Protokoll der Begehung am 24. Juli 2015 Tigerschlucht, Brahmkuhle bis zur Lustbergquelle

Begangenes Gebiet:

Tigerschlucht, Brahmkuhle bis zur Lustbergquelle
Freitag 24.ter Juli 17 bis 19 Uhr 30

„Die Struktur der Steilufer wird von kleinen Bachschluchten mit naturnahen Bächen
(einige wurden zu Fischteichen aufgestaut) durchbrochen.“ So heisst es im Managementplanzur mittleren Schlei von Missunde bis Winnemark.
Aus gegebenem Anlaß des Starkregens im Juli wollten wir dessen Auswirkung auf einige dieser Schluchten begutachten.


Wir begannen mit der Tigerschlucht östlich der Königsburg. Hier drückt Wasser aus den Hügeln der landwirtschaftlichen Flächen westlich von Bohnert und sammelt sich schliesslich in einer Schlucht zu einem kleinen Bach. Die Schlucht ist an ihrem Ende mit einem Damm aufgestaut. Auf dem mageren Sand dieses Staudamms wachsen inzwischen einige Exemplare Knabenkraut.
Zu Schlucht und Teich kommt man auf einem Feldweg, der kaum noch gemäht wird, später wächst ein Redderhohlweg dicht, die Fahrspur ist für die heutigen landw. Fahrzeuge zu schmal.

Hohlweg
Hohlweg

Der Teich liegt unterhalb einer weiten Maisfläche, auf der auch letztes Jahr bereits Mais angebaut wurde. Der Mais sieht dort wohl genährt aus, was auch dem Weidewegerich sehr zu gute kommt. Die gewöhnlich kleine Pflanze wird hier bis zu 4o cm hoch.
Der Tigerteich wuchert zu. Blasentang und Unterwasserpflanzen bedecken große Wasserareale.
Wir umrunden die Schlucht. Zu Beginn der 90er wurde von der Jägerschaft hier ein Hegebusch angepflanzt. Von der hängigen Maisfläche schwemmte der Regen große Mengen Erde ab. Diese Schlammlawine durchbrach einen alten Knickwall an mehreren
Stellen. Die nährstoffreichen Bodenabschwemmungen lagerten sich in der Schlucht ab und bildeten eine tlw. dezimeterdicke Schwemmsanddecke.
Ältere Bäume, die einmal umgefallen waren bilden am Tigerteich Totholzareale und schaffen in kleinen Teilbiotopen urwaldähnliche Strukturen.


Der nördliche Schluchthang steigt steil an und ist nicht mähfähig. Hier findet man im mageren Sand Trockengräser und einzelne Gebüsche.
Wir sind auf dem Weg zur Brahmkuhle, der nächsten nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Schlucht. Hier hat man einen weiten Blick hinunter zur Königsburgbucht, auf die Königsburg und das Schleihofufer in Angeln.

 

Im Knick zur Bramkuhle wachsen zwei alte Kirschen, eine ist in die die Kuhle gestürzt und bleibt dort weiter grünend einfach liegen.
Die Bramkuhle ist in ihrer Sohle ebenfalls quellig feucht. Schilf wandert in die Kuhle ein.Wurde sie vor wenigen Jahren noch von Pferden beweidet und ihr Bewuchs kurz gehalten, so verbuscht sie nun zusehends. Der offene Schluchtcharakter, der an ein Freilichttheater erinnerte weicht einer bewaldeten Schlucht. Hier ist in die Brahmkuhle, von den obenliegenden Maisflächen, kein Schlamm eingespült worden. Das Gefälle geht hier nicht in Richtung Kuhle. Am Rande der Brahmkuhle stehen jahrhunderte alte, gesunde weitausladende Eichen, die unbedingt zu erhalten sind. Nördlich oberhalb der Kuhle ist ein weiterer Hegebusch angepflanzt worden.

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Brahmberg Eichen

Auf dem Weg zur nächsten Schlucht hat man einen Blick auf Kieholm. Mithilfe der angedockten Schilfinseln hat sich nach Südwesten zu wieder ein Schilfgürtel gebildet, der allerdings der Erosion ausgesetzt ist. Aber für etliche Jahre hat die Insel auf diese Weise einen Schutz erhalten.
Hinter der nächsten Schlucht erhebt sich der 25 Meter steile Lustberg, der von Pferden beweidet wird, die hier für den Erhalt der schleitypischen Weidelandschaft sorgen.
Hier in der nächsten Schleischlucht, die in den späten Achtziger Jahren zu Fischteichen aufgestaut wurde, hat das Unwetter der letzten Tagen größeren Schaden angerichtet. Von den nebenan liegenden Maisflächen spülte eine Flutwelle in die Quellschlucht und ließ einen Damm brechen, der jetzt metertief in einen der Teiche gespült wurde.

Auch hier findet man einen von den starken Nährstoffen angeregten Bewuchs von Algen und Wasserpflanzen, die der Besitzer des Teiches mühevoll ständig entfernt um Platz für Fische zu behalten.
Wir beenden hier unsere Begehung und gehen zurück. Die Heulagewerbung auf dem Bramberg erfolgt hier über den Mais, weil die alternative Zuwegung über den alten Feldweg bereits zu schmal geworden ist.

Der alte Hohlweg ist zu eng
Der alte Hohlweg ist zu eng

Es zeigt sich, daß eine Aufgabe der Bewirtschaftung von kleinen Teilflächen an der Schlei sich nicht positiv als Artenzunahme auswirkt. Die Landwirte sagen: Ab einer gewissen Betriebesgröße wird jede Ecke rund.
Allerdings bleibt zu überlegen, ob einige der vorhandenen Wirtschaftswege nicht in ein Wanderwegenetz einzugliedern wären und eine moderate Zunahme des Wanderwesens in diesem Bereich nicht möglich wäre. Hier könnte weiter in Richtung eines Schleirundwanderweges gedacht werden.