Nach dem Skandal: Müllsammeln an der Schlei – eine persönliche Einschätzung

Nach dem Skandal: Müllsammeln an der Schlei – eine persönliche Einschätzung

von Flemming Schock

Will man dem Schleswiger Plastikgau etwas Tröstliches abgewinnen, dann ist es das: Jenseits der Schuldfrage ist der ökologische Gesamtzustand der Schlei wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Die Umweltprobleme sind eine langfristige Herausforderung. Wichtig ist aber auch: Die SICHTBARE Verschmutzung der Schlei besteht zum größeren Teil eben nicht aus winzigen – und hoffentlich nur temporär eingebrachten – Plastikpartikeln, sondern aus permanenter Vermüllung mit Großplastik und sonstigem Abfall. Das ist nicht weniger frustrierend, hat gegenüber Faulschlamm und Mikroplastik jedoch den Vorteil, dass eine händische Reinigung vergleichsweise einfach und effektiv zu organisieren ist.

Ich habe Anfang April von Arnis aus einen etwa 300 Meter langen Uferbereich auf der Schwansener Schleiseite (von Sundsacker bis nach Kopperby) zusammen mit meiner Tochter vom gröbsten Müll befreit. Zu dieser Aktion einige Beobachtungen:

  • In einem zeitlich überschaubaren Arbeitseinsatz (ca. 4-5 Stunden, verteilt über zwei Tage) füllten wir mühelos mehrere Säcke mit Müll (Foto)
  • Quantitativ belastet war vor allem der Strandbereich südlich von Kopperby/nördlich von Arnis. Südlich von Sundsacker war die Belastung signifikant geringer (auf der Karte fett bzw. dünn markiert).
  • Zur “Mülltypologie”: Wir beseitigten alten und erst kurz zuvor angeschwemmten Klein- und Großmüll, leicht erkennbar am unterschiedlichen Verwitterungs- bzw. Zerfallszustand. Wir fanden mehrere Fischerkisten, Eimer, Schuhe, Sprayflaschen, Rohrverkleidungen und vor allem jede Menge Styropor und anderen Schaumkunststoff, dazu Folien, größere und kleinere Plastiktüten- und Säcke.

Karte

Abb. 1: Etwa 300 Meter langer Uferbereich der Schlei bei Arnis, an dem im April 2018 Plastik abgesammelt wurde (von Sundsacker bis Kopperby).

Der langlebige Abfall bot in der gesammelten Masse ein bedrückendes Bild. Es war jedoch ein gutes Gefühl, innerhalb so kurzer Zeit “so viel” erreicht zu haben. Es geht darum, Zeichen zu setzen, gerade jetzt. Perspektivisch wäre zu hoffen, dass sich ein “Frühjahrsputz” (oder auch mehr) der Schleianrainer etabliert. Dann wäre der Plastikskandal ein Weckruf zum Handeln „von unten“. Und es bewegt sich etwas. Kristian Dittmann setzt sich mit seinem “Müllfischer-Projekt” (hier Link: http://strand-manufaktur.de/die-schlei-reinigung/) schon länger für eine saubere Schlei ein. Aktuell kommt die von Wiebke Hansen organisierte Facebook-Initiative “Unsere Schlei wird plastikfrei” hinzu.

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Abb. 2: Abgesammelter Plastikabfall vom 300 m langen Uferbereich zwischen Sundsacker und Kopperby.

Das SIEZ könnte sich an einem Monitoring und an einer Kartierung der Müllbestände beteiligen. Was in welcher Menge wo angeschwemmt wird, ist sicherlich (auch) den Strömungs- und Windverhältnissen unterworfen. Eine Belastungsdokumentation würde helfen, die Arbeiten engagierter Freiwilliger noch effektiver zu machen.

 

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