Begehung des Teilabschnittes von Sundsacker bis zum Bürgerpark Winnemark

Schutzgebietsbetreuung Südliches Schleiufer

Begehung des Teilabschnittes von Sundsacker bis zum Bürgerpark Winnemark

6.ter April 2016

SIEZ e.V.

Bei typischem Aprilwetter trafen sich sechs Mitgleider des SIEZ zu einer Schutzgebietsbegehung an der Fähre Sundsacker/Arnis.
Nachdem wir die privat bebaute Hügelspitze in südliche Richtung umgangen hatten, gelangten wir über frisch gegülltes Grünland an eine kleine Steilküste unterhalb der Bebauung. Hier war Garten- und Gehölzschnitt an den Hang gefahren worden und sorgt für einen unnötigen Nährstoffeintrag.
An der Schlei angelangt finden wir typische Strandvegetation mit zahlreichen Muschelresten, auch Miesmuschelresten und Blasentang im Spülsaum. Dort, wo keine Nutzung stattfindet, könnte man diesen Strandabschnitt dem Lebensraumtyp 1220 zuordnen, mehrjährige Vegetation der Kiesstrände mit entstandenem Hochstaudenried.

Ufer westlich von Sundsacker
Ufer westlich von Sundsacker

Man schaut hier in Richtung Arnis. Auffällig hier die von Reet und Treibsel eingefangene Vermüllung, die nach einer Müllsammelaktion von SIEZ und Gemeinde in einer koordinierten Aktion ruft. Nur noch kleine Bestände von Löffelkraut kommen neben Meldearten durch die Treibselauflage hindurch. Das höher gelegene Grünland, frisch gegüllt, sorgt für die externe Nährstoffzufuhr dieses kleinen Stücks Hochstaudenrieds. Man erkennt auf dem Foto noch alte Stängel der Engelswurz (Angelica archangelca).
Dreht man sich jedoch um und schaut in Richtung Süden, sieht man den für die Schlei häufigen Lebensraumtyp 1160 „Flache große Meeresbucht“. Zahlreiche große Steine machen diese Bucht zwischen Sundsacker und der Schwonsburg für den Sportbootverkehr unbefahrbar und sorgen für eine ganzjährige Abgeschiedenheit.

Grad hier läuft über einen Graben Wasser in die Schlei. Weiter oben fanden wir Ackerland, tieferliegend dann extensive Beweidung, die kurz vor dem Kiessstrand endet und die für die Schlei so gewünschte offene Landschaft prägt. Hier verzahnt sich Salz und Süßgrünland. Das Foto zeigt auch „Kleverkraut“ und Muschelreste am Strand. Das Schleiwasser ist sichtiger, die Ostsee hier näher. Hier stimmt vieles. Man sieht, wie sehr der gewünschte Lebensraumtyp der Salzwiese und der extensiven Mähwiese davon abhängen, daß eine landwirtschaftliche Mindestnutzung nicht aufgegeben wird. Hinter der auf dem Foto zu sehenden Pappelreihe beginnt eine der letzten größeren Salzwiesengebiete rund um die Schwonsburg auch mit reichem Vogelleben (z.B. anzutreffenden Rotschenkeln)

Der zweite Halt unserer Schutzgebietsbegehung nimmt den Weg zur Schwonsburg hin. Sofort erschließt sich dem Blick die im Grün dunkleren Salzgrasflächen. Zu bemerken sind hier die lange nicht geräumten Gräben, häufige Binsenhorste und Trittschäden. Aber zu bemerken ist in der Hauptsache: ja, hier findet noch Beweidung statt. Dort, wo sie nicht stattfindet, vielleicht weil es zu feucht wird, dort entsteht „Landschilf“, in die ehemaligen Wiesen einwanderndes Reet aus dem Uferstreifen. Hier ist nur stellenweise noch einmal das senfwürzig schmeckende Löffelkraut zu finden, einzelne Rotschwingelhorste, der jetzt zu wachsen beginnende Wasserfenchel. Wir gehen zum südöstlichen gelegenen Strandsee und finden hier den Lebensraumtyp 1150 Lagune des Küstenraumes, hier schilfumstanden. Der Boden schwingt hier und man befindet sich auf einer dicken Torfschicht. Auf diesen Strandseen geschützt durch das Schilf haben Wasservögel gute
Schutz und Brutbedingungen. Auch hier an der Schwonsburg zeigt sich, wie abhängig der angestrebte Erhalt der Vielfältigkeit der Scheliregion von landwirtschaftlicher Nutzung ist. Ohne extensive Mähnutzung/Beweidung und vorsichtige Pflege der Gräben ist kein Erhalt dieser Lebensräume möglich.

Der letzte Halt führt uns zum Bürgerpark Winnemark und zum Lebensraum Mähwiese der Ebene.Hier findet man etwas später ganze Orchideenflächen (Knabenkraut). Die Gemeinde hat diese Flächen gekauft. Sie bleiben ungedüngt, verändern allerdings jetzt ihren Charakter.

Mähweide der Ebene
Mähweide der Ebene

Sehr schön zeigt das Bild neben der Idylle die Verfilzung der Grasnarbe und die Sukzession, die Entstehung von Gebüschen. Ein anderer Lebensraumtyp entsteht. Schön wäre es, hier könnten Teilflächen gemäht und abgeräumt werden oder beweidet werden. Es ist wunderschön hier und es ist der Öffentlichkeit zugänglich. Vielen Dank dafür an die Gemeinde Winnemark. Vielleicht könnte man gemeinsam mit dem Landesamt Mittel für den mobilen Zaunbau/Beweidung oder für die Mahd/Abtransport des Mähgutes beschaffen, um das Gute noch besser zu machen.
Kommt man im Bürgerpark an den kiesigen Schleistrand, findet man auch kleine Salzgraswiesenstücke, wo das Schilf von Gänsen beweidet wurde tlw. Mit Torf als Untergrund. Auch hier zeugen die Muschelreste im Kies von einer Besiedlung des Schleigrundes mit Muscheln. Auch für die innere Schlei wünschen wir uns solche Strände.

Fazit der Begehung: Muscheln und Klever zeugen von besseren Umweltbedingungen auf dem Schleigrund. Den Erhalt der uns so lieb gewordenen typisch offenen Schleilandschaft ohne Beweidung/extensive Mahd kann man nicht erreichen. Die Gesellschaft muß für dieses Landschaftsbild bereit sein, auch etwas zu bezahlen, sonst verschwindet es. Immer wieder findet man kleine Flecken „Schleiparadies“. Man könnte sagen, alle biologischen Zutaten sind noch vorhanden, Orchideen, seltene Pflanzen und Vögel erobern (noch) Räume zurück. Das erfüllt uns vom SIEZ mit Zuversicht für die Zukunft der Schleilandschaft. Dem ist auch das letzte Bild geschuldet, Schleiufer im Bürgerpark.

Schleiufer im Bürgerpark
Schleiufer im Bürgerpark

Protokoll zur Aprilbegehung Karl Walther 11.April 2016