Unvermuteter Fund im Niederungsgürtel

Bernward Hölting lehrt uns in der 8.ten Auflage seiner „Hydrogeologie“, daß unsere Seen im hydraulischen Kontakt zu den Grundwasserkörpern stehen. Faulschlamm etwa oder andere organische oder anorganische Schwebstoffe können diesen Kontakt vermindern, man spricht dann von Kolmation. Diese Kolmation aber insgesamt die „Gespräche“ also der Austausch der Gewässerkörper untereinander ist in der Schlei völlig unerforscht.

Für das Monitoring der Gewässereinträge in die Schlei wollte ich diesen Aspekt mitaufnehmen und bei der Beprobung der „diffusen Einträge“ und „Punktquellen“ auch diese „Gespräche der Konfirmandinnen“ belauschen. Deshalb bohrte ich am 4.ten Dezember mit einem Erdbohrer ein ca 1 Meter tiefes Loch in gleicher Entfernung von Schlei und einer Au mit hohen Nährstoffeinträgen. Mein Ziel war es, erste Anhaltspunkte über eine Kommunikation der Gewässer zu erhalten, z.B. über den Chloridgehalt und/oder den Nitratgehalt.

Der Niederungsgürtel an dieser Stelle besteht aus Süß und Salzgräsern 50 Meter vom Schleispülsaum entfernt. Eine Tränke deutete auf Beweidung hin. Nach einem schmalen Schilfgürtel folgt dann das langsam ansteigende Grünland der den Hügeln vorgelagerten Niederungsgürtel. Der Bohrkern bestand nach Durchschneiden der Grasnarbe aus schwarzem Moorboden bis in eine Tiefe von 40 – 50 cm. Darauf folgte grauer Sandschlick. In einer Tiefe von 1 Meter war ich im Grundwasserbereich. Dieser Tiefe entspricht dem Schleipegel, wir hatten Normalwasser. Dieser Sandschlick enthält Herzmuscheln.

Quelle: Großer Brockhaus 1955
Quelle: Großer Brockhaus 1955
Die wunderbare Zeichnung der Herzmuscheln stammt von Helene Varges, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist aus „Flukante und Küstenflora“ 3.te Auflage 1961 Varges lebte von 1877 bis 1946, zuletzt auf Sylt.
Die wunderbare Zeichnung der Herzmuscheln stammt von Helene Varges, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist aus „Flukante und Küstenflora“ 3.te Auflage 1961 Varges lebte von 1877 bis 1946, zuletzt auf Sylt.

Ich fand 5 intakte Einzelschalen wie auch eine intakte Herzmuschel, deren Schalen noch fest mit dem elastischen Schloßband verbunden waren. Ich schätze das Alter des Niederungsgürtels auf mindestens 1000 Jahre. Für diesen Einzelfund habe ich noch keine Erklärung. Weitere Bohrungen müßen folgen.
Der Sauerstoffgehalt des Niederungsgrundwassers betrug 12,2mg bei 5,4 Grad Celsius, der der der Schlei 50 Meter entfernt 7,98 mg bei 6,4 Grad. Auch dafür habe ich noch keine Erklärung.
Aber bei dieser Anwesenheit von Sauerstoff hätten Schalen, Elastikband vielleicht die Jahrhunderte nicht überstanden. Können Herzmuscheln unter weidenden Rindern leben? Sind schleinahe Niederungen Rückzugsorte für Cardium edule?

Ich freue mich über jegliche Antwort auf meine offenen Fragen. Wir brauchen ein Schleiinformations- und Erlebniszentrum und eine Brackwasserforschung, wir wissen Vieles nicht.

Karl Walther Vorsitzender SIEZ

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