Gülleeintrag in die Schlei / Modellregion Schlei

„Das Jahr beginnt, der Regen fällt, ein andrer Herr regiert die Welt, der Wind ist kalt und schwer, das Land ertrinkt im Regenmeer“. Walter Scherf, der Pfadfinderdichter, schrieb diese Zeilen vor einigen Jahrzehnten. So war der Winter 2020 ein „Regenmeer auf dem Land“. Das Wasser in Auen und Schlei so „dick“ als könne man darauf laufen. Riesige Nährstoffmengen landeten in der Schlei.

Nun beginnt die Düngesaison und es kommt für die Schlei noch „dicker“. Der Bauernverband verhindert ein Einlenken bei den „Rote Gebiete §13 “ und damit ist die Düngeverordnung von 2017  immer noch nicht durchgesetzt. Die Schlei bleibt die Stieftochter der Menschen.

Nicht nur ein „fachgerechter Schleier“ auf dem wassergesättigten Grünlandhang zur Schlei hin, Ende Februar, stehende Gülle
        So sieht es 14 Tage später in der nahen Au unterhalb der Düngung auf dem sandigen Berg aus, Gülleschaum und stinkendes Wasser.
Die Auen erreichen hohe Nitratwerte über 60 mg/l. So gemessen z.B. an der Mündung der Karlsburger Au

Es hat in Schleswig Bemühungen gegeben, ein „Integriertes Schleiprogramm ISP“ für die Schlei zu entwickeln, 50 Millionen sollte es ursprünglich beinhalten: 10 Jahre lang 5 Millionen. Inhalt des ISP war es, den Bauern bis zu 1/3 des Grundverkehrswertes dafür zu geben, daß sie schleiseitig auf Einträge verzichten und ihre Gülle „woanders“ einsetzen. Also bis zu 8000 Euro Prämie für die freiwillige Einhaltung der Düngeverordnung. Alle betreffenden schleirelevanten Gebiete wurden konkret bezeichnet. Fürwahr eine mühselige Arbeit von Thorsten Roos & seinem Team, zu dem auch der Bauernverband gehörte.

Dieses 50 Millionen teure Programm für die Schlei würde das Problem der Überproduktion nicht lösen. Die Bauern wollen die Düngeverordnung nicht. Sie sind unter Druck. Die EU und der Bund leiten und lenken nicht. So sagte der Vertreter der Bauernschaft am runden Tisch: Geld für uns ist nicht die Lösung der Probleme, wir brauchen zusätzlich einen Landausgleich, die besseren Flächen der Stiftung Naturschutz sollten uns „angedient“ werden.

Wir meinen: es braucht große Hilfen zur Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft. So kann es nicht weiter gehen.

Das Land gibt nun keine 50 Millionen für die Schlei und die „freiwillige“ Einhaltung der Düngeverordnung (genannt wird diese Idee: ISP, Integriertes Schleiprogramm). Aber es bahnt sich ein Bundesprojekt „Modellregion Schlei“ mit Bundesmitteln an. Es soll einen Umfang von 10 bis 12 Millionen haben, mit einem Teil Gegenfinanzierung durch das MELUND. Damit hätte das Land den Hut auf und das ist gut so.

Ich bin als Vorsitzender des SIEZ® ganz dagegen, dass Mittel dafür eingesetzt werden, die Landwirtschaft in die Einhaltung der DÜV durch viel Geld zu „locken“. Es wären die falschen Signale.

An den noch lange nicht befahrbaren regensatten Schleihängen wurde im Februar Gülle im Stand verklappt. Ein herzloser Affront. So gelangen Nährstoffe ins Grundwasser und die Gewässer. Es wird ein weiteres, hartes Jahr für die Schlei.

Gülleverklappung an der Schlei Ende Februar auf regensattem Grünland

Die Düngeverordnung stößt nicht auf die nötige Akzeptanz. Sie zu verschärfen macht nur dann Sinn, wenn sie vollkommen mit allen EU Förderungen verknüpft wird. Seit drei Jahren ist kein rotes Gebiet als § 13 Gebiet vom Land definiert worden. Der Bauernverband findet neben „roten Grundwasserbrunnen“ auch „weiße“ mit unter 50 mg und „beweist“ so die „Unschuld“ der industriellen Massentierhaltung. Er treibt die Landwirtschaft in die gesellschaftliche Isolation. Hohe Strafzahlungen der EU werden die Folge sein. Es fehlen überall die neuen Ziele und Programme und das Geld für eine ökologische Landbewirtschaftung. So jedenfalls kann es nicht weiter gehen.

Wie soll das für die Schlei  gut gehen?

Wir würden uns über Bundesmittel an der Schlei sehr freuen. Sie sollten auch für eine alternative Gülleverwertung verwendet werden, für eine Auflösung der Zwickmühle. SIEZ® nahe Ingenieure forschen am Einsatz der Gülle für Heizzwecke (Gülletrocknung, Phosphatauswaschung). Startups wurden gegründet und sollten vom Land unterstützt werden. Das SIEZ® beginnt mit einem Floß zu erforschen, was wirklich geschieht, wenn Faulschlamm vom Schleigrund entnommen wird – wenn er belüftet, wenn er besandet wird. Welcher Nutzen würde sich ergeben, welcher Schaden entstehen? Wir würden uns auch auf eine gewisse Unterstützung durch die Bundesmittel freuen.

Aufklärungsbedarf für die Kreisläufe der verschiedenen Stoffe in einem Infozentrum ist notwendig. Das ist die Grundidee des SIEZ®: zu zeigen, dass alles zurückkehrt, was scheinbar entsorgt wird, seien es die Nährstoffe, das Plastik, der Reifenabrieb, das Co2 als verändertes Klima. Dieser Plan wird bislang noch gar nicht unterstützt.

Das SIEZ® freut sich sehr auf die „Modellregion Schlei“, auf die Förderung moderner Projekte. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, so hoffen wir und wir sind mittendrin und dabei; dies meint

Karl Walther 1. Vorsitzender des SIEZ®