„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Bericht über die Stexwiger Beek von Karl Walther

„Das kleine wenig Schaum, das stört doch niemand…“ Das sagte im Vorjahr ein Landwirt, nachdem er eine der Schwansener Auen mit seiner Schwarzgülle 2 Tage lang von allem Getier befreit hatte. Auf einer anderen Au in Schwansen schwamm vor ein paar Monaten halbmeterhoch Schaum nach einer Frühjahrsausbringung auf klatschnassem Grünland. Die Auen mussten Nitratwerte von 60 bis 90 mg Nitrat ertragen. Die Schlei blüht, keine guten Sichttiefen. In den Salzwiesengräben dicke Pelze Fadenalgen.

Ein häufiges Bild auf Schlei und Auen
Fadenalgen auf den Gräben der Schleisalzwiesen…viel zu viel Nährstoffe…

Aber „Land schafft Verbindung“ in Schaalby leugnet empört in der SHZ jegliche Verantwortung der Landwirtschaft für die Überdüngung der Umwelt durch die industrielle Landwirtschaft.

Nun war eine der kleinen Schleiauen, die Stexwigbeek „umgekippt“. In den ersten Maitagen wurde auf knochentrockenem Ackerland  Substrat aus SL- stadtwerkeeigenen Biogasanlagen in Stexwig reichlich ausgebracht, lief oberflächlich in eine Senke, von dort in einen Schacht und dann über eine Vorflut in die Stexwiger Au. Die Schleswiger Nachrichten berichteten am 11. Mai 2020 darüber in einem ausführlichen Artikel von Thomas Rühs.

Ergebnis einer Begehung der Stexwiger Beek nach der Gülleeinleitung durch Fischereiberechtigte

Bereits vor fünf Jahren wurde alles Leben in dieser Au ausgelöscht. Im damaligen Verfahren wurde ein Ordnungsgeld von 500 Euro, zahlbar an das Rote Kreutz, verhängt. Soviel, sowenig ist das Leben in unseren silbernen, zauberhaften Schleiauen wert. Ein Kavaliersdelikt.

Auch jetzt wurden  Meerforellen und Edelkrebse, Bachfische und Kleinlebewesen bis hin zur Kaulquabbe getötet. Die Fischereiberechtigten erstatteten Anzeige. Es wird wieder eine kleine Strafe geben, 100 € bis 1000 € vielleicht an eine Naturschutzorganisation.  Das SIEZ® würde solch ein Bußgeld nicht annehmen, obwohl wir auf der Begünstigtenliste der Gerichte stehen.

Was lehrt uns dieser Unfall? Er geschah weit weg von der Schlei. Aber das Wasser läuft auch weit bergab. Es existiert oft keine Sorgfalt bei der Gülleausbringung. Ich sah selber, wie Gülle im Stand den Schleihang bergab laufen durfte und habe das gefilmt. Vielfache Überdüngungen sind festzustellen und werden nicht geahndet. Manche Landwirte aber sind vorsichtig & korrekt und verwenden modernste Technik. Respekt und Dank dafür! Andere aber klatschen es auf nasses Grünland, von wo es in die Schlei läuft oder arbeiten es viel zu spät ein, wenn bereits die Luft damit ausgiebig gedüngt ist.

Das „kleine Wenig Schaum“, das zwei Tage alles Leben in den Auen tötet, das stört doch niemand,  denkt mancher industrielle Landwirt vielleicht bei Strafen im Portokassenbereich. Bezahlen aber müssen diese Unfälle neben der Natur und der Zukunft der gesamte Berufsstand, dessen Image schlechter nicht mehr werden kann. Wenn das so weiter läuft, wer freut sich dann noch über die Landbewirtschaftung und die „Bauern“? Mein Großvater war Landwirt. Er liebte seinen Beruf so sehr, dass er noch schnell die Kühe molk, bevor er erschossen wurde. Mir tut dieser Niedergang meines Berufsbildes sehr weh.

Wir maßen am Mittwoch, dem 13. Mai die Wasserqualität der Stexwiger Au und die Nitratwerte lagen wieder im normalen Bereich. Es war ja nur eine „kleine giftige Gewässerwolke“ bereits schon lange in der Schlei verschwunden, wie viele andere Gülle auch.

Ich sprach mit Fischern und Schleianrainern: „Das ist Umweltkriminalität“, war die Meinung. Ein dreijähriger Entzug jeglicher Förderung von EU Subvention und Landessubventionen wäre eine angemessene Strafe. Dann würd´s so nicht mehr geschehen. Alle Subventionen seien knallhart an Umweltleistungen zu binden. Jegliche Verschärfung der Düngeverordnung und ihre strikte Kontrolle wurde gefordert. So die empörten Meinungen.

In einem Bächlein helle
Da schoß in froher Eil`
Die launische Forelle
Vorüber wie ein Pfeil 

Ich saß in guter Ruh an dem Gestade
Und schaut des Fischleins Bade
Im klaren Bächlein zu…  

Das war´s…Wer kennt es nicht, dies schöne Lied?