Das SIEZ® plant Bau & Finanzierung eines Forschungsfloßes

Die Entwicklung der Siedlungskultur an der Schlei führte zu den bekannten Gewässerproblemen der „Überdüngung“ und in der Folge zur „Faulschlammbildung“  auf weiten Teilen des Schleigrundes. Das neu erstellte Inventarverzeichns von Dres. Schwarzer/Rickleffs/Höft gibt Aufschluss über die momentane Verbreitung der lebensfeindlichen Faulschlammgründe. Sollte es gelingen die Nährstoffeinträge in die Schlei zu verringern, wird die Lösung des Faulschlammproblems notwendig, weil es zu einer gewässerinternen Düngung des Gewässers aus dem Faulschlamm im Sommer kommt. In  der  Mengendimension erreichen die rückgelösten Nährstoffe durchaus die Größenverhältnisse der Einträge. Die Verringerung der Nährstoffeinträge allein „hilft“ der Schlei  leider nicht.

Über die genaue Dynamik dieses Vorganges in der Schlei gibt es wenig praktische Messungen. Wann genau kommt es zur Rücklösung? Wie ist ihr Verlauf? Wann geht sie zurück? Von welchen Faktoren ist die Rücklösung abhängig? Wassertemperatur, Salzgehalt und vor allem der Sauerstoffgehalt am Grund werden steuernde Funktionen haben. Wie genau steigt der Phosphorgehalt im Schleisommerwasser? Mit welchen Auswirkungen?

Was geschieht konkret, wenn man Faulschlamm entnimmt. Gibt es Unterschiede zwischen der Baggerung und der Absaugung? Beides können wir im Modell durchführen. Kommt es zu unerwünschten Nährstoffanreicherungen und Trübungen im Umfeld?

Wissenschaftler  und Fischer warnen vor empfindlichen Nebenwirkungen. Das nehmen wir sehr ernst. Was geschieht, wenn man den Faulschlamm „besandet“? Wie lange bleibt der Sand, was geschieht? Was, wenn man den Faulschlamm belüftet? Ohne die kenntnisreiche Beantwortung dieser Fragen  bleiben Vorschläge zur Lösung des Faulschlammproblemes theoretisch und ein Lotteriespiel mit evtl. erheblichem Schadenspotential.

Das SIEZ® plant mehrjährige Untersuchungen dazu. Wir wollen ein Forschungsfloß bauen mit einer Grundfläche von 8 x 8 Metern. Das Floß besteht aus 40 jährigen Douglasienstämmen mit Balkenlage darauf und 30mm Laufbohlen. Mindestens 12 stabile Kunststofffässer von je 200 l sorgen für eine ausreichende Tragfähigkeit. Eine Solaranlage speist  Batteriebank und Stromversorgung, die ihren Platz in einem kleinen Maschinenhaus hat (2 x 2 Meter).

Der Maler Kai Feddersen traf mit seinem Aquarell den Kern des geplanten Forschungsfloßes
Douglasienstamm für das Floß (Foto: Dieter Beyer)

Ein 3 Meter hoher Turm über einer Fläche von 2 x 2 Metern in der Mitte ermöglicht experimentelle Faulschlammentnahmen mittels eines speziell dafür gebauten Greifers und die exakte Positionierung von Messgeräten/Belüfungsrahmen. Ferner sind ein „Sehrohr“ und evtl.  ein Leiterniedergang zum Grund vorgesehen. Stabile Stahllaschen rundum ermöglichen das Rammen von Pfählen zusätzlich zur evtl. vierseitigen Verankerung. Ein Brüstungsgeländer macht einen Besuch & die Arbeit auf der Anlage ungefährlich.

Das Schleppfloß soll in geeigneter Tiefe in der Finsterstirnbucht nordöstlich des Missunder Noores auf schwarzem, stinkenden Faulschlamm liegen. Hier besteht Schutz aus Süd, West und Ost abseits des Schifffahrtsweges. Es unterliegt dort täglicher Aufsicht. In Missunde liegt unser Vereinsboot, die „Hohner Fähre“ (10 min. Fahrzeit).

Das SIEZ® möchte mit dem Ministerium des Landes, dem Institut CRM Kiel und der Universität Aarhus, Dr. Zak und dem Naturpark Schlei in dieser Frage zusammenarbeiten. Die materiellen Kosten des Projektes betragen ca. 25Td € .  Der Bauplatz auf einer nahen Salzwiese ist gefunden und die Stämme liegen als unser Beitrag bereits vorort.  Wir würden gern im März 2021 nach erfolgreicher Finanzierung mit dem Bau beginnen und freuen uns auf Unterstützung. Das WSA Lübeck hält das Vorhaben unter Auflagen für genehmigungsfähig. Auf einer Informationsveranstaltung des Gewässerverbandes Schlei durfte das Projekt vorgestellt werden. Wir gehen im September in intensivere Gespräche mit dem Naturpark, dem CRM und dem Ministerium und präsentieren einen Messplan für die erste Phase des Projektes.

Erste Projektskizze des Ing. Büros Hensen, es fehlen noch das 2 x 2 Meter Maschinenhaus und die Bemaßung

Solch ein Projekt kann & will das SIEZ® nicht allein finanzieren und betreiben. Eine erfolgreiche Vernetzung vieler Akteure ist Grundvoraussetzung für die Verwirklichung solch eines Planes.

Auf die Synergien der Zusammenarbeit, auf das „Sich näher kommen“ auf die  vielen Erkenntnisse beim Kampf um die Finanzierung, auf das fröhliche Bauen, auf Kaffee, Bier und Lachen freuen sich Dieter Beyer, Hartmut Keinberger und Karl Walther, der Vorstand des SIEZ®.

Ps.: Ein Wort noch an die Fischer der Schlei. Der Vorsitzende des SIEZ® stammt aus einer uralten Fischerfamilie vom Frischen Haff. Er wird sich immer als Fischer fühlen. Ob er will oder nicht. Das Forschungsprojekt des SIEZ® dient der Verbesserung der Fischerei nicht ihrer Behinderung. Es gibt für euch immer einen heißen Kaffee auf dem Floß.