Die letzte Begehung im Jahr: von Borgwedel nach Fleckeby

Manche Stücke an der Schlei kann man nicht begehen, weil sie unpassierbar sind. Würde man dort entlang wollen, würde man neue Pfade schlagen. Ja, wir haben auch Wildnis an der Schlei. Der Schilfgürtel ist von der Wasserseite her verwundbar, wenn er von Wassersportlern betreten oder zum Ankern benutzt wird. Die Situation der Schilfgürtel im Schutzgebiet werden wir nächstes Jahr untersuchen.

Am 11. Oktober trafen sich 6 Mitglieder des SIEZ zur letzten Begehung des Jahres in Borgwedel an der Jugendherberge.

An das Gelände von Schraders Yachtservice schließt eine aufgelassene Salzwiese an. Etliche Gehölze zeugen vom Zeitpunkt des Bewirtschaftungsendes. Wir haben die Eigentumsverhältnisse geprüft. Diese Fläche gehört wohl zur Stiftung Louisenlund. Wir überlegen, diese Fläche wieder in Kultur zu nehmen. Einen Monat früher sahen wir hier auf den zahlreich noch blühenden Winden viele Falter. Dieses Gelände eignet sich hervorragend für ein Monitoring auch von Insekten, Schilf und Wasserpflanzen.

Auf dem kurzen Weg nach „Louilund“ stehen zahlreiche alte Eichen. Einige sind kaum von drei Menschen zu umfassen.

Eiche am Entwässerungsgraben
Eiche am Entwässerungsgraben
Sukzession der ehemaligen Salzwiese
Sukzession der ehemaligen Salzwiese

Die starke Sukzession der Landschaft zeigt, dass die Bewirtschaftung der Entwässerungsflächen schon recht lange zurückliegt. Leider ist der Weg reichlich vermüllt. Was wir einmal ansprechen sollten, bzw. ihn mal absammeln. Das Baumlaub hat sich gelb gefärbt. Die Wege sind aufgeweicht. Wir sind im dicksten Herbst. Erste Bäume sind bereits ohne Laub. Warum verlieren die Pappeln ihr Laub zuletzt in den Wipfeln? Es liegt daran, dass dort die Blätter am jüngsten sind, am Neutrieb gesprosst: die jüngeren Blätter halten die Sterbeordnung ein. Wir können die Schädigungen an den Eschen jetzt gut erkennen, bald wird die Landschaft ohne die Esche auskommen müssen, die doch eigentlich der Baum unserer Gegend ist und der seit Jahrtausenden von unseren Vorfahren besonders geehrt wurde, Eschenwurzeln gehen bis dorthin, wo die „Götter“ wohnen. Yggdrasil, die Weltenesche.

Auf dem Weg zum Schloss bemerkt man die Gelassenheit des Waldbesitzers/Försters/Forstwirte: die alten Bäume dürfen Altholz und Totholz bilden. Auch am Ufer bleiben die Eichen liegen. Zahlreiches Knüppelholz liegt auf dem Weg. Soll hier das Radfahren und damit die Wegelast verhindert werden? Malerisch plätschert ein Bach den Weg entlang über Steine mit kleinen Felsabstürzen bis zu einem knappen Meter. Das schafft zahlreiche Kleinbiotope. Es riecht nach Pilzen, die wir nicht bestimmen. Viele Baumstubben tragen Pilzhüte. Wir beschließen, zu den Begehungen ein Kernpacket Bestimmungsliteratur dabei zu haben. Wir beschließen außerdem, bei  um einem Meter fallenden Pegel, die Küste hier im Flachwassergürtel in Wathosen zu begehen, um zu sehen, was dort zu finden ist. Auch die hier noch nicht geborgenen Siedlungsreste und Wracks wollen wir anschauen. Wenn sich solch eine Gelegenheit ergibt, werden wir eine Rundmail schicken. Dieser Weg von Borgwedel nach Louisenlund ist eine der Perlen unseres Schutzgebietes.
Zum Schutzgebiet gehören unterhalb der Marina nur die Wasserflächen, dann das Gehege Kälberkoppel, das Gelände Louisenlund nicht, wohl aber der Louisenlunder Wald bis zu den Fleckebyer Häfen.

Wir erreichen das Schlossgelände und gehen zum Internatshafen, vorbei an einem achteckigen Schüler Café. Hier hat man einen wunderbaren Blick auf Missunde, Angeln und Kielfoot. Ein Schilfgürtel säumt eine kleine Bucht. Am anderen Rand der Bucht der Fleckebyer Sportboothafen. Wald bis dorthin, ein typischer Eschen/Eichen – Auwald mit Buchen auf den höher und trocken gelegenen Standorten.

Um diese kleine Distanz zum Fleckebyer Segelhafen zu überwinden, muss man einen großen Umweg durch den Wald nehmen. Walter Scherf sagt in seinem Lied „Der Nebel dämpft das Morgenlicht“: Der Weg ist lang/ Der Weg ist weit/Wir wandern tief am Grund der Zeit/Der Sommer ist verbrannt/Ein fahler Rauch weht durch das Land.“ Ja, einige Kamine auf dem Schloss verbreiten den Geruch von Holzfeuern, es dämmert und das Schloss prägt die Stimmung. Wir gehen die Lindenallee zum/vom Schloss weiter.

 

Alte Alleebäume der Zufahrt zu Louisenlund
Alte Alleebäume der Zufahrt zu Louisenlund

Der Schlosspark mit seinen Freiflächen, Knicks, Gebüschen und Solitärbäumen in der Dämmerung ist wunderbar. Am Wegrand hoher Sumpfschachtelhalm, der im Herbst jetzt knickt. Wir versuchen einen Trampelpfad als Abkürzung zu nehmen. Aber das Gelände ist kupiert und in den Senken erlenmoorig feucht.

Zur Rechten sehen wir eine Waldwiese, durch einen Graben entwässert. Dieser Graben entspringt am Grünen Teich der Schlosskapelle, Grün und tot ist dort das Wasser aber wohl nicht wegen einer dort ertrunkenen Prinzessin mit grünen Haaren. Die Färbung des Wassers könnte eine Mischung aus Mergeltrübung und Algen sein. Der Kappellenteich hat sicherlich eine Mergelabbaugeschichte.
Wir machen einen Abstecher zur Kapelle über die kaum noch begehbaren Waldwege. Die Niederschläge im Sept/Oktober waren ungewöhnlich und behinderten alle Erntearbeiten. Es wird wohl durch den Klimawandel eine Verdoppelung der Niederschläge vorliegen.

Auf dem Weg zum Hafen hören wir Reiher am Schleiufer schreien. Hier schauen wir jetzt auf die kleine Bucht zwischen Louilund und Fleckeby, die uns zu einem weiten Bogen drumherrum zwang. Der Auwald hier zeigt zahlreiche Naturverjüngungen von Ahorn und Esche und lässt auf eine gelungene Regulierung der Wilddichte hier schließen.

Im Schutz der beiden Häfen gibt es einen eigenen Strand, hier wurde Schilf gemäht, um den Strand etwas zu verbreitern  und im sandigen Strandwall zahlreiche Kaninchenbauten. Beide Häfen sind noch gut belegt und um 18.30 erreichen wir den Hafen Dreesbeimdieke. Hier endet unsere Begehung.

Später schauen wir uns den stillgelegten Altarm der Hüttener Au an. Vor dem Hafenbau eines Verlegers wurde in den Siebziger Jahren die Au kurzerhand umgelegt, und mit der Osterbek vereint. Die Hüttener Au mündet jetzt am Fleckebyer Badestrand, wo ein Sperrwerk die Aue vor Überflutung schützen sollte. Dieser Altarm kennt in der Sommerhitze durch Sauerstoffmangel sterbende Fische und ein kleiner Durchlass zur Schlei hin wäre im Rahmen der Altsündenkompostierung im Angesicht der WRRL und der Durchgängigmachung der Gewässer eine gute Sache. Auf unsere Homepage wird demnächst das Priorisierungskonzept des Ministeriums zur Durchgängigmachung der Gewässer vorgestellt.

Karl Walther

 

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