Blasentangkultur in der Schlei – die Ergebnisse

Last Updated on 6. November 2021

Im Sommer 2020 wurde mithilfe des SIEZ® ein Versuch zur Kultivierung des Blasentangs (Fucus vesiculosus) in der Schlei durchgeführt. Der Versuch wurde von Rafael Meichßner von der Kieler Firma CRM (Coastal Research & Management) im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes BALI (Bioraffinieriekonzept für ALgenbasierte Inhaltsstoffe) durchgeführt. Das Projekt ist Teil des Innovationsraums „Bioökonomie auf Marinen Standorten“, der von der Christian-Albrechts-Universität Kiel geleitet wird. 

Der Blasentang ist eine in der Ostsee heimische Algenart, die früher auch bis weit in die Schlei hinein (Große Breite) vorkam, aber im 20. Jahrhundert aufgrund der anhaltenden Überdüngung der Ostsee und der Schlei an vielen Stellen stark zurückgegangen ist. Mittlerweile kommt der Blasentang in der Schlei nur noch bis Lindaunis vor (MariLim 2017). Der Blasentang ist aber auch kommerziell interessant. Er ist an vielen nordatlantischen Küsten Teil der lokalen Küche und wird außerdem zu Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetikrohstoffen verarbeitet. Sollte eine Kultivierung des Blasentanges in der Schlei gelingen, hätte das zwei Vorteile: erstens könnte wertvolle Biomasse in der Schlei nachhaltig erzeugt werden, und zweitens könnte die Kultivierung zu einer Verringerung der Nährstofflast in der Schlei führen.

Der Versuch in der Schlei verfolgte zwei Ziele: Erstens sollte untersucht werden, ob der Blasentang in der Schlei prinzipiell wächst und welchen Einfluss der Salzgradient entlang der Schlei auf das Wachstum hat (in der inneren Schlei liegt aufgrund des starken Süßwassereinflusses ein geringer Salzgehalt von ca. 5g Salz pro Liter vor, dieser Gehalt steigt Richtung Mündung langsam auf bis zu 18 g pro Liter). Aufgrund der ursprünglichen Verbreitung des Blasentanges im nördlichen Atlantik wurde ein besseres Wachstum bei höheren Salzgehalten erwartet. Zweitens sollte untersucht werden, ob der Salzgehaltsgradient entlang der Schlei einen Einfluss auf den Bewuchs des kultivierten Blasentanges mit Aufwuchsorganismen wie Miesmuscheln, Seepocken und Moostierchen hat. Der Aufwuchs mindert die Qualität der geernteten Biomasse und sollte deshalb möglichst niedrig sein. Da die einzelnen Aufwuchsorganismen unterschiedlich salztolerant sind, könnte der Salzgradient der Schlei eventuell einen Effekt auf die Menge und Zusammensetzung des Bewuchses haben. 

Um diese Fragen zu beantworten, wurde Blasentang versuchsweise an fünf Standorten entlang des Salzgradienten der Schlei (Schleswig, Stexwig, Missunde, Gut Bienebek, Maasholm) in jeweils drei schwimmenden Körben pro Standort kultiviert. Der Versuch fand von Juni bis August statt, also genau zu der Zeit, wenn der Blasentang das stärkste Wachstum zeigt, aber auch die Besiedlung mit Aufwuchsorganismen am stärksten ist. Alle zwei Wochen wurde das Wachstum der Algen gemessen und die Anzahl der besiedelnden Organismen gezählt.

Es zeigte sich, dass der Blasentang prinzipiell bis in die innere Schlei hinein wachsen kann, da auch noch in Stexwig gute Wachstumsraten gemessen wurden, das beste Wachstum fand sich allerdings, wie zu erwarten, an der Station mit dem höchsten Salzgehalt in Maasholm. Der Befall mit Aufwuchsorganismen war sehr unterschiedlich an den verschiedenen Standorten: Miesmuscheln wurden generell nur sehr wenige gefunden, sie wurden aber mit zunehmendem Salzgehalt häufiger und zeigten ein Maximum von ca. einer Miesmuschel auf 20g geernteten Algen in Maasholm. Seepocken waren deutlich häufiger und zeigten überraschenderweise ein deutliches Maximum an der Station mit dem niedrigsten Salzgehalt in Schleswig (ca. 80 Seepocken pro 20g geernteter Algen). Überraschenderweise waren auch die koloniebildenden Moostierchen in der inneren Schlei am häufigsten, mit durchschnittlich 24 Kolonien pro 20g Algenbiomasse in Stexwig, bei durchschnittlich 6 Kolonien pro 20g Algenbiomasse in Maasholm. Vereinzelt traten noch andere Aufwuchsorganismen auf, so z.B. Herzmuscheln und Dreikantwürmer in Missunde und Posthörnchenwürmer in Maasholm.

Insgesamt zeigten zur Überraschung der Wissenschaftler die Stationen mit dem niedrigsten Salzgehalt den höchsten Anteil an Aufwuchsorganismen an der Gesamternte. Dementsprechend kann der Salzgradient in der Schlei nicht dazu genutzt werden besonders aufwuchsarme Biomasse zu erzeugen. Es konnte aber generell gezeigt werden, dass der Blasentang in der Schlei wächst, d.h. der Anbau könnte prinzipiell zur Nährstoffreduktion genutzt werden. Die geerntete Biomasse kann dann aber leider nicht für hochwertige Produkte wie Lebensmittel verwendet werden, für andere Anwendungen, z.B. als Dünger, wäre sie aber immer noch geeignet. 

Abb.1: Blasentang aus der Flensburger Förde, der für das Experiment verwendet wurde

Abb.2: Experimentelle Kultur in Schleswig (nahe Restaurant „Odin“)

Abb.3: Experimentelle Kultur in Stexwig
Abb.4: Im Experiment kultivierter Blasentang mit Seepocke bewachsen (Pfeil)

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