Begehung des Binnensanders zwischen Weseby und Schoolbek am 10.05.2017

Es wurde das Gebiet des Binnensanders (Schnaaper Sander) zwischen der Steilküste Weseby und der Schoolbek begangen. Der Schmetterlingskundige Marx Harder hat uns begleitet und trotz der widrigen Witterung (nur ca.13 °C) Einblicke in die Fauna des begangenen Abschnitts des Schutzgebietes gegeben.

Beschreibung des begangenen Schutzgebietes (Entstehung und derzeitiges Bild):

Gebiet der Begehung am 10.05.2017
Gebiet der Begehung am 10.05.2017

Es wurde im Binnensander zwischen der Steilküste Weseby und der Schoolbek das Gebiet einer sogenannten Binnensanderdüne begangen. Diese entstand wohl nach der Eiszeit durch Sandverwehung in noch vegetationslosem Zustand. Sie ist somit Stranddünen nicht unähnlich und ein ganz besonderer Lebensraum. Dieser magere Boden in Kombination mit der Hanglage des Sanders führt zu besonders hohen Temperaturunterschieden zwischen der Nacht und der sonnengeprägten Tageszeit. Eine entsprechende Flora und Fauna kann hier beobachtet werden. Am Fuß des Sanderhangs fließt die Schoolbek in den Holmer See. Dazwischen befinden sich Weiden und Schilfgebiete.

Das Plateau das Sanders ist landwirtschaftlich genutzt. Ein sandiger Acker füllt die südwestliche Ecke des Plateaus aus. Der Flöhnsand am Ackerrand veranschaulicht, wie der magere Boden der Erosion ausgesetzt ist, wenn keine Vegetation vor Wind und Regen schützt.

Ansteigender Hang des Binnensanders
Ansteigender Hang des Binnensanders

Beobachtete Pflanzen

Der von Weseby ansteigende, nach Westen ausgerichtete Hang des Sanders ist mit aufgelockerten Kiefergruppen, hohen Gräsern und Ginster bewachsen. Das mittelhohe Gras ist mit Vogelmiere durchwachsen. An den Wiesen unterhalb des Sanders findet man Lämmersalat.

 

Ginsterbüsche als typische Verteter auf sandigen Böden
Ginsterbüsche als typische Verteter auf sandigen Böden

Beobachtete Tiere

Trotz des kühlen Wetters am Tag der Begehung ist zu spüren, dass es Mai ist und Zugvögel und Insekten in der Landschaft wieder anzutreffen sind.

Zahlreiche, gerade erst wieder aus dem Süden eingetroffene Schwalben und einige unter sie gemischte Mauersegler begleiteten uns auf unserem Weg durch die Landschaft. Die Anzahl der Vögel war beeindruckend. Offensichtlich wurden sie durch die massenhaft umherschwirrenden Mücken am Hang des Sanders angelockt.

Schwalben und Mauersegler jagen Mücken über dem sandigen Acker
Schwalben und Mauersegler jagen Mücken über dem sandigen Acker

Marx Harder, der das Schmetterlingsmonitoring im Gebiet der Schoolbek betreibt, erklärte uns derweil, welche Schmetterlinge man in dieser Gegend beobachten könne, wäre es wärmer und etwas später im Jahr.

Die abwechslungsreiche Landschaft mit Kiefernwaldrand, Wiesen und Ginstern stellt bei entsprechenden Bedingungen ein ideales Beobachtungsgebiet für seltene Falter und Schmetterlinge dar. So erfuhren wir, dass einige Nachtfalter auch durchaus am Tage aktiv sein können. Bei wärmeren Temperaturen könnte man zwischen Ginstern und Kiefern den grünen Zipfelfalter suchen. Seine Raupen fressen am Ginster. Ampferspanner und großes Ochsenauge sind weitere Schmetterlingsarten, die hier anzutreffen sind.

Die Teilnehmer der Begehung erfahren wissenswertes über Schmetterlinge
Die Teilnehmer der Begehung erfahren wissenswertes über Schmetterlinge

Die Niederungen der Schoolbek, die sich durch das Schilf zum Holmer See schlängelt, sind der Lebensraum für viele Sing- und Raubvögel. Wir konnten aus der Ferne einen großen Raubvogel beobachten, den wir aber nicht näher bestimmen konnten. Marx berichtete vom Blaukehlchen, das er dort einige Wochen zuvor beobachtet hatte. Der seltene Vogel wird aufgrund seines schönen und unverwechselbaren Gesangs auch die Nachtigall des Nordens genannt.

Auf der Seewiese können dort brütende Kiebitze und Feldlärchen beobachtet werden.

Am Ende unserer Begehung trafen wir auf dem Weg zwischen Wiese und Fuß des Sanderhangs noch einen kräftigen Ölkäfer an.

 

Ein Ölkäfer kreuzt unseren Weg
Ein Ölkäfer kreuzt unseren Weg

Kultur

Vom Ufer der Schlei aus steigen Wiesen an, die die Fläche zwischen dem unwägbaren Schilfgebiet des Schutzgebietes Holmer Noor und Schoolbek ausfüllen. Der steile Hang des Sanders wird nicht landwirtschaftlich genutzt. Hartmut Keinberger weist auf die noch teileweise erkennbaren Schützengräben im Hang hin. Diese sollen aus der Zeit der Deutsch-Dänischen Kriege des 19. Jahrhunderts stammen. Das Plateau des Schnaaper Sander, der sich von hier bis Eckernförde erstreckt, wird landwirtschaftlich genutzt. Weiter im Binnenland zeigen viele Kieskuhlen, z.T. noch aktiv oder lange ausgenutzt, die Mächtigkeit der Sanderschicht auf.  Die Äcker sind mager und der Flöhnsand ist der Erosion ausgesetzt, sobald die keine Vegetation ihn schützt. Die schwierige Bewirtschaftung solcher Grenzertragsstandorte mit all ihren Problemen der Nährstoffauswaschung zeigt, unter welch ökonomischen Druck die Landwirtschaft steht und diesen folglich auch an die Schleiregion weitergibt.

Sandiger Acker auf dem Plateau des Binnensanders
Sandiger Acker auf dem Plateau des Binnensanders

Ein wichtiger Aspekt der Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen des Schutzgebietes ist die abwechselnde Bewirtschaftung der Seewiesen parallel zur Schoolbek und an das Schilfgebiet des Holmer See angrenzend. Um Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Kleintiere zu schaffen, werden die Wiesen im jährlichen Wechsel bewirtschaftet oder brachliegen gelassen. Im Winter werden die Wiesen als Weiden für Robustvieh genutzt. Gefördert wird diese Maßnahme im Rahmen des Projekts „100 Äcker für den Artenschutz“.

Schilfgebiet der Schoolbek und Homer See im Hintergrund
Schilfgebiet der Schoolbek und Homer See im Hintergrund

Beobachtete Störungen oder Besonderheiten

Von Teilnehmern wurde die Belastung der Schoolbek durch landwirtschaftliche Einträge der oberhalb gelegenen landwirtschaftlichen Flächen angesprochen.

Die Flächen, die für den Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt bereitgestellt werden, leisten einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz im Schutzgebiet.

Erforderliche Maßnahmen:

Keine

Protokollant: Marten Seifert

Datum: 28.05.2017