Forschungsfloß vor Ort

Last Updated on 10. Mai 2026

Mit Planung und Bau eines Forschungsfloßes auf der Schlei ging der kleine Verein Schleiinformations- und Erlebniszentrum (SIEZ®) an seine Grenzen und darüber hinaus. Nun liegt es sicher verankert vor Ort. Warum wollten wir es bauen? Seit 150 Jahren dient die Schlei uns Menschen als Nährstoffdeponie – über das Maß ihrer Selbstreinigungskraft hinaus. Da sind keine Armleuchteralgengründe mit ihrem wunderbaren Chemismus mehr. Da sind Sauerstoffzehrende Grünalgen und Bakterienschlämme entstanden bis zur Meterdicke auf zwei Dritteln Fläche der Schleisohlen.

Forschungsfloß gegenüber Campingplatz Missunde

Inzwischen gut durch das Landesamt kartiert. Was uns zusätzlich mit der Giftdeponie Birkensee droht, das sehen wir bereits überall auf dem Schleigrund mit Folgen für viele Jahrhunderte. In der Wärme des Klimawandels lösen sich zunehmend aus diesen Schlämmen festgelegte Nährstoffe und düngen die Schlei auf. Wir vom SIEZ® gehen davon aus,  dass sich solchermaßen die hohen Einträge aus den Klärwerken und aus der Landwirtschaft und den weiteren diffusen Einträge (auch aus dem Tourismus, Segeltourismus) durch die Rücklösung noch einmal verdoppeln. Aus 2 bis 4 mm Neuschlammbildung werden es eher vielleicht 4 bis 10 mm Neuschlammbildung.

Mit Sand und Muschelschill gut vermischter Faulschlamm, schwefelig stinkend aus der Großen Breite

Dieser Schlamm fällt als Nährgrund für Fische nahezu aus, verhindert die Kolmation (Wasserkommunikation mit den Grundwasserkörpern unter dem Gewässer) hat kaum Reinigungswirkung wie es der natürliche Gyttja Schleigrund hat. Man kann schon sagen: über zwei Dritteln der Schlei liegt und wabert eine stinkende Totendecke.
Die Gesellschaft an der Schlei ist nicht bereit, das zu ändern. Zusammen führt das zu gigantischen Grünalgenblüten, die sich sauerstoffzehrend am Schleigrund zersetzen, Faulschlamm. Im Spätsommer folgt die Cyanobakterienblüte, nach ihrem Absterben haben wir noch viel mehr Faulschlamm.

Spätsommerliche Bakterienblüte an der Schlei, absterbend bedeutet sie neuen Faulschlamm

Diese Vorgänge genau zu messen und sie verstehen ist der Zweck des Forschungsfloßes. Wie voraus zu sehen war, gab es massiv Widerstand gegen seine Planung und Liegeplatzbeantragung von vielen Seiten bis hin zum Ministerium für Umwelt. Darauf einzugehen, ist müßig. Man kann den Widerstand gegen das FF so zusammen fassen: „Was keiner weiß, macht keinen heiß & kost‘ kein Geld.“ Es war ein harter Weg immer gegenan, ständiges Kreuzen war angesagt. Hat viel Zeit und Kraft gekostet.
Noch ein Wort zur Faulschlammneubildung: die sterbenden Algen & Bakterien lagern sich zunächst überall auf dem Schleigrund ab. Die Wellendynamik (jede Welle kann als kreisförmiges Rad gedacht werden, deren Tiefenwirkung noch ein Stück über die Wellenhöhe hinausgeht) reinigt die flacheren Gründe wie ein Besen. Der Faulschlamm lagert sich dort ab, wo es „ruhiger“ bleibt. Kommt aber jedes Jahr wirklich ein Zentimeter dazu, begrenzt sich der „Deponieraum“ bzw. er wächst ständig in den Wellenbereich hinein.
Ein „Umkippen“ des Gesamtgewässers droht. So ist bei einem Flachwasserweststurm und Niedrigwasser die Schleigicht bereits pechschwarz. Wir werden das Anwachsen der Schlammpegel aufmerksam beobachten.

Was genau wollen wir auf dem Forschungsfloß machen ?

Wir können dort ständig Faulschlamm entnehmen und auf mögliche Belebungen untersuchen.
Wir können messen, wie Salzgehalte und Temperaturen unten und oben im Jahresverlauf verlaufen. (Die Meerwassersalze spielen eine wichtige Rolle im Chemismus der Festlegung und Rücklösung.)
Wir können messen, wie viel Methan aus dem Faulschlammboden ausgast. Die Atmosphärische Bedeutung der Faulschlammböden. Wir geben zu bedenken,  dass z.B. die fehlende Abdeckung der Deponie Eckernförde seit Jahrzehnten das Anwachsen von Bäumen erschwert/verhindert und die vorhandene Gasabdeckung Alt Duvenstedt Methanheizgase liefert.
Wir können Nährstoffgehalte aus dem Faulschlamm messen und in Glockenexperimenten deren Unterschiede. (Wir sperren also Faulschlammnahes Wasser in Glocken ein und messen so die Rücklösung aus dem Schlamm in Bezug zu Temperatur, Salzgehalt in der Zeit). Zunächst messen wir den Phosphatgehalt eine Handbreit über Gyttjaboden und über dem Faulschlamm.
Wir verweisen hier auf den erhellenden & bedeutenden Faulschlammartikel von Dr. Duggen auf dieser Homepage.
Aber wir sind auch offen für Kooperationspartner, die in enger Absprache mir dem SIEZ® eigene Forschung betreiben wollen. Nach einer Einarbeitungszeit können wir uns auch Besichtigungen von Fleckebyhafen aus vorstellen. Die Schlei ist wunderschön, höhenbewegt die Ufer, es geht von Fleckeby durchs Gletschertor Burg/Kielfoot/Heidruns, an Missunde und seiner wunderschönen neuen Fähre vorbei, um die Halbinsel Sontschau bei der Blondinentonne herum in Richtung Büch und Forschungsfloß.

Ein Wort zum Schluß

Es gibt durchaus Hoffnung: nach 70 Jahren hartem Kampf konnte der Schleiboden am Wikingturm von den krebserregenden Teerpappenresten saniert werden. Die Kosten bewegen sich in einem Rahmen kleiner als die Zusatzkosten infolge der Planungsmängel/Zeitverzug bei der Linausnisbrücke. Die wird etwa 100 Millionen teurer als geplant Die Sanierung des Schleibodens dauert ohne weitere menschliche Einleitung von Nährstoffen (vollkommen undenkbar) geschätzt 500 bis 1000 Jahre. Das SIEZ® braucht dringend Unterstützung auch finanzieller Art. Wir lassen die Wasserproben bei AGROLAB in Kiel untersuchen, vor allem aber brauchen wir, wie alle Vereine, Nachwuchskräfte. Es ist schwer, ehrenamtlich so etwas wie das SIEZ® oder damals die IGU aufzubauen. Von selber wird das „Land“ nicht aktiv.

Unser Dank gilt all unseren Förderen, deren Spenden und Unterstützung!

Karl Walther, Mai 2026, Vormann SIEZ®

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