Begehung der Halbinsel Missunde

Am 14. Juni 2017 nahmen 6 Mitglieder des SIEZ eine Schutzgebietsbegehung vor. Ziel war die Halbinsel Missunde, die nördlich des Dorfes Missunde mit einer durchschnittlichen Breite von 500 Metern und einer Länge von 6oo Metern in die Schlei „ragt“. Der Rücken dieser Halbinsel ist bis zu 15 Meter hoch und ohne diesen Rücken wäre Missunde beinah eine Insel. Der historische Fährweg nutzt das Rückgrat der Halbinsel.

Zum Schutzgebiet gehört in Missunde lediglich der äußerste Uferbereich, der aber geprägt wird von der Nutzung der oberliegenden Flächen, die wir deshalb mit im Blick behalten. Missunde besteht aus dem alten Dorf, gelegen am Missunder Noor und der westlich vom Altdorf gelegenen Ferienhaussiedlung. Das Missunder Noor, umgeben von 15 bis 20 Meter hohen Hügeln wird ein vom Schleiwasser geflutetes Moor sein, zusätzlich befindet sich auf dem Moorgrund sedimentierter „Faulschlamm“: Das SIEZ führte im Jahr 2016 hier Bohrkernsichtungen durch.

Westlich der alten Fährstraße befindet sich ein Ferienhausgebiet mit Blick auf die Schlei in dem angefangen wird, fest zu wohnen, die Zahl dieser neuen Häuser übertrifft die Zahl der alten. Östlich des Hügelrücken, aber nicht bis zur Nordspitze ist ein beliebter Campingplatz gelegen.

Wir begannen die Begehung nördlich des Campingplatzes in Süntschau. Wir finden hier einen großen, intensiv gepflegten Weizenschlag von vielleicht 12 Hektar, der an einer Stelle bis zum Schleiufer langt. Ansonsten auf vielleicht gleicher Fläche herrscht Grünlandnutzung, die Flächen standen hoch in der Grasblüte und warteten auf den Heu- bzw. Heulageschnitt. Ein im hohen Gras eingewachsener Weidezaundraht lässt auf eine Weidenutzung danach schließen.

Die Nordspitze Missundes endet mit einem baumbewachsenen, nicht mehr aktiven Kliff von 6 bis 8 Metern Höhe. Davor ein schmaler, gesunder Schilfstreifen mit kleinen Strandabschnitten und auffallend dichter Treibselbedeckung.

Bild_Strandabschnitt
Strandabschnitt

Von hier hat man einen Blick über die Schlei bis zur Königsburg, über das Missunder Noor bis Büch und ins Brodersbyer Noor hinein. Der Ufersaum des alten Kliffs ist schmal bewachsen mit Weiden, Eichen, Schlehen und Eschen, tlw. als aufgeputzte Ackerschlagbegrenzung.

Das zur Mahd anstehende Gras ist hoch und steht in voller Blüte. In ihm finden wir einige Kräuter. Es handelt sich um den hohen Steinklee, der auf feuchten Schutthalden, Ufern und Salzflächen wächst.

Steinklee
Steinklee
Steinkleeblüte
Steinkleeblüte

Wir finden ebenfalls Waldziest, eine häufige Pflanze der Ruderal und Saumstandorte.

Waldziest
Waldziest

Der Blick von der Halbinsel Missunde nach Norden geht zur Königsburg. Man hat hier wahrhaftig nicht den Eindruck einer Förde, man scheint in einer Seenlandschaft Buchten und „Ecken“ zu erwandern. Wir umrunden die Halbinsel und gehen jetzt auf der westlichen Seite in südliche Richtung und treffen wieder auf den großen Weizenschlag.

Halbinsel Missunde
Halbinsel Missunde
Weizenschlag
Weizenschlag

Er reicht bis an den Schilfgürtel der Schlei heran. Im Schilf finden wir den Schlangenlauch, der an der Schlei einen seiner Hauptstandorte hat.

Bild_Schlangenlauch
Schlangenlauch

Hier stehen wir gegenüber des Eingangs des Brodersbyer No ors und der Missunder Enge. Das Gelände steigt an bzw. fällt steil ab und das wiederholt sich auf der Angeliter Seite. Das abfliessende Schmelzwasser hat ehemals ein schmales, „tiefes“ Tal vorgefunden und geschaffen.

Bild_Missunder Noor
Missunder Noor

Ein Pappelsaum am Kliff säumt die Schlei. Der Weizenschlag endet und wird abgelöst mit zur Mahd anstehendem hohen Grünland. Am Randes des aktiven Kliffs im Westen der Halbinsel finden wir große Bestande von Beifuß, einem häufigen Stickstoffzeiger.

Das bis zur Fähre anstehende Grünland ist kuppig. In Senken, die nicht drainiert sind wachsen Kattenköhler, Rohrglanzgras und Schwertlilien. Der feuchte Boden verhindert eine Nutzung. Große Mengen Spinnen und Grashüpfer sind hier zu finden. Wir schauen auf Knicks mit alten Überhältern, die in dieses Grünland ragen. Auf eine neue Drainage, um eine der Senken nutzbar zu machen.

Kermesbeere
Kermesbeere

Das Grünland im Norden erschien uns artenreicher als die evtl. Neuansaat im Süden. Hier fanden wir die amerikanische Kermesbeere, einen Gartenflüchling aus Südamerika, der in Europa in der Ausbreitung begriffen ist und auch gerne einmal herausgerissen werden darf.

Weizen und Blumen
Weizen und Blumen

Die Nutzung der schleinahen Flächen spiegelt den Umgang der Schleianrainer mit ihrer Schlei. Hier die Campingplatznutzung, dort ein historisch gewachsenes Dorf, daneben eine intensive Ferienhausbesiedlung, naturnahe Ufer mit alten Kliffs, eine Grünlandnutzung, die wir uns an der Schlei alle wünschen und die gleichzeitig nicht allzu „wirtschaftlich“ ist, Senken, die ebenso „stören“ wie wundervolle Ökotope bilden und eine intensive Ackerbaunutzung bis an den Schleigürtel. Versagt das äusserst wirksame Spritzmittel aus irgendeinem Grund, zeigen die Böden, welch diversen Samenvorräte in ihnen schlummern und alte Vielfalt entsteht neu zu Lasten der Wirtschaftlichkeit. Und eine alte, die Bewirtschaftung stark störende Eiche im Ackerschlag darf stehen bleiben.

Trinkglucke
Grasglucke, auch “Trinkerin” genannt

Das letzte Bild zeigt die Raupe der Grasglucke oder auch Trinkerin genannt auf einem Eichenpfahl. Der Name kommt daher, daß der dazu gehörige Falter gerne auf den Spitzen der Gräser „gluckt“ um dort Tautropfen zu „trinken“.

Die Begehung endet oberhalb des Parkplatzes der Fähre am rande der Bebauung Missundes und führt den steilen Hang hinunter.

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