Ein kleinster Schritt auf dem Weg zur Vielfalt – Orchideenwiese am Ornumer Noor – langfristig durch das SIEZ® gepachtet

Vor gut einem Menschenleben noch erreichte die Vielfalt der Lebensräume unserer Natur und Kulturlandschaft Höhepunkte. Landwirtschaft wurde „handwerklich-mechanisch“ betrieben.  Unsere Landschaft erblühte in einer ungeahnten, unglaublichen Vielfalt. Eine einschürige und späte Mahd der Niederungsflächen an der Schlei und artenreiches Grünland prägten die Wiesen. Die Bodenbrüter hatten fürs Brutgeschäft genügend Zeit. Kiebitz, Frosch und Storch waren zahlreich an der Schlei. Jedes Dorf hatte eine Meierei und zumindest ein Storchennest. Auf den Wiesen blühten Orchideen und das Wiesenschaumkraut  und der gelbe Sumpfdotter. Am Schilf grünte Löffelkraut und der Wasserfenchel, der Schlangenlauch, die Angelika. Eine bunte Welt.

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
 (Quelle D. Rackow & W. Busse)

Industrialisierung & Intensivierung der Landwirtschaft  verödeten die Landschaft. Das „totalitäre“ Glyphosat unterdrückt alle Beikräuter bis zum Insektenhunger & Insektensterben. Uns macht es vielleicht todkrank, es steht jedenfalls unter diesem Verdacht. Eine unverantwortliche EU Politik gaukelte uns Landwirten mit hohen Flächensubventionen vor, dass nur die Flächengröße zähle und setzte uns unter einen unerträglichen Wachstums- und Preisdruck, verjagte uns Landwirte von Jahrhunderte alten Höfen in äußerster Konkurrenz. Die Schleilandschaft musste mit dem Mittleren Westen Amerikas konkurrieren. Die Buntheit der Vielfalt verschwand.

Nicht regionaler Markt, aber Weltmarkt. Die falsche Förderpolitik der Flächensubvention, die trostlose Monotonie überdüngter Maisäcker, Massentierhaltung und Gülleflut. Die einstmals stolzen Landwirte wurden zu den Prügelknaben der Nation. Sie sind scheinbar allein schuld am Ergebnis der doch gewollten & gezielten Agrarpolitik. Der Niedergang der Vielfalt, der Niedergang der Gewässer & Grundwasserkörper, die Verschlammung der Schlei waren der Preis viel zu billiger Lebensmittel und falscher Politik. Mit Unsummen Fördergeld hatte die EU genau das doch gewollt: eine mit Amerika konkurrenzfähige industrielle Landwirtschaft. Wir leben im Sterben der Vielfalt.

Mit großer Unterstützung der Gemeindevertretung durfte das SIEZ® das „Kopfstück“ des Ornumer Noores als Pflanzenarche für zunächst 5 Jahre pachten und wird dort als „Hotspot“ die alte Pracht der Schleivielfalt wiederherstellen: Orchideen, Sumpfdotter, Wiesenschaumkraut, Löffelkraut, Teufelsabbiss, Schlangenlauch, Amphibien, Bodenbrüter…

Zukünftige Orchideenwiese der Gemeinde Kosel, gepachtet vom SIEZ® rechts der Fahrradweg der K83

Das SIEZ® hat im Herbst 2019 die mit Sumpfschachtelhalm bestandene Fläche gemäht, abgeräumt und Knabenkrautpflanzen, Klappertopfsaat und Teufelsabbiss eingebracht und auch eine zweite späte Mahd Ende Oktober durchgeführt. Nach der Räumung der Fläche  wurde Knabenkrautsaat eingegossen. Ziel der zwei späten Mahden war es, den Orchideen einen Konkurrenzvorteil fürs Frühjahr zu verschaffen. Ein Wiesenbach rinnt über die Fläche und darf wohl mit einer „Blänke“ (Bachausbuchtung) versehen werden, einem Tummelplatz für Amphibien. 

Wir freuen uns  sehr über diese kleine Fläche. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und das Landesamt freuen sich mit uns. Hier entsteht ein Artenhotspot, eine Pflanzenarche. Wir danken für das Vertrauen der Gemeinde und der Region. Wir freuen uns auf die Amphibien, Insekten und Bodenbrüter. Möge es dort wieder bunt blühen.

Karl Walther, Kleinstlandwirt und Vorsitzender des SIEZ®