Teilnahme des SIEZ an Ecktowncity 2019 oder „Was der Kühlwasserfilter der „Hein“ über die Schlei verrät…“

Das SIEZ nahm als „Arbeitgeber“ an den wunderbaren Ecktowncitydays 2019 statt. Hartmut, Ina Dieter und Karl bauten Wildbienenhotels und formten Faulschlammbriketts & Bauziegel aus Faulschlamm, Steilküstenlehm und Strandsand. Im Nebenbei wurde von einer Arbeitsgruppe der Kühlwasserfilterinhalt der Barkasse „Hein“ seziert.

Dieter und Karl mit ihrer Arbeitsgruppe© Hartmut Keinberger
Dieter und Karl mit ihrer Arbeitsgruppe © Hartmut Keinberger

Die Wildbienenhotels: einmal Holzstammabschnitte, die gebohrt wurden und Schilfabschnitte, die in Konservenbüchsen eingeklebt wurden, wurden in Ecktown für mehrere „Eckis“ gehandelt und waren sehr begehrt. (Ecki ist die Währung in Ecktown, 1 Brötchen oder 1 Waffel = 2 Eckis)Die eintägige Teilnahme des SIEZ, organisiert von Dieter Beyer, war sehr erfolgreich.

Der Faulschlamm für die Ziegel stammte vom Eingang des Missunder Noores in die Schleifurt aus drei Metern Tiefe. Fischer Nanz machte das SIEZ darauf aufmerksam, daß hier der stinkende Faulschlamm grad mit winzigen, sehr lebendigen Herzmuscheln besiedelt wird. Das kann das „Forscherteam“ bestätigen. Das schwarze Substrat ist glücklicherweise auch recht sandig.

Aber es wurde von den 8 bis 12 jährigen Kindern auch noch weiter „geforscht“. Der Eigner der „Hein“ Sven Greve stellte uns den getrockneten Inhalt des Kühlwasserfilters seiner Hafenbarkasse zur Verfügung. Der Eingang des Kühlwassers liegt etwa in 80 cm Tiefe. Alle 500 Betriebsstunden wird der Kühlwasserfilter gereinigt. Die „Hein“ ist die Fähre von Haddeby nach Schleswig. Sie ist eine Hamburger Hafenbarkasse von 21,5 Metern Länge, 4,95m Breite, 1,50m Tiefgang und einem Gewicht von 35 Tonnen. Im Nebenbei: sie gewann 1978, 1979 und 1980 den Preis als schnellste Hamburger Hafenbarkasse. 2011 kam sie an die Schlei und fährt dort als Fähre, Ausflugs und Forschungsschiff. Ein Team der „Ecktownkids“, bestehend aus Fine, Meike, Konstantin, Enna und Linus sezierte den Haufen getrockneten Filterinhalts mit Fingerspitzen und Pinzette. Es kamen zum Vorschein: diverse Plastikteile, Schilfmull, Holz, Muschelschill, Pocken, Rostplacken, Sand, Kammlaichkrautfasern und ein Segment einer Krebsschere (Edelkrebs oder Dwarslöper). Die Hein fährt also auch gerne mal grundnah… Im Folgenden sehen wir einige Detailfotos mit Erläuterungen dazu.

Ausgebreiteter Inhalt des Kühlwasserfilters. Der nasse Inhalt wurde an der Luft getrocknet.   © Karl Walther
Ausgebreiteter Inhalt des Kühlwasserfilters. Der nasse Inhalt wurde an der Luft getrocknet. © Karl Walther

Einlauftiefe des Kühlwasserfilters  bei 80cm                      © Sven Greve
Einlauftiefe des Kühlwasserfilters bei 80cm © Sven Greve

Plastikreste im Kühlwasserfilter, der größte Haufen neben Rost, Sand, Organik© Karl Walther
Plastikreste im Kühlwasserfilter , der größte Haufen neben Rost, Sand, Organik © Karl Walther

Muscheln veraten das Fahrgebiet, denn die Sandklaffmuschel kommt mit Brackwasser besser zurecht als die Herzmuscheln.In der mittleren Schlei wäre beides vertreten und in der äußeren Schlei würden wir bereits Miesmuschelschill finden & wenig bis keineSandklaffmuscheln mehr. Im Frischen Haff gibt es ausschließlich Sandklaffmuscheln bei 1,o3 spez. Gewicht und in der Ostsee bei  	1,05 spez. Gewicht hauptsächlich Herzmuscheln  im Schill.                                                                                                                                                                                                                                  											© Karl Walther
Muscheln veraten das Fahrgebiet, denn die Sandklaffmuschel kommt mit Brackwasser besser zurecht als die Herzmuscheln.In der mittleren Schlei wäre beides vertreten und in der äußeren Schlei würden wir bereits Miesmuschelschill finden & wenig bis keine Sandklaffmuscheln mehr. Im Frischen Haff gibt es ausschließlich Sandklaffmuscheln bei 1,o3 spez. Gewicht und in der Ostsee bei 1,05 spez. Gewicht hauptsächlich Herzmuscheln im Schill. © Karl Walther

Das letzte Bild löste beim Forscherteam einiges Entsetzen aus. So viele Plastikschnipsel! Da waren Folienreste und Hartplastik im bekannten Schleswiger Schredderformat, tlw. mit noch lesbarer Aufschrift. Alle brüchig und auf dem Weg zum Mikroplastik. Das also treibt im grünen Schleiwasser in ca. einem Meter unsichtbarer Tiefe herum. Die Sichttiefe in der inneren Schlei liegt momentan bei 45cm.

Wir brauchen unbedingt ein Schleiinformation – und Erlebniszentrum mit einer kleinen und großen Schleiforschung. Spielerisch über das Herstellen von Insektenbehausungen kam die Gruppe zu den Umweltproblemen des Alltags durch eigenes Tun.

Stellvertretend für das Ecktowncityteam des SIEZ

Karl Walther

Bohnert am 8.8. 2019

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