge der dünn besiedelten Ufer werden noch weiter verbessert werden können durch die Verbreiterung des Gewässerschutzstreifens auf 100 Meter. Aber viele Seen in unserer Gegenwart in S.-H. haben es viel schwerer. Und da sind die zudem 20 bis 25 kg Nitrat, die allein aus der Luft kommen. Da sind ein paar Kilo/ha Phosphate aus der Luft… Der Langsee gilt als ein ungeschichtetes Gewässer. Aber bei 13 Meter Tiefe wird sich schon zuweilen eine Sprungschicht bilden… Eine Rücklösungsproblematik aus dem Seengrund kann ich beim großen Langsee nicht erkennen, selbst auf 12 Meter Tiefe sind Steine auf dem Seengrund zu erkennen. Bis 4 Meter Tiefe (s. Abb. Seegrund) entdeckte ich Muscheln und Stielreste von Unterwasserpflanzen; kein Faulschlamm zu erkennen. Beim Kleinen Langsee bliebe das durch Kamerauntersuchungen und Messungen der Seesohlentemperatur in den warmen Monaten zu erkunden. Das wird das SIEZ® im neuen Jahr erkunden. Von hier wird schon ein Teil des sommerlichen Phosphats aus Rücklösung kommen. Es ist stark anzunehmen, dass es beim flachen und deshalb wärmeren kleinen Langsee nährstoffhaltige Seensedimente gibt.
Der Langsee ist meines Erachtens als ein Gewässer einzustufen, das im oberen möglichen Gütezustand dessen anzusiedeln ist, was z.Z. in S.-H. möglich ist. Selbst der Bültsee befindet sich in der Mitte auf dem Weg zur Eutrophierung. Ich hatte dort vor etlichen Jahren einen 2.5m tiefes Loch gebohrt und horrende Nährstoffgehalte im diffusen tiefen Zulaufwasser von der B76 gemessen, wo exzellent und industriell gedüngt wird. Das Landesamt für Umwelt, Dezernat Seen, monitort die verschiedenen Parameter der Gewässergüte und berichtet von „leichten Verbesserungen“. Der Dezernatsleiterin Frau Anne Grudzinski dankt das SIEZ® für die Freigabe des Fotos der Armleuchteralgen, der Einzugsgebietskarte und der Tiefenkarte des Langsees.
Große Gewässerkörper sind langsam und dickfellig. Auch ein „schlechter Zustand“ ist nichts anderes als ein neues „ökologisches Geschöpf und Gleichgewicht“ (Grünalgen/Blaualgen/geringe Sichttiefen). Es beharrt bei sich bis neue Bedingungen neue (oder alte) Zustände schöpfen. Lange bleibt so schönes schön und schlechtes schlecht. Bis es dann kippt. Das haben wir mit unserer Anbetung des Reichtum so gemacht, wenn vielleicht auch nicht bewusst „gewollt“. Mit den wenigen kleinen Stellschrauben, die wir in den Gewässerverbänden haben (Uferstreifen, Klärwerksverbesserung, Grabenpflege) erstaunt es mich, wenn solch eine Seenschönheit wie der Langsee, sich langsam, langsam auf dem Weg der Besserung befindet. Allen Beteiligten sei dafür der Dank ausgesprochen. Als Unwort des Jahres 2025 schlage ich das böse Wort „Verzicht“ vor…
Dünn & spärlich das Schilf – gleich wird’s tiefUferbinsen – nicht bestimmt, da unvermutetZander gehakt, gekämpft, entkommen…Gut knietiefe Kiesfurt zwischen den Seen bei GyldenholmArmleuchteralgenEinzugsgebiet LangseeTiefenkarte LangseeScreenshot des Seegrundes bei 4m Tiefe
Quellen: Fotos: Lanaplan, Landesamt f. Umwelt-Seendezernat, Karl Walther
Verantwortlich für den Text: Karl Walther, Vormann SIEZ®
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Die Osterbek, eine „japanische“ Klärwerksau
Das Oberflächenwasser der aufgestauchten Jungmoränenlandschaft in die Schlei zu leiten, das ist die Jobbeschreibung von Selker Au, kleiner und großer Hüttener Au, von Kolholmer Au und Osterbek. Zu dieser „Jobbeschreibung“ gehört seit geraumer Zeit auch die Ableitung von Grauwasser aus den Kläranlagen der Dörfer und die Drainage der Moore & Niederungen. Die Osterbek beginnt ihren Lauf als Rinnsal unweit von Damendorf, nahe des Geheges Ohldiek, fließt entlang der Gehege des Staatsforstes zum Gehege „Viehwiesen,“ an Suhrbrook vorbei, entwässert die Niederung zwischen Osterbyholz und des „Großen Moores“ und fließt dann mitten durch Osterby – dort teilverrohrt. 30 cm bis 1,5 Meter breit und 10 bis 20 cm tief bleibt sie „schmalbrüstig“ und verliert diesen Charakter auf ihrem Weg abseits Kochendorf in Möhlhorst und Dürwade nach Götheby-Holm nicht. Eine kleine, selten muntere Au.
Weite Strecken wird sie gesäumt vom Japanischen Knöterich, eine japanisch farbene Au. Es ist immer wieder spannend, die Bäche und Auen unserer Landschaft zu begehen. In wilder Schönheit und ebenso in begradigter Trostlosigkeit nimmt das Oberflächenwasser seinen Weg zur Schlei. Wo die menschliche Gesellschaft ihre Ursprünglichkeit belassen hat, sind diese Lebensadern der nacheiszeitlichen Landschaft „zum Wegfliegen“ schön. Andererseits sind sie teilweise von stinkender Abwasservorflut und Drainage so tot, dass keine Forelle dort mehr ihren Platz hat.
In einem Bächlein helle Da schoß in froher Eil‘ Die launische Forelle Vorüber wie ein Pfeil (Lied von Franz Schubert)
Der Kropper Realschullehrer und „Haaler Jung“ Karl Heinz Vollstedt schrieb 1993 die Chronik des Dorfes Haale. Daraus möchte ich aus Seite 166 zitieren:
„Der Mensch braucht die Natur, die Natur braucht den Menschen nicht. Solange es Haale gibt, haben die Menschen hier stark in Wald und Flur eingegriffen und sie verändert. Was die Natur in vielen Jahrtausenden auf den Altmoränen der Saalevereisung geschaffen hatte, wurde in ein paar Jahrhunderten zurück gedrängt und vernichtet. Aus der Urlandschaft wurde eine Kulturlandschaft. Wie sehr wurde gegen die Gesetze der Natur verstoßen! Sogar nach dem Krieg glaubte man, die letzten Quadratmeter urbar machen und der menschlichen Versorgung zuführen zu müssen.“ (Mit den Auen der Weichseleiszeit im östlichen Hügelland ist es dasselbe. Anmerkung des Verfassers)
Der Oberlauf der Osterbek beginnt als Rinnsal am Waldrand des Ohldiek-Gehölzes und seit der Vertiefung der Au in den 60iger Jahren ist hier m.E. nicht mehr geräumt worden. Das winzige, hier kaum fließende Rinnsal geht mit sandig-humoser Berme durch einen Bruchwald, dornenbewehrt. Aber mitten in den Dornen finde ich fachmännisch eingehegt Cannabispflanzen von hervorragender Qualität. In Suhrbrook umfließt das kleine Bächlein das Gehege und nimmt dann von einem starken Seitenarm das saure Wasser des Großen Moores auf. Hier gibt es sogar noch einige Restmäander und 2,50 bis 3 Meter tief wurde die Uferberme hier ins Gelände gebaggert. Das Wasser der Bek ist nicht klar. Zuweilen wirkt es ockerig und grautrüb. Die Bodensedimente sind veralgt. Eine Messung der ph Werte wäre aufschlußreich. Die Osterbek unterquert die große Chaussee und macht sich auf den Weg ins Dorf Osterby. Hier verschwindet sie für einige hundert Meter unter dem Dorf. Ich zähle insgesamt 4 Abstürze, für das Bachleben unpassierbare Hürden. Sie werden zusammen geschätzt mehr als einen halben Meter Gefälle bedeuten. Mitten im Dorf werden im Modder wie vor Jahrhunderten direkt an der Au Pietränschweine gemästet, quasi mit Schweinebademöglichkeit in der Au. Ein wenig tiefer nimmt die Osterbek das nach Waschmittelparfüm stinkende Abwasser der Gemeinde Osterby (ca.1.100 Einw.) auf, nicht wenig im Verhältnis zum Bachwasser. Ich beprobe das Wasser lieber nicht. Es gibt ein Belebungsbecken, dann Klärteiche. Die Klärteiche jedoch sind grün, das Wasser stinkt und schäumt.
Ein wenig tiefer nimmt die Osterbek das nach Waschmittelparfüm stinkende Abwasser der Gemeinde Osterby (ca.1.100 Einw.) auf, nicht wenig im Verhältnis zum Bachwasser. Ich beprobe das Wasser lieber nicht. Es gibt ein Belebungsbecken, dann Klärteiche. Die Klärteiche jedoch sind grün, das Wasser stinkt und schäumt. Fast munter mit 20 cm/sek. (und 2 Meter breit bei 15 cm Tiefe) fließt die Osterbek an „Robbys Hütte“ vorbei und nimmt Kurs auf die Niederung bei Kochendorf. Hier ist der Verlauf wie vom Lineal gezogen. Unterhalb der Kochendorfer Klärteiche nimmt der Bach das Grauwasser Kochendorfs auf, wiederum nicht wenig. Es handelt sich um drei Klärteiche, auf dem ersten schwimmen Klopapier/Feuchtücher – kein Belebungsbecken. Ins erste Becken fließen pure Fäkalien. Ein Rohr mündet aus dem dritten Becken in die nahe Osterbek, das Wasser schäumt phoshatbelastet. Keinerlei Phosphatfällung/Nachklärung für über 1000 Einwohner! Das so etwas noch zulässig ist, während man in Schwansen jedermann zur Nachklärung gezwungen hat, ist vollkommen unverständlich. Vor 10 Jahren hat man im Sediment des Klärschlamms hohe Mengen Schwermetalle gefunden. Die Grenzwerte wurden überschritten. Daran sollte man bei Beprobungen denken. Aber warum sollte da jemand proben, jeder hat doch Augen und Nase und der Sinn der Natur ist nun mal, unseren Menschendreck in die Schlei zu leiten, die auch bereits zu 60 Prozent von Faulschlamm bedeckt ist.
Am Gut Möhlhorst des Milliardärs Termühlen vorbei geht es auf den Hof von Hermann Jeß, „Dürwade“ zu. Der Altbauer ist gerad 90 geworden und stellt uns ein Foto von ihm zu Pferde zur Verfügung (s.u.). Auch das Möhlhorster Moor entwässert in die Osterbek. Als man das Moor in den 30iger Jahren in die Osterbek trocken pumpen wollte, sank der Wasserspiegel im Bültsee. In maximal 15 Metern Tiefe stehen die eiszeitlichen Gewässer in enger Verbindung miteinander – eiszeitlicher Sand. Pumpt man die Moore trocken, dann die Eiszeitseen gleich mit.
Die Osterbek fließt jetzt entlang des Möhlhorster Waldes, der zum Teil ein Erlenbruchwald ist in nordwestliche Richtung. Das linke Ufer wird nicht mehr als Niederungswiese genutzt und geht in die Sukzession. Überall auch hier Japanischer Knöterich und Bärenklau, nur noch vereinzelt Blutweiderich entlang alter Gräben. Links steigt das Gelände kerbtalartig um 10 Meter an. Rechtsseitig wird die weite Niederung auch nicht mehr genutzt. Das einst mühselig dem Moor abgenommene Land wird wieder wild: Binsen und Bärenklau, später werden Erlen, Birken und Weiden folgen. Beim barfuß Überqueren der Au, hier 30 bis 40 cm tief und bis zu drei Meter breit, fällt mir wieder das feinsandige Sediment auf. Kies in der 5 mm Fraktion ist bereits die Ausnahme. Bei Göthebymühle verschwindet die Au für etwa 50 Meter in einem Rohr und speist wild den Mühlenteich, in dem zuweilen von der Schlei aufsteigende Meerforellen gefangen werden.
Es folgen die letzten 1000 Meter durch die Holmer Niederung in die Schlei. Sie nimmt das Wiesenwasser durch mehrere Quergräben auf, ebenso den Ablauf des Holmer Sees und vereint sich mit dem neu geschaffenen Abfluß der Hüttener Au. Gemeinsam fließen sie in die Schlei.
Der Grund für die Umleitung der Hüttener Au war das Begehren des Verlegermillionärs Schrader nach einem Privathafen, der dann neben dem Vereinshafen auch gebaut wurde. Inzwischen ist das Thema Fellhorst und Schrader längst Vergangenheit der Hüttener Harde. Die Zusammenlegung der Auen aber eine bleibende Altlast. Das letzte Stück der alten Hüttener Au wurde damals „stillgelegt“ und dankt es mit häufigeren Fischsterben. So endet der Damendorfer Wasserlauf in der Schlei und spiegelt recht deutlich die Zeit, in der wir leben.
Die Osterbek auf ihrem Weg durch das Gehölz „Viehwiesen“, ein sandgeprägter Tieflandsbach.Das Wasser des großen Moores und der Osterbyholzniederung färben das Wasser gräulich.Erst überbaut Osterby seine Osterbek, dann folgen etliche unüberwindliche Abstürze.Welch „Idylle“: private Schweinemast direkt an der Au.Ein Belebungsbecken, dann drei Klärteiche, trotzdem stinkt die Vorflut nach Waschmittelparfüm.Linealgrader Verlauf unterhalb KochendorfsDie Klärteiche Kochendorfs verfügen nicht einmal über einen Rechen. Für 1100 Einwohner vorsintlflutliche Klärteiche; Schwermetallprobleme, hohe Belastung für die Klärwerksau „Osterbek“Pflügen an der Osterbek. Der kleine Jung auf dem Pferd, Bauer Jöns aus Dürwade feierte grad seinen 90ten Geburtstag – (Foto mit frdl. Genehmigung H.J.)
Verantwortlich für Text und Fotos: Karl Walther, Vorsitzender des SIEZ® im August 2024
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Das SIEZ® im neuen Büro
Das Schleiinformationszentrum SIEZ® baut in seinem neuen Büro an der B76 eine Schleiausstellung auf. Teil dieser Ausstellung sollen alte Fotos der Schleiregion sein, deren Reproduktionen wir vergrößern und aus gleicher Perspektive eine neue Ablichtung erstellen. Kommentarloses Thema dieses Projektes:
Die Schlei im ewigen Wandel
Arnisser Fischer beim Wadenziehen, kennt jemand einen der Fischer? Wo kann das gewesen sein?
Wir, das Schleiinfo und Erlebniszentrum (SIEZ®), brauchen dazu die Hilfe der Schleibewohner. Wenn wir die bekommen, legen wir los. Wenn es private Fotos sind, brauchen wir das Einverständinis zur Veröffentlichung. Bei alten Postkarten sehen wir da keine Probleme. Wir erstellen dann ein Bild im „Heute und Jetzt“ aus gleicher Perspektive-Schleiregion im Wandel. Gerne geben wir die besten Fotos der Leser und die dazu passenden „Dubletten“ dem Schleikurier und Schleiboten zur frdl. Veröffentlichung weiter. Die SIEZ Ausstellung in Fleckeby, Hauptstraße 23 (B76), die wir jetzt im Sommer aufbauen, wird feste Öffnungszeiten haben. Zentrum der Ausstellung wird eine 5 Meter lange Glastafel mit der Karte der Schlei (Schleimodell) sein, auf der das SIEZ® seine Ergebnisse der Wasserbeprobungen, der Uferbegehungen und der gesammelten Schleigeschichte ausstellt.
Sichttiefen im Frühjahr (Grünalgendichte),
Blaualgenvorkommen im Hochsommer,
Sohlentemperaturen der Schlei über den Faulschlammbänken,
Bedenkliche Einleitungen über die großen Auen und
Uferbebauungen
werden an entsprechender Stelle von unten durch die Glastafel auf die Schleikarte mit Rotlicht/ Farblicht markiert. Auf dem Schleimodell kartieren wir Uferverbesserungen und Verbauungen und den Zustand des Reets. Kleine Symbole (Koseler Kirche/Hardesvogtei, Ulsniser Riese im 3D Druck) stehen für die Schleidörfer. Viel Arbeit & viel Spaß wartet auf das SIEZ®. Jeden Tag erwartet das SIEZ® die Liegeplatzgenehmigung seines Forschungsfloßes. So ganz verstehen wir die Langsamkeit der Behörden nicht, wollen wir doch alle das Beste für die Schlei… Im Büro erfahren Sie aktuelle Daten über die Vorgänge auf dem Schleigrund und können nach Vereinbarung an Fahrten zum Forschungsfloß teilnehmen. (Wenn’s dann endlich soweit ist.) Wassersäulen aus Glas werden Faulschlammprofile und ihre Schichtung zeigen, ebenso wie den guten, grauen Schleigrund. Ständig ist der Salzgehalt/Wasserklarheit von Schleiwasser aus Schleswig, der großen Breite vor Fleckeby, der mittleren Schlei bei Königsburg und Kappeln/Rabelsund in Glaszylindern von „wochenfrischem Schleiwasser“ zu sehen und zu vergleichen. Wir an der Schlei leben in einem Brackwasserparadies. Das Wasser Angelns, Schwansens und der Hüttener Harde mischt sich mit dem der Ostsee. Ein Brackwasseraquarium soll die Pflanzenwelt der Schlei von vor 100 Jahren zeigen. Wir freuen uns auf den Aufbau der Ausstellung während des Sommers und auf Ihre Hilfe.
Kleine Experimente mit einem Spielzeugbagger zeigen die Probleme der Verwirbelung des Schleischlamms bei Sturm oder bei seiner Entnahme auf. Faulschlamm wird zu Brennziegeln verpreßt, mit denen man durchaus heizen kann. Teile der Ausstellung sollen stets erneuert werden, so dass es immer etwas neues zu schauen gibt. Eine erste Ausstellung wird die Sanierung einer Schleimüllkippe in Bienebek zeigen. Wir zeigen Bilder, Exponate & die Historie der Sanierung. Das Büro bemüht sich, auf viele Schleifragen Antwort zu geben. Bootsexkursionen vom Fleckebyer Hafen aus zur Inspektion der Ufer werden monatlich mit der „Hohner Fähre“ stattfinden. Das SIEZ® hat vom Landesamt den Betreuungsauftrag des Schleiufers von Stexwig bis Sundsacker. Wir geben im Zentrum die Termine der Befahrungen bekannt.
Machen Sei mit! Werden Sie Mitglied im SIEZ. Im September feiern wir 10 Jahre SIEZ® .
Wer kann zu diesem Foto etwas sagen? Ist das ein Blick von Angeln auf Missunde?
Geplante Öffnungszeiten:
Schleiausstellung des Schleiinfozentrums SIEZ® in 24357 Fleckeby, Hauptstraße 23,
Geöffnet ab August jeweils am Donnerstag von 18 Uhr bis 20 Uhr und am Samstag und Sonntag von 16 bis 19 Uhr,
Schleifahrten mit der Hohner Fähre werden im Büro bekannt gegeben,
Über das Schleitelefon 0157/54635241 zu Themen der Schlei ist der Vorstand zu „christlichen Zeiten“ stets erreichbar und kann mit Ihnen ein Treffen vereinbaren.
Für den Vorstand der Vormann Karl Walther
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Prolog zum Teilgebiet 6 – Rechenschaftsbericht unserer Arbeit gegenüber LLUR & Unterer Naturschutzbehörde
Das SIEZ ® hat die Schutzgebietsbetreuung eines großen Stücks des südlichen Schleiufers vom LLUR übernommen. Dieses ca.20 km lange Gebiet begehen wir, sammeln Informationen & Eindrücke und schätzen seine Veränderungen ein. Wir bieten im Rahmen des kommunalen Campus der VHS Wasserexkursionen an, die lebhaftes Interesse finden. Darüber hinaus sind wir ständig zwischen Stexwig und Sundsacker mit Wasserproben, incl. Wassertemp., präsent und vor Ort und erstellen eine Kartierung der gewonnenen Werte auf unserer Homepage www.schleiinfozentrum.de. Ein sehr kleines Uferstück der Schlei, das Horn des Ornumer Noores, pflegt der Verein als „Orchideenwiese“. Hier wird im Herbst mit Maschine und Hand gemäht. Dies Jahr erfreute uns die Wiese mit reichlich Blutweiderich am Wassergraben neben den Orchideen. Wir sind mit vielen Anliegern „vernetzt“ und werden über wichtige Veränderungen meist zeitnah informiert. Im Bereich Fleckeby sammeln wir mit Anrainern Plastik am Schleiufer. Hier haben wir mit dem Kulturverein zusammen einen künstlerischen Raubfisch in der Dorfmitte geschaffen, der den gesammelten Plastikmüll schluckt. Eine Infotafel informiert über das Plastikproblem in den Gewässern.
Das Bild zeigt den vom SIEZ® und dem Kulturfleck gebauten Müllfisch vor dem „Valentinerhaus“ in der Dorfmitte. Beim ersten Schleimüllsammeln nahmen 23 Fleckebyer teil. Foto zeigt den Fisch vor der Befüllung.
Wir haben ein Forschungsfloß gebaut, um die Nährstoffrücklösungen aus dem Faulschlamm in den steigenden Temperaturen zu untersuchen und sind im Antragsverfahren der Liegegenehmigung bei der UNB und beim WSA. Auf der Schlei und seinen Auen nehmen wir ständig Wasserproben auf ihrer Südseite und archivieren diese. Der Wasserkörper 2023 war geprägt von der Phosphatrücklösung der Faulschlammgründe auf den im Klimawandel erwärmten Gewässersohlen. (max. gemessene Wassertemp. Bienebek bei 2m Tiefe 24 Grad) Der Eintrag der Auen war geprägt von der Überschwemmung der Teichkläranlagen durch das Oktoberhochwasser. Hier schnellten die Phosphatwerte, z.B. in der Koseler Au, bis auf 5mg PO4 im November 2023 hoch. Aber auch die Sohlentemperaturen der Auen steigen und da die Auen der Schleiregion nur zur Regenzeit „wild“ sind und während der meisten Zeit ruhig & mit „Entenflott bedeckt“ riechen auch hier die Sedimente oft nach H2S. Hier liegt allerdings auch eine erste und machbare und kostengünstige Ansatzlösung für die Schleiregion: z.B. die Überschwemmungsgefahr der alten Teichkläranlagen, wie in Gammelby & Loose, zu beheben, die Einträge aus den diffusen Quellen zu mindern und die Auen wenigstens einseitig sich begrünen zu lassen um die Sohlentemperaturen der Auen zu mindern. Es besteht ein großer Unterschied zwischen 18 bis 22 °C und einer machbaren Temperatur von 12 °C in den Auenkörpern. (Dies stellten wir bei Begehungen/Befahrungen von Oxbek und Koseler Au in Stichproben fest.) Hohe Auentemperaturen bedeuten viel Phosphat.
Diesen Artikel betrachten wir als jährlichen Bericht unseres Informationsversprechens (Betreuungsauftrag) zum Betreuungsgebiet für LLUR & UNB. Darüber hinaus informieren wir die Öffentlichkeit über unser Büro in Fleckeby und unsere Homepage www.schleiinfozentrum.de. Diesen Rechenschaftsbericht kann man dort auch gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro erwerben.
Das Teilgebiet 6. Fleckebyer Bucht bis „Heidruns“
Die „Fleckebyer Bucht“ ist neben dem Teilgebiet 5 Stexwig bis Louisenlund ein großer Teil unseres Betreuungsgebietes der südlichen Großen Breite. Dieses Ufer ist eiszeitlich gesehen wohl ein Teil der vom Eckernförder Gletscher „ausgehobelten“ Bucht, die dann von einer späteren Phase der Eiszeit vom Schnaaper Sander „übersandet“ wurde. So herrscht Sand fast ohne Steine hier als Untergrund vor. Ein Stück Nordgrenze dieser Übersandung und gleichzeitig der Übergang zum lehmigen Moränenboden bildet die Koseler Au. Die Grundwasser des Schnaaper Sanders münden südlich dieser „Lehmgrenze“ in die Große Breite in einigen Metern Tiefe (ca.7m) um Weseby herum. (Eindrucksvolle Tiefensonarbilder zeigt das Gutachten zur Fließrichtung des Grundwassers auf der HP & das Faulschlamm-Inventar von Dres. Höft, Rickleffs, Schwarzer). Das Teilgebiet 6 ist ein „Hotspot“ der inneren Schlei mit überwältigender Vielfalt & Schönheit. Das Gelände fällt zur Schlei hin sanft bis schroff ab mit tlw. kleinen Niederungsgürteln. Es münden Gräben und Auen in die Schlei, es gibt Strandseen, Sandstrand, sandige Steilküsten im Wandel zum passiven Kliff, eine Binnendüne mit Heidekraut/Ginstervegetation, magere Ackerböden mit einzigartiger Vegetation und Rote Liste Pflanzen und deren Faltern (Schoolbek), wildem Kerbtal mit Ansätzen zum Sumpfbruchwald, mageren Sandböden in Gülleüberdüngung, historische Wanderwege (der Kirchenweg nach Fleckeby) Eine unglaubliche Vielfalt! Ein Stück Schleiparadies.
Dieser historische Kartenausschnitt gibt einen guten Überblick über das Teilgebiet 6 vor der „Umlegung“ der Mündung der Hüttener Au zur Osterbek (Eine Mündungszusammenlegung der in den 70iger Jahren auf Verlangen vom Millionär Schrader forciert wurde und durch die Gemeindevertretung Fleckeby ging) – die Karte ist ein Geschenk an das SIEZ®
Wir unterteilen das Gebiet in fünf Teilabschnitte
6.1 Fleckeby bis zur neuen Mündung der Hüttener Au 6.2 Holmer See/Schoolbek/Binnendüne 6.3 Das Wesebyer Ufer 6.4 Die Missunder Steilküste 6.5 Das Gletschertor und die Niederung Kielfoot
6.1. Vom Eingang der Fleckebyer Bucht (Ecke Louisenlund) bis zur Mündung der Hüttener Au
Das Foto zeigt den Beginn der Fleckebyer Bucht und den Anleger Louisenlund
Im Hintergrund ist der Ziegeleiwald Borgwedels zu sehen. Davor das Gehölz Louisenlund. Bei dem Gebäude handelt es sich um das Bootshaus des Internats Louisenlund. Dann eine in Sukzession gegangene wohldrainierte kleine Niederung, ehemalige Salzwiese. In Louisenlund wurden mehrere Gebäude nicht nachhaltig (nahe der 3 Meter Höhenlinie) bis an den unmittelbaren Rand dieser Niederung erstellt und bereits beim Bau mussten die Pumpen laufen. Steigende Pegel wurden bei der Planung ignoriert. Was wird mit diesen Gebäuden in den kommenden Jahrzehnten? Der Klimawandel ist bei vielen noch nicht wirklich angekommen. Die schöne Aussicht gilt mehr. Die kommenden Hochwasser im Klimawandel werden allerdings zur Besinnung aufrufen.
Es folgen die beiden Fleckebyer Häfen mit einem Stück Deich zur Sicherung der Hirschholmniederung. Das Foto zeigt Niederung und Totarm der Großen Hüttener Au. Der „Totensee“ befindet sich hier rechts am Schilfrand. Er ist 3000m2 groß, nach Fleckebyer Schnack soll er Tote bergen…im Sommer werden ihn samt seiner unerreichbaren kleinen Toteninsel erkunden…Das Mündungsdelta der Hüttener Au war nach Berichten Älterer Heimat der Europäischen Sumpfschildkröte Emys orbiculara. Finden wir im Totensee letzte Exemplar? Es folgen also die beiden Häfen Fleckebys mit der umgeleiteten Hüttener Au. Hier ist von der ehemaligen Mündung nur der obige Totarm mit äußerst schlechter Sauerstoffversorgung geblieben. Im Sommer kommt es hier öfter zu kleineren Fischsterben. Der Sauerstoffgehalt sinkt dann unter 1,5 mg. Wie kam es zum Deichbau beim Dreesbeimdiekehafen (Schraderhafen) und zur Umlegung der Hüttener Au? Wir befragten eine Ü80 Bäuerin: „Der Millionär Schrader wollte seinen Hafen. Hatte einen Hotelbau geplant. (Die Ruine Fellhorst steht vor dem Abriß) Solche Projekte gingen ohne Widerspruch durch die Gremien, man dachte sich derzeit nichts dabei. Keiner war dagegen. Arbeitsplätze lockten. War ja auch eine praktische Zusammenlegung von Osterbek und Hüttener Au. Auch sollte wertvolles Weideland geschützt werden…“ Wir zeigen in diesem Zusammenhang ein Bild der oberen Hüttener Au vom Oktober 2023. Von woher denn wollen wir überschwemmt werden in den Niederungen? Von vorn oder von hinten? „Junge Leute“ (Umweltschützer) allerdings liefen damals von Tür zu Tür und sammelten Unterschriften dagegen. Aber gegen den übermächtigen B. konnte (und wollte) sich in Fleckeby sowieso niemand durchsetzen. Wenn man etwas bohrt, hört man immer mehr Details der Kritik gegen diese Maßnahmen. Die Zusammenlegung der Auen war also umstritten. Auf das Gelände der Häfen folgen ein hügeliges kleines Kliff, ein Stück Niederung, dann der Hundespazierweg mit geschätzten Tonnen Hundekot am Wegrand (nitrophiles Weggrün) und die neue Mündung der Hüttener Au. Diese hat ein „eingerostetes“ Sperrwerk. Der Sinn dieser Maßnahme war der Schutz des inzwischen „wertlos“ gewordenen, verbinsten Grünlands unterhalb Fleckebys. Bei jedem Hochwasser läuft die Niederung voll. Das Sperrwerk wird nicht mehr betätigt. Neues „Sperrwerk“ und Hochwasserzeiger ist der Damm der B76.
Das Foto zeigt das Schöpfwerk Hummelfeld in der großen Hüttener Au
Das Oktoberhochwasser staute bis Hütten zurück. Es „pfeift“ auf den letzten Löchern, Ersatzteile für die Pumpen sind nicht mehr erhältlich und es sind nur noch wenige Nutzer, die eine nötige Neuanschaffung nicht finanzieren werden. Die Auen kehren zurück. Der Badestrand Fleckeby ist ein großer Magnet für die hundeliebenden Fleckebyer. Im Fleckebyer „Volksmund“ wird er der „Hundestrand“ genannt. Östlich liegt hier der Holmer See. Etwa 500 Meter oberhalb befindet sich die Gemeindegrenze nach Kosel. Es gab etliche Überschreitungen der Coli/Enterokokkenwerte an der „ehemaligen“ Badestelle. Das Wasser kommt aus der kleinen und großen Hüttener Au. Aber die Ursache dieser Fäkalkeimbelastung wurde nicht wirklich gesucht, obwohl das meßtechnisch ein Kinderspiel wäre. So wurde die Badestelle einfach als „Badestelle“ aufgegeben. Die letzte Wintermessung des SIEZ®am Einlauf der Au ergab vor Kurzem die 4 fache Höchstbelastung an Coli/Enterokokkenwerte. (AGROLAB) Wir informierten das Amt Schlei über diese Werte. Man antwortete uns nicht. Eine Verlegung der Badestelle als bemessene Badestelle in Richtung Kosel ist problematisch. Durch eine kombinierte Salinitätsmessung und Strömungsmessungen stellten wir fest: das in die Schlei einlaufende Süßwasser der Hüttener Au mischt sich sehr langsam mit dem Brackwasser der Schlei. Es gibt hier eine küstenparalelle Strömung von Fleckeby nordwärts in Richtung Weseby und Gletschertor. Erst langsam vermischen sich die Wasserkörper verschiedener Schwere & Temperaturen. Wir hatten solch einen großen stehenden Wasserkörper mit 1,5 Grad plus Temperaturunterschied vor Riesboer ausgemacht. Wir wissen so gut wie nichts über die Wasserdynamik in der Schlei. Wohl noch am meisten „wissen“ die Fischer; wir nehmen an, dass Süßwasserkörper der Au bei Strömungsstillstand am Gletschertor vorbeiziehen und bei Riesboer zum Stillstand kommen, weil die Strömung auf der Nordseite der Schlei sie dort ausbremst. Viel Schleiwasser nimmt den nördlichen Weg, Wasser vermischt sich langsam.
6.2. Holmer See, Schoolbek, Binnendüne
Paralell zur B76 laufend, einige hundert Meter nördlich und etwa einen Kilometer lang erstreckt sich ein Niederungstal, teilweise als Kerbtal: die Schoolbeker Niederung. Sie speist die Schoolbek. Diese mündet in den Holmer See. Wie mag wohl der schmale Grat zwischen Schlei und Holmer See entstanden sein? Früher hatte der Holmer See nicht nur den Ablauf in die Osterbek sondern direkt in die Schlei. Siehe alte Karte. Diese Mündung wird wohl beim Wegebau „Götheby- Fleckeby“ verschüttet worden sein. Ein alter pensionierter Fleckebyer Lehrer machte mich drauf aufmerksam. Steht man auf der hohen Binnendüne, Ginsterbewachsen auf magerstem Sand etwa 20 Meter über NN kommt einem die Vorstellung von nacheiszeitlicher Dünenerosion. Von Nehrungsströmung, von abtrennendem Schilfwachstum. Vielleicht alles zusammen. Von hier aus gesehen scheint der Holmer See ein Teil der Schlei zu sein. Der Holmer See hat knapp 7 ha Größe, ist ein Angelgewässer des Fleckebyer Angelvereins, moddriger Grund, ein Meter tief. Er nimmt das Wasser der Schoolbek auf und hat starken Karpfenbesatz mit Dütt & Datt (Sogar, man staune Forellen, was des Anglers Herz sich auf dem Haken wünscht) und eine natürliche Besiedlung von Brassen. Der See entwässert jetzt allein in die Osterbek durch ein „Karpfensperrwerk“.
In Schoolbek liegt feinster Sand des Binnensanders. Selbst kleinste Steine sind kaum zu finden. Die Schoolbek sammelt das Wasser dieser Niederung in magischer Schönheit. Als sumpfiger Bruchwald, extensiv als Weide genutzt. Ein Stück Urwald. Die Aue hier ist ungeräumt, in ständiger Veränderung auf einer Breite von 30 bis 5o Meter. Am Beginn des Schoolbektals ist ihr Wasser klar. Einst wurde sie zum Fischteich aufgestaut. Eine Wasserprobe ergab 12mg Nitrat aber ein Phosphatgehalt doppelt über der Meßgrenze, wohl bei 3mg/ltr. Alle Auen sind grad phosphatkrank.
Zwei Aspekte zu diesem Talsystem.
Hof Schoolbek wird biologisch bewirtschaftet und beheimatet seltene Ackerkräuter, die nur auf magerstem Sand blühen und die auf der Roten Liste stehen. (Ackerbau auf 17 bis 20 Punkte Böden) Letzte Schätze der Biodiversität. Daneben wird versucht, ebenfalls auf diesem magersten Sand durch Biogassubstrate und Gülle und Kunstdünger ertragreich aufzudüngen. Damit Maiserträge und Kartoffelerträge stimmen. Der Kollateralschaden der wasserlöslichen Nährstoffe läuft in die Schlei. Mitten im Eiszeitmuseum von Binnendünen, Binnensander und Kerbtälern ein Stück verzweifelte Landwirtschaft auf Böden, die zu bewirtschaften in freier Konkurrenz viel zu mager sind.
Die Grundwasserkörper hier sind bis Birkensee hydraulisch eng mit einander verbunden. Im Kiesabbaugebiet wird eine Giftmülldeponie der Klasse 1 geplant. Der Widerstand dagegen ist erbittert. Hier soll Brokdorfschotter eingelagert werden. Die Restradioakivität wird niemand genau kontrollieren/gegenkontrolieren und nur eine 2mm dicke PVC Folie schützt diese unvergleichliche Landschaft vor Befüllung & Fehlbefüllung. Allein so etwas hier zu planen garantiert schon die Fehlbefüllung und die Leckagen. Dann aber ist es für Jahrtausende zu spät. Alle Schleiliebe möge sich klar gegen diese Planungen stellen. Vielleicht ist nicht „Overtourism“ die Zukunft der Schlei, sondern die vollkommene touristische Meidung der Schlei in Schleswig-Holstein.
In einem Anflug von Schalk prüften wir vom SIEZ® den Salzgehalt von Holmer See und Schlei dort, wo einst Furt und Mündung waren. Stehen diese Gewässerkörper immer noch im Austausch? Ebenfalls untersuchten wir den Nährstoffgehalt hier:
Das Wasser des Sees ist „sauberer“ als das der Schoolbek. Der Nitratgehalt unterhalb unserer Meßgrenze von 6mg! Der PO4 Gehalt bei 0,36mg/ltr. In etwa ein Zehntel des Bachwassers. Durch den Strandwall kommt keine Salinität in den See! Sein Oberflächenwasser war mit 6,1 °C zur Weihnacht 2023 aber 3 °C kälter als das Schleiwasser, das passt und kehrt sich im Sommer um.
Die alten Bezeichnungen der Hügel um Weseby zeugen von alter, armer Bewirtschaftung: z.B. der „Buchweizenberg“. Später dienten diese sandigen Erhebungen zur Gewinnung reinsten Bau und Füllsandes. Dem geübten Auge erzählt die Topographie viel über die Siedlungsgeschichte. Auf einem dieser Sandhügel finden wir das Gelände des Kreisjugendverbandes Schleswig mit sanfter Sommernutzung, ein Pilzhotspot mit guten Pfifferlingvorkommen etc. und einen Strandsee mit schmaler Öffnung zur Schlei. Hier haben wir vom SIEZ® einmal ein Höhennivellement zur Sanddüne hin gemacht: die Binnendüne liegt 18,3m über der variablen Seenoberfläche. Dann kommen wir zum Teilgebiet 6.3. Das Wesebyer Ufer.
Das Bild zeigt den westlichen Rand des Schoolbeker Kerbtales darunter der Bruchwald, die Au, nach einer Bäuerin des Tales die schaale, schoole Bek = Schoolbek. Sie führt geschmacklich vortreffliches, kalkfreies weiches WasserDas Foto zeigt Reste eines „Schoolbeksperrwerks“, wohl zur Bildung eines Forellenteiches vor sehr vielen JahrenDas Bild zeigt die ehemalige „Mündung“ des Holmer Sees in die Schlei, den aufgeschütteten Strandweg bei der alten Mündung des Sees in die Schlei, eines der Sandhügelchen und das Louisenlunder Gehölz im Hintergrund. Der Holmer See war einst ein Stück Schlei!
6.3 Das Wesebyer Ufer
Seit Jahrzehnten ist Weseby eine bevorzugte und teure Siedlungsstelle an der Schlei. Weseby stellt Keitum auf Sylt in den Schatten.
Das Bild zeigt den abgerissenen Kartoffelhof
Auf einen „echten“ Einwohner/Haus kommen gefühlt hunderte von Ferienhütten. Genau ist das Verhältnis ca.30 Häuser bewohnt zu 70 Ferien“hütten“. Ist das nicht ein Ausverkauf der Schleilandschaft? Was aus riesiger Blutbuche und altem Hof geworden ist zeigt das nächste Foto, aufgenommen von identischer Stelle. Aber ohne Blutbuche. Für die durften auf dem Bolzplatz Bohnert Ersatzspargelchen gepflanzt werden. Von denen 2 bereits wieder eingegangen sind. So etwas heißt dann Ausgleichsmaßmahme und ist in Wirklichkeit höhnisches Lachen zur Fällung ortsprägender wunderschöner „Säulen des Himmels“.
Urbanes Wohnen an der Schlei
Die Vorgärten: Robotrasenmäherfähig. Die Schleidörfer verlieren ihren alten Charme. Kein Platz für Selbstversorgungsgärten mit blühenden Obstbäumen & wildem Holunder. Das wird unbezahlbar und unerwünscht. Nachhaltigkeit wird zur Floskel. Die „neuen“ Wesebyer halten in der Freude über den bevorzugten Siedlungsort gut zusammen. Als das SIEZ® im alten Stall von Goos ein kleines Schleimuseum aufbauen wollte, den Stall so belassen wie seit Jahrzehnten mit einem Parkplatz vorm Dorf, hatten wir plötzlich viele gegen uns. Es kommen neue Menschen, Städter. Wir gaben den Plan auf. Das Millionenobjekt „Alter Gooshof“ wird das gleiche Schicksal ereilen wie der Kartoffelhof oder der Pinnhof in Hülsen. Das Schleiufer gehört nun mal fest in die Hand Hamburger Millionäre wie Sylt ja auch. Dann Sand vorspülen, Deiche und Sperrwerke bauen. Die „Allmende“ zahlt. (Diese bissigen Bemerkungen sollen Denk und Fühlanstöße sein, wir werden in einigen Jahren berichten.) Dort am Wesebyer See, vor dem alten Stall, an der Hausecke Holunder, fallen mir Zeilen von Eduard Möricke wieder ein:
Kinderlied für Agnes Hartlaub
Dort an der Kirchenmauer Da sitz‘ ich auf der Lauer Das sitz‘ ich gar zu gern Es regt sich im Holunder Es regnet mir herunter…Rosin und Mandelkern…
Kleines Steilufer auf dem Weg zum passiven Kliff, mit Ginster bewachsenTreibselstreifen mit Federn, Plastik, KammlaichkrautStrand, wenn er nicht betreten wird, ist SamenbankWaldgeißblatt erobert das passiv gewordene KliffMessung des Salzgehaltes am Strand vor WisebyHier beginnt der Missunder Wald, das passiv werdende Kliff, unser Messgebiet 6.4
6.4. Der Missunder Wald
Das vorhergehende Bild zeigt das Missunder Kliff, eine Steilküste aus Sand. Mit dem Aufkommen von Kammlaichkraut, also der Verbesserung der Wasserqualität der Schlei durch die Nachklärung der Siedlungsabwässer, etablierte sich vor der Steilküste ein Schilfgürtel, der das Kliff schützte, die umgefallenen Bäume dienten als Wellenbrecher. Heute kann man nicht mehr von einem aktiven Kliff sprechen. Der bei Hartwind erodierte Sand allerdings vergrößerte die Bioaktivität der Schleisohle immens. Wir fanden beim Stechen von Faulschlammsedimenten immer mal wieder eine dünne Schicht Sand, etwa 5 mm stark, die dann wieder von Faulschlamm bedeckt wurde. In dieser Sturm-Sand-Schicht befanden sich winzig kleine Sandklaffmuscheln und Herzmuscheln. Etwa 1898 begann die Gutsverwaltung Ornum die landwirtschaftlichen Flächen des heutigen Missunder Waldes aufzuforsten. Zuerst wurden 40 Hektar aufgeforstet, dann immer mehr. Es ist ein besonderes Erlebnis durch solch einen warmen Sandwald zu gehen. Er duftet harzig. Der Wald ist sehr beliebt bei Spaziergängern, E-Bikern, Geocatchern, Waldäufern, Wildcampern, Hundespaziergängern usw. Ein Spaziergang am Sonntag nach den Feiertagsessen gehört in der Umgebung einfach dazu. Bei der Begehung der Halbinsel Kielfoot traf ich auf das Försterehepaar, die auch Waldbesitzer hier sind. Sie baten mich (wir hatten zeitversetzt Forstwirtschaft in Göttingen studiert) trotz Begehungsberechtigung durch die Behörden) den alten Steilküstenweg nicht zu benutzen wegen des „Schlechten Beispiels“. Sie fühlen sich gestreßt durch die starke Öffentlichkeit und der zahlreichen Interessen hier. Wir führten ein langes Gespräch. Mir wurde klar, dass wir solche bewahrenden und Aktivitäten bremsenden Kräfte wie diese Waldbesitzer bitter nötig haben. Im Wald wird schwarz gezeltet, es findet sich jede Menge Müll, das sandige Kliff wurde als herrliche Rutschbahn benutzt, ein Abenteuerspielplatz. Hunde laufen unangeleint herum. Wild wird aufgescheucht, Waldläufer treten neue Wege aus. Das stimmt. Die Masse machts. So verzichtete ich auf eine erneute Küstenbegehung hier, obwohl auch ich unzählige Male dort war. (Siehe auch Artikel 2017 in Begehungsberichte)
Wir haben zu lernen, dass wir in der mobilen und digitalen Massengesellschaft nicht alles machen sollten, was wir machen können und dürfen. Dass wir beginnen Eigenverantwortung gegenüber der Schöpfung zu ergreifen. Ein wenig Demut und Bescheidenheit wäre angebracht. Das Försterehepaar gestaltet den Wald um. Früher bestand er nur aus Nadelwald. Beim Sturm hörte man die Wurzeln knallen, bevor die Stämme fielen. Die Eiche aber wurzelt tiefer und liebt den Sand, auch der Ahorn erobert den Sandwald. In den 60 iger Jahren schon versuchte die Gutsverwaltung Ornum den Küstenweg zu sperren. (Kirchenweg für die Wesebyer und Missunder Bevölkerung nach Fleckeby) – Ornum kam nicht damit durch. Dann erfolgten in den 90iger Jahren weitere Versuche der neuen Waldbesitzer, den Kirchenweg zu sperren. Wesebyer und Missunder wehrten sich wieder vehement und erfolgreich dagegen. Die jetzige Wirklichkeit aus Sperrung und Übertretung der Verbotsschilder ist ein Kompromiß. Wir haben nun mal viel zu wenig Wald im Land. Die erhabene Größe von Wäldern, in denen man sich verlaufen kann, lernen unsere Kinder kaum mehr kennen. Wir und unsere Kinder brauchen aber Walderlebnisse. Das ist die eine Seite. Der zunehmende, manchmal brutal werdende Tourismus (Von wegen sanfter Tourismus, oft hat man den Eindruck: das sind auch Ballermanntouristen, tlw. digital ausgerüstete übergewichtige E-Biker, die mit ihren SUV Panzern anrollen und dann vorfahrtberechtigt durch den Wald knallen) läßt mich die Waldbesitzer immer mehr verstehen. Der Waldbesitzer beschwerte sich beim Bürgermeister der Gemeinde Kosel, einem Landwirt: Ihr habt doch Regelungen mit Großvieheinheiten pro Hektar. Warum haben wir im Wald nicht auch so etwas? Da ist ein Konflikt im Gang, von dem wir Wunderbares lernen können. Alle Seiten.
Das Gletschertor
Die Niederung Kielfoot beherbergte ein im Mittelalter „untergegangenes“ Dorf: Kiel. Kielfoot bedeutet Kiels Fuß. Hier ist wohl das 500 Jahre abtauende Eis der Breiten in die mittlere Moor und Seenlandschaft der Schlei durchgebrochen. Die der Breite zugewandte torfige Niederungsseite erodiert mächtig. Der Betonsockel der Scheinwerferstellung aus dem Weltkrieg liegt bereits 100 Meter seewärts. Die Spitze der Niederung ist seit knapp 10 Jahren abgetrennt. Da konnte man noch rüberspringen. Wir durften die neu entstandene Insel nach der Bürgermeisterin Ulsnis und Gründungsfrau des SIEZ® Heidrun Karaca mit Einverständins des Eigentümers „Heidruns“ nennen. Es wird nicht lange dauern bis auch Folkeboote hier durch segeln können. Jollen können es bereits jetzt. Bei Flachwasser war die Furt bauchnabeltief und maß 30 Meter Breite. Die Niederung wird extensiv beweidet. Die Kiter, die hier ihr Paradies gefunden haben vertreiben allerdings das Federvieh, machen das Vogelparadies vogelleer. Es kommt etwas auf die Schlei zu mit zunehmendem Tourismus, der grad beliebiger Massentourismus wird.