Die Schlei im Januar 2021 – Von Pinguinen und Giraffen –

Last Updated on 6. Februar 2021

„Die Schlei birgt viele Geheimnisse“ schrieb die Schleswig-Holstein Zeitung am 25. Januar in einem Artikel über das SIEZ®. Unser Verein versucht Phänomene der Schlei mit allen Sinnen aufzunehmen und zu verstehen. Dazu gehören auch Gerätemessungen von Gewässereigenschaften. Messungen sind zwar genau, aber auch Momentaufnahmen. Erst eine Messreihe sagt (fast) soviel aus, wie z.B. das Finden von Kammlaichkraut oder Braunalgen (Kleverkruut).
Auffällig war im Januar eine Verbesserung der Wintersichttiefen der Schlei um rund 40 Prozent verglichen mit dem langjährigen Mittel aus den Planungsunterlagen über die Schlei.

Messen mit der Secci-Scheibe (Foto: Karl Steinmetz, Schleswig-Holstein Zeitung)

So hatten wir in der Mitte der Großen Breite bei Tonne 71 eine Sichttiefe von 140 cm, bei Tonne 67 (Durchbruch der Beckenrandlage Burg/Missunde) ebenfalls 140cm und vor Finsterstern bei Tonne 61 eine Sichttiefe von 170 cm. Weitere Messungen wurden durch die Eisbildung/Wintereinbruch unmöglich.
Die Messung der Sichttiefen ist wichtig, wenn sie langfristig verläuft und man durch viele Messungen einen vernünftigen Mittelwert errechnen kann. Denn manchmal ist das Schleiwasser auch von Sand und Silt „dick“ wie die Fischer sagen oder von der Algendrift. Da sollten schon so viele Messungen vorhanden sein, dass die Singularitäten in der Masse verschwinden. Perfekt wäre die ständige digitale Messung an einigen Punkten. Dazu aber muss „Schleiliebe“ in der Gesellschaft vorhanden sein und auch ein wenig Geld.
Jede Einzelmessung bleibt eine Momentaufnahme. Letztlich messen nur alle Sinne & das Herz den wirklichen Zustand der Schlei. Einzelne Messwerte sollten nie überbewertet werden. In diesem Winter nach langer Trockenheit kommt die Schlei „sauberer“ daher. Das ist schön!
Aber eine längere Regenperiode transportiert schnell große Nährstoffmengen in die Drains, Auen, in die Schlei und füllt die Nährstoffvorräte auf und eigentlich brauchen die Böden & die Landwirtschaft den Regen dringend.
Im Einzugsgebiet der Schlei leben bummelig 100.000 Menschen und ungezählte Schweine und Rinder. Alles Leben befindet sich im Stoffwechsel, lebt und vergeht und gelangt dann auch in die Gewässer. Jedenfalls solange die Gesellschaft das zulässt.
Das SIEZ®  nimmt Wasserproben aus den Auen. Wir vergleichen diese und sind oft erstaunt über die gewonnenen kleinen Einblicke. So mündet die Petribek in die Schlei auf die allerschönste malerische Weise, wie ein Bach das nur tun kann. 

Dieter Beyer an der Petribek beim Probennehmen

Die Sauerstoffwerte sind perfekt, auf den vielen Geröllsteinen haftet ein quicklebendiger Biofilm und klaubt Nährstoffe aus dem Wasser. Die sind reichlich vorhanden, vor allem Nitrat und Phosphat. Wir dachten stets, die intensive Landwirtschaft vorm Jahnsholz sei verantwortlich. Doch das stimmt nur zum kleinen Teil.
Da nahmen wir Proben in Rieseby einige hundert Meter nach dem Klärwerk und bemerkten die schlechte Leistungsfähigkeit des Klärwerks dort. Rieseby wächst und wächst. Hat den perfekten Bahnanschluß und alle Versorgungen als Wohndorf. Seit langem ist das Klärwerk aber marode und zu klein. Man weiß um das Problem. Mutet aber der Umwelt und dem Bach und der Schlei lange zu viel zu.

So, liebes Amt, liebe Gemeindevertretung, wird die Schlei nicht sauberer!

Immerhin soll jetzt etwas geschehen. Darüber freuen sich Bach und Schlei und das SIEZ®! Aber gleichzeitig wird Rieseby nach den neuen Planungen verstärkt weiter wachsen. Rieseby ist einer der starken Schleiverschmutzer.

Schaum auf der Norbyer Au

Die Nährstoffbelastungen in den Auen waren viele Jahre lang höher als im Januar 2021. Wir haben sie in unserem Betreuungsgebiet einmal durchgemessen. Wir haben die genauen Werte auf unserer aktiven Berichtskarte eingepflegt.
Wären die Auen Pinguine, deren Länge man misst, kommt das mit den Nitratwerten und der Pinguinkörperlänge in etwa hin. (Körperlänge in cm und Nitratwert in NO3 mg/l) Misst man dann aber die Nährstoffwerte der Norbyer Au, erreichen die Werte im Vergleich die Körperlänge von Giraffen. Zu Neujahr viel Schaum auf der Au und 200mg Nitrat beim Sportplatz, dann zum Monatsende wieder viel Schaum und 140 mg. Ein Pinguin misst etwa 45 cm, eine Giraffe 3 bis 4 Meter, das passt. Da tauchen Fragen & Antworten auf. Der höchste Wert, den das SIEZ®  in der Norbyer Au je gemessen hat, war 320 mg/l Nitrat.

Kein Pinguin, eine Giraffe. Das SIEZ® informiert, handeln müssen andere.

Wir haben die Phosphatwerte und die Nitratwerte des Schleimassenwassers im Jenner 2021 bei Windstille in 50 cm Tiefe gemessen. Das war in der Königsburgrinne 7 Meter über Grund und bei AGROLAB in Kiel analysieren lassen. Das ist für uns teuer, aber kleine Werte unter 10 mg Nitrat können wir mit dem Söllphotometer nicht genau messen. Was kam dabei im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten heraus?
Der Prüfbericht von AGROLAB gibt als PO4 Wert 0,22mg/l an. Berechnet auf den mittleren Phosphatgehalt bedeutet das 0,07mg Phosphat. Das liegt exakt im Bereich des langfristigen Mittels aus den Planungs- und Untersuchungsergebnissen von 1980, allerdings stehen noch zwei Monate ins Haus, in denen die Phosphatvorräte aufgefüllt werden und man kann daher (vom P her) auf ein normales bis leicht verstärktes Algenwachstum schließen. Es gibt vom Phosphateintrag seit 40 Jahren keine Besserung!
Der Nitratgehalt des Schleimassenwassers beträgt mit 7,3 mg NO3 (1,8 mg Nitrat), also etwas weniger als die mittlere Winternitratkonzentration aus den Planungsunterlagen (2,5 mg an dieser Stelle). Auch hier gilt: der Winter ist noch nicht vorbei. Es kommt auf die Niederschläge vor der Erwärmung der Schlei an. Es gibt da eine leichte Besserung, die statistisch aber nicht sicher ist.
Insgesamt deuten die Werte auf ein normales bis leicht erhöhtes Algenwachstum hin. Eine Besserung ist weiterhin nicht in Sicht. Es wird eine normale bis leicht verstärkte Faulschlammneubildung (evtl. 2mm) geben.
Es ist schön im Winter auf der Schlei. Singschwäne. Eiderenten, Reiherenten, Gänse, Adler auf der Liebesinsel, manchmal kein Menschenlärm. Die Schlei wartet auf den Hering. „Heidruns“ trennt sich von Kielfoot, so dass man bereits mit ‘ner Jolle hindurch segeln kann. Ende Januar schneebedeckte Ufer, ein inzwischen seltener Anblick. Am letzten Wochenende im Jenner hatten wir ca. 20 cm Wasserpegel über NN. Da war die Öffnung in Kielfoot 30 Meter breit und in der Mitte 80 cm tief, (siehe Foto, der eingesteckte Zollstockkopf liegt bei 1 Meter). Das ist keine Überspülung einer Furt mehr. Heidruns ist nun eine Insel. Meine Güte, was für ‘ne erodierende Strömung dort! In 10 Jahren kann da der Schleidampfer durch! Veränderung ist das tägliche Brot der Schlei.

“Heidrunssund” – der eingesteckte Zollstockkopf zeigt 1 Meter

Das SIEZ® sammelt überall Spenden für ein Messfloß ein und der SIEZ® Kassenwart Dieter Beyer ist da mächtig aktiv! Das Bauholz ist bereits bestellt.

Wir werden bauen! Für den Rohbau langt es allemal.

Die Landesregierung wird im Landtag über die Förderung unseres Projektes entscheiden. Wir versuchen ein Brackwasserinstitut für die Schlei zu „schmieden“. Wir schreiben an einem Bericht über das Schleiufer von Louisenlund bis Kielfoot. Wir werten ein Interview mit Christine Hansen aus, des letzten Familienmitglieds des „legendären“ Abenteurers und Weltenbummlers Peter Hansen, dessen Enkel die „Blaue Dampferlinie“ an der Schlei betrieben. Sie starb am 22. November 2020. Das Interview entstand ein paar Tage vor ihrem Tod. Den Obstler aus meiner Brennerei, den ich ihr lieferte, konnte sie nicht mehr bezahlen. Friede Ihrer humorvollen Seele.
Das SIEZ®  ist in mancherlei Hinsicht „in Gang“. Die Mitglieder lieben die Schlei als identitätsstiftende „Heimat“ als vielfältiges Brackwasserbiotop. Aber auf’s Herz, auf die Liebe zur Schlei kommt’s an! Im März werden wir neu über den Zustand der Schlei berichten.

Bauwagen, der auf „bessere“ Zeiten wartet

                                               Karl Walther zu Lichtmess 2021

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